Pfiesteria ist eine Gattung heterotropher Dinoflagellaten, die 1988 erstmals mit der Art Pfiesteria piscicida von JoAnn Burkholder and Ed Noga beschrieben wurde. Die Gattung ist nach Lois Ann Pfiester benannt, einer Biologin, die wichtige Grundlagen zu Dinoflagellaten erforschte.Rodney Barker (1998). And the Waters Turned to Blood. Simon & Schuster. ISBN 0-684-83845-1

Pfiesteria wird mit schädlichen Algenblüten und Fischsterben in Verbindung gebracht. Organismen aus der Pfiesteria-Gruppe wurden beispielsweise für Fischsterben vor der Küste von North Carolina und in den Zuflüssen der Chesapeake Bay in den 1980er und 1990er Jahren verantwortlich gemacht. Als Reaktion auf die Massenausbrüche haben sechs US-Bundesstaaten entlang der Ostküste ein Überwachungsprogramm gestartet, um auf neue Ausbrüche schnell reagieren zu können und um ihre Entstehung besser zu verstehen.R. E. Magnien (2001). State monitoring activities related to Pfiesteria-like organisms. Environ. Health Perspect., Bd. 109, S. 711–714. Neue molekulargenetische Nachweismethoden haben Pfiesteria weltweit nachgewiesen.P. A. Rublee, D. L. Remington, E. F. Schaefer, M. M. Marshall (2005). Detection of the Dinozoans Pfiesteria piscicida and P. shumwayae: a review of detection methods and geographic distribution. J. Eukaryot. Microbiol., Bd. 52, Nr. 2, S. 83–89.

Ernährungsweise Die ersten Forschungsergebnisse führten zu der Hypothese, dass Pfiesteria als Überfall-Räuber lebt, der ein extrazelluläres Gift benutzt, das die Atmungsorgane von Fischen lähmt, sodass die Fische an Erstickung sterben. Die einzelligen Pfiesterien fressen dann das aus der Beute austretende Gewebe.Eichhorn, Susan E. Raven, Peter H. Evert, Ray Franklin (2005). Biology of plants. W. H. Freeman and Company, New York, S. 205. ISBN 0-7167-1007-2 Im Fall von Pfiesteria shumwayae konnte gezeigt werden, dass die Einzeller die Hautzellen der Fische direkt per Myzozytose fressen und die Fische auf diese Weise schädigen.W. K. Vogelbein, V. J. Lovko, J. D. Shields (2002): Pfiesteria shumwayae kills fish by micropredation not exotoxin secretion. Nature, Bd. 418, Nr. 6901, S. 967–070. Dies wird als Mikropredation bezeichnet.

Kontroversen Die Biologie von Pfiesteria und die Bedeutung von Organismen aus der Pfiesteria-Gruppe für Fischsterben und Erkrankungen bei Menschen ist Gegenstand wissenschaftlicher Kontroversen, da viele Forschungsergebnisse uneindeutig oder widersprüchlich sind.T. R. Miller, R. Belas (2003). Pfiesteria piscicida, P. shumwayae, and other Pfiesteria-like dinoflagellates. Res. Microbiol., Bd. 154, Nr. 2, S. 85–90.

Lebenszyklus: Frühe Forschungsergebnisse legten einen komplexen Lebenszyklus von Pfiesteria piscicida nahe, der wegen widersprechenden Beobachtungen inzwischen umstritten ist. Dies gilt im Besonderen für die Frage, ob ein giftiges Amöbenstadium existiert.M. T. Peglar, T. A. Nerad, O. R. Anderson, P. M. Gillevet (2004). Identification of amoebae implicated in the life cycle of Pfiesteria and Pfiesteria-like dinoflagellates. J. Eukaryot. Microbiol., Bd. 51, Nr. 5, S. 542–552.

Giftigkeit: Die Hypothese, dass Pfiesteria Fische mit einem ins Wasser abgegebenen Gift tötet, wurde in Frage gestellt, weil in einigen Experimenten keine Gifte isoliert und keine Giftigkeit beobachtet werden konnte. Letztlich scheint die beobachtete Giftigkeit vom verwendeten Stamm und den genutzten Analysemethoden abzuhängen.J. M. Burkholder, A. S. Gordon, P. D. Moeller et al. (2005). Demonstration of toxicity to fish and to mammalian cells by Pfiesteria species: comparison of assay methods and strains. Proc. Natl. Acad. Sci. U.S.A., Bd. 102, Nr. 9, S. 3471–3476. Im Jahr 2007 konnte ein sehr instabiles Gift bei giftigen Pfiesteria piscicida identifiziert werden.P. D. Moeller, K. R. Beauchesne, K. M. Huncik, W. C. Davis, S. J. Christopher, P. Riggs-Gelasco, A. K. Gelasco (2007). Metal complexes and free radical toxins produced by Pfiesteria piscicida. Environ. Sci. Technol., Bd. 41, Nr. 4, S. 1166–1172.

Hautschäden: Die beobachteten Hautschädigungen im Zusammenhang mit Pfiesteria wurden von einigen Wissenschaftlern pilzähnlichen Oomyceten zugeschrieben. Bei Pfiesteria shumwayae konnte nachgewiesen werden, dass die Läsionen die Summe vieler durch Myzozytose attackierte Einzelzellen sind.

Einfluss auf Menschen: Die Effekte von Pfiesteria auf Menschen wurden in Frage gestellt, und sogar allein einer Pfiesteria-Hysterie zugeschrieben. Inzwischen haben kritische Studien eine solche Hysterie als Auslöser der Symptome aber unwahrscheinlich gemacht.D. R. Greenberg, J. K. Tracy, L. M. Grattan (1998). A critical review of the Pfiesteria hysteria hypothesis. Md Med J, Bd. 47, Nr. 3, S. 133–136.D. N. Collier, W. A. Burke (2002). Pfiesteria complex organisms and human illness. South. Med. J., Bd. 95, Nr. 7, S. 720–726. Die Wirkung von Pfiesteria auf Menschen ist noch nicht endgültig geklärt.

Systematik Zu der Gattung Pfiesteria werden die Arten P. piscicida und P. shumwayae gezählt. Die Systematik ist nicht endgültig geklärt, so wird P. shumwayae auch als Pseudopfiesteria shumwayae eingeordnet.R. Wayne Litaker, Karen A. Steidinger, Patrice L. Mason, Jan H. Landsberg, Jeffrey D. Shields, Kimberly S. Reece, Leonard W. Haas, Wolfgang K. Vogelbein, Mark W. Vandersea, Steven R. Kibler und Patricia A. Tester (2005). The reclassification of Pfiesteria shumwayae (Dinophyceae): Pseudopfiesteria, gen. nov. Journal of Phycology, Bd. 41, Nr. 3, S. 643–651. Aus diesem Grund werden die verschiedenen Arten als Pfiesteria-Gruppe (Pfiesteria Complex Organism) zusammengefasst.

Pfiesteria in der Literatur Eine fiktive, für Menschen gefährliche Pfiesteria-Art spielt eine Rolle in James Powliks Umweltthriller Tod aus der Tiefe (Originaltitel: Sea Change) aus dem Jahr 1999. Die mutierte, für Menschen gefährliche Art Pfiesteria homicida ist ein Element aus Frank Schätzings Roman Der Schwarm aus dem Jahr 2004.

Weblinks

Algaebase-Eintrag Pfiesteria K. A. Steidinger & J. M. Burkholder

Einzelnachweise

Kategorie:Dinoflagellaten Kategorie:Dinoflagellata