Die Mitte Oberwallis ist eine politische Partei im deutschsprachigen Teil des Kantons Wallis und damit auch Teil der nationalen Mitte-Partei. Sie steht in der Mitte des politischen Spektrums und vertritt christdemokratische Positionen. Im Oberwalliser Volksmund wird die Partei auch als «die Schwarzen» bezeichnet.

Die Mitte Oberwallis ist heute die stärkste politische Kraft im deutschsprachigen Kantonsteil. Sie trat bei den letzten Grossrats- und Suppleantenwahlen 2025 in allen Oberwalliser Bezirken mit eigenen Listen an und konnte mit einem Oberwalliser Wähleranteil von rund 43 Prozent 13 von 32 Grossratsmandaten erringen. Mit Viola Amherd stellte sie die erste Verteidigungsministerin der Schweiz.

Geschichte Die heutige Mitte Oberwallis hat ihre Wurzeln in der Katholisch-Konservativen Volkspartei des Oberwallis (KKVP), welche am 23. April 1919 auf dem Theaterplatz in Brig gegründet worden ist. Dabei war es das Ziel der Initianten, dass eine neue konservative Partei im Oberwallis möglichst alle Volksschichten erfassen konnte. Nach Auffassung des Walliser Boten, der damals über die Gründung der Partei schrieb, sollte das Programm möglichst «volkstümlich, sozial und fortschrittlich» sein. Seit der Einführung des Proporzwahlrechts 1919 konnte die Mitte Oberwallis (inkl. Vorgängerparteien KKVP und CVPO) jeweils die Mehrheit der Volksstimmen im Oberwallis bei den Grossrats- und Nationalratswahlen auf sich vereinen. Ausnahme bilden die Nationalratswahlen 1987 als die damalige CVPO hinter der CSPO zweitstärkste Kraft im Oberwallis wurde. Zudem war die Partei praktisch durchgehend im Walliser Staatsrat vertreten, bis 1997 die CVPO bei der Wahl von Peter Bodenmann ihren Staatsratssitz an die SP Oberwallis verlor. 1949 trennte sich der Christlichsoziale Flügel von der Katholisch-Konservativen Volkspartei Oberwallis und gründete eine eigene «Christlichsoziale Volkspartei Oberwallis» (CSPO). In den 1960er-Jahren wurden innerhalb der Partei Forderungen nach Anpassung an die gewandelte Gesellschaft laut. Nachdem sich 1970 die schweizerische Mutterpartei bereits in «Christlichdemokratische Volkspartei» (CVP) umbenannt hatte, folgten 1971 die Konservativen im Oberwallis und änderten ihren Namen in «Christlichdemokratische Volkspartei Oberwallis» (CVPO) ab. 1998 wurde mit Brigitte Hauser-Süess die erste Frau an die Spitze der CVPO gewählt. 1999 wurde mit der Visper CVPO-Gemeindepräsidentin Ruth Kalbermatten darüber hinaus die erste Oberwalliserin im Nationalrat vereidigt. Im November 2020 stimmten die Mitglieder der CVP Schweiz in einer Urabstimmung für eine Namensänderung hin zu «Die Mitte» und genehmigten dabei auch die Fusion mit der BDP. Die CVPO, welche sich anfangs gegen die Namensänderung wehrte, beschloss im Mai 2022 anlässlich einer Mitgliederversammlung die Namensänderung in «Die Mitte Oberwallis» zu vollziehen.

Parteistruktur Das oberste Organ der Mitte Oberwallis ist die Mitgliederversammlung. Das Präsidium und der Ausschuss bilden die ausführenden und strategischen Organe der Partei. Die Mitte Oberwallis ist in folgende Bezirksparteien gegliedert: Die Mitte Bezirk Goms Die Mitte Bezirk Östlich Raron Die Mitte Bezirk Brig Die Mitte Bezirk Visp Die Mitte Bezirk Westlich Raron Die Mitte Bezirk Leuk Darüber hinaus gehören folgende Gruppierungen zur Mitte Oberwallis: Die Mitte Frauen Oberwallis Die Junge Mitte Oberwallis

Parteipräsidenten Amtszeit Name 1919–1925 Oskar Walpen 1925–1950 Josef Escher 1951–1954 Wilhelm Ebener 1955–1967 Moritz Kämpfen 1968–1981 Alfred Escher 1981–1988 Peter Furger 1988–1994 Paul Schmidhalter 1994–1998 Stefan Truffer 1998–2000 Brigitte Hauser-Süess 2000–2006 Richard Kalbermatten 2006–2009 Roger Michlig 2009–2018 Anton Andenmatten 2018–2025 Franziska Binerseit 2025Urs Juon

Fraktionspräsidenten Amtszeit Name 1961–1969 Alfred Escher 1969–1973 Paul Biderbost 1973–1985 Paul Schmidhalter 1985–1989 Niklaus Stoffel 1989–1997 Peter Furger 1997–1998 Brigitte Hauser-Süess 1998–2001 Beat Zurschmitten 2001–2009 Beat Abgottspon 2009–2010 Felix Ruppen 2010–2015 Beat Rieder 2015–2018 Philipp Matthias Bregy seit 2019 Aron Pfammatter

Abgeordnete im Grossen Rat Die Anzahl Mitte Oberwallis-Grossräte im Verhältnis zur Sitzzahl des Oberwallis: Legislatur Sitze 1953–1957 24 von 40 1957–1961 21 von 40 1961–1965 22 von 40 1965–1969 21 von 41 1969–1973 21 von 41 1973–1977 21 von 41 1977–1981 22 von 41 1981–1985 23 von 41 1985–1989 20 von 41 1989–1993 19 von 41 1993–1997 19 von 40 1997–2001 17 von 40 2001–2005 19 von 40 2005–2009 17 von 39 2009–2013 16 von 39 2013–2017 16 von 38 2017–2021 13 von 34 2021–2025 13 von 332025–202913 von 32

Vertreter auf kantonaler und eidgenössischer Ebene Staatsrat Folgende Personen waren Staatsräte der Katholisch-Konservativen Volkspartei Oberwallis, der CVP Oberwallis beziehungsweise der Mitte Oberwallis: Amtszeit Name 1905–1925 Josef Burgener 1910–1920 Hermann Seiler 1925–1931 Oskar Walpen 1927–1937 Raymund Loretan 1931–1937 Josef Escher 1937–1957 Karl Anthamatten 1958–1973 Ernst von Roten 1973–1985 Franz Steiner 1985–1997 Richard Gertschen 2005–2017 Jean-Michel Cinaseit 2025Franziska Biner

Nationalrat Folgende Personen waren Nationalräte der Katholisch-Konservativen Volkspartei Oberwallis, der CVP Oberwallis beziehungsweise der Mitte Oberwallis: Amtszeit Name 1905–1920 Alexander Seiler 1917–1943 Viktor Petrig 1920–1925 Hermann Seiler 1925–1931 Josef Escher 1932–1936 Rudolf Metry 1936–1950 Josef Escher 1943–1948 Oskar Schnyder 1948–1951 Peter von Roten 1950–1951 Meinrad Michlig 1951–1967 Moritz Kämpfen 1967–1975 Innozenz Lehner 1975–1983 Paul Biderbost 1983–1995 Paul Schmidhalter 1995–1999 Otto G. Loretan 1999–1999 Ruth Kalbermatten 1999–2005 Jean-Michel Cina 2005–2018 Viola Amherd seit 2019 Philipp Matthias Bregy

Ständerat Folgende Personen waren Ständeräte der Katholisch-Konservativen Volkspartei Oberwallis, der CVP Oberwallis beziehungsweise der Mitte Oberwallis: Amtszeit Name 1917–1920 Julius Zen Ruffinen 1920–1928 Raymund Loretan 1943–1947 Viktor Petrig 1947–1955 Alfred Clausen 1967–1975 Hermann Bodenmann 1983–1991 Daniel Lauber 1999–2007 Rolf Escher seit 2015 Beat Rieder

Bundesrat Aus der Mitte Oberwallis gingen bisher zwei Bundesräte hervor. Einerseits schaffte Josef Escher als konservativer Parteipräsident 1950 die Wahl in den Bundesrat. Dabei stand er während seiner Zeit im Bundesrat dem damaligen Post- und Eisenbahndepartement vor. Andererseits wurde 2018 Viola Amherd als CVPO-Nationalrätin in den Bundesrat gewählt. Sie stand von 2019 bis 2025 dem Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) vor und war damit die erste Verteidigungsministerin der Schweiz.

Amtszeit Bild Name 1950–1954 x120px Josef Escher 2019–2025 x120px Viola Amherd

Literatur Alois Grichting: Das Oberwallis 1840 bis 1990. 150 Jahre Walliser Bote. Mengis Druck und Verlag Visp, 3. Auflage 1994. Beat Locher: Der Staatsratsproporz im Kanton Wallis 1848–1988. Freiburg i. Ü., 1996, ISBN 3-7278-1094-7.

Weblinks Année politique suisse auf anneepolitique.swiss Die Mitte Oberwallis auf vs.die-mitte.ch

Einzelnachweise

Kategorie:Christdemokratische Partei Kategorie:Partei (Kanton Wallis) Kategorie:Parteigründung 1919