mini|Zwingerbauhütte (1948) Die Zwingerbauhütte ist eine Bauhütte, deren Aufgabe die Restaurierung und Instandhaltung des Dresdner Zwingers ist. Bemühungen zum Erhalt des Zwingers gehen bis in das 18. Jahrhundert zurück, aber erst mit der Gründung der Zwingerbauhütte 1924 konnte dem Verfall des Gebäudekomplexes aus Elbsandstein Einhalt geboten werden. Die Leitung als Zwingerbaumeister wurde Hubert Georg Ermisch übertragen.Hubert Georg Ermisch: Der Dresdner Zwinger. Sachsenverlag, Dresden 1953, S. 86. Diese erste Phase der Bauhütte dauerte bis 1936 an. Im Herbst 1945 wurde die Bauhütte als Bauabteilung Zwinger wieder eingerichtet, um den Wiederaufbau des Zwingers in Angriff nehmen zu können. Nach dessen Wiederherstellung wurde sie 1968 in die Bauabteilung für kulturhistorische Bauten Dresden umgewandelt und 1991 als Zwingerbauhütte wieder neu gegründet.

Der Zwinger mini|Zwingerhof, Blick zum Wallpavillon

Der Zwinger ist ein Gebäudekomplex mit Gartenanlagen in der Inneren Altstadt von Dresden. Das unter der Leitung des Architekten Matthäus Daniel Pöppelmann und des Bildhauers Balthasar Permoser errichtete Gesamtkunstwerk aus Architektur, Plastik und Malerei gehört zu den bedeutenden Bauwerken des Barocks und ist eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der sächsischen Landeshauptstadt. Der Zwinger entstand ab 1709 als Orangerie und Garten sowie als repräsentatives Festareal. Seine reich verzierten Pavillons und die von Balustraden, Figuren und Vasen gesäumten Galerien zeugen von der Prachtentfaltung während der Regentschaft des Kurfürsten Friedrich August I. und seines dadurch ausgedrückten Machtanspruchs. Nach seinem Tod 1733 und mit der Abkehr vom Barock verlor der Zwinger zunächst an Bedeutung.

Vorgeschichte Erste Erhaltungsarbeiten im 18. und 19. Jahrhundert Bereits im Jahre 1768 ergaben Inspektionen unzählige Risse in den Wänden und Decken, die dem Regenwasser umfassenden Lauf ließen. Der bauliche Zustand verschlechterte sich erheblich und ein Abriss wurde wahrscheinlich. Graf Camillo Marcolini wurde 1778 zum Oberkammerherrn und Generaldirektor der Künste und Kunstakademien ernannt, wobei ihm alle kurfürstlichen Sammlungen unterstellt waren. Er setzte sich für eine Sicherung und Sanierung des Gebäudekomplexes ein. Bei diesen 1783 begonnenen Arbeiten wurden die an ihrer Oberseite freiliegenden Deckenflächen mit Gefälle neu verlegt, weil die permanente Sickerwasserproblematik im Bauwerk zu einer großen Belastung geworden war. Diese Veränderung erbrachte keine deutliche Verbesserung, weil die damaligen technischen Möglichkeiten nicht ausreichten.

Sanierungs- und Umbauarbeiten zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatten das Ziel, den Zwinger als zentralen Ort für die kurfürstlichen Sammlungen zu nutzen. Dafür wurden Wandflächen als Stellflächen benötigt und deshalb einige Fenster und Türen zugemauert. Marcolinis engagiertes Eingreifen gegen den Verfall schuf den Museumsgedanken im Zwinger, erzeugte aber erst erheblich später zum Vorschein kommende und von ihm nicht vorhersehbare Großschäden an der Bausubstanz. Die nach dem Kenntnisstand der Zeit vorgenommenen Ausbesserungen am Sandstein mit einer Art Hartstuck („Massa“) sowie der Überzug des Sandsteins mit Ölfarbe wirkten sich später verhängnisvoll aus.

Nach Fertigstellung der Sempergalerie 1855 befanden sich die Zwingerbauten in einer ästhetischen Disharmonie. Dem neuen und frisch wirkenden Flügel standen gealterte Langgalerien und ein mit Bäumen und Kräutern verwachsenes Nymphenbad gegenüber. Dabei gerieten die empirischen Erfahrungen von vorhandenem Sachverstand aus dem Blickfeld der Verantwortlichen, während sich erhebliche Schäden durch ungehindert ausbreitendes Wurzelgeflecht und eine wasserspeichernde Vegetationsdecke an den Bauwerken bildeten. Um eine farbliche Angleichung zur neuen Sempergalerie zu erreichen, wurde die gesamte alte Bausubstanz mit einem Ölfirnisanstrich versehen. Dieser überdeckte die zahlreichen Ausbesserungen aus der Marcolini-Zeit und neuere Spachtelungen, manche bereits angewittert. Das unter der Farbschicht zirkulierende Kondens-, Kapillar- und Regenwasser förderte eine zunächst unsichtbar anwachsende Zerstörung von Sandsteinoberflächen; erst wesentlich später machten sich erhebliche Versalzungen und Abplatzungen (Frost- und Salzsprengungen) bemerkbar. In der Periode nach 1849 sind viele Ergänzungen mit dem gerade erfundenen Portlandzement vorgenommen worden. Auf diese Weise gerieten ungeachtet der Wechselwirkungen mit dem Kapillarwasser weitere Salze in den Sandstein der Figuren und des Architekturschmucks sowie in das Mauerwerk. Die Folgeschäden kulminierten um 1900 zu fatalen Erhaltungsproblemen. Manche baulichen Sicherungsmaßnahmen, wie Deckenabdichtungen, zeigten an anderer Stelle Wirkung und trugen zur weiteren Erhaltung einzelner Mauerwerksbereiche bei. Ein Kompetenzwirrwarr mit drei Ministerien erschwerte in dieser Zeit die Arbeiten, die bis 1863 andauerten.

Weitere fragwürdige Behandlungen trugen in ihrer Folge zum rapiden Verfall des Zwingers bei. Ein Bildhauer bot ein „besonderes Verfahren“ an, um die Steinoberflächen vor weiterer Verwitterung zu schützen. Nach dieser Methode wurde 1894/95 das Nymphenbad behandelt. Diese später als Fluatverfahren eingeschätzte Oberflächentränkung führte zunächst zu einer Verfestigung der oberen Sandsteinschichten, die aber nach einigen Jahren schichtartig ausplatzten und schließlich zu großen Schäden führten. Auch weitere Ausbesserungsarbeiten von 1880 bis 1898 wurden ohne tiefere Kenntnis über das Verhalten der differenzierten Sorten von Elbsandstein in freier Witterung vorgenommen. Weil in Wien und Würzburg die gleichen Methoden zum Einsatz kamen, hielten alle Beteiligten diese Verfahren für richtig. Die verschiedenen Färbungen von Sandstein und Zementergänzungen sollten mit Wachsfarbe über einem Anstrich mit heißem Leinölfirnis ausgeglichen werden. Die Steinteile wurden dazu mit Lötlampen erwärmt. Diese Verfahrensweisen erweckten jedoch eine kritische Begleitung durch externe Denkmalpfleger, weil sich der fortschreitende Verfall offenkundig immer mehr ausbreitete.

Die vielen kleinen Schornsteine auf dem Dach zeugen von der Beheizung des Zwingers mit unzähligen kleinen Öfen; dies führte zu einer ständigen sowie beträchtlichen pH-Wert-Absenkung des Regen- und Kondenswassers. Das saure Wasser trug zur Schädigung der Bausubstanz wesentlich bei. Eine Verringerung dieser Einflüsse trat erst mit dem Anschluss des Zwingers an das benachbarte Fernheizwerk ein, das 1898 in Betrieb ging. Durch die zu dieser Zeit massiv verbreitete Ofenfeuerung im Stadtgebiet konnte eine weitere Einwirkung des sauren Regens nicht vom Bauwerk abgewendet werden.

Umfassende Restaurierungsarbeiten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Das von Cornelius Gurlitt und Robert Dohme verfasste Werk Die Architektur und das Kunstgewerbe des XVII. und XVIII. Jahrhunderts einschließlich weiterer diesbezüglicher Veröffentlichungen zwischen 1884 und 1889 förderte eine neue Sicht und akzeptierende Einstellungen zu den vorhandenen Barockbauwerken in Dresden. Am 29. Oktober 1898 fand eine Sitzung der Kommission zur Erhaltung der Kunstdenkmäler statt, die sich mit den bisherigen Restaurierungsmaßnahmen am Zwinger auseinandersetzte. Der Bauzustand hatte sich trotz aller geleisteten Arbeiten weiterhin verschlechtert. Besonders dem Kunsthistoriker Cornelius Gurlitt und dem damaligen Direktorial-Assistenten Jean Louis Sponsel ist zu verdanken, dass die Kommission der künstlerischen und bautechnischen Bedrohung des Zwingers Einhalt gebot. Dabei wurde unter anderem festgelegt, ab sofort keine Farbanstriche mehr vorzunehmen und nur noch Vierungen aus bestem Elbsandstein zu verwenden. Der Regierungsbaumeister Hermann Muthesius, damals technischer Attaché an der Deutschen Botschaft in London, unterstützte diese Abkehr und belegte glaubhaft, dass die in Dresden festgelegten Prämissen in England bereits seit längerer Zeit Anwendung fanden.

Wegen ungenügender Mittelbewilligung begann die Wiederherstellung mit schonenden Verfahren erst 1911 und erhielt nach dem Ersten Weltkrieg ab 1924 eine gesicherte Grundlage. Die dafür erforderlichen verwaltungsinternen Weichenstellungen traf 1910 der Stadtbaurat Hans Erlwein, ebenso ein Mitglied der Kommission. In seinen Auffassungen stärkte ihn Georg Wrba, Professor an der Dresdner Kunstakademie, der die Kontrolle über die Wiederherstellung zerstörter Plastiken erhielt.

Vor Beginn des Ersten Weltkriegs nahmen trotz dieser Neuausrichtung die Probleme bei den Restaurierungsarbeiten rasant zu. Deren Einstellung im Jahre 1915 verschärfte die Lage am Bauwerk und beschleunigte seinen Zerfall. Mehrere Figuren stürzten von ihren Sockeln und lagen in Dachrinnen. Größere Bauteile gefährdeten durch ihre Loslösung vom Bauwerk den Verkehrsraum. Die Folgen von falschen Sanierungsmethoden und der Einsatz von für den Stein gefährlichen Substanzen zeigten sich in bedrohlichen Auswirkungen.

Geschichte Gründung der Zwingerbauhütte Im Jahre 1920 schlugen Mitarbeiter der sächsischen Oberrechnungskammer dem zuständigen Kultusministerium vor, erhebliche Finanzmittel zur Sicherung und langfristigen Restaurierung des Zwingers einzuplanen. Daraufhin begannen die Arbeiten 1921, kamen aber nach kurzer Zeit wegen des Währungsverfalls in der Inflationsperiode wieder zum Stillstand. Die Tagung des Denkmalrates vom 29. Juni 1922 stellte angesichts der dramatischen Erhaltungssituation fest, dass die seit Mitte des 19. Jahrhunderts anhaltende Praxis von Ölfarbanstrichen und Portlandzementergänzungen den Zwinger „…nicht nur nicht geschützt, sondern [ihm] ganz verhängnisvoll geschadet…“ hatten. Die Versammlung empfahl „durchgreifende Maßnahmen … ohne Rücksicht auf die hohen Kosten, die erforderlich werden“. Inzwischen mussten weitere Figuren vom Bauwerk abgenommen werden, um sie vor ihrem drohenden Absturz zu schützen.Ermisch: Zwinger, 1953, S. 86–87. Besondere Verdienste erwarb sich Ministerialrat Oskar Kramer, der im Bewusstsein dieser Lage 1924 die Gründung der Zwingerbauhütte veranlasste und sich kontinuierlich und in ungewöhnlicher Weise für die ministerielle Unterstützung des Vorhabens einsetzte. Zum Leiter dieser zunächst bis 1936 umfassend wirkenden Restaurierungswerkstatt wurde ab 15. Oktober 1924 Hubert Georg Ermisch bestellt. Das unter Begleitung von Georg Wrba erstellte Arbeitsprogramm sah zwei Hauptziele vor: die technische Rettung des Zwingers und die künstlerische Wiedererweckung seiner Architektur. In dieser Periode intensivierte sich der fachliche Austausch mit der Dresdner Steinmetzinnung, darüber hinaus wurde eine systematische Forschung nach petrographischen sowie chemisch-physikalischen Gesichtspunkten über Fragen der Steinkonservierung aufgenommen. Im Zuge dieser Arbeiten setzte die Bildhauerwerkstatt das aus Kötzschenbroda stammende, in zwei Teile zerlegte und geschädigte Barock-Denkmal Chronos und die Trauernde wieder zusammen, woraufhin es 1928 im sächsischen Staatsweingut Hoflößnitz wiederaufgestellt wurde.