Die Liste der Stolpersteine in Berlin-Dahlem enthält die Stolpersteine im Berliner Ortsteil Dahlem im Bezirk Steglitz-Zehlendorf die an das Schicksal der Menschen erinnern, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Spalten der Tabelle sind selbsterklärend. Die Tabelle erfasst insgesamt 61 Stolpersteine und ist teilweise sortierbar; die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach dem Familiennamen.

Bild Name Standort Koordinate (15px) Verlege­datum Leben 100px Bitterstraße 3a Gustav Amigo kam am 9. April 1879 in Wien zur Welt, zwei seiner Großelternteile waren jüdisch, die anderen nicht.bundesarchiv.de Er wurde Feinmechaniker und eignete sich optische Kenntnisse an. 1906 heiratete er in Nürnberg die nichtjüdische Marie Katharina Wilhelmine Hasenstab, sie zogen nach Berlin. Dort kam am 19. September 1908 ihr Sohn Manfred auf die Welt. Gustav Amigo machte sich selbständig mit einer Automatenhandlung in der Ritterstraße, um 1920 entwickelte er eine Filmkamera für einen 38-mm-Film in einem Holzgehäuse, später verlegte er sich auf die Produktion von Lautsprechern. Zur Funkausstellung 1926 stellte er den Trichterlautsprecher Amigo-Horn vor.radiomuseum.org Sein Betrieb zog in die Fürstenstraße 3, privat wohnte er mit seiner Familie erst in der Brandenburgstraße (heute Lobeckstraße), ab 1933 in Dahlem im Haus Bitterstraße 3a, dessen Eigentümer er auch war. Sein Sohn Manfred handelte mit Autozubehör und übernahm Ende der 1930er Jahre offiziell den Betrieb, Gustav Amigo kam aber jeden Tag aus Dahlem mit der Bahn in die Fabrik, hängte seinen Mantel mit dem Judenstern in den Schrank und ging seinen Projekten nach. Der Betrieb fertigte im Zweiten Weltkrieg mit ca. 20 Mitarbeitern kriegswichtige Metallteile als Zulieferbetrieb für Siemens und Askania an. Gustav Amigo wurde im Sommer 1942 verhaftet, im Arbeitserziehungslager Wuhlheide interniert und am 18. August 1942 erschossen. Seine Witwe und sein Sohn wanderten nach England aus. 100px Breisacher Straße 19 Bruno Asch wurde am 23. Juli 1890 in Wollstein, Provinz Posen (Wolsztyn, Woiwodschaft Großpolen) als Sohn jüdischer Eltern geboren. Nach einer kaufmännischen Lehre arbeitete er zuerst in einer Textilfabrik. Er nahm von 1914 bis 1918 als Soldat am Ersten Weltkrieg teil. Nach dem Krieg wurde er Mitglied der USPD und 1923 wurde er als Bürgermeister von Höchst am Main (heute: Frankfurt-Höchst) gewählt. 1931 wurde er Mitglied in der Berliner Stadtverordnetenversammlung. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde er zuerst beurlaubt und später entlassen. Zusammen mit seiner Frau Margarete Asch und seinen drei Töchtern emigrierte er im Herbst 1933 in die Niederlande. Nach dem erfolgreichen Westfeldzug und dem Einmarsch deutscher Truppen in die Niederlande nahm er sich am 15. Mai 1940 das Leben. Seine Frau und zwei seiner Töchter wurden in das Vernichtungslager Sobibor deportiert. Seine dritte Tochter emigrierte 1939 nach Palästina. 100px Am Hirschsprung 61 Alice Glaser kam am 6. April 1885 in Neumarkt (Schlesien), jetzt Sroda Slaska (Polen), als Tochter des Rechtsanwalts und Justizrates Paul Glaser und seiner Frau Amalie geborene Bottenbreiter zur Welt. Sie hatte eine 1883 geborene Schwester Charlotte Luise. Sie heiratete 1909 in Breslau den Diplom-Ingenieur Rudolf Bachrach. Am 8. August 1912 wurde in Berlin der einzige Sohn Karl geboren. Die Familie wohnte von 1927 bis März 1939 in ihrem Eigenheim Am Hirschsprung 61. Alices Mann war Direktor in der Firma Sachsenwerk Licht & Kraft A.G., auch war er zeitweilig stellvertretender Vorsitzender des Verbandes der deutschen Funkindustrie und Mitglied des Messeamtes der Stadt Berlin. Das Paar ließ sich am 17. August 1939 von Vikar Wolfgang Saß in der St.-Annen-Kirche evangelisch taufen. Sie mussten Anfang 1939 ihr Haus verlassen und in die Hektorstraße 3 nach Halensee ziehe, ein Judenhaus.Hektorstr. 3 auf zwangsraeume.berlin Das einstige Haus der Bachrachs in Dahlem war ein Jahr unbewohnt, bevor es 1941 an den Konsul L. Happich überging. Im September 1942 wurden Alice und Rudolf Bachrach verhaftet und ins Sammellager Gerlachstraße 19/22 gebracht. Am 3. Oktober 1942 wurden sie mit dem „3. große Alterstransport“ vom Güterbahnhof Moabit aus ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Am 22. November 1942 starb Rudolf dort im Alter von 65 Jahren angeblich an einer „Verstopfung der Kranzgefäße des Herzens“. Am 16. Mai 1944 wurde Alice Bachrach ins Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz weiter deportiert, wo sie ermordet wurde. Ihr offizieller Todestag war der 8. Mai 1945. Der Sohn Karl war ab 1934 als Verkaufsleiter der Tegro Technische Großhandlungsgesellschaft m.b.H. beschäftigt. Im November 1938 wurde er verhaftet und im KZ Sachsenhausen bis zum 21. Dezember 1938 inhaftiert. Daraufhin entließ ihn sein Arbeitgeber. Am 21. März 1939 konnte er nach England fliehen, 1942 wurde er nach Kanada weitergeleitet, wo er bis Ende Januar 1942 in einem Flüchtlingslager war. Im Februar 1942 bekam er seine erste feste Anstellung. Karl blieb in Kanada, änderte 1944 seinen Namen in Charles Karl Barclay, heiratete und arbeitete als Kaufmann. 100px Am Hirschsprung 61 Rudolf (Rudolph) Bachrach kam am 5. März 1877 in Schwalenberg (Lippe-Detmold) als Sohn des Samson Bachrach und seiner Frau Bella Berta geborene Michaelis zur Welt. Die Eheschließung von Rudolf und Alice erfolgte am 12. Oktober 1909 in Breslau. Am 8. August 1912 kam der einzige Sohn Karl in Berlin-Charlottenburg zur Welt. Die Familie wohnte von 1927 bis März 1939 in ihrem Eigenheim Am Hirschsprung 61. Rudolf Bachrach war Direktor in der Firma Sachsenwerk Licht & Kraft A.G., auch war er zeitweilig stellvertretender Vorsitzender des Verbandes der deutschen Funkindustrie und Mitglied des Messeamtes der Stadt Berlin. Das Paar ließ sich am 17. August 1939 von Vikar Wolfgang Saß in der St.-Annen-Kirche evangelisch taufen. Sie mussten Anfang 1939 ihr Haus verlassen und in die Hektorstraße 3 nach Halensee ziehen, ein Judenhaus. Das einstige Haus der Bachrachs in Dahlem war ein Jahr unbewohnt, bevor es 1941 an den Konsul L. Happich überging. Im September 1942 wurden Alice und Rudolf Bachrach verhaftet und ins Sammellager Gerlachstraße 19/22 gebracht. Am 3. Oktober 1942 wurden sie mit dem „3. große Alterstransport“ vom Güterbahnhof Moabit aus ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Am 22. November 1942 starb Rudolf dort im Alter von 65 Jahren angeblich an einer „Verstopfung der Kranzgefäße des Herzens“. Am 16. Mai 1944 wurde Alice Bachrach ins Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz weiter deportiert, wo sie ermordet wurde. Ihr offizieller Todestag war der 8. Mai 1945. Der Sohn Karl war ab 1934 als Verkaufsleiter der Tegro Technische Großhandlungsgesellschaft m.b.H. beschäftigt. Im November 1938 wurde er verhaftet und im KZ Sachsenhausen bis zum 21. Dezember 1938 inhaftiert. Daraufhin entließ ihn sein Arbeitgeber. Am 21. März 1939 konnte er nach England fliehen, 1942 wurde er nach Kanada weitergeleitet, wo er bis Ende Januar 1942 in einem Flüchtlingslager war. Im Februar 1942 bekam er seine erste feste Anstellung. Karl blieb in Kanada, änderte 1944 seinen Namen in Charles Karl Barclay, heiratete und arbeitete als Kaufmann. 100px Habelschwerdter Allee 7 Leo Berlak kam am 22. Januar 1864 in Posen als erstes Kind des Hermann Berlak und seiner Frau Milka geborene Hirschfeld zur Welt.bundesarchiv.de Seine Mutter starb, als er ein Jahr alt war. Sein Vater heiratete Caecilie Caro, die Halbgeschwister wurden geboren: Heinrich (1867), Albert (1869), Selma (1871) und Michael (1881). Sein Vater Hermann Berlak hatte einen Getreide- und Kartoffelhandel, in dem Leo mitarbeitete. Leo Berlak heiratete Sophie Merzbach, die Kinder kamen in Posen zur Welt: Milli 1895 und Hermann Ludwig 1896. Anfang der 1920er Jahre lebte Leo Berlak in Berlin und war für die von seinem Vater gegründete Firma Hermann Berlak, Getreide und Kartoffeln, tätig, die auch im Handelsregister eingetragen wurde, auch war er beteiligt an der Firma Polensky & Co.KG, Kartoffel- und Getreidegroßhandel. 1921 lebte Leo Berlak mit Frau und Kindern im eigenen Haus Werderstraße 7, (heute Habelschwerdter Allee). 1936 starb seine Frau, sein Sohn emigrierte nach England, nach 1939 auch seine Tochter Milli, 1938 wurden beide Firmen liquidiert. Leo Berlak musste noch einmal umziehen in das Haus Am Park 15 in Schöneberg. Am 3. Oktober 1942 wurde er von dort nach Theresienstadt deportiert, wo er am 14. April 1943 ermordet wurde.statistik-des-holocaust.de Der Stolperstein für Leo Berlak war bereits eine Woche nach Verlegung verschwunden, das entstandene Loch war aufgepflastert. Tatverantwortliche konnten nicht ermittelt werden. Ein zweiter Stein wurde knapp zwei Jahre später am 3. Juli 2010 verlegt. 100px Pacelliallee 57 100px Hittorfstraße 16 Bernhard Einzig, geboren am 12. November 1874 in Tschechien, betrieb in Berlin eine Kleiderfabrik. Er war seit dem 9. August 1896 mit Eugenie, geborene Weishaus, verheiratet. Nach der Aufteilung der Domäne Dahlem erwarb das Paar zu Beginn der 1920er Jahre das Grundstück Hittorfstraße 16 und errichtete dort eine Villa. Anfang der 1940er Jahre tauchte das Paar unter und unternahm schließlich im Juli 1943 einen Fluchtversuch in die Schweiz. Beim Verlassen des Zuges in Singen erfolgte eine Ausweiskontrolle, bei der Bernhard Einzig festgenommen wurde. Seine Frau, eine Freundin und eine Schleuserin entkamen und erreichten in der folgenden Nacht die Schweiz. Bernhard Einzig wurde am 4. August 1943 mit dem 95. Alterstransport in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Im Dezember 1943 wurde er ermordet.