Die Liste der Stolpersteine in Berlin-Grunewald enthält die Stolpersteine im Berliner Ortsteil Grunewald im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, die an das Schicksal der Menschen erinnern, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Spalten der Tabelle sind selbsterklärend. Die Tabelle erfasst insgesamt 60 Stolpersteine und ist teilweise sortierbar; die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach dem Familiennamen.

Bild Name Standort Verlege­datum Information 100px Gneiststraße 8 Minna Bach kam am 16. Juni 1862 in Altenstadt (Bayern) als Tochter des Max Bach und seiner Frau Regina geborene Bernheim zur Welt. Sie hatte noch acht Geschwister. 1893 heiratete sie in Wien den Witwer Julius Baad. Sie war zumindest von 1907 bis 1918 Vorstandsmitglied (bzw. Mitglied der „Damen-Kommission“) im „Hietzinger Frauen-Wohltätigkeitsverein“, dem späteren „Wiener Frauenverein zum Schutze armer verlassener Kinder“ (gegründet 1906). Auch war sie um 1903 neben Anna Pick Mitglied im Vorstand des zionistischen Frauen- und Mädchenvereines „Fünfhaus“.Baad Minna, Hermine, geb. Bach (PDF) In: biografiA. Lexikon österreichischer Frauen. Band 1: Band 01, A-H. Ihr Mann starb 1912 in Wien. In Berlin wohnte die Witwe in Grunewald in der Gneiststraße 8. Deportiert wurde Minna Baad, die gerade 80 Jahre alt geworden war, am gleichen Tag wie ihre Haus-Mitbewohnerin Jenny Michalski vom Anhalter Bahnhof in Berlin am 10. Juli 1942 in das Ghetto Theresienstadt, das ihr und anderen als „Alterssitz“ angepriesen worden war. Am 19. September 1942 ist sie dann nach Treblinka ins Vernichtungslager gebracht worden. Nachfahren aus der ersten Ehe ihres Mannes leben heute in England. 100px Baraschstraße 11 Eine Biografie ist zu finden unter Warenhaus Gebrüder Barasch (Breslau) 100px Lynarstraße 9 Elisabeth (Elly) Bernhard kam am 19. November 1897 in Berlin als Tochter des Kaufmanns Paul Bernhard und seiner Frau Anna geborene Kaufmann in Berlin zur Welt. Sie wurde Schauspielerin und heiratete 1920 den Fabrikbesitzer Otto Bendix. Sie zogen nach Wilmersdorf in die Berliner Straße, wo der Sohn Peter am 2. Januar 1922 geboren wurde. Otto Bendix erwarb eine Villa mit Hausgarten in der Lynarstraße 9 in der neu entstandenen Villenkolonie Grunewald. 1926 trat das Ehepaar aus der jüdischen Religionsgemeinschaft aus, Elisabeth und Peter ließen sich evangelisch taufen. Elisabeth Bendix hatte Engagements auf Londoner und Berliner Bühnen, unter anderem spielte sie unter der Regie von Philipp Manning und Leontine Sagan im „Internationalen Theater“ Unter den Linden. Wegen ihrer jüdischen Herkunft erhielt Elisabeth ab 1935 kein Engagement mehr. Die ihrem Mann und seiner Familie gehörende Firma Bendix & Comp in Sorau/Niederlausitz wurde mit Wirkung vom 9. November 1938 liquidiert. Die Familie musste Tafelsilber, Schmuck, Edelmetalle und auch Ottos silbernes Zigarettenetui abliefern. Alle Bemühungen, die Auswanderung zu erreichen, schlugen fehl. Allein der Sohn Peter konnte im Januar 1939 mit einem Kindertransport entkommen. Die Villa in der Lynarstraße musste an den langjährigen Untermieter, den Parteigenossen Paul Thiefes, verkauft werden, auch musste die Familie Bendix die bislang bewohnte 10-Zimmer-Wohnung räumen und in eine kleine Wohnung im 1. Stock ziehen. Elisabeth Bendix leistete Zwangsarbeit als Kartoffelschälerin bei der Firma Georg Kappel in Wilmersdorf; für einen Zentner geschälte Kartoffeln erhielt sie 2 RM. In der Vermögenserklärung gab das Ehepaar das ihm verbliebene Vermögen noch mit circa 110.000 RM an. Am 25. November 1941 wurde das Paar in die Sammelstelle Levetzowstraße verbracht und am 27. November 1941 nach Riga deportiert. Am 30. November 1941 wurde alle Personen dieses Transports im Wald von Rumbula erschossen. Unter den Angehörigen der Britischen Streitkräfte, die in Deutschland einmarschierten, befand sich auch der Sohn Peter Bendix. Er starb 1998 in England. 100px Lynarstraße 9 Otto Bendix kam am 25. Januar 1883 in Berlin als Sohn des Kaufmanns Waldemar Bendix und seiner Frau Bertha geborene Katz zur Welt. Er hatte zwei Brüder: Friedrich (1877) und Kurt (1880), und eine Schwester Martha (1879). Zusammen mit dem Bruder Friedrich übernahm er 1914 die Leitung der zuvor ihrem Vater gehörenden Leinenmanufaktur/Woll- und Baumwollweberei in Sorau/Niederlausitz. Der Geschäftssitz der Firma Bendix & Comp und eine Großhandlung befanden sich in der Bischofstraße nahe am Neuen Markt. 1920 heiratete Otto Bendix die Schauspielerin Elisabeth Bernhard, der Sohn Peter wurde 1922 geboren. Otto Bendix erwarb eine Villa in der Lynarstraße 9 in Grunewald, der neu angelegten Villenkolonie. 1926 erklärte das Ehepaar seinen Austritt aus dem Judentum. Die Firma Bendix & Comp wurde mit Wirkung vom 9. November 1938 liquidiert. Die Familie musste das Tafelsilber, Schmuck, Edelmetalle und auch Ottos silbernes Zigarettenetui abliefern. Alle Bemühungen, die Auswanderung zu erreichen, schlugen fehl. Allein der Sohn Peter konnte im Januar 1939 mit einem Kindertransport entkommen. Die Villa in der Lynarstraße musste an den langjährigen Untermieter, den Parteigenossen Paul Thiefes, verkauft werden, auch musste die Familie Bendix die bislang bewohnte 10-Zimmer-Wohnung räumen und in eine kleine Wohnung im 1. Stock ziehen. Ab Juli 1941 war Otto Bendix als Zwangsarbeiter für einen Tageslohn von 6,12 Reichsmark bei der Firma Otto Wolff in Tempelhof tätig. In der Vermögenserklärung gab das Ehepaar das ihm verbliebene Vermögen noch mit circa 110.000,– RM an. Am 25. November 1941 wurden Otto und Elisabeth Bendix in die Sammelstelle Levetzowstraße verbracht und am 27. November 1941 nach Riga deportiert. Am 30. November 1941 wurden alle Personen dieses Transports im Wald von Rumbula erschossen. Unter den Angehörigen der Britischen Streitkräfte, die in Deutschland einmarschierten, befand sich auch der Sohn Peter Bendix. Er starb 1998 in England. 100px Lynarstraße 9 Peter Bendix kam am 2. Januar 1922 in Berlin als Sohn des Fabrikbesitzers Otto Bendix und seiner Frau, der Schauspielerin Elisabeth geborene Bernhard, zur Welt. Die Familie war wohlhabend, sein Vater war zusammen mit einem Bruder Eigentümer einer Leinenmanufaktur/Woll- und Baumwollweberei in Sorau/Niederlausitz. Seine Eltern traten aus der jüdischen Religionsgemeinschaft aus, Peter und seine Mutter wurden evangelisch getauft. Die Familie lebte in ihrer eigenen Villa in der Lynarstraße 9 in einer 10-Zimmer-Wohnung. Die der Familie gehörende Textilfirma musste 1938 liquidiert werden, Peter Bendix konnte im Januar 1939 noch mit einem Kindertransport nach England entkommen. Er gehörte zu den Angehörigen der Britischen Streitkräfte, die in Deutschland einmarschierten. 100px Gneiststraße 8 Klara Wronker kam am 7. Oktober 1874 in Wolgast als Tochter des Michaelis Wronker und dessen Frau Therese geborene Israel auf die Welt. Sie heiratete 1902 in Berlin Simon Beiser, Sohn des Efraim Chaim Ber Beiser und seiner Frau Deborah aus Kolomea, Galizien. Der Sohn Herbert wurde 1903 geboren, es folgen die Töchter Dora (1904) und Margot (1910). Ihr Mann betrieb gemeinsam mit seinem Bruder Mechel Beiser unter der Firma Gebrüder Kassner eine Möbelhandlung mit Kreditgeschäft in der Bülowstraße 6 und die Möbelfabrik Robert Seelisch in der Rigaer Straße 71–73a. Auch das Grundstück Rigaerstraße 71–73 a gehörte ihnen. Am 1. April 1936 zog das Ehepaar von der Levetzowstraße 16 in die Klopstockstraße 30 um. Die Ehe wurde um 1940 geschieden und Clara Beiser wohnte zuletzt in Berlin-Grunewald in der Pension Ebstein in der Gneiststraße 8. Sie wurde im Januar 1942 in die Sammelstelle in der ehemaligen Synagoge Levetzowstraße 7–8 gebracht. Ihre Deportation nach Riga (Lettland) fand am 13. Januar 1942 vom Güterbahnhof in Grunewald statt. Dort wurde sie trotz ihres hohen Alters zunächst in das Ghetto eingeliefert. Am 31. Dezember 1944 wurde Klara Beiser ermordet. Der Sohn Herbert konnte nach England entkommen und kämpfte in der englischen Armee in Ägypten gegen die Wehrmacht. Er fiel 1941, er hinterließ eine Frau Lea und eine Tochter Michaela in Tel Aviv. Die beiden Töchter Dora und Margot konnten nach England entkommen.