Fischamend ist eine Stadtgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Bruck an der Leitha in Niederösterreich.
Geografie mini|Donau Auen mit Altarm nördlich des Fischamender Stadtgebiets Geografische Lage Fischamend liegt im Industrieviertel in Niederösterreich. Die Stadt liegt am Zusammenfluss von Fischa und Donau, wenige Kilometer südöstlich von Wien. Die Fläche der Stadtgemeinde umfasst Quadratkilometer. Davon sind 40 Prozent landwirtschaftliche Nutzfläche, 21 Prozent sind bewaldet, 11 Prozent entfallen auf Gewässer und 22 Prozent auf Start- und Landebahnen des Flughafens Wien-Schwechat. Ein kleiner Teil des Gemeindegebietes liegt nördlich der Donau.
Gemeindegliederung Die Gemeinden Fischamend-Markt und Fischamend-Dorf wurden 1971 zusammengelegt.Statistik Austria: Auflösungen bzw. Vereinigungen von Gemeinden ab 1945 Seitdem umfasst das Gemeindegebiet nur noch eine Ortschaft.
Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Fischamend Dorf und Fischamend Markt.
Nachbargemeinden
Geologie und Klima
Fischamend liegt am Übergang zwischen südlichen Wiener Becken und Marchfeld, am Rande der pannonischen Tiefebene.
Geschichte
Im Altertum war das Gebiet Teil der Provinz Pannonia. Unter dem heutigen Ortskern wird das römische Kastell Aequinoctium vermutet, das aber bislang archäologisch noch nicht nachgewiesen werden konnte.
Bereits im Mittelalter existierten zwei Siedlungen auf beiden Seiten der Fischa. Das Marktrecht erhielt der Ort 1673 durch Kaiser Leopold I.
Über Jahrhunderte waren die an der Donau und der Fischa betriebenen Mühlen und der Getreidehandel die wichtigsten Wirtschaftszweige. So befanden sich im 19. Jahrhundert 18 Mühlen an der Donau sowie 7 an der Fischa. Außerdem befand sich zwischen 1868 und 1902 ein Winterhafen an der Donau, wo zahlreiche Schiffe und deren Besatzungen überwintern konnten.Der Ort Fischamend und die Luftfahrtechnischen Einrichtungen im Ausstellungsverzeichnis 2011 Der aviatische Salon ISBN 978-3-200-02309-3
Durch die Auflassung der Mühlen gegen Ende des 19. Jahrhunderts begannen sich Industriebetriebe zu etablieren. 1908 erfolgte auf der südöstlich des Ortes liegenden Hochterrasse der Bau der k.u.k. Militär-Aëronautischen Anstalt Fischamend samt Luftschiffhalle und Flugfeld. Von dieser gingen bedeutende Erfahrungen betreffend die Entwicklung der Luftfahrt (Ballon, Luftschiff, Aeroplane) in alle Welt hinaus. Auf dem Gebiet der heutigen Stadt wurden weitere Luftschiffhallen, Unterkünfte, ein Wasserwerk und eine Wasserstoffgasfabrik errichtet. In der Nähe des Flugfeldes entstand später das Flugarsenal Fischamend, wo in Lizenz der Hansa-Brandenburgischen Flugzeugwerke AG Flugmotoren und Flugzeuge hergestellt wurden. Damit war Fischamend während des Ersten Weltkrieges neben Wiener Neustadt ein wichtiges Zentrum der Luftstreitkräfte. Die Anlagen mussten nach dem Ersten Weltkrieg weitgehend demontiert werden, wurden jedoch 1938, nach dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland, wieder als Werk III der Wiener Neustädter Flugzeugwerke genutzt. 1944 zerstörten Bomben die Anlage fast vollständig und führten zu schweren Schäden im gesamten Ortsgebiet. Das Werk wurde nach Tischnowitz verlegt. Heute sind von dem ehemaligen Areal des Flugplatzes nur mehr wenige Bauwerke wie der Wasserturm, die Offiziersmesse und das Konstruktionsbüro zu sehen.
Zu dem Unglück vom 20. Juni 1914 mit neun Toten, an dem das Militärluftschiff M.III (System Körting) und ein Flugzeug beteiligt waren, siehe Körting-Katastrophe und Luftfahrtsgeschichte in Österreich.Schweres Ballonunglück in Fischamend bei diepresse.com; Zeitgeschichte
Von 1938 bis 1954 waren die Gemeinden Fischamend-Dorf und Fischamend-Markt Teil des neugeschaffenen 23. Bezirks Schwechat in Groß-Wien. Die Gemeinden wurden 1954 wieder selbständig und Teil des Bezirks Wien-Umgebung. 1970 erfolgte die freiwillige Vereinigung der beiden Gemeinden Fischamend-Markt und Fischamend-Dorf zur Gemeinde Fischamend.Stadtgemeinde Fischamend:
1987 beschloss der niederösterreichische Landtag Fischamend, in Anerkennung der wirtschaftlichen, historischen und kulturellen Bedeutung für das östliche Wiener Becken, zur Stadt zu erheben. Fischamend feierte dies 1988 mit einem großen Festakt.
Mit Ende 2016 wurde im Zuge einer Bezirksreform der Bezirk Wien-Umgebung aufgelöst und Fischamend wurde dem Bezirk Bruck an der Leitha zugeschlagen.
Bevölkerungsentwicklung
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bauwerke Stadtturm Fischamend: Der Stadtturm, auch Marktturm und Fischaturm bezeichnet, auf dem Hauptplatz ist das Wahrzeichen Fischamends. Der mächtige, fast 31 Meter hohe Turm stammt aus dem Mittelalter und wird an der Spitze von einem Fisch bekrönt. Er beherbergt seit 1927 das Heimatmuseum der Stadt. Einer Legende zufolge wurde an der Stadtturmspitze beim Rückgang des Jahrhunderthochwassers im 13. Jahrhundert ein mannsgroßer Fisch aufgespießt, deswegen auch die Namensgebung der Stadt. Der wahre Grund der Namensgebung ist der Zusammenfluss der Fischa mit der Donau im Ortsgebiet: Viskahagemunde → Vischamundt → Vischamendt → Fischamend. Katholische Pfarrkirche Fischamend Heiliger Michael: Eine Kirche an diesem Standort wurde erstmals 1073 urkundlich erwähnt. Der mächtige achteckige Ostturm stellt mit seiner weithin sichtbaren Zwiebelkuppel neben dem Stadtturm und Wasserturm ein Wahrzeichen Fischamends dar. Im Altarraum ist das Bild Das letzte Abendmahl des bedeutenden österreichischen Malers Franz Anton Maulbertsch zu sehen. Evangelische Petruskirche Fischamend: Die Kirche wurde von einem eigens gegründeten Kirchenverein errichtet und 1964 eingeweiht. Die Kirche mit ihren bunten Glasfenstern ist mit einer spitz zulaufenden Holzdecke versehen. Früher stand an ihrer Stelle die Kapelle der Fischamender Bürgerschaft zu Ehren von Unserer lieben Frau, dem Heiligen Franz Xaver und der Heiligen Rosalia. Katholische Filialkirche St. Quirinus: Die Kirche der ehemaligen Gemeinde Fischamend-Dorf (westlich der Fischa gelegen) ist von einem Friedhof und Mauer umgeben. Die gotische Saalkirche mit einem eingezogenen Chor wurde im 14. Jahrhundert errichtet und ab 1671 umgebaut sowie barockisiert. Sie ist dem Heiligen Quirinus von Tegernsee geweiht. Feuerwehrhaus Fischamend-Dorf: Das Gebäude der FF Fischamend-Dorf wurde 1928 nach Plänen von Robert Kramreiter erbaut. Aufgrund seiner expressionistischen Ausformung ist es architektonisch bedeutsam. Heute beherbergt das Haus das Fischamender Feuerwehrmuseum. Eine Sockelstatue des Heiligen Florian vor dem Museum erinnert an den Schutzheiligen für alle helfenden Organisationen, insbesondere der Feuerwehr. Altes Feuerwehrdepot: Das alte Feuerwehrdepot am Getreideplatz wurde 1819 im klassizistischen Stil erbaut und ist ein bemerkenswert frühes Beispiel für diese Bauaufgabe. Es wurde von der FF Fischamend-Markt genutzt. Heute ist im alten Feuerwehrdepot die First Responder Station untergebracht. Bürger- bzw. Bauernhäuser: Einige, zum Teil noch gut erhaltene Bürger- bzw. Bauernhäuser liegen im Ortskern (z. B. Hainburger Straße 1, 12, 18 und Gregerstraße 2, 3, 4, 5, 6). Wasserturm: 1916 für die k.u.k. Militär-Aëronautische Anstalt Fischamend errichtet; der weithin sichtbare Wasserturm gilt als ein Wahrzeichen Fischamends. Offizierskasino und Kasernenbauten: Im ehemaligen Offizierskasino befindet sich heute ein gutbürgerliches Gasthaus und das Vereinslokal der sozialdemokratischen Ortspartei. Das auch als Arbeiter- bzw. Volksheim bekannte Gebäude ist zugleich Veranstaltungsort. Hier traten Entertainer wie Walther Reyer, Peter Rapp oder Rosemarie Isopp auf. Die angrenzenden Kasernenbauten und Offiziersunterkünfte der Aeronautischen Anstalt haben sich erhalten, wurden restauriert und zu modernen Wohnungen umfunktioniert. Tabormühle und Löffelfabrik: Über Jahrhunderte nutzten Mühlen und Industriebetriebe die Wasserkraft der Fischa. Die Industriedenkmäler am Fluss erinnern an die Blütezeit einer aufstrebenden Industrie in Fischamend. Als Nachfolger der Mühlen setzte die Industrialisierung ab 1814 mit der Kattun-Fabrik und Spinnerei Fehr (-> Fehrgasse) und einer Wollwarenfabrik in der alten Tabormühle ein. Später wurde in ihr Tuch produziert. Das alte Gebäude ist gut erhalten, die Fabrik ist heute zum Chemiegroßbetrieb ausgebaut. Die Baumwollspinnerei Schindler gehörte dem Vater von Emil Jakob Schindler und Großvater von Alma Mahler-Werfel (-> Schindlerweg). Ab 1873 wurde im Markt am Fluss Fischa eine Metallwarenfabrik („Löffelfabrik“) betrieben. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges produzierte die Metall- und Blechwarenfabrik Schütz & Patry, vormals Herczka, Essbestecke aller Art für den Weltmarkt. Der Betrieb wurde in den 1970er Jahren eingestellt. Der Gebäudekomplex in der Gregerstraße ist gut erhalten. Ein weiterer bekannter Industriebetrieb war die 1899 gegründete Wien-Fischamender Metallwarenfabrik Josef Suschny & Söhne. 1938 wurde der Betrieb arisiert und nach Kriegsende erfolgreich weitergeführt. Die Produktion wurde in den 1980er Jahren eingestellt. Denkmalplatz: Der Denkmalplatz befindet sich neben der Pfarrkirche im Markt. Neben einem Kriegerdenkmal wurde das Denkmal für die 113 Opfer des Bombenangriffs am 12. April 1944 und ein Mahnmal gegen Faschismus, Extremismus, Gewalt, Terror und Krieg errichtet. Das Nittner-Denkmal erinnert an Eduard Nittner und weitere abgestürzte Flieger. Der Flugpionier kam 1913 bei einem Flugzeugabsturz am Fischamender Flugfeld ums Leben. Erstmals war das Denkmal an der Unglücksstelle aufgestellt. Am Denkmalplatz sind zudem Sgraffiti von Heribert Potuznik zu sehen. Weitere Werke des Fischamender Künstlers finden sich im Stadtgebiet.
Museen Heimatmuseum: Das Heimatmuseum im Fischaturm präsentiert auf sechs Stockwerken die Geschichte von Fischamend sowie Alltags- und Volkskultur der Bevölkerung im Laufe der Vergangenheit. Zu sehen sind archäologische Funde aus der Ur- und Frühgeschichte und der Römerzeit, die 1673 erteilten Privilegien zur Abhaltung von Jahr- und Wochenmärkten, die Fahne der Müllerzunft aus dem Jahr 1782, die auf den Getreidehandel und die Mühlen an Fischa und Donau aufmerksam macht, zahlreiche Handwerksgeräte, Hausrat und alte bäuerliche Arbeitsgeräte. Eine „Künstlerecke“ ist den Malern Franz Anton Maulpertsch, Emil Jakob Schindler und Heribert Potuznik gewidmet. Das Museum kuratierte die Sonderausstellungen Die Fischamender Wirtshäuser - Schwarzer Adler, Goldenes Kreuz, Brauner Hirsch, Zum Greifen, Weißer Ochse, Weißer Schwan und Das Leben an der Donau - Hochwasser und Eisstoß. Kustodin des Heimatmuseums ist Barbara Marangoni. Museum für Luftfahrt und Zeitgeschichte und Museumsgalerie: Der Ausstellungsraum und die angegliederte Galerie sind geschlossen. Museum der Photographie: Das Museum in der Donauarmstraße zeigt in mehreren Schauräumen die Schwerpunkte der österreichischen Photogeschichte, verschiedene Photoverfahren, Kunstphotographie, Phototechnik und historische Fotoapparate. Museumsleiter ist Erwin Schwab. Feuerwehrmuseum: Das Feuerwehrmuseum befindet sich im alten Feuerwehrhaus in der Klein-Neusiedler Straße. Museumsleiter ist Stadtarchivar Hubert Binder. ILF-Luftfahrtmuseum: Das Luftfahrtmuseum der Interessengemeinschaft Luftfahrt Fischamend befindet sich in der Gregerstraße.