Die Bahnstrecke Traisen–Kernhof, die Traisentalbahn, ist eine Nebenbahn in Niederösterreich. Die rund 34 km lange Seitenlinie der Leobersdorfer Bahn erschließt das Traisental. Der erste Abschnitt ist in Betrieb der ÖBB, der zweite Abschnitt wird nach der Einstellung des regulären Personenverkehrs und endgültigen Stilllegungsplanungen in den 2000ern heute von den Gemeinden selbst betrieben (Traisen-Gölsental Regionalmanagement GmbH, die Bahn Anschlussbahn Traisental genannt). Die Aufnahmsgebäude der Bahnhöfe Hohenberg und St. Aegyd stehen unter Denkmalschutz.
Geschichte Traisentalbahn als Nebenbahn der Leobersdorfer Bahn mini|Abzweigstation Scheibmühl (um 1905) mini|Bahnhof St. Aegyd am Neuwalde (1906), gesehen in Fahrtrichtung Kernhof, links: das Heizhaus
Nach Vollendung der Westbahn gab es mehrere Projekte, eine Verbindung mit der Südbahn herzustellen. Schließlich setzte sich die Idee durch, die Wasserscheide zwischen Gölsen und Triesting in kaum 600 m Seehöhe mit einer Trassenführung St. Pölten – Leobersdorf zu überwinden.
Mit Gesetz vom 16. Mai 1874 wurde nicht nur die Grundlage für den Bau der Strecke Leobersdorf–St. Pölten geschaffen, sondern unter anderem auch Vorsorge für eine Flügelbahn von ScheibmühlHeute: Traisen; Scheibmühl bis Mitte der Zwanzigerjahre in Verwendung. – Sternhart, Slezak: Niederösterreichische Südwestbahnen. S. 12 und 35. nach Schrambach, eventuell Freiland getroffen. Mit Concessionsurkunde vom 3. November 1874 wurde den Konzessionären Victor Graf Wimpffen Adolph Horst, Leopold Hutterstraßer, Alexander Curti und August Köstlin das Recht zum Bau und Betrieb der genannten Strecken verliehen, wobei für die Zweigbahn der Status einer Secundärbahn festgelegt wurde, solange
Am 19. Oktober 1876 konstituierte sich die Leobersdorf-St. Pöltener Eisenbahn-Gesellschaft unter der Firma K. k. priv. niederösterreichische Südwestbahn in der Anwesenheit von 17 Aktionären, welche .
Trotz mehrfacher staatlicher Unterstützung sah sich die Aktiengesellschaft k. k. priv. niederösterreichische Südwestbahnen, die den Bahnbau begonnen hatte, unlösbaren Finanzierungsproblemen gegenüber, sodass der Staat die Restfinanzierung und schließlich 1878 die gesamte Bahnanlage unter der Bezeichnung k. k. niederösterreichische Staatsbahnen übernahm.
Am 1. Juni 1878 wurde diese 8,5 km lange Strecke eröffnetGeschichte der Eisenbahnen der österreichisch-ungarischen Monarchie. Band 1,2. Karl Prochaska, Wien 1898, S. 193. (auf welcher bis 5. Juli selben Jahres galt).
Zehn Jahre später konkretisierte sich die weitere Planung im Gesetz vom 30. Juni 1888, das eine zum Inhalt hatte.
Weitere im Rahmen der gesetzlich festgelegten Projektierung vorgenommene Kostenschätzungen legten der Regierung nahe, .Geschichte der Eisenbahnen der österreichisch-ungarischen Monarchie. Band 1,2. Karl Prochaska, Wien 1898, S. 394.
Der Bau der erfolgte auf Basis des Gesetzes vom 1. Juni 1890, die Eröffnung der 25,6 km langen Strecke fand am 2. Juni 1893 statt.Wie bereits mit sinngemäß beabsichtigt, bestand zehn Jahre später, 1898, das (unrealisiert gebliebene) Projekt, abzweigend von der Staatsbahnlinie Scheibmühl–Kernhof eine normalspurige, dampf- oder strombetriebene Adhäsions- bzw. Zahnstangenbahn nach Mariazell und weiter nach Gußwerk zu errichten. – Siehe: Ausgeführte und projektierte Anlagen. Oesterreich-Ungarn. a) Oesterreich. (…) Mariazell. Elektrische Bahn. In: Johann Sahulka (Red.): Zeitschrift für Elektrotechnik. Band 16.1898, Heft 47/1898, 20. November 1898, . Lehmann & Wentzel (Kommission), Wien 1897, S. 562. – Text online.
Verlauf und Betrieb nach der Übernahme durch die Gemeinden Die Strecke beginnt im Bahnhof Traisen, folgt der Traisen flussaufwärts und erreicht nach den Haltestellen Traisen Markt und Marktl/Traisen den Bahnhof Lilienfeld, nachdem sie kurz zuvor das Stift Lilienfeld passiert hat. Es folgen die Haltestellen Lilienfeld Krankenhaus und Schrambach. Bis 2026 soll die Traisentalbahn bis Freiland elektrifiziert werden.
Danach befanden sich aufgelassene Haltestelle Tavern und der Bahnhof Freiland, von dem die 2001 stillgelegte Strecke nach Türnitz abzweigt.
Nun folgt die Strecke der Unrecht-Traisen. Die nächsten Haltestellen waren Innerfahrafeld und Furthof. Danach folgte der Bahnhof Hohenberg. Die Haltestellen In der Bruck, Amt Mitterbach sowie St. Aegyd Eisenwerk befanden sich vor dem Bahnhof St. Aegyd am Neuwalde. Hier endet der Güterverkehr auf dieser Strecke. Nur knapp hinter diesem Bahnhof liegt der Endpunkt der Strecke (bis 12. Dezember 2010) in der Haltestelle Markt St. Aegyd am Neuwalde. Der Bahnhof Kernhof wurde seit 29. Mai 1988 nicht mehr erreicht.Bereits im Frühjahr 1968 bestand der Beschluss, die Nebenbahnlinien Traisen–Kernhof und Freiland–Türnitz einzustellen, wogegen der ÖGB in einer Resolution protestierte. – Siehe: Die Teilstrecke Schrambach – St. Aegyd am Neuwalde Markt wurde am 12. Dezember 2010 für den Personenverkehr eingestellt; der Güterverkehr zwischen Freiland und St. Aegyd wurde, verbunden mit einer Frachtkostenerhöhung von 150 Euro/Waggon, ursprünglich bis Mitte 2011, nach politischer Urgenz bis zum Fahrplanwechsel Dezember 2011 aufrechterhalten.Astrid Krizanic-Fallmann: Ärger über Zuschlag der ÖBB. In: noen.at, 7. Dezember 2010, abgerufen am 11. Februar 2023.Wirtschaft. Traisentalbahn: Güterverkehr verlängert. (…) In: noe.orf.at, 1. Juli 2011, abgerufen am 11. Mai 2022.
Seit dem 1. April 2012 ist die 17 km lange Strecke zwischen Freiland und St. Aegyd eine Anschlussbahn im Besitz der Traisen-Gölsental Regionalentwicklungs GmbH,Güterverkehr auf Traisentalbahn St. Aegyd bis Freiland bleibt bestehen – Gemeinden übernehmen Bahn mit Hilfe des Landes NÖ. In: magzin.at, 22. Dezember 2011.Roland Beck: Traisen-Gölsental Regionalmanagement GmbH, 15. März 2012. die diese der ÖBB Rail Cargo (RCA) zur Verfügung stellen. Die Gemeinden investierten 4,5 Mio. Euro, 3,3 Mio. Euro förderte das Land, gut 800.000 Euro die Schieneninfrastruktur-Dienstleistungsgesellschaft mbH (Schig) aus dem österreichischen Klima- und Energiefonds des Lebensministeriums. Die Rail Cargo Austria stellt weiterhin das Zugmaterial im regulären Gütertransport bereit und erarbeitet die Fahrpläne. Außerdem werden im Personenverkehr wieder Sonderfahrten durchgeführt.
Mit 1. Februar 2013 wurde von der Traisen-Gölsental Regionalmanagement GmbH eine Rahmenvereinbarung Streckenbetreuung Anschlussbahn Traisental ausgeschrieben.Manuela Pleyer: In: traisen-goelsental.at → Aktuelles der Anschlussbahn, 1. Februar 2013, abgerufen am 16. Februar 2013. Seit 2013/14 kann durch eine Kooperation mit der Weichenwerk Wörth GmbH (St. Pölten, eine Kooperation der voestalpine Weichensysteme und der ÖBB Infrastruktur) auch wieder der Winterbetrieb sichergestellt werden.Manuela Pleyer: In: traisen-goelsental.at → Aktuelles der Anschlussbahn, 18. Oktober 2013, abgerufen am 26. April 2015.
Bedeutung
Die Strecke wurde als eine der ersten verstaatlicht und läutete die große Staatsbahnära in Österreich ein, noch bevor die Kaiserin-Elisabeth-Bahn (Westbahn) in den Staatsbesitz überging.
Mit der immer stärker werdenden Konkurrenz durch den Straßenverkehr verlor die Strecke in der Nachkriegszeit immer mehr an Bedeutung.
Die nicht durchgeführten Investitionen und Modernisierungen (automatische Schrankenanlagen, fernbediente Weichen, Erneuerungen des Oberbaus) führten zu einer personalintensiven und langsamen Abwicklung des Verkehrs, der nicht mehr kostendeckend durchgeführt werden konnte. Die in den 1960er und 1970er Jahren gut besetzten Arbeiter- und Schülerzüge verloren immer mehr an Bedeutung. Die Folge war 1988 die Einstellung des Verkehrs nach Kernhof.
Aufgrund der Bedeutung für den Wirtschaftsstandort übernahmen die Traisentalgemeinden (Kleinregion Traisen-Gölsental) den Betrieb der hinteren Talung selbst, und durchaus erfolgreich.Der Zug kommt in die Fabrik – Anschlussbahnen. Wolfgang Pozsogar in Die Presse online, 18. November 2014. Nachdem die VÖEST den Standort am Eisenwerk St. Aegyd in den 1990ern aufgelassen hatte, sind es heute neben der Giesserei TraisenGiesserei Traisen – voestalpine. voestalpine.com (abgerufen am 25. April 2015). und PREFA in Lilienfeld, die noch von der ÖBB bedient werden, insbesondere der Automobilzulieferer Roth-Technik Austria (RTA) und die Seilerei Teufelberger teufelberger.com → Über uns → Standorte (abgerufen am 21. April 2015). in St. Aegyd wie auch isoplus Fernwärmetechnik isoplus.at (abgerufen am 25. April 2015). (ehemalige Feilenfabrik Furthof bis 1982), für die die Bahn von zentraler Bedeutung ist. Die Sonderfahrten für Personen auf Anfrage fördern auch den Tourismus der Talung.
Seit Einstellung des Personenverkehrs im Dezember 2010 gibt es immer wieder Sonderfahrten. Eine Zeit lang gab es jährlich welche zur Saisoneröffnung des Traisentalradwegs, etwa am 19. April 2015 zwischen St. Pölten und Markt St. Aegyd. 2024 erfolgten öffentliche Personenzug-Fahrten durch den Österreichischen Club für Diesellokgeschichte (ÖCD), auch 2025 sind Fahrten geplant.
Attraktivierung Der Abschnitt bis Schrambach soll bis 2027 elektrifiziert und in mehrlei Hinsicht attraktiviert werden. Die Bauarbeiten begannen 2025.
Fahrbetriebsmittel
Die Niederösterreichischen Südwestbahnen beschafften ursprünglich sechs Lokomotiven der Serie A, sieben Maschinen der Serie B, eine Tenderlokomotive 1C und sechs Tenderlokomotiven der Serie C mit den Nummern 2–7. Alle diese Maschinen wurden von den kkStB übernommen. Die kkStB selbst ließ 1893 drei Lokomotiven (97.59–61) für die NÖSWB im Zusammenhang mit der Eröffnung der Zweiglinie nach Kernhof bauen.
Als Besonderheit ist auf der gemeindeeigenen Anschlussbahn heute ein Zweiwege-Unimog (straßen- und bahntauglich) in Betrieb, den die Weichenwerk Wörth GmbH in PPP-Kooperation bereitstellt. Er ist mit einem Kran ausgerüstet, sodass sowohl von der Straße als auch der Bahntrasse aus Wartungsarbeiten durchgeführt werden können, und ist auch im Winterdienst in Einsatz.
Galerie
Literatur Hans Sternhart, Friedrich Slezak, Josef O. Slezak: Niederösterreichische Südwestbahnen. Leobersdorf, Hainfeld, St. Pölten, Traisen, Kernhof/Türnitz, Wittmannsdorf, Piesting, Gutenstein, Pöchlarn, Scheibbs, Kienberg-Gaming. (= Internationales Archiv für Lokomotivgeschichte. Band 25). Verlag Slezak, Wien 1977, ISBN 3-900134-35-9. Peter Wegenstein, Heinz Albrecht: Bahnen zwischen Süd- und Westbahn. Die Strecken Leobersdorf – St. Pölten, Traisen – Kernhof und Freiland – Türnitz. (= Bahn im Bild. Band 75). Verlag Pospischil, Wien 1990, . Wolfdieter Hufnagl: Die Niederösterreichischen Landesbahnen. transpress Verlag, Stuttgart 2003, ISBN 3-613-71214-8.
Weblinks
Einzelnachweise
Anmerkungen
Kategorie:Bahnstrecke in Niederösterreich Kategorie:Traisen (Niederösterreich) Kategorie:Lilienfeld Kategorie:Türnitz Kategorie:Hohenberg (Niederösterreich) Kategorie:St. Aegyd am Neuwalde Kategorie:Bauwerk im Mostviertel