Das Schloss Heuckewalde, das aus einer Wasserburg hervorgegangen ist, befindet sich im Ortsteil Heuckewalde der Gemeinde Gutenborn im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt.
Die ursprüngliche Wasserburg wurde vermutlich um 1156, kurz nach der ersten Erwähnung des Ortes im Besitz des Klosters Posa in Zeitz 1152, beginnend mit dem Bergfried als eine kastellartige Burganlage erbaut. Der im 12. Jahrhundert fertiggestellte Wehrturm mit seinem später ergänzten Aufsatz (insgesamt 42 Meter hoch) belegt den früheren Befestigungscharakter des Schlosses als von Sümpfen und Wasser umgebene Wasserburg.
Erstmals wird die Burg 1318 urkundlich bei einem Vergleich um den Besitz von Heuckewalde zwischen dem Landgrafen Friedrich I. (Friedrich der Gebissene) und dem Bischof Heinrich von Naumburg-Zeitz erwähnt.
Nachdem die Naumburger Bischöfe im 14. Jahrhundert das Schloss als Jagd- und Lustschloss genutzt hatten, wurde es verkauft, als Wohnanlage genutzt und Anfang des 18. Jahrhunderts durch die Besitzer Bernhard von Pflugk und dessen Sohn Georg zum bestehenden Wohnschloss umgebaut. Als Schloss wurde die Anlage hingegen bereits mindestens seit 1650 bezeichnet.
Später entwickelte sich ein konventioneller Rittergutssitz, zunächst im Besitz und nachfolgend im freien Eigentum von Adelsgeschlechtern und deren verwandter Familien, wie der Familie von Wolframsdorf. Aus ihnen stammt der Architekt Otto von Wolframsdorf, der auch im Schloss geboren wurde. Vorzeitlich gelangte die 1649 in den Reichsritterstand mit Edler von nobilitierte briefadelige der Freiherren Familie von Hertzberg, zuletzt geschrieben als Freiherren von Herzenberg, als Nachfahren des Augustin von Schmidt, an Schloss und Gut Heuckewalde. Überliefert ist das Jahr 1773, als Schlossherrin fungierte zuerst Johanne Luise Freiin von Herzenberg.Nach amtlichen Unterlagen des kursächsischen Lehnhofs Dresden soll am 15. Januar 1773 für 61.000 fl. Johann Wilhelm Freiherr von Hertzberg († 1807) das Gut gekauft haben. Sie war die Schwester des Christoph Alexander Freiherr von Hertzberg (Herzenberg), welcher bei Schweinfurt Güter bewirtschaftete. Nacherbe wurde deren Neffe Freiherr Georg Hannibal Hermann von Herzenberg, verheiratet mit Agnes von Heynitz-Heynitz.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser auf das Jahr 1871. (Ungerader Jahrgang-B-Briefadel), Jahrgang 21, Justus Perthes, Gotha 31. Oktober 1870, S. 278 f.
In den 1920er Jahren beinhaltete das Rittergut Heuckewalde des Freiherren Ernst von Herzenberg ohne den Nebenbesitzungen in der Umgegend etwa 240 ha Landfläche.Oskar Köhler, Gustav Wesche, H. Krahmer: Landwirtschaftliches Güter-Adreßbuch der Provinz Sachsen. 1922. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter und Güter von ungefähr 20 ha herab mit Angabe der Gutseigenschaft, des Grundsteuerertrages, der Gesamtfläche und des Flächeninhalts der einzelnen Kulturen. Hrsg. Mit Unterstützung der Landwirtschaftskammer zu Halle a. S., In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band V, (Paul Niekammer), 3. Auflage, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1922, [S. 238–239.]
1945 erfolgte die Enteignung der Eigentümer, der Familie der Freiherren von Herzenberg, hier des Oberleutnants und preußischen Provinzial-Verwaltungs-Rates Erich Hannibal Reinhard Eduard von Herzenberg, verheiratet mit Gertrud von Massow.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil B (Briefadel). 1941. Jahrgang 91, Justus Perthes, Gotha November 1940, [S. 176 f.] Neuer Rechtsträger wurde die Gemeinde. Sie nutzte das Schloss als Schule, Kindergarten, Kinderkrippe, Schulküche, Gemeindeamt und als Wohnanlage. Erich von Herzenberg blieb in der Region wohnhaft und lebte in Merseburg, seine Witwe ebenfalls, die Kinder dagegen in Westdeutschland.Hans Friedrich von Ehrenkrook, Carola von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Freiherr von Lyncker und Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Jürgen von Flotow: Genealogisches Handbuch der Freiherrlichen Häuser. B (Briefadel). 1963. Band III, Band 31 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Ausschuss für adelsrechtlichen Fragen der deutschen Adelsverbände in Gemeinschaft mit dem Deutschen Adelsarchiv, Verlag C. A. Starke, Limburg a. d. Lahn 1963, S. 204–206.
Nach der Wende (1990) und dem Auszug der vorangegangenen Nutzer stand das Schloss leer und begann zu verfallen. 2003 wurde der Förderverein „Schloss Heuckewalde“ e. V. zur Erhaltung und Nutzung des Schlosses gegründet. Seit Februar 2011 ist das Schloss wieder in Privatbesitz.
Von der Idee, den seit langer Zeit zugeschütteten Wassergraben rund um die frühere Wasserburg wieder freizulegen, wurde Abstand genommen.
mini|links|Blick zur Schlosskirche Heuckewalde
Literatur „Wasserburg Heuckewalde“. In: Adolf Brinkmann: Über Burganlagen bei Zeitz. In: Wissenschaftliche Beilage zum Jahresbericht des Königl. Stiftsgymnasiums zu Zeitz. 1895/1896. , Verlag Otto Hendel, Halle (Saale) 1896, S. 50–54.Mit Grundriss, Zeichnung und Turm-Schnittbild.
Weblinks
Schloss Heuckewalde bei Burgenwelt.de Schloss Heuckewalde
Einzelnachweise
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