mini|hochkant=1.3|Markt
Finsterwalde () ist eine Stadt im südlichen Brandenburg und der einwohnerreichste Ort im Landkreis Elbe-Elster. Sie war von 1952 bis 1993 Sitz des Kreises bzw. Landkreises Finsterwalde.
Der Schlager des späten 19. Jahrhunderts Wir sind die Sänger von Finsterwalde und das nach diesem Titel benannte Finsterwalder Sängerfest machten die Stadt auch überregional bekannt. Im amtlichen Schriftverkehr darf daher seit 2009 auch die Zusatzbezeichnung „Sängerstadt“ verwendet werden. Seit dem 16. Mai 2013 führt die Stadt mit Genehmigung des Innenministeriums Brandenburg offiziell diese Zusatzbezeichnung, auch auf den Ortseingangsschildern.; Mitteilung des Innenministeriums Brandenburg, PDF, abgerufen am 10. Mai 2024 Die Finsterwalder Sangestradition wurde im März 2024 in das Immaterielle Kulturerbe Deutschlands aufgenommen.
Die Stadt entwickelte sich zu einem Zentrum des Maschinen- und Anlagenbaus und wird in Brandenburg als Mittelzentrum eingestuft.
Geographie Finsterwalde liegt in der Niederlausitz, einer Region, die zum größten Teil im Süden von Brandenburg liegt. Sie ist 112 km südlich von Berlin, 78 km nördlich von Dresden, 53 km südwestlich von Cottbus sowie 109 km nordöstlich von Leipzig gelegen. mini|hochkant=1.3|Finsterwalde, um den Wasserturm (2013)
Nachbargemeinden Die Stadt Finsterwalde grenzt an folgende Gemeinden und Städte:
Stadtgliederung Das Stadtgebiet besteht aus der Kernstadt Finsterwalde und den Ortsteilen Pechhütte (niedersorbisch: Smólnica) – 108 Einwohner Sorno (niedersorbisch: Žarnow) – 390 Einwohner Einwohnerzahlen vom 31. Februar 2024.Gemeinde- und Ortsteilverzeichnis des Landes Brandenburg am 31. Dezember 2024 Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg (LGB), abgerufen im September 2026. (saved in Webarchiv)
sowie den Wohnplätzen Heinrichsruh, Hintermühle, Margarethenhof, Nehesdorf, Schiemenzmühle und Zollhaus.
Geschichte Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte im Jahr 1282 unter dem Namen Vynsterwalde. Im Jahre 1301 wird erstmals durch eine Urkunde von einer Stadt oder wenigstens einer Ansiedlung in der unmittelbaren Umgebung der befestigten Anlage gesprochen (oppidum et castrum). Oppidum bedeutet aber hier wahrscheinlich nur Marktflecken. Die eindeutige Bezeichnung von Finsterwalde als Stadt bietet erst ein Lehnsdokument aus dem Jahre 1336, in dem die Stadt Duisterenwalde genannt wird.
Finsterwalde stellt in seiner ursprünglichen Struktur eine typische ostelbische Kolonistenstadt dar. Rechtwinklig aufeinandertreffende Straßen bilden viereckige Quartiere, die sich um den relativ großen Marktplatz gruppieren. Das Siedlungsgelände (ca. 11 Hektar) lag nördlich der alten Burg, es besaß selbst keine Stadtmauer, aber Palisaden und einen Stadtgraben und zwei (oder drei) Stadttore, deren Aussehen nicht überliefert ist.
Die Bewohner der Stadt waren ursprünglich in erster Linie Ackerbürger. Die Lage der Stadt an bedeutenden Handelswegen von Leipzig über Torgau und Spremberg nach Breslau (Niedere Straße) und dem Abzweig der Salzstraße nach Jüterbog und Niemegk ließ gewiss auch die Beteiligung einiger Bürger an Handelsgeschäften zu. Trotz des Zustroms deutscher Siedler im 13. Jahrhundert blieb die mehrheitliche Umgangssprache in Finsterwalde noch bis ins frühe 18. Jahrhundert das Sorbische, in den Dörfern der Umgebung teils sogar bis zum Ende des 18. Jahrhunderts.Frido Mětšk: Zur Frage der ehemaligen sorbischen Bevölkerung des meißnischen Amtes Finsterwalde. In: ders., Studien zur Geschichte sorbisch-deutscher Kulturbeziehungen. VEB Domowina-Verlag, Bautzen 1981, S. 177–195, hier S. 190.
mini|Schloss Eine vermutlich von Slawen erbaute Holzfestung aus der Zeit vor der Gründung der Stadt wurde offenbar noch im 13. Jahrhundert zu einer befestigten Burg ausgebaut (1301 Erwähnung von oppidum et castrum, d. h. eingefriedete Siedlung und Burg). Im späteren Mittelalter bis Mitte des 15. Jahrhunderts wurde sie von Raubrittern bewohnt und ab 1437 von den neuen Besitzern in eine Schlossanlage, das Schloss Finsterwalde, umgebaut wurde.
Seit dem Spätmittelalter entwickelten sich verschiedene Gewerbe in der Stadt. Die gewerbliche Tuchherstellung wurde zum wichtigsten Wirtschaftszweig. 1555 war Finsterwalder Tuch erstmals auf der Leipziger Messe vertreten. Im Jahre 1599 forderte die Pest 400 Tote. Im Jahr 1625, sieben Jahren nach Beginn des Dreißigjährigen Krieges, endete die seit 1533 andauernde Herrschaft des Adelsgeschlechts von Dieskau über die Stadt und Finsterwalde gelangte in den unmittelbaren Besitz des sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. Den Treueid auf den neuen Herrn leistete der Bürgermeister der Stadt noch in sorbischer Sprache, der kurze Text gehört zu den frühen Belegen des Niedersorbischen.Der Niedersorben Wendisch. Eine Sprach-Zeit-Reise. Bautzen 2003, S. 69. Das Schloss diente den kurfürstlichen und von 1652 bis 1738 dann den sächsisch-merseburgischen Behörden lediglich als Amtssitz. In den Jahren 1642, 1643 und erneut 1645 plünderten marodierende schwedische Truppen in der Spätphase des Dreißigjährigen Krieges Stadt und Schloss. Das städtische Gewerbe und Gemeinwesen lagen danach für Jahrzehnte danieder.
Das Rathaus wurde 1675 bei einem großen Stadtbrand vernichtet. Erst 1739 war die Bürgerschaft in der Lage, ein neues Gebäude zu errichten. Der schlichte Barockbau dominiert noch heute den Marktplatz. 1815 gelangte Finsterwalde im Ergebnis des Wiener Kongresses zum Königreich Preußen.
Der allgemeine industrielle Aufschwung im 19. Jahrhundert lässt sich in Finsterwalde nahezu exemplarisch nachvollziehen. Es war wiederum die Tuchproduktion, die die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt nachhaltig beeinflusste. Aus den kleinen zünftlerischen Handwerksbetrieben entwickelten sich einige wenige, aber leistungsfähige Tuchfabriken. Das bedeutendste Unternehmen der Branche war F. F. Koswigs Tuchfabrik, deren Beschäftigtenzahl von 3 Arbeitern 1838 auf 760 Arbeiter und Angestellte im Jahre 1913 anstieg. Neben der Tuchfabrikation entwickelten sich Betriebe der Metall-, Holz-, Glas-, Tabak-, Chemie- und später der Elektromaschinenbranche. Der Anschluss an das Eisenbahnnetz wurde 1871 mit dem Bau der Strecke Halle–Sorau vollzogen.
mini|hochkant|Wasserturm Die Einwohnerzahl Finsterwaldes stieg von 1.600 im Jahre 1800 auf 10.726 im Jahre 1900. Die Stadt dehnte sich nun über die mittelalterliche Siedlungsfläche hinaus aus. Neu entstandene Wohn- und Gewerbegebiete ziehen sich wie ein Gürtel um den ursprünglichen Kern der Stadt. Gebäude des wirtschaftlichen und kommunalen Lebens, die noch heute das Stadtbild mitprägen, wurden bis zum Ersten Weltkrieg errichtet: die Mädchenschule (1868), das Amtsgericht (1885), die Realschule (1905), die katholische Kirche St. Maria Mater Dolorosa (1906), das Krankenhaus (1908), der Wasserturm (1909/1910), die Knabenschule (1913) und die Post (1915). Am 31. Januar 1928 wurde Nehesdorf nach Finsterwalde eingemeindet.Kreisarchiv Elbe-Elster, Magistratsbestand der Stadt Finsterwalde, Nr. 946.
Während des Zweiten Weltkrieges mussten 963 Kriegsgefangene und 2.755 Frauen und Männer aus den von Deutschland besetzten Ländern Zwangsarbeit verrichten: in der Firma Kjellberg Elektroden und Maschinen GmbH, in der Reichelt Metall-Schrauben AG und in den Tuchwerken. Sie waren in mehreren Lagern, darunter dem Siemens-Lager, untergebracht. Bei den Zwangsarbeitern der Großbetriebe wurden 392 Todesopfer registriert.
Zwischen 1945 und 1950 wurden im Kreis Finsterwalde mindestens 685 Personen von der Geheimpolizei des sowjetischen NKWD verhaftet. Etwa 250 Personen kamen in den sowjetischen Speziallagern oder Militärgefängnissen ums Leben.G. Didier: Von der sowjetischen Besatzungsmacht Internierte, Verurteilte und Deportierte im Raum Finsterwalde 1945–1950. (PDF; 379 kB) Dokumentation im Kreismuseum Finsterwalde. Namensliste zusammengestellt 2012; abgerufen am 19. Februar 2014G. Didier: Du Werwolf …! Wer noch …? (PDF; 191 kB) Forschungsprojekt des Kreismuseums Finsterwalde. 1998; abgerufen am 19. Februar 2014
Zur Zeit der DDR war Finsterwalde als Fahrradfahrer-Stadt bekannt. Zum 1. Januar 1988 wurde die Gemarkung des devastierten Ortes Bergheide dem Stadtgebiet einverleibt. Zum 6. Dezember 1993 folgte der Ort Sorno, der heute ein Ortsteil von Finsterwalde ist.
Heute ist Finsterwalde ein bedeutender Wirtschaftsstandort in der westlichen Niederlausitz. Aber die Geltung als Fabrikstadt, der noch sehr das Bild rußiger Schornsteine anhaftet, ist durch den Ruf Finsterwaldes als Sängerstadt ersetzt. Die Ursache dafür liegt nicht in erster Linie in der langen Tradition der hiesigen Sangespflege, sondern hauptsächlich darin, dass ein Lied, ein Gassenhauer, die Finsterwalder als besonders sangesfreudig benennt.
Der Direktor der Herrensängergesellschaft Hamburger Sänger Wilhelm Wolff ersuchte 1899 bei der Politischen Polizei Berlin um die Aufführungsgenehmigung seines kleinen Theaterstückes Wir sind die Sänger von Finsterwalde. In den Germania-Prachtsälen in der Berliner Chausseestraße führte die Wolffsche Gesellschaft die ganz dem Geschmack des Vergnügungsbetriebes der Jahrhundertwende entsprechende Burleske auf. Die Uraufführung fand dort am 3. September 1899 statt. Hier traten die Sänger, drei auffällig gekleidete Herren mit den charakterisierenden Namen Pampel, Knarrig und Strippe, mit ihrem Entreeliedchen Wir sind die Sänger von Finsterwalde erstmals auf. Zu Beginn der Sängermanie waren die Bürger der Stadt gar nicht erfreut, mit den zumeist komischen oder gar weinseligen Figuren in Frack und Zylinder verglichen zu werden. Aber schließlich siegte der Humor, denn sonst wären die echten Finsterwalder erst recht Gefahr gelaufen, der Lächerlichkeit anheimzufallen. Das Lied von den Sängern aus Finsterwalde wurde zum Ohrwurm und war allerorten zu vernehmen. Die Finsterwalder singen ihr Lied und die darauf beruhenden Liedvarianten, die bis in die heutige Zeit neu entstehen, immer noch gern. Die Finsterwalder Sänger treten heute im Gegensatz zur ursprünglichen Besetzung zu viert auf. Wir sind die Sänger von Finsterwalde ist bis heute das Eröffnungslied des alle zwei Jahre stattfindenden Sängerfestes.
Die Stadt gehörte 1817–1952 zum Landkreis Luckau (bis 1947 in der preußischen Provinz Brandenburg, 1947–1952 im Land Brandenburg). 1952–1993 war Finsterwalde Kreisstadt des gleichnamigen Kreises (bis 1990 im DDR-Bezirk Cottbus, 1990–1993 wieder im Land Brandenburg). Seit der Kreisreform 1993 liegt die Stadt im Landkreis Elbe-Elster.
Bevölkerungsentwicklung mini|Berliner Straße in Richtung Marktplatz
Jahr Einwohner 1800 1.660 1833 3.000 1875 7.690 1890 8.817 1910 13.111 1925 15.774 1933 16.456 1939 18.473 1946 20.766 Jahr Einwohner 1950 20.692 1964 22.338 1971 22.790 1981 23.814 1985 23.927 1990 23.250 1995 21.744 2000 20.103 2005 18.693 Jahr Einwohner 2010 17.407 2015 16 548 2020 15 968 2021 15 748 2022 15 789 2023 15 690 2024 15 496 2025 15 488 Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Elbe-Elster (PDF) S. 14–17Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Politik Stadtverordnetenversammlung Die Stadtverordnetenversammlung von Finsterwalde besteht aus 28 Stadtverordneten und dem hauptamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 63,5 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024