mini|hochkant|Ein Casspir der SAP, als gepanzertes Schienenfahrzeug in Südwestafrika genutzt Die South African Police (SAP bzw. S.A.P.; afrikaans: Suid-Afrikaanse Polisie) war die nationale Polizei in Südafrika und weitgehend von der Militärpolitik beeinflusst. Sie existierte von 1913 bis 1994. In Südwestafrika (heute Namibia) stellte sie zwischen 1939 und 1981 ebenfalls die Polizei. Nach Beendigung der Apartheidpolitik wurde die SAP in den South African Police Service (SAPS; etwa: „Südafrikanischer Polizeidienst“) umgewandelt. Dazu erließ man 1995 den South African Police Service Act (Act No. 68).
Während der Zeit der Apartheid arbeitete die SAP eng mit der 1958 gegründeten South African Defence Force (SADF) zusammen, um politisch oppositionelle Aktivitäten und Unruhen innerhalb der Bevölkerung zu unterdrücken. Dabei wurden teils verdeckte Methoden der Aufstandsbekämpfung angewendet. Die SAP ist für zahlreiche Menschenrechtsvergehen verantwortlich, darunter Morde, Bombenanschläge und Entführungen. Die meisten Einheiten waren kaserniert untergebracht und militärisch ausgebildet. In Krisensituationen war sie militärischen Kommandoebenen unterstellt.Christoph Sodemann: Die Gesetze der Apartheid. Bonn 1986, S. 137. Die Verknüpfung der Polizei mit militärischen und geheimdienstlichen Aufgaben verstärkte sich 1972 mit der Gründung des State Security Council. Aus dem Bericht der seit 1969 tätigen „Potgieter-Kommission“ (Commission to Inquire into Certain Intelligence Aspects of State Security) entwickelte sich die direkte geheimdienstliche Nutzung der vorhandenen Polizeistrukturen.South African Institute of Race Relations: A Survey of Race Relations in South Africa 1972. Johannesburg 1973, S. 69–70. (online).Kevin A. O’Brien: The South African Intelligence Services: From Apartheid to Democracy, 1960-2005. Routledge, Oxon / New York 2011.
Daneben übte die SAP auch klassische Polizeiaufgaben aus, wie die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und die Verfolgung von Verbrechen. Das Motto der SAP war Servamus et servimus, deutsch etwa: „Wir schützen und dienen“.
Geschichte miniatur|Polizeieinheit am Fort Nongquai, Zululand Vorgeschichte Bis 1899 gab es in der Kapkolonie, der Kolonie Natal, dem Oranje-Freistaat und in Transvaal jeweils eigene Polizeiorganisationen.Die SAP bei sahistory.org.za (englisch), abgerufen am 17. Oktober 2012. Mit dem Zweiten Burenkrieg wurden die Polizisten der beiden Kolonien zu den britischen Truppen eingezogen, die anderen zu den burischen Truppen. Nach Kriegsende wurde in Johannesburg und Pretoria die Transvaal Town Police gegründet, während die ländlichen Gebiete fortan der South African Constabulary unterstanden. 1908 wurde die Polizei in Transvaal und der Oranjefluss-Kolonie zur Transvaal and Orange River Police Forces umgewandelt. 1910 wurde der Commissioner of Police dieser Polizei, Theodorus Truter, mit der Gründung der Südafrikanischen Union zum Commissioner für ganz Südafrika ernannt. Ende 1911 wurde geplant, die südafrikanische Polizei in die South African Police (SAP) und die South African Mounted Riflemen (SAMR, afrikaans: Zuid-Afrikaanse Berede Schutters) aufzuteilen. SAP-Polizisten konnten im Kriegsfall eingezogen werden, während SAMR-Männer Militärangehörige waren, die in Friedenszeiten Polizeiaufgaben übernahmen, etwa in den Wohngebieten der Schwarzen.
Die schließlich zusammenfassende Regelung traf der Police Act (Act 14 of 1912), der am 1. April des Folgejahres in Kraft trat. Unter den South African Mounted Rifles wurden nun Einheiten der Cape Mounted Police (CMP), Cape Mounted Rifles (CMR), Natal Police (NP) und Transvaal Police (TP) zusammengefasst. Das waren paramilitärisch organisierte Gruppierungen aus überwiegend schlecht ausgebildeten und schlecht bezahlten Personen, deren gemeinsames Merkmal in einer rassistisch geprägten Vorurteilshaltung gegenüber der nichteuropäischen Bevölkerung zum Ausdruck kam. Die neue South African Police setzte sich aus allen anderen bisherigen kolonialen Polizeigruppen zusammen, mit Ausnahme der Bezirkspolizei von Pietermaritzburg und Durban.S. D. Olley: SA Mounted Rifles 1911-1922. auf www.home.mweb.co.za (englisch).H. J. Simons: The Law and its Administration. 5. The Police. In: Ellen Hellmann, Leah Abrahams (Hrsg.): Handbook on Race Relations in South Africa. Oxford University Press, Cape Town / London / New York 1949, S. 75.
Von der Gründung bis zur Parlamentswahl 1948 1913 erlangte unter General James Barry Munnick Hertzog auch der Defence Act (deutsch etwa: „Verteidigungsgesetz“) Rechtskraft und die SAP wurde gegründet, drei Jahre nach Gründung der Südafrikanischen Union.
Bereits 1913 und 1914 sowie 1922 gab es im Witwatersrand-Gebiet ausgedehnte Streiks, die die SAP nur durch Zuhilfekommen von Soldaten eindämmen konnte. Nach dem Defence Act war die enge Zusammenarbeit von Polizei und Armee durchaus vorgesehen. Während des Ersten Weltkriegs war die SAMR militärisch eingesetzt, so dass die SAP ihre Aufgaben im Inland übernehmen musste. Lediglich die SAMR und die Durban City Police wurden nicht Teil der SAP. Anfangs war die SAP nur für die Städte zuständig, während in den ländlichen Gegenden die SAMR als Polizei auftraten, eine Abteilung der Union Defence Force, der damaligen Armee Südafrikas. 1920 wurden die SAMR-Mitglieder von der SAP aufgenommen. Die SAP übernahm in der Folge die Polizeidienste im Raum Pietermaritzburg, 1936 auch im Raum Durban. Damit waren alle Polizeikräfte des Landes bis auf die South African Railway Police Force (etwa: „Südafrikanische Eisenbahnpolizei“) und das South African Military Police Corps („Südafrikanisches Militärpolizeikorps“) in der SAP vereinigt.
1939 übernahm die SAP die South West African Police und stellte damit die Polizeidienste in Südwestafrika, das damals von Südafrika verwaltet wurde.
Während des Zweiten Weltkriegs stellten Polizisten einen Teil der „Südafrikanischen Zweiten Infanteriedivision“ in Nordafrika, die bei Tobruk von deutschen Wehrmachtstruppen besiegt wurde.
Zeit der Apartheid Wichtige Ereignisse und Etappen Als die National Party bei den Parlamentswahlen 1948 die liberalere United Party geschlagen hatte, wurden neue Gesetze erlassen, die die Zusammenarbeit von Polizei und Militär verstärken sollten. Zugleich verstärkte sich der Einfluss der burischen Nationalisten auf die SAP. Es gehörte nunmehr zu den Polizeiaufgaben, die Prinzipien der eingeschlagenen Politik einer „getrennten Entwicklung“, allgemein als Apartheid bezeichnet, bedarfsweise mit Gewalt durchzusetzen. Die Polizeikräfte wurden mit schlagkräftigeren Waffen ausgerüstet, um als feindlich angesehene Menschenmengen kontrollieren zu können. Die technische Ausstattung nahm immer mehr das Niveau von Bodenkampfverbänden einer Armee an. Örtliche Polizeistationen verfügten über Bestände an Gewehren und Maschinenpistolen.Sachs, Bernstein, 1976, S. 57.
Der Police Act (No. 7) von 1958 erweiterte die Aufgaben der Polizei, so dass sie Unruhen unterdrücken und Maßnahmen zur Aufstandsbekämpfung anwenden durfte. Die enge Zusammenarbeit mit der als SADF transformierten Armee blieb bestehen und erfuhr sogar eine schrittweise Vertiefung. Die Polizei inhaftierte rund 80.000 Menschen zwischen 1960 und 1994 ohne Anklage. In Polizeihaft starben von 1963 bis 1985 74 Personen. Der Police Amendment Act (No. 74) von 1965 ermöglichte es der Polizei, ohne Haftbefehl Personen und ihre Fahrzeuge innerhalb einer Meile vor einer Grenze zu durchsuchen und dabei gefundene Gegenstände einzubehalten.Das Jahr 1965 bei den O’Malley’s Archives (englisch), abgerufen am 20. Oktober 2012. Ab 1979 wurde diese Zone auf acht Meilen ausgedehnt, 1983 auf das gesamte Land.
Die Polizeireserve, in den 1960er Jahren auf Initiative des damaligen Justizministers Balthazar Johannes Vorster gegründet, erlaubte es der Regierung, ehemalige Polizisten für 30 bis 90 Tage pro Jahr zu verpflichten, sowie im Notfall zu weiteren Zeiten. 1981 wurde eine weitere Reserve eingerichtet, die aus unbezahlten Freiwilligen bestand, die eingeschränkte Polizeiaufgaben wahrnehmen durften. Die Polizei verstärkte die Verwendung von spezialisiertem Teilzeitpersonal, etwa der Kitskonstabels (afrikaans für „Sofortkonstabel“; offiziell Special Policemen), zur Bekämpfung von Unruhen in den 1980er Jahren. So warb man 1987 fast 9000 Kitskonstables an. Nach einem sechswöchigen Kurs wurden diese meist „schwarzen“ Männer bewaffnet und in Unruheherde geschickt, vorzugsweise Townships. Obwohl die Ausbildungszeit verdoppelt wurde, trug ihre oft brutale Vorgehensweise zur wachsenden Feindseligkeit zwischen Polizei und Öffentlichkeit in den späten 1980er Jahren bei.
Die Vorgehensweise der Polizei im Jahr 1960 in dem Durbaner Vorort Cato Manor erregte landesweites Interesse. Dabei kamen auch neun Polizisten ums Leben.
Zwischen 1962 und 1964 kam es zu einem engagierten Ausbau der Sicherheitspolizei mit umfassenden Ausbildungsaktivitäten. Im Zeitraum 1965 und 1966 konzentrierten sich die Schulungen auf Fragen der inneren Sicherheit, in deren Rahmen 135 Beamte dieser Security Branch eine darauf abgestimmte Fortbildung erhielten und hierzu für landesweit 5106 Mitarbeiter der SAP in 26 Kursen spezifische Instruktionen erfolgten. Im Fortgang dieser Entwicklung nutzte die Sicherheitspolizei unter Inanspruchnahme regionaler Polizeikräfte sowie Mitarbeitern der Kriminalabteilung (CID) im ganzen Land örtliche Polizeistationen für Verhöre und Internierungen von politisch missliebigen Personen. Damit ging eine Aufhebung bisheriger gesetzlicher Verfahrensvorschriften und die Ausweitung von Handlungsspielräumen einher, um auf einfachen Verdacht hin extensive Isolationsmaßnahmen mit Verhören ausüben zu können. Auf diese Weise gewannen die Sicherheitsbeamten viele Informationen und konnten gezielte Zersetzungsmaßnahmen etablieren.Sachs, Bernstein, 1976, S. 46.
Balthazar Johannes Vorster kam 1961 in das Amt als Minister für Justiz und Strafvollzug, wodurch er auch für die SAP die Zuständigkeit erhielt. Bereits kurz nach Amtsantritt beorderte er den bisherigen Chef der Kriminalabteilung, Hendrik Johan van den Bergh, im Rang eines Oberstleutnants zum Leiter der Sicherheitspolizei. Beide waren während des Zweiten Weltkriegs wegen politischer Nähe zum Nationalsozialismus von der südafrikanischen Regierung zusammen interniert gewesen. Trotz der Ermordung des Premierministers Verwoerd 1966 im Parlament erlitt die Macht der Sicherheitspolizei keinen Abbruch. Vorster wurde dessen Nachfolger, gab das Ministerium ab, behielt aber die Zuständigkeit für die Polizei. Inzwischen stieg van den Bergh zum Generalleutnant und zum Vizekommandeur der Polizei auf. Vorster ernannte ihn schließlich zum Sicherheitsberater im Bereich des Premierministers. Aus dieser Stellung heraus übernahm dieser zwischen 1968 und 1969 den Aufbau und die Führung des neu geschaffenen Geheimdienstes BOSS.Sachs, Bernstein, 1976, S. 47–48.
Die 1972 in der Universität Fort Hare ausbrechenden Studentenunruhen wandten sich gegen die politische Einschüchterung von Lehrkräften in Verbindung mit der als diktatorisch empfundenen Gesinnung des Rektors Johannes Marthinus de Wet und gegen die langjährigen Aktivitäten der Polizei im Campusgelände. Die Sicherheitspolizei nahm zuvor den lokalen Repräsentanten der South African Students’ Organisation (SASO) fest.South African Institute of Race Relations: A Survey of Race Relations in South Africa, 1972. Johannesburg 1973, S. 391.
Ab 1972 waren Frauen im Polizeidienst zugelassen.
In den 1970er und 1980er Jahren wurden mit personeller Hilfe der SAP Polizeieinheiten in den Homelands der „Schwarzen“ aufgebaut, die teilweise formal unabhängig waren. Dabei nahmen auch „weiße“ SAP-Offiziere Führungspositionen ein.Janine Rauch: Deconstructing the South African Police. 1991, bei www.csvr.org.za (englisch), abgerufen am 13. Oktober 2012 1978 wurde die SAP umfassend umstrukturiert. Fortan war sie in 18 Divisions, 80 Districts und 1040 Polizeistationen aufgeteilt.