Der Olymp () ist das höchste Gebirge Griechenlands. Das fast ganz aus mesozoischen Kalksteinen bestehende Massiv liegt an der Ostküste Griechenlands, im Grenzgebiet der Regionen von Thessalien und Zentralmakedonien, unweit des Ortes Litochoro, ca. 20 km südlich der Stadt Katerini. In der griechischen Mythologie ist der Olymp der Sitz der olympischen Götter.
Der höchste Gipfel ist der MytikasMarcel Kurz: Mount Olympus. In: Alpine Journal. Band 34, 1921–1922 (Digitalisat). (auch: Mitikas) (), gefolgt von den Gipfeln Skolio (), Stefani (, gelegentlich als „Zeusthron“ bezeichnet) und Skala (). Zwischen Skala und Mytikas befindet sich Kakoskala, ein Grat, über den der Mytikas durch leichte Kletterei erreicht werden kann. Auf dem Nebengipfel Profitis Ilias befindet sich die höchstgelegene Kapelle der Balkanhalbinsel.
Der Gebirgsstock weist eine ganz eigene Flora und Fauna auf. Deshalb wurde er schon 1938 unter Naturschutz gestellt und 1981 von der UNESCO zum Biosphärenreservat erklärt. Seit 2014 stand er auch auf der Tentativliste zur Aufnahme als gemischte Kultur- und Naturerbestätte in das UNESCO-Welterbe; im Juli 2026 erfolgte schließlich die Aufnahme.
Name Zur Bedeutung des Namens „Olymp“ gibt es verschiedene Auffassungen. Olymp wird unter anderem mit „Himmel“, „der Leuchtende“, „der Hohe“ oder „der Felsen“ übersetzt. Nach dem Lexikon der neugriechischen Sprache des Linguisten und Philologen Georgios Babiniotis ist das Wort ein vorgriechischer Ortsname unbekannten Ursprungs, dessen alte Bedeutung schlicht „Berg“ gewesen sein könnte. Der deutsche Linguist Michael Janda sieht hingegen darin ein genuin indoeuropäisches Kompositum: *ṷolun-ph₂os bildet sich aus *ṷel- „umschließen“ und *pah₂- „schützen“ und hat somit die Bedeutung „die Umschließung schützend“,Michael Janda: Die Musik nach dem Chaos. Der Schöpfungsmythos der europäischen Vorzeit. Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft, Neue Folge, Band 1, Innsbruck 2010. womit auf die Funktion des Olymp als der die Sterblichen von den Göttern trennende Weltberg Bezug genommen ist.
Auf Aromunisch heißt das Gebirge Élimbul. Im Türkischen wird es Semavatevi genannt, was so viel wie „Heim der Himmel“ bedeutet.
Mythologie In der griechischen Mythologie ist ein Ort namens „Olymp“ der Wohnort der Götter und seinen Gipfel stellte man sich lichterfüllt vor. Er bildete gleichsam das Himmelskonzept der griechischen Mythologie ab und war bewohnt von Göttern, Abkömmlingen der Götter und Dienern. Im engeren Sinne galten zwölf Götter als Olympische Götter.
Allerdings ist dieser mythische „Olymp“ nicht unbedingt bedeutungsgleich mit dem real existierenden Berg. In Homers Odyssee ist der Begriff Οὔλυμπος Oulumpos lediglich eine allgemeine Bezeichnung für den Wohnort der Götter oder auch ein Synonym für οὐρανός, ouranos, den Himmel, jedoch kein spezifischer, realer Ort.
Tatsächlich wurden daraufhin in vielen antiken griechischen Orten die höchsten Erhebungen der Umgebung als Olumpos bezeichnet, zum Beispiel der Uludağ, Lykaion, Tahtalı Dağı, oder der zypriotische Olymp.
Erst im 5. Jahrhundert vor Christus bezeichnete Herodot den hier beschriebenen, thessalischen Olymp als den Wohnort der Götter.
Archäologische Stätten
Das Gebiet am Fuße des Olymps wurde seit dem Neolithikum besiedelt. An vielen Orten wurden Siedlungsreste ausgegraben. Die bedeutendsten Ausgrabungen fanden in Dion statt. Ein weiterer antiker Ort ist Leibethra, etwa 17 Kilometer weiter südlich bei Leptokarya gelegen. Im Jahr 2016 wurde der archäologische Park Leibethra eröffnet, der sich den mythologischen Themen Orpheus und Musen und der frühen Besiedlung im Neolithikum und der umgebenden Natur widmet. Etwas weiter nördlich liegen die antiken Stätten Pydna, Louloudies und Methone.
In der Gipfelregion des zum Olymp gehörenden Agios Antonios wurden verschiedene archäologische Fundstücke dokumentiert, die auf dortige Opferhandlungen in der Antike hindeuten. Die gut datierbaren Funde stammen aus dem Hellenismus und der Spätantike; ob dort gefundene Inschriften auch eine Nutzung des Platzes während der römischen Kaiserzeit dokumentieren, ist unsicher.Achim Lichtenberger: Der Olymp. Sitz der Götter zwischen Himmel und Erde. W. Kohlhammer, Stuttgart 2021, ISBN 978-3-17-039616-6, S. 96–101.
Aus nachantiker Zeit stammen diverse Klöster und Kirchen am Olymp, darunter die Kapelle des Propheten Elias auf dem Gipfel des gleichnamigen Berges (Profitis Ilias) und die gut erhaltene Kirche Agia Triada.
Erste wissenschaftliche Erkundungen des Olymp 1806 erkundete William Martin Leake das Gebirge in den niederen Höhenlagen.William Martin Leake: Travels in Northern Greece. J. Rodwell, London 1835. 1855 erforschte der französische Archäologe Léon Heuzey die Olymp-Region.L. Heuzey, H. Daumet: Mission Archeologique de Macedoine. 1876. 1862 fertigte der deutsche Geograph Heinrich Barth eine detaillierte Karte des Olymp. 1875 erforschten die österreichischen Geologen Melchior Neumayr und Leo Burgerstein den geologischen Aufbau des Gebirges. 1905 fertigte Jovan Cvijić (Rektor der Universität Belgrad) die erste geologische Karte des Olymp. 1909, 1910 und 1911 unternahm der deutsche Ingenieur Eduard (abweichend Edwart) Richter drei Versuche den Mytikas zu besteigen, hatte jedoch keinen Erfolg. Bei seinem dritten Versuch 1911 geriet er in Gefangenschaft von Klephten, die für seine Freilassung ein hohes Lösegeld erhielten.Giannis Kiritsis: Olympus, by Frédéric Boissonnas. Edition Dion-Olympus Municipality 2018, S. 29 (Texte griechisch und englisch).Bericht "Zur Ersteigungsgeschichte des Olymp" im Jahrbuch 1922 des Schweizer Alpen-Club
Naturraum Flora Vor allem in der Hochgebirgszone haben sich am Olymp einige endemische Pflanzenarten erhalten. Es gibt etwa 30 Orchideenarten, Enzian, die Panzerkiefer und den Buchsbaum sowie Jancaea heldreichii, ein Gesneriengewächs, das als Tertiärrelikt anzusehen ist. Ein weiterer Endemit am Olymp ist das Hornkraut Cerastium theophrasti. Zudem finden sich u. a.: Allium heldreichii aus der Gattung Lauch Alpenveilchen (Cyclamen hederifolium) Bocksbärte (Tragopogon samaritani) Chalzedonische Lilien (Lilium chalcedonicum) Dörfler-Zeitlose (Colchicum doerfleri) Erdbeerbäume (Arbutus), Grundlage des örtlichen Tsipouro Frühlings-Enzian (Gentina verna) Gefleckter Aronstab (Arum maculatum) Glockenblumen (Campanula oreadum) Griechischer Bergtee (Sideritis scardica) Himbeere (Rubus idaeus) Knabenkräuter (Dactylorhiza): Dactylorhiza saccifera und Holunder-Knabenkraut (Dactylorhiza sambucina) sowie das Affen-Knabenkraut (Orchis simia) Kretische Zistrose (Cistus incanus) Legousia falcata aus der Gattung Frauenspiegel Lein (Linum spathulatum und Linum elegans) Leinkräuter (Linaria peloponnesiaca) Messina-Schachblume (Fritillaria messanensis) Nelken (Dianthus haematocalyx) Pfirsichblättrige Glockenblume (Campanula persicifolia) Pinguicula crystallina Schlehdorn Schöllkraut (Chelidonium majus) Schwertlilien: Reichenbach-Schwertlilie (Iris reichenbachii) Sideritis scardica aus der Gattung der Gliedkräuter, Grundlage für die örtliche Variante des Griechischen Bergtees Silberdisteln (Carlina acaulis) Stängellose Schlüsselblume (Primula vulgaris) Steinbrech (Saxifraga scardica und Saxifraga sempervivum)
Fauna Die Fauna des Olymp wurde bis heute nicht systematisch erforscht. Sie umfasst eine Vielfalt an seltenen und bedrohten Arten. Die großen Säugetiere wie beispielsweise der Rothirsch, die früher in dieser Gegend lebten, sind größtenteils verschwunden. Im August 2008 wurde der vermutlich letzte Braunbär des Olymp von einem Wilderer erlegt.vgl. Meldung auf www.in.gr
Es gibt 32 verschiedene Säugetierarten, dazu gehören zum Beispiel Gämse, Reh, Wildschwein, Wildkatze, Steinmarder, Rotfuchs und Eichhörnchen. 108 Vogelarten wurden registriert. Viele von ihnen, speziell die Greifvögel, sind selten und unterliegen dem strengen nationalen Tierschutzgesetz.
In den Flussbetten und Seen sind 22 Arten der für Griechenland typischen Reptilien und 8 Arten von Amphibien anzutreffen. Hinzu kommt eine große Vielfalt an Insekten, vor allem Schmetterlinge und Pferdebremsen.
Anbindung Anfahrt mini|Satellitenbild des Olymp mini|Luftaufnahme vom Olymp Das Gebirgsmassiv ist über die Autobahn und über die Landstraßen, die die Städte und Dörfer rund um den Berg verbinden, per Eisenbahn (Bahnstrecke Piräus–Platy) oder mit dem Bus von Athen oder Thessaloniki zu erreichen. Die nächsten Bahnhöfe sind die von Katerini, Litochoro und Leptokaria. In der Region unterhält die Busgesellschaft KTEL einige Linien. Der zentrale Taxistand befindet sich am Hauptplatz von Litochoro.
Der nächste internationale Flughafen ist der 80 km von Katerini und 150 km von Elassona entfernt gelegene Flughafen „Makedonia“ Thessaloniki.
Fernwanderwege mini|Aussicht Richtung Osten mini|Ansicht von Litóchoro aus Der Europäische Wanderweg E4 führt westlich von Litochoro durch die Schlucht des Enipeas auf die Gipfel. Zudem gibt es den Griechischen Wanderweg O2, der die Gipfel mit der Halbinsel Pilio im Süden verbindet.
Wandern und Bergsteigen Der Olymp ist einer der beliebtesten Berge Griechenlands, er zieht Besucher aus der ganzen Welt an. Auf den Straßen und Wegen des Nationalparks Olymp, die das Bergmassiv queren, kann man es zu Fuß erkunden.
Im Juni 2016 hat die Nationalpark-Verwaltung das Olymp-Nationalpark-Informationszentrum eröffnet. Es befindet sich rund einen Kilometer oberhalb von Litochoro. Die Besucher werden über Wandern und Bergsteigen, archäologische Stätten, Mythologie, Klöster, Pflanzen, Tiere und anderes informiert. Informationsmaterial und Karten des Nationalparks werden kostenlos abgegeben. Der Eintritt (Stand September 2017) ist kostenlos.
Für Bergwanderer gibt es mehrere ausgebaute Wege und einige Berghütten. Die Bergsteigerwege des Olymp beginnen in Litochoro, in Dion, Karya (innergriechischer Fernwanderweg O2) und Petra. Am besten eignet sich die Zeit zwischen Juni und Ende September für Wanderungen. In dieser Zeit sind die Hütten in der Nähe der Gipfel geöffnet und das Wetter erlaubt den Aufstieg ohne Schneeausrüstung. Der Aufstieg auf die hohen Gipfel kann nur von erfahrenen Bergwanderern bewältigt werden.
Die zwei bekanntesten Wege für die Erkundung des Olymp beginnen in Litochoro und reichen bis zu den Gipfeln des Berges. Der erste folgt der Schlucht des Enipeas und führt vorbei am Kloster des heiligen Dionysios bis an die Stelle Prionia (auf 1100 m Höhe). Wo früher eine Holzsägemühle in Betrieb war, befindet sich heute ein Restaurant, eine Quelle und Parkplätze. Diesen Platz kann man auch mit dem Auto erreichen. Von Prionia, dem gut ausgeschilderten europäischen Wanderweg E4 folgend, kommt der Wanderer nach ungefähr dreieinhalb Stunden an der Haupthütte des Olymps an, Spilios Agapitos (auf 2100 m Höhe). Von der Hütte geht der Weg E4 weiter, der in ungefähr drei Stunden zum Skala-Gipfel des Olymp führt. Der Weg vom Skala zum Mytikas in etwa 45 Minuten erfordert Kletterei und Schwindelfreiheit und sollte nicht ohne Steinschlaghelm ausgeführt werden.
Am Bergweg nach Prionia, etwa zehn Kilometer von Litochoro entfernt, am Platz Stavros, gibt es die Hütte Dimitris Butolas (in 944 m Höhe). Vier Kilometer vor dem Ende des Weges nach Prionia, am Platz Kortsia (1120 m), wo es einen Autostoppplatz gibt, beginnt ein zweiter, anderer Weg, der zu den Gipfeln des Olymp führt. Nachdem man die Plätze Barba, Petrostrunga, Skurta und Lämo passiert hat, kommt man nach ca. fünf Stunden Fußmarsch am „Plateau der Musen“ auf 2600 Metern Höhe an. Dort befinden sich zwei Hütten: Jossos Apostolidis und Christos Kakalos. Von dort kann man in etwa einer Stunde den Gipfel erreichen.
Wege zum Gipfel mini|Die südlichen Gipfel des Olymp Die folgenden Wege beschreiben die klassischen Aufstiege zum Gipfel:
Prionia – Spilios-Agapitos-Hütte – Gipfel