Das Kommando Landstreitkräfte (Kdo. LaSK) war Führungsstab und zugleich das Führungskommando der NVA-Landstreitkräfte, einer Teilstreitkraft der NVA der DDR. Das Kommando der Landstreitkräfte übte nur im Frieden das Kommando über die Landstreitkräfte aus, da diese im Kriegsfall dem Oberkommando der vereinten Streitkräfte des Warschauer Vertrags unterstellt worden wären. Sitz des Kommandos war die heutige Henning-von-Tresckow-Kaserne bei Potsdam.

Geschichte Am 1. Dezember 1972 wurde unter Generalleutnant Horst Stechbarth das Kommando Landstreitkräfte als selbständiger Führungsstab und oberstes Führungskommando der Landstreitkräfte der NVA formiert. Dienstsitz war fortan die Kaserne in Wildpark Potsdam.1936 nach Entwürfen des Architekten Ernst Sagebiel als Führungsstelle des Oberkommandos der Luftwaffe erbaut, an der Westseite des Großen Entenfängerbergs.

Mit der Außerdienststellung der NVA im Jahre 1990 wurde das Kommando Landstreitkräfte aufgelöst. Neu aufgestellt wurde zur Abwicklung und Transformation das Heereskommando Ost. In der Kaserne ist heute das Einsatzführungskommando der Bundeswehr stationiert.

Führung und Organisation Führung Das Kdo. LaSK führte die unterstellten Führungskommandos, Verbände, Truppenteile und Einheiten der NVA-Landstreitkräfte lageabhängig und einsatzbedingt von Geltow oder Feldführungstellen.

Kommandierende Generale auch Chefs Kdo. LaSK Dienstgrad, Name Dienstzeit Bemerkung GenLtn Horst Stechbarth 1. Dezember 1972 bis 31. Dezember 1989 ab 1. März 1976 GenOberst GenLtn Horst Skerra 1. Januar 1990 bis 14. September 1990 ab 30. September 1990 a. D. Generalmajor Hans-Christian Reiche 15. September 1990 bis 2. Oktober 1990 letzter Stv. Minister und Chef Kdo. LaSK

Anmerkung:

Der kommandierende General führte seine Stellvertreter unmittelbar und direkt. Zudem verfügte er über einen Militärrat des Kommandos LaSK, ein beratendes Gremium aller seiner Stellvertreter.

Organisation Das Kdo. LaSK bestand aus nachstehenden Org-Einheiten:

Stellvertreter des Ministers und Chef LaSK (Drei-Sterne-General / OF-8) mit Leitungsbereich und Militärberater der sowjetischen Streitkräfte (OF-8)

Stellvertreter des Chefs LaSK und Chef der Politischen Verwaltung (Zwei-Sterne-General / OF-7) mit drei Abteilungen einschließlich Chef PKK, ZPL, Spez-Propaganda und Politabtlg. Kdo. LaSK

Stellvertreter des Chefs LaSK und Chef Ausbildung (OF-7)

Stellvertreter des Chefs LaSK und Chef des Stabes (OF-7) mit Stv. CS und Chef Operativ (Einsterngeneral / OF-6) mit Abteilung 1 Abteilung 2 Stv. CS und Chef Allgemeine Aufgaben (OF-5) mit WSB-40 mit (Instandsetzung-Versorgungskompanie(IVK),1.+ 2. Wachkompanie, Kfz-Kompanie), der Druckerei-40, Wartungseinheit-40 (WE-40) der Militärstreifenausbildungskompanie und Gästehaus Chef Kader (OF-5) Chef Organisation/Auffüllung (OF-5) mit Abteilung Organisation Abteilung Auffüllung Chef Aufklärung (OF-5) Chef Raketentruppen und Artillerie Chef Nachrichten (OF-5) Abteilungen 1, 2 und 8. UA Chef Militärwissenschaft (MiWi) (OF-5) Chef Chemische Dienste (CD) (OF-5) Verwaltung 2000 (OF-4): hier die Unterabteilung für den Stab des Kommandos LaSK

Chef Mot.-Schützen (OF-6)

Chef Panzer (OF-6)

Chef Allgemein-Militärische Ausbildung und Schulen (AMAS) (OF-6) Stabsabteilung 1: Allgemeinmilitärische Ausbildung Stabsabteilung 2: Schulen

Chef Armeefliegerkräfte (OF-5)

Chef Luftlandetruppen (OF-5)

Chef Funktechnische Truppe (FuTT) (OF-5)

Chef Truppenluftabwehr (TLA) (OF-5)

Stellvertreter des Chefs LaSK und Chef Rückwärtige Dienste (RD) (OF-7) mit Stv. Chef und Stabschef RD (OF-6) Chef Militärmedizinischer Dienst (OF-5) Chef Pionierwesen (OF-5) Chef Militärbauwesen Unterbringung (MBU) (OF-5) Chef Militärtransportwesen (MTW) (OF-5) Chef Bekleidung und Ausrüstung (BA) (OF-5) Chef Waffentechnischer Dienst (WTD) bis 15. Juli 1983 Chef Kfz-Dienst (KfzD) (OF-5) bis 15. Juli 1983

Stellvertreter des Chefs LaSK und Chef Technik und Bewaffnung (wurde am 15. Juli 1983 geschaffen) (OF-7) mit Stv. Chef und Stabschef Technik und Bewaffnung (TB) (OF-5) Chef Panzerdienst (PzD) Chef Kfz-Dienst (KfzD) Chef Rak.-Waffentechn. Dienst (RWTD) Chef Instandsetzung

Militärstaatsanwalt (OF-5)

Verwaltung 2000 (OF-5): hier die Abteilung für die Teilstreitkraft LaSK

Weitere Generale Kdo. LaSK NameKlaus Froh, Rüdiger Wenzke: Die Generale und Admirale der NVA …, Ch. Links Verlag, Berlin, 2007, 5. aktualisierte Auflage, ISBN 978-3-86153-438-9 Dienstgrad Dienststellung Bemerkung Bormann, Günther GenLtn Chef Raketentruppen und Artillerie 1972 bis 1987 Engelhardt, Lothar Generalmajor Chef Aufklärung Stv. Chef des Stabes für op. Arbeit Stv. Chef LaSK und Chef des Stabes 1984 bis 1989 Gerloff, Heinz Generalmajor Stv. Chef LaSK und Chef des Stabes Großer, Roland Generalmajor Chef Raketentruppen und Artillerie Stv. Chef LaSK und Chef des Stabes Gruschke, Wolfgang Generalmajor Stv. des Chef der Politischen Verwaltung der LaSK für Instruktion/Organisation Leiter für Staatsbürgerliche Arbeit 1. Mai 1990 bis 8. Aug. 1990 Handke, Heinz GenLtn Stv. Chef LaSK für Ausbildung Stv. Chef LaSK und Chef des Stabes Kleffel, Harry Generalmajor Stv. Chef LaSK und Chef Rückwärtige Dienste KdO. LaSK 1973 bis 1978 Kopetz, Günther Generalmajor Stv. Chef LaSK und Chef Rückwärtige Dienste Link, Gerhard GeneralleutnantStv. Chef LaSK Chef Rückwärtige Dienste KdO. LaSK 1983 bis 1990 Peter, Fritz Generalmajor Stv. Chef LaSK Chef des Stabes KdO. LaSK 1972 bis 1976 Rothe, Werner Generalmajor Stv. Chef LaSK Chef des Stabes KdO. LaSK Winter, Klaus Generalmajor Stv. Chef LaSK für Ausbildung 1. April 1978 bis 30. Sept. 1990 Winter, Werner Generalmajor Stv. Chef LaSK für Ausbildung Zander, Horst GenLtn Stv. Chef LaSK Chef Technik und Bewaffnung Stelle am 15. Juli 1983 geschaffen Zaroba, Werner Generalmajor Stv. Chef Raketentruppen und Artillerie und Stabschef

Unterstellte Verbände, Truppenteile und Einheiten Dem Kdo. LaSK unterstanden:Joachim Nawrocki: Bewaffnete Organe in der DDR : Nationale Volksarmee und andere militärische sowie paramilitärische Verbände. Aufbau, Bewaffnung, Aufgaben. Berichte aus dem Alltag. Holzapfel Verlag, Berlin 1979, ISBN 3-921226-07-4. Kdo. Militärbezirk III mit Führungsstab Kdo. Militärbezirk V mit Führungsstab Militärtechnische Schule der Landstreitkräfte „Erich Habersaath“ (MTS der LaSK) Offiziershochschule der Landstreitkräfte „Ernst Thälmann“ (OHS der LaSK) Offiziershochschule für ausländische Militärkader „Otto Winzer“ (OHS für AMK) 40. Artilleriebrigade (40. ABr) Luftsturmregiment 40 (LStR-40) Ausbildungs-Technisches Zentrum 40 (ATZ-40) Fallschirmjägerausbildungsbasis 40 (FJABas-40) Fla-Raketenausbildungszentrum 40 (FRAZ-40) Geschoßwerferabteilung 40 (GeWA-40) Ingenieurbaubataillon 40 (IBB-40) Nachrichtenbataillon 40 (NB-40) Pionierbaubataillon 40 (PiBB-40) Wach- und Sicherstellungsbataillon 40 (WSB-40) Militärstreifenausbildungskompanie 40 (MStAK) Wartungseinheit 40 (WE-40) Wasserübungsplatz (WüP) Rechenzentrum 40 (RZ-40) Druckerei 40 Kurier- und Nachrichtenzentrale 40 (KNZ-40) Stabsmusikkorps Haus der Armee (HDA) Löbau Haus der Armee (HDA) Prora Haus der Armee (HDA) Zittau

Kriegsfall Im Kriegsfall war die Umunterstellung der Mehrzahl der Verbände, Truppenteile und Einrichtungen in die 3. Armee und 5. Armee und damit in die 1. Front (unter sowjetisches Oberkommando) vorgesehen. Zudem wären ausgewählte Offiziere des Führungsstabes in das Vereinte Oberkommando des Warschauer Vertrags gewechselt.

Führungspersonal wurde ebenfalls für die im Mobilisierungsfall aufzustellenden Verbände vorgehalten bzw. für den Hauptgefechtsstand im Bunkeranlage Kurfürst in der heutigen Henning-von-Tresckow-Kaserne (Großer Entenfängerberg/Geltow) und den Ausweichgefechtsstand (Blankenfelde/Mahlow) – für die sogenannte Besondere Berliner Gruppierung – vorgesehen. Dort waren u. a. der Einsatz Stv. Chef LaSK und Chef des Stabes nebst Stellvertretern festgelegt. Der Hauptauftrag dieser Gruppierung war der Einsatz gegen Berlin (West), die Zerschlagung der dort stationierten westalliierten Streitkräfte und die anschließende Besetzung der Stadt.Friedrich Jeschonnek, Dieter Riedel, William Durie: Alliierte in Berlin 1945–1994: Ein Handbuch zur Geschichte der militärischen Präsenz der Westmächte, BWV, 2006, ISBN 978-3-8305-0397-2, Seite 164

Bestand der „Besonderen Berliner Gruppierung“Friedrich Jeschonnek, Dieter Riedel, William Durie: Alliierte in Berlin 1945–1994: Ein Handbuch zur Geschichte der militärischen Präsenz der Westmächte, BWV, 2006, ISBN 978-3-8305-0397-2, Seite 163 1. motorisierte Schützendivision selbständige 6. Garde-Mot. Schützenbrigade der GSSD ein Battl. Luftsturmregiment 40 40. Artilleriebrigade (40. ABr) Sturmpionierbataillon 21 und 22 WSB-40 und NaB-40 Grenzkommando Mitte und Grenzregiment 5 Jagdfliegergeschwader 8 (JG-8) Teile / Transporthubschraubergeschwader 34 (THG-34) Reserve und Verstärkung: Kampfgruppenbataillone I-IV Potsdam Kampfgruppenbataillone I-IV Berlin Volkspolizei-Bereitschaften 18 und 19 Basdorf

Auflösung des Kdo. LaSK Mit der Auflösung der NVA am 2. Oktober 1990 wurde das Kommando LaSK aufgelöst. Rechtsnachfolger wurde das Bundeswehrkommando Ost.

Literatur Torsten Diedrich (Hrsg./Bearbeiter im Auftr. des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes): Handbuch der bewaffneten Organe der DDR. Weltbild, Augsburg 2004, ISBN 3-8289-0555-2. Rüdiger Wenzke: Die Streitkräfte der DDR und Polens in der Operationsplanung des Warschauer Paktes, Militärgeschichtliches Forschungsamt, 2010, ISBN 978-3-941571-09-9. Hans-Werner Deim, Hans-Georg Kampe, Joachim Kampe, Wolfgang Schubert: Die militärische Sicherheit der DDR im Kalten Krieg. ISBN 978-3-932566-80-6.

Einzelnachweise

Kategorie:Landstreitkräfte (NVA)