mini|Das Naturschutzgebiet in der Stadtkarte Braunschweigs 2016 Riddagshausen ist ein Naturschutzgebiet in der niedersächsischen Stadt Braunschweig.
Allgemeines Das Naturschutzgebiet mit dem Kennzeichen NSG BR 001 ist 526 Hektar groß. Es liegt im Osten von Braunschweig und stellt ein in einem Niederungsbereich liegendes, altes Teichgebiet, einen Teil der östlich des Braunschweiger Stadtteils Riddagshausen liegenden Niederung, einen Teil des südlich daran angrenzenden Waldgebietes Buchhorst sowie Bereiche südlich von Riddagshausen unter Schutz. Das Naturschutzgebiet erstreckt sich zwischen den Braunschweiger Stadtteilen Riddagshausen, Gliesmarode, Volkmarode und Schapen und der Ortschaft Weddel in der Gemeinde Cremlingen. Nach Süden wird es von der Bahnstrecke Braunschweig–Magdeburg begrenzt.
Das Naturschutzgebiet ist größtenteils Bestandteil des 2002 ausgewiesenen, ursprünglich 478,8 Hektar großen und mittlerweile auf 496,2 HektarRiddagshäuser Teiche, Natura-2000-Gebiete, Bundesamt für Naturschutz. 15. November 2021. vergrößerten EU-Vogelschutzgebietes und des 2005 ausgewiesenen, deckungsgleichen FFH-Gebietes „Riddagshäuser Teiche“.Naturschutzgebiet Riddagshausen, Stadt Braunschweig. Abgerufen am 28. September 2012. Im Nordwesten grenzt es zwischen Gliesmarode und Riddagshausen an das Landschaftsschutzgebiet „Prinz-Albrecht-Park“, im Nordosten zwischen Volkmarode und Schapen an das Landschaftsschutzgebiet „Schapener Forst“, im Osten zwischen Schapen und Weddel an das Landschaftsschutzgebiet „Hordorfer Forst und Feldflur zwischen Hordorf und Weddel“ sowie im Süden an die Landschaftsschutzgebiete „Buchhorst“ und „Feld- und Waldflur südwestlich Weddel“. Südlich von Weddel grenzt es auch noch an das Landschaftsschutzgebiet „Feld- und Waldflur von Weddel, Klein Schöppenstedt, Destedt, Schulenrode und Cremlingen“., Stadt Braunschweig (PDF, 7,2 MB). Zuständige untere Naturschutzbehörde ist die Stadt Braunschweig.
Geschichte Das ursprüngliche Naturschutzgebiet wurde zum 26. November 1936 ausgewiesen, nachdem sich viele Persönlichkeiten aus Braunschweig und Riddagshausen für den Erhalt des Teichgebietes eingesetzt hatten, darunter der Zoologe Johann Heinrich Blasius mit seinen Söhnen, die dort umfangreiche Feldbeobachtungen durchführten, und der Arzt Otto Willke.Das Naturschutzgebiet Riddagshäuser Teiche, Website Riddagshausen.net. Abgerufen am 28. September 2012.Die Geschichte des Ortes Riddagshausen, Stadt Braunschweig. Abgerufen am 2. Januar 2023. Es ist damit eines der ältesten Naturschutzgebiete in Deutschland. Es umfasste die Teiche mit den angrenzenden Bruch-, Wiesen- und Waldgebieten. Nicht geschützte Teile der Buchhorst wurden im Juli 1949 zum Landschaftsschutzgebiet erklärt. Im Bereich um den Schapenteich wurde 1969 das Landschaftsschutzgebiet „Schapenteich mit angrenzendem Gelände“ ausgewiesen., Infoblätter des Naturschutzzentrums Riddagshausen, Nr. 3 (PDF, 94 kB).
1962 wurde dem Naturschutzgebiet als Vogellebensraum von überregionaler Bedeutung auf Vorschlag der deutschen Sektion des Internationalen Rates für Vogelschutz das Prädikat „Europareservat“ verleihen. 1981 wurde das Europareservat von der Europäischen Gemeinschaft in die Liste der Important Bird Areas aufgenommen. Das ebenfalls 1981 ausgewiesene Naturschutzgebiet „Weddeler Teich“, welches etwas östlich liegt, wurde mit in das Europareservat aufgenommen, ist jedoch mittlerweile gelöscht worden., NABU-Bezirksgruppe Braunschweig.
Zum 16. Januar 2003 wurden das bisherige Naturschutzgebiet und Teile der Landschaftsschutzgebiete zum neuen Naturschutzgebiet „Riddagshausen“ zusammengefasst.
Teichgebiet Riddagshausen mini|Kreuzteich mini|Mittelteich
Das Teichgebiet wurde im 12. und 13. Jahrhundert in einer ausgedehnten Sumpf- und Bruchlandschaft von Mönchen des 1143 gegründeten Zisterzienserklosters Riddagshausen angelegt. Die Mönche begannen 1145, das Gebiet urbar zu machen. Dazu entwässerten sie es durch ein umfangreiches Grabensystem und legten 28 Teiche an, die sie zur Fischzucht nutzten. Von den Teichen sind elf heute noch vorhanden. Weitere Bereiche des entwässerten Gebietes wurden zur land- und forstwirtschaftlichen Nutzung kultiviert., Stadt Braunschweig.
Mit der Eingemeindung von Riddagshausen in die Stadt Braunschweig 1934 gingen die Ländereien an die Stadt. Im Jahr 1935 wurden Teichgebiet und Buchhorst an die „Hermann-Göring-Stiftung“ abgegeben, 1936 erhielt das Gebiet den Schutzstatus „Naturschutzgebiet“. Ab 1955 fielen die Flächen des Naturschutzgebietes, der Buchhorst und des Gutes Riddagshausen wieder an die Stadt zurück.
Im Laufe der Zeit entwickelte sich eine naturnahe Teich-, Wiesen- und Waldlandschaft, die heute einen wichtigen Lebensraum für bedrohte Tier- und Pflanzenarten darstellt.
Im Nordwesten des Naturschutzgebietes liegen mehrere größere Stauteiche sowie verschiedene Kleingewässer. Weitere Teiche befinden sich südöstlich von Riddagshausen. Die Teiche verfügen teilweise über Schwimmblatt- und Unterwasservegetation sowie Verlandungszonen und sind von unterschiedlich umfangreichen Röhricht- und Großseggenbeständen umgeben. Die Ufer der Teiche sind mit Gehölzen bestanden, darunter auch Bruchwaldflächen. Ebenso stocken Bäume auf den Dämmen zwischen den Teichen.
Die Fischteiche werden zum Teil extensiv genutzt, darunter Kreuzteich, Mittelteich und Neuer Bleeksteich östlich sowie Lagesteich und Spitzer Teich südöstlich des Klosters. Die kleineren Teiche Wiedings- und Hopfenteich dienen als Aufzuchtteiche für Jungfische., Stadt Braunschweig. Andere Teiche, wie der große, weiter östlich liegende Schapenbruchteich und die kleineren Teiche wie Schapen- und Reinertsteich, sind aus der Nutzung genommen und einer weitestgehend naturnahen Entwicklung überlassen.
Das Teichgebiet mit seinen Röhricht- und Bruchwaldzonen ist wertvoller Lebensraum für zahlreiche Vogelarten. Daneben ist es ein wichtiger Rast- und Überwinterungsplatz für Zugvögel.
An die Stauteiche schließen sich vielfach landwirtschaftliche Nutzflächen in Form von Grünland und Ackerflächen an. Nach Süden schließen sich ebenfalls landwirtschaftliche Nutzflächen, aber auch die Buchhorst an.
Schapenbruchteich mini|Blick von einer Beobachtungsplattform auf den Schapenbruchteich Der knapp 20 Hektar große Schapenbruchteich liegt im Nordosten des Teichgebietes. Er ist über einen Mönch mit dem Mittelteich verbunden. Ein weiterer Abfluss im nordwestlichen Teil des Gewässers mündet in den Fischergraben. Die Wassertiefe des Teiches beträgt maximal 1,4 Meter, durchschnittlich aber nur 0,8 bis 1 Meter.
Trotz verschiedener Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität von Zuflüssen des Schapenbruchteiches (darunter die Renaturierung der Weddeler Grabenniederung und die Anlage eines Regenrückhaltebeckens nördlich des Teiches), verlandete dieser zunehmend., Stadt Braunschweig.
Im Winter 1995/96 wurde zur Verhinderung der Verschlammung des Teichs das Wasser abgelassen und kleinräumig Schlamm entfernt. Dies führte jedoch nur zu einer vorübergehenden Verbesserung der Situation. Daher wurde der Teich im Jahr 2003 saniert. Hierfür wurde das Wasser erneut abgelassen und rund 50.000 m³ Schlamm entfernt. Die verlandeten Uferbereiche wurden teilweise wiederhergestellt, wodurch eine Erweiterung der Wasserfläche und eine neue, buchtenreiche Uferlinie erreicht wurde. Ausgewählte Bereiche der Uferzonen und des Teichbodens blieben zusammen mit vorhandenen Tiefwasserbereichen unberührt, um so eine spätere Wiederbesiedelung des Teichbodens zu erleichtern. Gleichzeitig wurden Schilfbereiche entkusselt., Stadt Braunschweig.
Der Schapenbruchteich konnte sich nach der Sanierung zu einem naturnahen Stillgewässer mit ausgedehnten Röhrichtzonen und anschließendem Erlenbruchwald, der von Gräben durchzogen wird, entwickeln. Er wird nicht mehr bewirtschaftet.
Buchhorst mini|Buchhorst Die Buchhorst ist ein Laubmischwaldgebiet im Osten von Braunschweig. Sie wird von der Bahnstrecke Braunschweig–Magdeburg durchschnitten. Der nördliche Teil ist Bestandteil des Naturschutzgebietes „Riddagshausen“, der südliche Teil ist seit 1968 als Landschaftsschutzgebiet „Buchhorst“ ausgewiesen. (JPG, 270 kB).
Das Waldgebiet wird überwiegend von Laubwald mit alten Eichen, Birken und Buchen mit eingestreuten Nadelwaldbereichen charakterisiert. Es wurde früher als Hutewald genutzt und hat sich ab Ende des 19. Jahrhunderts zu einem Laubmischwald entwickelt.
Im Nordosten der Buchhorst befindet sich eine Naturwaldparzelle, die aus der forstwirtschaftlichen Nutzung herausgenommen wurde. Der Wald wird hier seiner natürlichen Entwicklung überlassen. Die Naturwaldparzelle besteht seit Oktober 1984, zunächst aus einem 20,6 Hektar großen Teilstück. 1996 wurde sie auf 33 Hektar ausgedehnt., Infoblätter des Naturschutzzentrums Riddagshausen (PDF, 88 kB).
Nordwestlich der Buchhorst liegt seit etwa 1984 eine ehemalige Ackerfläche brach. Auf dieser hat sich durch die natürliche Sukzession ein von Birken geprägter Pionierwald entwickelt, in dem langsam Eichen, Eschen und Buchen nachfolgen.
Weitere Teilbereiche Legdenanger mini|Legdenanger Der Legdenanger ist eine etwa 40 Hektar große, landwirtschaftliche Nutzfläche, welche zwischen Riddagshausen und der Buchhorst liegt. Die Fläche wurde 1995 einer Neuordnung unterzogen. Bestand sie vorher aus drei Parzellen, wurde sie nun in neun, meist zwei bis vier Hektar große Acker- und Grünlandparzellen unterteilt. Zwischen den einzelnen Parzellen befinden sich landwirtschaftlich ungenutzte Feldraine, welche die Ackerrandstreifen ergänzen. Hier können sich Ackerwildkräuter ansiedeln.
Die Neuordnung der Fläche führte dazu, dass sie als Lebensraum für bedrohte Arten der Feldflur wieder attraktiv wurde.
Neues Land mini|Neues Land Im Bereich des Neuen Landes, einer ehemaligen Ackerfläche, wurde 1992 ein Sandmagerrasen angelegt. Die Maßnahme war als Ausgleichsmaßnahme notwendig, weil beim Bau der A 39 bestehende Sandmagerrasen zerstört wurden. Für die Maßnahme wurde zunächst eine bis 50 cm starke Sandauflage auf den Boden aufgebracht. Darauf kamen Rasensoden und Oberboden aus dem Trassenbereich der Autobahn. Anschließend wurden weitere typische Pflanzen des Sandmagerrasens angesät.
Der Magerrasen wird entsprechend dem Naturschutzzweck gepflegt, so dass sich eine artenreiche Wiese mit über 250 Pflanzenarten entwickeln konnte, die Lebensraum für zahlreiche Insekten, wie Wildbienen, Laufkäfer, Heuschrecken und Schmetterlinge ist.
Weddeler Grabenniederung mini|Blick auf die Weddeler Grabenniederung von Süden mini|Höckerschwäne und Blässhühner auf dem Schapener Graben
Im Bereich der Weddeler Grabenniederung zwischen Buchhorst und Weddel wurde in den frühen 1990er-Jahren begonnen, frühere Ackerflächen im Sinne des Naturschutzes zu entwickeln. Dafür wurden neue Teiche und Gräben angelegt und durch Aufstauen des Wassers eine Vernässung der Flächen erreicht. Hier konnten sich Röhrichte und Sumpfwiesen entwickeln.Hochlandrinder sorgen für Artenvielfalt in Weddeler Grabenniederung, Pressemitteilung des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz, 3. August 2008. Abgerufen am 28. September 2012.
Die Weddeler Grabenniederung wurde zu einem wichtigen Lebensraum für Amphibien, Insekten und Wiesenvögel. Auch der Weißstorch ist hier mittlerweile wieder heimisch.Ann Claire Richter: Störche sind nach 40 Jahren zurückgekehrt, Braunschweiger Zeitung, 1. Juni 2007 (Artikelvorschau). Abgerufen am 9. April 2024.
Um die Flächen offen zu halten, mussten sie gemäht werden, was sich als aufwendig herausstellte. Die Flächen wurden daher Anfang des 21. Jahrhunderts verpachtet und mit Schottischen Hochlandrindern und Islandponys beweidet.
Mittelriede