Kienbaum ist ein Ortsteil der brandenburgischen Gemeinde Grünheide südöstlich von Berlin im Landkreis Oder-Spree. Im Juli 2011 hatte der Ort 294 Einwohner. Das ländliche und abgeschiedene Dorf ist heute vor allem durch das Bundesleistungszentrum Kienbaum des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) am Liebenberger See bekannt.
Das Dorf liegt am Oberlauf der Löcknitz, die als Teil der Buckower Rinne den Barnim vom Lebuser Land trennt, und hatte im Mittelalter als Grenzort einige strategische Bedeutung. Insbesondere der heutige Teil Liebenberg, der bereits 1247 als wüst erwähnt wurde, spielte zur Sicherung des sogenannten Liebenberger Löcknitzpasses in der Zeit der Deutschen Ostsiedlung, als das Bistum Lebus noch unter polnischem Einfluss stand, sehr wahrscheinlich eine wichtige Rolle. Kienbaum selbst, im Gegensatz zu Liebenberg östlich der Löcknitz gelegen, ist erstmals 1405 im Stiftsregister Lebus erwähnt, gehörte aber spätestens 1452 zum bei Jüterbog gelegenen Kloster Zinna. Mit einer Zollstation an der Handelsstraße zwischen Berlin und Frankfurt/Oder sowie mit einer Poststation einer Poststraße blieb die Bedeutung Kienbaums in den folgenden Jahrhunderten erhalten. Im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit hatte Kienbaum als Ort der Waldbienenzucht einen Namen; alljährlich fand in dem Dorf ein „Bienenkonvent“ statt. Mysteriöse Brände in den 1890er Jahren inspirierten den Schriftsteller Gerhart Hauptmann zu seiner Tragikomödie Der rote Hahn, woran ein Hauptmann-Denkmal mit Hahn neben der 1908/1909 neu erbauten, inzwischen denkmalgeschützten Dorfkirche erinnert.
Infrastruktur des Dorfes
Lage und Verkehrsanbindung mini|Löcknitzbrücke aus dem Jahr 2011
Kienbaum liegt am Nordende der Großgemeinde Grünheide. Im Osten grenzt die Gemarkung Kienbaums an Steinhöfel (Ortsteil Jänickendorf), im Nordosten an den Ortsteil Hoppegarten der Stadt Müncheberg und im Nordwesten an den Ortsteil Zinndorf von Rehfelde. Im Westen folgt der Grünheider Ortsteil Kagel. Im Süden befinden sich ausgedehnte Waldgebiete, die sich bis zum Spreetal erstrecken und den Ort auch im Osten und Westen umgeben.
An das Straßennetz ist Kienbaum über die L 385, eine Landesstraße zweiter Ordnung, angebunden. Die Straße führt von den nördlich liegenden und hier vereinten Bundesstraßen 1 und 5 über Kienbaum nach Süden und endet in Hangelsberg an der Landesstraße 38. Für den inzwischen fertiggestellten Neubau der Kienbaumer Löcknitzbrücke dieser Straße wurden im Herbst 2010 580.000 Euro aus Landesmitteln freigegeben. Per Eisenbahn ist der Ort lediglich von den verhältnismäßig weit entfernten Bahnhöfen Fangschleuse und Hangelsberg (Eisenbahn Berlin–Frankfurt/Oder) oder Müncheberg (Preußische Ostbahn) zu erreichen. Das Unternehmen Busverkehr Oder-Spree (BOS) betreibt eine regelmäßige Busverbindung Erkner → Grünheide → Kagel → Kienbaum → Herzfelde. Busverkehr Oder-Spree GmbH
Bevölkerungsentwicklung und Ortsbeirat
Hatte Kienbaum 1997 noch 350 Einwohner, sank die Zahl in den folgenden Jahren auf 259 im Jahr 2008 und stieg seitdem wieder kontinuierlich auf 294 im Juli 2011 an. Gemeinde Grünheide (Mark) Im Jahr 1939 lag die Zahl bei 235 und 1933 bei 218 Einwohnern. 1801 wurden 172 und 1624 122 Personen gezählt.Ernst Fidicin: Die Territorien der Mark Brandenburg …. S. 132 1574 anlässlich der Überschreibung des Zinnaer Klosterbesitzes bei der Säkularisation sowie 1471 wurden für das Dorf 24 Hufen angegeben, die Ausstattung um 1400 hat sehr wahrscheinlich bei 12 Hufen gelegen.Ernst Fidicin: Die Territorien der Mark Brandenburg … S. 75 f.
Jahr 1405 1471/1574 1624 1734 1772 1801 1858 1895 1925 1939 1946 1964 1971 1997 2007 2011 EinwohnerzahlHistorisches Ortslexikon für Brandenburg. (12 Hufen) (24 Hufen) 122 74 59 172 250 241 224 235 204 224 215 350 262 294
Seit der Eingemeindung Kienbaums in die amtsfreie Gemeinde Grünheide am 31. Dezember 2001Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands. StBA, siehe 2001 vertritt ein 3-sitziger Ortsbeirat die Interessen des Dorfes in beratender Funktion in der Grünheider Gemeindevertretung. (PDF; 50 kB) Gemeinde Grünheide (Mark) Bei der Wahl des Kienbaumer Ortsbeirats am 28. September 2008 entfielen auf die beiden Wahlvorschlagsträger (andere Parteien unterbreiteten keine Vorschläge): SPD 306 Stimmen, DIE LiNKE 79 Stimmen. Damit besteht der Ortsbeirat aus zwei SPD-Mitgliedern und einem Vertreter der Linken, die Ortsvorsteherin gehört der SPD an. (PDF; 14 kB) Gemeinde Grünheide (Mark) Bei der Wahl des hauptamtlichen Bürgermeisters in der Gemeinde Grünheide (Mark) am 11. September 2011 gaben die Kienbaumer 86 Stimmen an Arne Christiani (parteilos, wiedergewählt) und 20 Stimmen an Christianis einzigen Gegenkandidaten Johannes Düben (Bündnis 90/Die Grünen). (PDF; 24 kB) Gemeinde Grünheide (Mark) Aufgrund der Abgeschiedenheit des Ortes und seiner geringen Einwohnerzahl (Kienbaum stellt lediglich rund 3,5 % der rund 8000 Gesamteinwohner der Gemeinde Grünheide, die aus sechs Ortsteilen besteht) sowie aus wirtschaftlichen Gründen sparte ihn die Telekom 2008 von den DSL-Ausbauarbeiten in Grünheide aus.
Öffentliches Leben und Wirtschaft mini|Feuerwehrhaus in Kienbaum
Die öffentlichen Einrichtungen des Ortes bestehen – über die Kirche und einen Friedhof hinaus – aus der Freiwilligen Feuerwehr, einem Jugendklub, der Kindertagesstätte Eulenbaum und dem Dorfgemeinschaftshaus (PDF; 111 kB) 8. Jahrgang, Nr. 09/01, 22. September 2001, S. 15. (Kienbaumer Bürgerhaus) mit einem Saal und angeschlossenem Jugendklub, das 2007 für 355.000 Euro neu gebaut wurde.Neubau eines Bürgerhauses/Jugendclubs. Ingenieurbüro Große & Partner Das Haus steht den Kienbaumern auch für Feierlichkeiten zur Verfügung. Die Freiwillige Feuerwehr Kienbaum in der Gemeinde Grünheide verfügt über ein zweitoriges Feuerwehrhaus, ein Löschgruppenfahrzeug vom Typ LF 10/6 und ein Tanklöschfahrzeug vom Typ TLF 16/25. Feuerwehr Grünheide (Mark) Das Gasthaus Kienbaum, einziges Restaurant im Dorf, bietet Platz für 60 Gäste, zwei Gästezimmer für Übernachtungen und hat einen Biergarten. Für das Gasthaus wurde 1996/97 der ehemalige Konsum umgebaut, der 1974 durch Kienbaumer Einwohner im Rahmen des Nationalen Aufbauwerks (NAW) errichtet und anlässlich des 25. Jahrestages der DDR 1975 eröffnet worden war.Geschichtliches. Gasthaus Kienbaum Sportvereine bestehen in dem Dorf nicht; das Bundesleistungszentrum Kienbaum des DOSB ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Allerdings findet im Ort seit 1976, mit einigen Unterbrechungen jährlich, der internationale 100-km-Lauf von Grünheide/Kienbaum (Ultramarathon) statt, der auf einem 5-Kilometer-Rundkurs ohne wesentliche Höhenunterschiede zu großen Teilen durch Wald führt. Deutsche Ultramarathon Vereinigung Runner’s World Zudem findet im Sommer das Heimatfest Kienbaum statt. Gemeinde Grünheide
Abgesehen von dem Bundesleistungszentrum gibt es im früher landwirtschaftlich orientierten Kienbaum keine Betriebe oder Firmen und auch keine Geschäfte. An Kleingewerbetreibenden existieren neben dem Gasthaus ein Malerei-, ein Elektroinstallations- und ein Fliesenlegerbetrieb sowie eine Firma für Handel mit Kraftwagen (Stand 2012). Einige Kienbaumer haben Stellen im Bundesleistungszentrum gefunden, das rund 50 Mitarbeiter beschäftigt Bundesleistungszentrum Kienbaum Landwirtschaft und Tourismus haben eine vergleichsweise unbedeutende Größenordnung, sodass einige Kienbaumer in den umliegenden Zentren von Erkner oder Müncheberg beziehungsweise in Berlin arbeiten. An der touristischen Zukunft des Gebiets wird allerdings gearbeitet. So heißt es in einer Konzeption von 2007, in der detaillierte Entwicklungsschritte vorgesehen sind, übergreifend:
mini|hochkant|Dorfkirche von 1908/09
Zu den Maßnahmen gehören unter anderem die Erschließung eines Rad- und Wanderweges zwischen Kienbaum und Hangelsberg und, soweit möglich, die Einrichtung einer Badestelle am Liebenberger See.
Dorfkirche
Auf einem kleinen Platz im Ortskern befinden sich das Gerhart-Hauptmann-Denkmal und die evangelische Dorfkirche. Das denkmalgeschützte Kirchengebäude hatte mehrere zerstörte oder abgebrannte Vorgängerbauten. Eine im 15. Jahrhundert erwähnte Kirche fiel im Dreißigjährigen Krieg den Flammen zum Opfer und lag bis 1699 wüst, als sie durch einen Fachwerkbau mit Walmdach ersetzt wurde. 1769 wurde die einfache und in der Innenausstattung schlichte Saalkirche etwa um das Doppelte vergrößert und 1892/1893 nochmals erneuert.Heinrich Jerchel, Joachim Seeger (Bearbeiter): Die Kunstdenkmäler der Provinz Mark Brandenburg. Band 3 Teil 4: Die Kunstdenkmäler des Kreises Niederbarnim. Deutscher Kunstverlag, Berlin 1939, S. 129f. Für den Bau und die Innenausstattung des heutigen, in den Jahren 1908/09 neu erbauten Gebäudes hatte sich Auguste Victoria, volkstümlich „Kirchenjuste“ genannt, intensiv eingesetzt. Der weiß verputzte Bau besteht aus Rüdersdorfer Kalkstein und hat einen eingezogenen Seitturm.Die Kirche und die Kaiserin. In: (PDF; 4,1 MB) Bundesleistungszentrum Kienbaum, Kienbaum 2011, S. 33. Die Orgel aus dem Jahr 1880, ursprünglich für eine Kirche in Berlin gebaut,, abgerufen am 13. Juni 2014. ein Geschenk der Kaiserin, kam aus der Werkstatt der Brüder Oswald und Paul Dinse. Der Kanzelaltar stammt aus dem zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts. Die kunstvollen Allegorien an der Brüstung stellen die alten Haupterwerbszweige des Ortes dar: Krebs-, Fischfang und Bienenzucht. Gemeinde Grünheide 2009 wurde das Gotteshaus umfassend saniert. Den Architekturstil der Kirche charakterisiert der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg als Heimatstil.Offene Kirchen 2012. Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg
Naturraum und Geomorphologie
Naturräumliche Lage mini|Löcknitz im Naturschutzgebiet Löcknitztal westlich des Dorfkerns
Der Dorfkern Kienbaums liegt an der Löcknitz, die sich nördlich des Dorfkerns in einem Sumpfgebiet aus dem Zusammenfluss des Stobberbachs mit dem Abfluss des Maxsees gebildet hat. Der Abfluss des Maxsees (Mühlenfließ), ursprünglich ein natürlicher Bach, wurde um 1950 stark begradigt. Das Mühlenfließ ist rund fünf bis acht Meter breit und rund 0,5 Meter tief. Seine Fließgeschwindigkeit beträgt 5 bis 7 cm/s und es ist fast im gesamten Lauf dicht mit Makrophyten (mit bloßem Auge sichtbare Wasserpflanzen) bewachsen. Wie der Maxsee selbst ist auch das gering beschattete Fließ hocheutroph. Allerdings ist das aus dem See eingetragene Phytoplankton in der Löcknitz nach 1,8 Kilometer Fließstrecke bereits wirkungsvoll eliminiert.Michael Böhme: Sauerstoffhaushalt, Sestonrückhalt und […], S. 60, 66 Gleichfalls nördlich des Dorfkerns fließt dem Fluss am sogenannten Gewässerknotenpunkt Kienbaum die laut Fachliteratur dritte Löcknitz-„Quelle“, der Abfluss des Liebenberger Sees, zu.Eva Driescher: Die Löcknitz und ihr Einzugsgebiet … , S. 12. Der Liebenberger See bildet das nordöstlichste Glied der vierteiligen und miteinander verbundenen Kageler Seenkette. Ihm folgen nach Südwest der Bauernsee, Baberowsee und Elsensee, der durch das Lichtenower Mühlenfließ gespeist wird. Gelegentlich wird der Liebenberger Seeabfluss am Bundesleistungszentrum Kienbaum als Fortsetzung des Lichtenower Mühlenfließes bezeichnet. (PDF; 48 kB) Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (LUGV), LUGV/Ö4, Stand 04/2012, S. 6
Unmittelbar südlich des Dorfkerns folgt das langgestreckte Naturschutzgebiet Löcknitztal, das den Fluss, der in etwa östlich parallel zur Kageler Seenkette und Grünheider Seenkette aus Werlsee, Peetzsee und Möllensee verläuft, über Klein Wall bis zur Löcknitzbrücke am Großen Wall südlich von Grünheide begleitet.
Buckower Rinne (Löcknitz-Stobber-Rinne)