Schloss Schrattenthal ist eine ehemalige Wasserschlossanlage im Süden der Stadtgemeinde Schrattenthal im Bezirk Hollabrunn in Niederösterreich. Das Schloss und die ehemaligen Wehranlagen stehen unter Denkmalschutz (). mini|
Die in Privatbesitz befindliche, etwa 4,5 Hektar große Anlage mit Schloss, Vorburg und Schlosspark besteht aus verschiedenen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden, der Schlosskapelle und ehemaligen Befestigungs- und Verteidigungsanlagen und kann besichtigt werden.
Die Schlossanlage geht auf eine Verteidigungsanlage zurück, die im Jahre 1220 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Die im Jahre 1435 errichtete spätgotische neue Wasserburg war Teil der mittelalterlichen Befestigungsanlagen der Stadt Schrattenthal und wurde zwischen 1660 und 1719 barockisiert. Sie erhielt durch mehrere Um- und Ausbauten im 19. Jahrhundert ihr heutiges Aussehen.
Das Schloss diente als Drehort für die zwischen 1998 und 2002 entstandene Fernsehserie Julia – Eine ungewöhnliche Frau.. Abgerufen am 12. Oktober 2012.
Geschichte Mittelalter Gegen Ende des 11. Jahrhunderts wurde im nordwestlichen Weinviertel die Grenze zu Böhmen durch eine Kette von Befestigungen gesichert, zu denen auch ein hölzerner Turm am Rittsteig in Schrattenthal zählte. Dieser wurde in einer Urkunde Herzog Leopolds VI. aus dem Jahre 1220 erstmals urkundlich erwähnt. Dehio-Handbuch. … 1990, ISBN 3-7031-0652-2, S. 1057. Der Rittsteig war ein Fernweg, der von Krems nach Znaim führte. Ein Meierhof wurde in Schrattenthal 1230 erstmals erwähnt.
Die Grundherrschaft war landesfürstlich und wurde als Lehen an Ministeriale vergeben. Erster Lehensnehmer war im Jahre 1245 der Truchsess des Herzogs Friedrich II., Drusigerus de Schretentale, dem im Jahre 1291 Fuchs von Schretentale und später der Graf von Schaumburg folgte. 1382 erwarben die Grafen von Maydburg-Hardegg die Herrschaft und gaben sie als Lehen weiter.
In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts gelangten die Hussiten unter anderem auch nach Schrattenthal. Im Jahre 1425 war das Gebiet umkämpft, woran die Riedenbezeichnungen Hussen vor dem Schloss und die zweite Bezeichnung Hussitenturm für den Hungerturm erinnern.
Im Jahre 1427 war Tobias von Rohr, der Besitzer von Burg Ottenstein, Lehensträger.
Eyczinger Am 4. April 1434 folgte Ulrich von Eyczing als Lehensträger, der Schrattenthal zu seinem Hauptsitz machte. mini| Ulrich von Eyczing befürchtete einen neuerlichen Vorstoß der Hussiten, was ihn veranlasste, im Jahre 1435 eine neue Wasserburg zu errichten, die in die Ortsbefestigung einbezogen wurde und die Südseite der Siedlung zu decken hatte. Das Wasser für den Burggraben wurde durch Entwässerung der umliegenden Sümpfe gewonnen.
Im Jahre 1439 wurde Ulrich von Eyczing vom Kaiser in den Freiherrnstand erhoben und wurde Hubmeister von König Albrecht II. Dies brachte ihm ein beträchtliches Vermögen ein, so dass er die Herrschaft 1448 als Freies Eigen erwerben konnte. Zwischen 1451 und 1458 war Schrattenthal während des Streites der Niederösterreichischen Stände mit Kaiser Friedrich III. wiederholt Tagungsort der Aufrührer. Im Jahre 1457 weilten der spätere König Georg von Böhmen und der Bischof von Passau auf Schloss Schrattenthal. Ulrich von Eyczing starb am 20. November 1460 im Alter von 62 Jahren an der Pest und wurde in der Pfarrkirche Schrattenthal bestattet. Nach ihm verwaltete sein Bruder Stephan den Besitz. Da der Kaiser bei der Familie beachtliche Schulden hatte, erhielt Stephan unter anderem für Schrattenthal zahlreiche Rechte, so etwa die Stadterhebung am 18. September 1472.
Im Jahre 1479 teilte Stephan von Eyczing den Besitz auf seine vier Söhne auf, wobei Schrattenthal an die beiden ältesten, Martin und Georg, ging. Nachdem die Herrschaft in den folgenden Jahren mehrmals den Besitzer gewechselt hatte, gelangte sie schließlich an Michael Freiherr von Eyczing. Am 10. Juli 1522 wurde dieser wegen Rebellion und Hochverrats angeklagt und hingerichtet; alle seine Güter wurden eingezogen. Seinem Sohn Ulrich IV. Freiherr von Eyczing und dessen Bruder Christoph gelang es schließlich, den Familienbesitz wieder zu erlangen.
Während der Reformation war Schloss Schrattenthal von 1567 bis 1620 ein Hauptstützpunkt und Tagungsort der evangelischen Stände, die im Jahre 1570 in der heutigen Scheune eine evangelische Kirche einrichteten. Bis zum Jahre 1620 blieb Schrattenthal im Besitz der Eyczinger, die im Zuge der Gegenreformation geächtet wurden, was zur Konfiszierung des Besitzes führte. Letzter Eyczinger war Philipp Christoph Freiherr von Eyczing, mit dessen Tod die Eyczinger ausstarben. Ein Großteil des Erbes und das Familienwappen gingen an Christoph Freiherr von Breuner, einen Verwandten der Eyczinger.
1620 bis 1946 Im Jahr 1620 wurde Eleonora Gonzaga, Gemahlin von Kaiser Ferdinand II., die neue Besitzerin. Von 1621 bis 1660 besaßen die Grafen von Strozzi die Herrschaft, welche die Obersthofmeisterin der Kaiserin, Gräfin Oktavia von Strozzi, von dieser erhalten hatte. Im Jahre 1645 wurde Schrattenthal von den Schweden erobert, die von März bis Oktober 1645 mit ihrem General Lennart Graf Torstensson in der Stadt blieben und im Schloss ihr Hauptquartier aufschlugen. mini| 1660 erwarb Markus Putz Freiherr von Adlersthurm den Besitz und ließ die militärisch bedeutungslose und im Dreißigjährigen Krieg teilweise zerstörte Wasserburg ab dem 1670 im Barockstil in das heutige Wohnschloss umbauen.
Seine Tochter Maria Theresia Esther (* 13. September 1686 in Schrattenthal; † 27. April 1740 in Prag), die seit 24. November 1705 mit Ludwig Reichsgraf von Hartig verheiratet war, vollendete bis 1719 den Bau und ließ im Norden des Schlosses einen Park mit Fasanengarten, Jägerhaus und Sommerpavillon anlegen. Der gesamte Umbau war 1750 abgeschlossen.
Im Jahre 1797 kaufte Johann Jakob Freiherr von Chartard das Schloss, veräußerte es jedoch bereits 1803 an Anton August Reichsgraf von Attems, der einige Umbauten vornehmen ließ. Die Gartentore und das Stiegenhaus stammen aus der Zeit seiner Herrschaft. Nach den Franzosenkriegen wurde der Schlosspark im englischen Stil umgestaltet und erweitert.
In den Jahren 1822 und 1826 war Nikolaus Lenau auf Einladung seines Schwagers Anton Xaver Schurz, der zu dieser Zeit Verwalter der Herrschaft war, im linken Schlosstrakt zu Gast. Eine Tafel am Eingang zum Torturm erinnert an diese Besuche. Schurz verfasste nach dem Tod von Lenau eine Biografie des Dichters (1855, 2 Bände), die ein wichtiges Quellenwerk für die Lenau-Forschung ist.
Als im Jahre 1848 die Grundherrschaften aufgehoben wurden, wählten die Bürger von Schrattenthal Hermann Graf Attems, den letzten Herrschaftsinhaber, zum Bürgermeister. Ihm folgten als Schlossherren Friedrich Steininger (1869–1871) und Theodor Freiherr von Offermann, der mehrere Umbauten und Modernisierungen vornehmen ließ. Zwischen 1911 und 1917 war das Schloss im Besitz von Prinz Friedrich von Schönburg-Waldenburg, der auf dem Gelände einen Rennstall unterhielt. Ihm folgte als Guts- und Schlossherrschaft die Familie Schumpeter, die den Besitz im Jahre 1924 an Erwin Schubert zunächst verpachtete und 1932 verkaufte.
Im Jahre 1945 wurde im Schloss ein russisches Militärlazarett eingerichtet. Ein Jahr später zog die Besatzung wieder ab und das Lazarett wurde aufgelassen.
Jüngere Geschichte Das Schloss befindet sich gegenwärtig im Besitz der Familie Schubert. Brigitte Schubert, die Gattin des Eigentümers Karlheinz Schubert, ist seit dem Jahre 1986 damit beschäftigt, die einzelnen Gebäude des Areals zu restaurieren. In den Bauten des äußeren Schlosshofes sind meist Wohnungen untergebracht. mini|
Beschreibung der Objekte Die weitläufige Anlage nimmt die gesamte Südseite des Stadtgebietes von Schrattenthal ein. Sie besteht aus Wohn- und Wirtschaftsgebäuden sowie Befestigungsanlagen. Im 13. Jahrhundert wurde eine einfache Verteidigungsanlage erstmals urkundlich erwähnt. Die im Jahre 1435 errichtete spätgotische Stadtburg wurde zwischen 1660 und 1719 barockisiert und ab dem 19. Jahrhundert mehrmals aus- und umgebaut.
Die Anlage ist etwa 300 × 150 Meter groß und wird von einer mit Bastionen verstärkten Bruchsteinmauer aus der Mitte des 15. Jahrhunderts ergänzt. Ein Teil dieser Mauer musste nach einem Teilabsturz im Jahre 2010 wieder aufgebaut werden. Etwa drei Fünftel der Gesamtfläche entfallen auf die großräumige Vorburg, die durch tiefe, aus dem Fels gehauene Gräben gesichert ist. mini|
Über eine Brückenzufahrt führt der Weg aus der Stadt zunächst auf das Gelände der Vorburg, die aus mehreren Gebäuden besteht. Eine Steinbrücke über den heute trockenen Graben wird von Statuen der Heiligen Johannes Nepomuk und Antonius von Padua flankiert. Sie ersetzte die ursprüngliche Zugbrücke und führt von der Vorburg auf den halbrunden Torturm zu, bevor der Hof des Schlosses erreicht wird. Im Jahre 1991 wurden die beiden Statuen und die Brüstung der Brücke saniert. Eine Totalsanierung der Zufahrt wurde im Jahre 1997 mit einer Niveaubegradigung und der Herstellung einer neuen Pflasterung begonnen und im Jahre 2001 abgeschlossen.aus einem Aushang, der sich beim Eingang zur Schlosskapelle befindet.
Ein zweiter Zugang zur Vorburg ist im Süden im Bereich des Hungerturmes, wo eine Brücke über den Burggraben zu einem Tor in der Befestigungsmauer führt. Neben diesem Tor ist eine kleine Schlupfpforte.
Schloss Bei dem aus dem 14. und 15. Jahrhundert stammenden Schloss handelt es sich um eine zweigeschoßige, unregelmäßige Zweiflügelanlage. Sie liegt südlich eines in der Stadtsiedlung gelegenen großen Wirtschaftshofes, von dem sie durch den ehemaligen Wassergraben getrennt ist.
Außen mini|hochkant| Der Haupttrakt (Nordtrakt) des Schlosses ist ein langgestrecktes Gebäude mit Walmdach und umlaufendem gekehlten Traufgesims aus der Zeit um 1700. Die Fassade ist durch Lisenen und putzfaschengerahmte Fenster mit gekehlten Sohlbänken gegliedert.
Das Wohnschloss stammt im Kern aus der Spätgotik und ist aus der damaligen Wasserburg durch Überbauung des Zwingers hervorgegangen. Im 17. Jahrhundert wurde es durch die Freiherrn von Adlersthurm barockisiert.
An der Südfassade des Nordtraktes blieben im Erdgeschoß drei verstäbte spätgotische Fenster erhalten. Die zunächst vorhandene dreiachsige, offene, spitzbogige Laube wurde später zugemauert.
links|mini|hochkant| An der Ostseite ist durch einen Anbau an den Torturm und den vorgezogenen Kopf des langgestreckten Nordflügels ein ehrenhofartiger Terrasseneinsprung mit Balustradenabschluss entstanden.
Der spätgotische Torbau in der Achse der Brücke teilt den an den Nordtrakt rechtwinkelig anschließenden langen Südosttrakt. Dieser wurde vermutlich als Schüttkasten verwendet und im 16. Jahrhundert als Wohngebäude ausgebaut. Der Turm aus der Mitte des 15. Jahrhunderts hat ein abgerundetes barockes Aufsatzgeschoß über einem breiten Gesims und ein mächtiges Portalgewände mit profiliertem Segmentbogenabschluss. Seitlich befindet sich eine Mannspforte. Die Portalgewände wurden im Jahre 1997 restauriert, im Jahre 2009 erfolgte die Instandsetzung des Gewölbes in der Toreinfahrt. Der nördlich des Tores gelegene Teil dieses Traktes trägt ein Satteldach, der Teil im Süden ein Schopfwalmdach. Die Dächer wurden im Jahre 2002 mit Schindeln neu eingedeckt. Die Turmwohnung wurde im Jahre 1994 saniert; anlässlich einer neuerlichen Komplettrestaurierung im Jahre 2000 erfolgte der Einbau von Sanitärräumen.
Südlich des Torturmes bilden tonnengewölbte Kasematten das Kellergeschoß des südlichen Wohntraktes, dessen Fassade, Dach und Kamine im Jahre 1998 instand gesetzt wurden. Ein weiterer Kamin wurde im Jahre 2003 hergestellt und in den Jahren 2010 und 2012 die Fassade restauriert.
Gegen Westen hin schließt sich an diesen Gebäudeteil ein vermutlich aus dem 16. Jahrhundert stammender ehemaliger barocker Pferdestall in Mischmauerwerk mit Stichkappe an. Dehio-Handbuch. … 1990, ISBN 3-7031-0652-2, S. 1060. Er wurde im Jahre 2009 als Garage umgebaut.