Meghalaya ist ein indischer Bundesstaat mit einer Fläche von 22.429 km² und knapp 3 Millionen Einwohnern (Volkszählung 2011). Die Hauptstadt Meghalayas ist Shillong (auf 1500 m Höhe, 143.000 Einwohner), die Hauptsprachen sind Khasi und Garo; neben diesen dient Englisch als weitere Amtssprache. Der Name „Meghalaya“ wurde neu gebildet aus Sanskrit und bedeutet „Heimstätte der Wolken“ (in Hindi मेघालय meghālaya).

Geographie Landschaftliche Gliederung Flächenmäßig ist Meghalaya mit 22.429 km² etwas größer als das deutsche Bundesland Hessen. Der Bundesstaat misst etwa 300 Kilometer in Ost-West-Richtung und ungefähr 100 Kilometer in Nord-Süd-Richtung. Im Norden grenzt der Bundesstaat an den benachbarten Bundesstaat Assam mit den Distrikten Goalpara, Kamrup und Nowgong, und im Osten an die Distrikte Karbi Anglong und Dima Hasao (ehemals North Cachar Hills, ebenfalls Assam). Die südliche und westliche Grenze fällt zusammen mit der Staatsgrenze Indiens zu Bangladesch. Meghalaya hat etwa 443 Kilometer gemeinsame Grenze mit Bangladesch.

Geographisch liegt Meghalaya zwischen dem 24° 58’ und 26° 07’ nördlichen Breitengrad und dem 89° 48’ und 92° 51’ östlichen Längengrad. Topografisch besteht es überwiegend aus Berg- und Hügelland, in das Schluchten und kleine Täler eingeschnitten sind. Die Höhe über dem Meeresspiegel variiert zwischen 150 Metern und 1950 Metern. Nach Norden und Nordwesten hin bildet das Flusstal des Brahmaputra die geographische Begrenzung, nach Süden und teilweise Südwesten die Ebene des Surma (in Bangladesch) und nach Westen hin die zu Assam gehörende Region Cachar.

mini|Der Himmel über Meghalaya ist meist wolkenbedeckt, der neugebildete Sanskrit-Name des Staates bedeutet „Wohnstätte der Wolken“ (Abode of the Clouds)

Ökoregion Der Pflanzenbewuchs Meghalayas besteht hauptsächlich aus Monsunwäldern, unterteilt in drei Klimazonen: In Höhen zwischen 30 und 300 Metern finden sich tropische Tiefland-Regenwälder und zwischen 300 und 1100 Metern subtropische Feuchtwälder, die sich bis in die gemäßigte Höhenstufe zwischen 1100 und 1900 Metern erstrecken, mit stellenweisen Nebelwäldern. Bambuswälder bedecken 14 % der Fläche Meghalayas; insgesamt sind 12 % aller bewaldeten Flächen in staatlichem Besitz und werden von Aufsehern betreut.

Meghalaya gehört zum asiatischen Biodiversitäts-Hotspot Indo-Myanmar (19). Die WWF-Ökoregion Meghalaya Subtropical Forests (IM0126) umfasst die gesamte Erhebung mit ihren Bergen und dem Hochplateau und gilt als eine der artenreichsten von ganz Asien, mit außergewöhnlich vielen indigenen Pflanzen- und Tierarten. Von hier stammen hunderte Orchideen, viele ursprüngliche Reis-, Bananen- und Zitrusarten, einige Magnolien (Michelia) sowie die einzige Kannenpflanze Indiens: Nepenthes khasiana. 850 Heilpflanzen sind für Meghalaya gelistet, über 370 medizinische Pflanzen werden regelmäßig von drei Vierteln der Bevölkerung als Volksmedizin genutzt, meist wild gesammelt.

In Meghalaya leben 139 Säugetierarten, darunter der Asiatische Elefant, der Königstiger, der Nebelparder, die Gold- und die Bengalkatze und 7 Primaten wie der Weißbrauen-Gibbon („kleiner Menschenaffe“) und einige Makaken. 659 Vogel-, 107 Reptilien- und 152 Fischarten wurden festgestellt.

Der World Wide Fund For Nature (WWF) gibt an, dass bereits zwei Drittel der gesamten Ökoregion entwaldet oder degradiert wurden und die 7 staatlich geschützten Gebiete weniger als 1 % der Ökoregion ausmachen. Zur Entwaldung tragen außerdem großräumiger Abbau von Kohle, Kalkstein und Uran und entsprechende Infrastrukturen bei. Das staatliche Wildlife Institute of India (wii) gibt 2017 an, dass insgesamt 6 % der Staatsfläche Meghalayas als Protected Area verschiedener Art geschützt werden. Die über 100 heiligen Wälder der Khasi leisten nur einen kleinen Beitrag zur dringend benötigten Aufforstung.

Klima Das Klima Meghalayas ist gemäßigt, variiert mit der Höhe über dem Meeresspiegel und steht unter dem Einfluss des Südwest-Monsuns und nordöstlicher Winde im Winter. Die Khasi und Jaintia Hills weisen ein durchgängig angenehm gemäßigtes Klima auf. In den Ebenen der Garo Hills herrscht ein feucht-warmes Klima. Die vier Jahreszeiten sind Frühling (März/April), Sommer (Monsunzeit von Mai bis September), Herbst (Oktober/November) und Winter (Dezember bis Februar). Die Regenperiode der Monsunzeit beginnt üblicherweise in der dritten Maiwoche und sie dauert bis Ende September, manchmal auch bis Mitte Oktober. Der durchschnittliche Jahresniederschlag liegt im Westen Meghalayas bei 2600 mm, im nördlichen Meghalaya zwischen 2500 und 3000 mm und im Südosten bei 4000 mm. Den größten Niederschlag gibt es an den Südhängen der Khasi Hills, die die regenreichsten Regionen der ganzen Welt überhaupt darstellen. In Cherrapunji (Sohra), dem „nassesten Ort der Welt“ werden im Mittel 12.000 mm Jahresniederschlag registriert.

Größte Städte mini|Luftbild der Hauptstadt Shillong: gelegen auf der Hochebene auf 1500 m, 143.200 Einwohner 2011, bis 1972 die Hauptstadt von Assam (2011)

Stadt Einwohner 2011 2001 Shillong 143.229 132.876 Tura 74.858 58.391 Mawlai 55.012 38.241 Nongthymmai 38.004 34.209 Nongstoin 28.742 22.003 Jowai 28.430 25.023 Pynthorumkhrah 27.219 22.108

Bevölkerung Demografie

Nach der Volkszählung 2011 hatte Meghalaya 2.966.889 Einwohner, 20 % lebten in Städten. Die Bevölkerungsdichte lag mit 132 Einwohnern pro Quadratkilometer deutlich unter dem indischen Durchschnitt (382 Einwohner je Quadratkilometer). Rund 86 % der Einwohner gehörte zu einem der 17 Scheduled Tribes (staatlich anerkannte Stammesvölker):

2.966.889 = Einwohner2.555.861 = 86,1 % Stammesbevölkerung

1.411.775 = 47,6 % Khasi („Khasi, Jaintia, Synteng, Pnar, War, Bhoi, Lyngngam“: im mittleren und östlichen Drittel Meghalayas) 821.026 = 27,7 % Garo (im westlichen Drittel) 38.576 = 1,3 % Hajong (im Westen) 32.662 = 1,1 % Raba 22.716 = 0,7 % Koch 19.289 = 0,6 % Karbi (im Nordosten) 1.578 = 0,1 % Synteng (eine eigenständige kleine Gruppe im Osten) … = weitere 10 kleine Ethnien

Sprachen Die beiden Hauptsprachen Meghalayas sind Khasi und Garo, die Sprachen der beiden gleichnamigen Hauptstämme. Khasi wird nach der Volkszählung 2001 von 47,0 % der Bevölkerung gesprochen und gehört zum Zweig der Mon-Khmer-Sprachen der austroasiatischen Sprachfamilie. Garo gehört zu den tibetobirmanischen Sprachen und wird von 31,4 % der Einwohner des Bundesstaats gesprochen. Ebenfalls tibetobirmanisch sind die kleineren Stammessprachen Maram (1,5 %), Rabha (1,0 %) und Koch (0,9 %). Unter der nicht-indigenen Bevölkerung sind die indoarischen Sprachen Bengali (8,0 %), Nepali (2,3 %), Hindi (2,2 %), Marathi (1,7 %) und Asamiya (1,6 %) verbreitet. Als Amtssprachen dienen Khasi, Garo und Englisch.

Religionen Meghalaya ist einer von drei mehrheitlich christlichen Bundesstaaten Indiens, neben den auch in Nordostindien gelegenen Mizoram und Nagaland (im nahen Arunachal Pradesh bilden die Christen mit 30,3 % eine nur knappe Mehrheit). Durch die Missionstätigkeit vor allem von Baptisten ist ein großer Teil der Stammesbevölkerung zum Christentum übergetreten (vergleiche Christliche Mission in Indien). Laut der Volkszählung in Indien 2011 sind 75 % der Einwohner Meghalayas Christen, in der Minderheit sind Hindus (12 %) und Muslime (4 %). Unter „andere Religionen und Überzeugungen“ werden 9 % der Einwohner gelistet. Bei diesen handelt es sich in Meghalaya vor allem um animistische Glaubensformen der indigenen Bevölkerung, den Stammesreligionen Niam Khasi, Niamtre und Songsarek (bei den Garo). Meghalaya hat mit 9.089 Atheisten (0,3 % glauben nicht an Göttlichkeit) die zweitmeisten in Indien (33.304), hinter dem großen zentralindischen Maharashtra mit 9.650 Atheisten (siehe Atheismus in Indien und Meghalaya im indienweiten Vergleich).

Die folgende Liste zeigt die Anteile der Religionsanhänger in Meghalaya, bei den Khasi, den Garo sowie in ganz Indien (Vergleich: weltweit):

Meghalaya (2.967.000 E.) Khasi (47,6 % der Einwohner) Garo (27,7 % der Einwohner) Indien (1.211 Mio. Einw.) % Religion 2011 (2001) % Religion 2011 % Religion 2011 % Religion 2011 (2001) 1 74,59 % Christen (70,25 %) 83,14 % Christen 95,86 % Christen 2,30 % Christen (2,34 %) 2 11,53 % Hindus (13,27 %) 0,72 % Hindus 0,58 % Hindus 79,80 % Hindus (80,46 %) 3 4,40 % Moslems (4,28 %) 0,36 % Moslems 0,44 % Moslems 14,23 % Moslems (13,43 %) 4 0,33 % Buddhisten (0,20 %) 0,13 % Buddhisten 0,41 % Buddhisten 0,70 % Buddhisten (0,77 %) 5 0,10 % Sikhs (0,13 %) 0,01 % Sikhs 0,02 % Sikhs 1,72 % Sikhs (1,87 %) 6 0,02 % Jainas (0,03 %) < 0,01 % Jainas < 0,01 % Jainas 0,37 % Jainas (0,41 %) 7 8,71 % „andere Rel. und Ü.“ (11,53 %) 15,41 % „andere Rel. und Überzeug.“ 2,47 % „andere Rel. und Überzeug.“ 0,66 % „andere Religionen“ (0,65 %) 8 4,59 % Niam Khasi (138.480) 9,24 % Niam Khasi (89,5 % ländlich) 0 % Niam Khasi 0,01 % Niam Khasi (138.512) 9 2,73 % Niamtre (84.258) 5,49 % Niamtre (88,1 % ländlich) 0 % Niamtre < 0,01 % Niamtre (84.276) 10 0,65 % Songsarek(19.803) 0 % Songsarek (Garo-Religion) 2,10 % Songsarek(100 % ländlich) 0,41 % Sarna (4.957.467) 11 0,29 % Atheisten (9.089) 0,48 % Atheisten (6.830: 92 % ländlich) 0,16 % Atheisten (1.339: 99 % ländlich) < 0,01 % Atheisten (33.304) 12 0,32 % „nicht angegeben“ 0,22 % „nicht angegeben“ 0,21 % „nicht angegeben“ 0,24 % „nicht angegeben“

Seitens der katholischen Kirche in Indien bestehen in Meghalaya das Erzbistum Shillong (Distrikte Ri-Bhoi und East Khasi Hills) sowie die Bistümer Jowai (East und West Jaintia Hills), Nongstoin (South West und West Khasi Hills) und Tura (East, North, South, South West und West Garo Hills). In Shillong führen die Salesianer seit 2001 das „Don Bosco-Zentrum für indigene Kulturen“ (DBCIC: Don Bosco Centre for Indigenous Cultures) mit dem großen anthropologischen Don Bosco Museum. Das DBCIC umfasst Forschungen, Publikationen, Trainings- und Animationsprogramme in Bezug auf die Kulturen in Nordostindien und Umgebung.

Es gibt in Meghalaya etwa 350.000 Hindus (12 %), von den insgesamt 17 Stammesvölkern sind aber nur 3 hinduistisch: die Hajong, die Raba und die Koch, zusammen 100.000 Angehörige.

Gesellschaft Die beiden großen indigenen Völker Meghalayas – die Khasi und die Garo – hatten im Jahr 2011 zusammen 2.232.801 Angehörige (75,3 % der Gesamtbevölkerung), auf sie geht die Gründung von Meghalaya als eigenem Staat zurück (im Jahr 1972). Beide Völker haben Abstammungsregeln, nach denen die Familienangehörigkeit nur von der Linie der Mutter hergeleitet wird (Matrilinearität: Mütterlinien). Beide Völker leben in Großfamilien, die über gemeinsame Abstammungen zu großen Clans zusammengeschlossen sind (siehe die 3363 Clans der Khasi, bei den Garo gibt es 3 große Clans). Kinder bekommen den Familiennamen ihrer Mutter und gehören zu ihrem Clan, während die Väter ihre Familien- und Clan-Zugehörigkeit nicht an Kinder weitergeben können. Der Besitz von Land und Vermögen liegt in den Händen der Frauen, die ihn für die gesamte Familie verwalten und ihn (vorwiegend) an ihre Töchter vererben. Bei den Khasi erbt bevorzugt die jüngste Tochter den Familienbesitz und damit die Leitung und die Verantwortung für die Familiengruppe (Ultimogenitur: Nachfolge der Letztgeborenen, siehe Khasi-Schaubild), bei den Garo erbt bevorzugt die älteste Tochter (Primogenitur). Einer Erbtochter steht immer ihr (älterer) Bruder zur Seite sowie ihr mutterseitiger Onkel, er wirkt bei offiziellen Anlässen als Familienvorstand. In Medienberichten wird Meghalaya verallgemeinernd als „Land der Frauen“ bezeichnet, aber in den Dorfgemeinschaften und den autonomen Distrikträten übernehmen traditionell die Männer die Aufgabe der Ratsherren und des exekutiven Vorstehers; jeder Clan hat neben der Clanmutter einen Häuptling als Anführer.