Das Berlin Museum war ein stadt- und kulturgeschichtliches Museum in Berlin. Es existierte von 1962 bis 1995. Seinen Sitz hatte es im Kollegienhaus, Lindenstraße 14 in Berlin-Kreuzberg. 1995 hörte mit Gründung der Stiftung Stadtmuseum Berlin die Körperschaft „Berlin Museum“ auf zu bestehen. Die Sammlungen des Museums wurden vom Berliner Senat der Stiftung als Eigentum überwiesen und mit den Sammlungen des Märkischen Museums vereinigt.Stiftung Stadtmuseum Berlin (Hrsg.): Jahrbuch 1995. Gebr. Mann, Berlin 1997, S. 99.

Das Kollegienhaus, dessen Erweiterungsbau ab 1992 entstand (sogenannter Libeskindbau), wurde der Stiftung zunächst zur Nutzung überlassen. Bei der Verselbstständigung des Jüdischen Museums 1999 wurden Kammergerichtsgebäude und Libeskindbau diesem übergeben und gehören seither nicht mehr zur Stiftung Stadtmuseum.

mini|hochkant=1.5|Das Kammergerichtsgebäude in der Lindenstraße in Berlin, Sitz des Berlin Museums. Gemälde eines unbekannten Künstlers um 1910. Das Werk war 1963 eines der ersten Geschenke an den Verein für ein Berlin Museum

Vorgeschichte Durch den Bau der Berliner Mauer hatten West-Berliner zunächst keinerlei Zugang zum Ostteil der Stadt und damit auch nicht zum Märkischen Museum, das als Institution ab 1874 neben seiner Aufgabe als Brandenburgisches Provinzialmuseum auch die Stadtgeschichte Berlins darstellte. In West-Berlin wurden erste Stimmen laut, ein neues, rein stadtgeschichtliches Museum zu gründen. Dazu gehörte die Direktorin der Schlösserverwaltung Margarete Kühn, die in ihrer Funktion gelegentlich berlinbezogene Objekte angeboten bekam, diese jedoch entsprechend dem Sammlungsprofil ihrer Institution nicht ankaufen konnte.Ausführlich ist die Gründung des Vereins und die ihn führenden Kräfte beschrieben in: Kai Michel: Edwin Redslob und die Gründung des Berlin Museums. In: Stiftung Stadtmuseum Berlin (Hrsg.): Jahrbuch 1999. Henschel, Berlin 2000, S. 86.

mini|Wilhelm Barth: Blick von den Rollbergen auf Berlin, Gouache 1834, vom Märkischen Museum 1920 erworben. Durch Teilung der Stadt im Westteil befindlich, 1977 als Senatsbesitz dem Berlin Museum überwiesen

Zum Personenkreis, der ein stadtgeschichtliches Museum forderte, gehörte auch die Kunsthistorikerin Irmgard Wirth, die seinerzeit als Mitarbeiterin des Landeskonservators für den Senator für Bau- und Wohnungswesen den Doppelband des Inventars Stadt und Bezirk Charlottenburg und den Band Bezirk Tiergarten erstellt hatte und damit ihre große Kompetenz hinsichtlich der regionalen Stadt- und Kulturgeschichte unter Beweis gestellt hatte.Irmgard Wirth: Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin, Bezirk Tiergarten. Gebr. Mann, Berlin 1955; Irmgard Wirth: Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin, Stadt und Bezirk Charlottenburg. Gebr. Mann, Berlin 1961.

Nachdem der Ruf nach solch einem Museum seinen Widerhall in der Tagespresse gefunden hatte, wandte sich der Senat ratsuchend an Leopold Reidemeister, den Generaldirektor der ehemals staatlichen Museen, und an Edwin Redslob, Reichskunstwart während der Weimarer Republik.

Redslob, der sich nach Jahren der inneren Emigration während der Zeit des Nationalsozialismus als Mitbegründer der Freien Universität, der Freien Volksbühne und als Initiator und Lizenznehmer der bürgerlichen Tageszeitung Der Tagesspiegel hervorgetan hatte, sollte nun zu einer Art Gründungsdirektor des neuen Museums werden. Einbezogen wurde als damals bedeutende politische Kraft die Landsmannschaft Berlin-Mark Brandenburg. Als fachlich beratende Körperschaft wurde die Landesgeschichtliche Vereinigung für die Mark Brandenburg hinzugezogen.

Da von Seiten der Senatsverwaltung zunächst kein Bedarf an einer Museumsgründung gesehen und es ernsthaft angezweifelt wurde, dass über Schenkungen und Neuerwerbungen eine qualitätvolle Sammlung gebildet werden könne, wurde die Rechtsform des Vereins gewählt, mittels derer das Museum entstehen sollte.Kai Michel: Edwin Redslob und die Gründung des Berlin Museums. In: Stiftung Stadtmuseum Berlin (Hrsg.): Jahrbuch 1999. S. 109. Der Name „Berlin Museum“ war von Anfang an Konsens.

Verein mini|Theodor Hosemann: Maurer beim Bau des Berliner Rathauses, Ölgemälde 1861, erworben 1984 vom Verein der Freunde und Förderer des Berlin Museums aus Privatbesitz

Am 22. November 1962 wurden der Verein der Freunde und Förderer des Berlin Museums gegründet und Edwin Redslob zum ersten Vorsitzenden gewählt. Der damals 78-Jährige hatte damit eine schwierige Aufgabe übernommen, wurde aber zum eigentlichen Motor der Museums-Angelegenheit, die er mit der Kraft seiner Persönlichkeit meisterte.Kai Michel: Edwin Redslob und die Gründung des Berlin Museums. In: Stiftung Stadtmuseum Berlin (Hrsg.): Jahrbuch 1999. S. 107. Redslob vernetzte den Verein und die Museumsidee mit Vertretern der Wirtschaft, was sich in den folgenden Jahren als tragfähiges Fundament für die Suche nach Sponsoren erweisen sollte. Der Verein war für fast ein Jahrzehnt der Träger des Museums. Er erwarb mit seinen Mitteln Kunstwerke, die in seinem Eigentum verblieben, denn der einzige Zweck des Vereins war es, Kunstwerke für das Museum zu erwerben.

Der Senat von Berlin zeigte sein Wohlwollen für die Sammlung darin, dass er dem Berlin Museum den Ankauf von Kunstwerken aus Senats- und Lottomitteln ermöglichte, die allerdings Eigentum des Landes Berlin wurden. Die Lottomittel boten dem Museum die größten finanziellen Posten, ohne diese hätte die Sammlung nicht aufgebaut werden können.

Die Vereinsarbeit erwies sich als außerordentlich produktiv und verschaffte dem Museum gesellschaftsrelevante Bedeutung. Während Redslob einerseits in der Wirtschaft um finanzielle Unterstützung warb, übte er andererseits praktische Museumsarbeit in Form des Ankaufs von Kunstwerken und scheute sich nicht, dabei auch „Klinken zu putzen“: Der in Dahlem Wohnende suchte gezielt in der Nachbarschaft alteingesessene Bewohner auf und spürte so mit dem ihm eigenen Charme berlinbezogene Objekte auf, die bisweilen auch erworben werden konnten.

Wichtig war auch die Unterstützung durch den Kunsthandel. Hier ist vor allem Wilhelm Weick zu nennen, der dem Verein als Fachmann bei der Einschätzung der Kaufangebote zur Seite stand. Ferner wurde der Bildhauer Kurt Reutti ein Motor der Vereinsarbeit, der sich in der unmittelbaren Nachkriegszeit um die Bergung und Sicherstellung scheinbar herrenloser Kunstwerke verdient gemacht hatte.

Erste Ausstellungen und provisorische Standorte mini|Berger nach Lüdtke: Das Brandenburger Tor, Aquatinta 1796, 1964 als eines der ersten Kunstwerke für das Berlin Museum von einem Stifter aus Zürich geschenkt

Am 6. Mai 1964 eröffnete im Haus am Lützowplatz die Gründungsausstellung des Berlin Museums. Redslob war es wichtig gewesen, der Öffentlichkeit mit Exponaten die Idee des Stadtmuseums nahezubringen. Auch war es gelungen, die Politik derart einzubinden, dass der Regierende Bürgermeister Willy Brandt die Ausstellung eröffnete. Entsprechend groß war das Echo der Presse und das daraus resultierende Interesse der Leser.

Die Ausstellung präsentierte in Kombination von ersten Erwerbungen des Vereins mit Leihgaben aus bestehenden Museen, der Schlösserverwaltung und privaten Sammlungen die Berliner Stadt- und Kulturgeschichte und fand eine unerwartet große Resonanz durch etwa 10.000 Besucher in drei Monaten.Kai Michel: Edwin Redslob und die Gründung des Berlin Museums. In: Stiftung Stadtmuseum Berlin (Hrsg.): Jahrbuch 1999. S. 109. Irmgard Wirth: Berlin Museum, Führer durch die Sammlungen. Berlin 1980, S. 9.

mini|Carl Gropius: Durchfahrt Portal I im Berliner Schloss, Ölgemälde um 1820, Geschenk von Kurt Reutti 1964

Im Jahr 1965 konnte das Berlin Museum dank der guten Kontakte Redslobs zum Bezirksamt Tiergarten erste dauerhafte Ausstellungsräume beziehen, die aber nur als Provisorium gedacht waren. Sie befanden sich im Hause des Kunstamtes Tiergarten in der Stauffenbergstraße 41 und konnten mietfrei genutzt werden. Trotz des sehr beengten Raums wurden hier im Wechsel Sonderausstellungen und eine Ausstellung zur Stadtgeschichte gezeigt.Irmgard Wirth: Geschichte des Berlin Museums (1964–1981). In: Stiftung Stadtmuseum Berlin (Hrsg.): Jahrbuch 1999. Henschel, Berlin 2000, S. 121

Im Jahr 1964 wurde die Sammlung Johann Friedrich Leider mit Lottomitteln für 80.000 Mark gekauft. Durch eine Spende der Firma Hermann Meyer 1965 anlässlich ihres 75-jährigen Bestehens konnte eine bedeutende Chodowiecki-Sammlung erworben werden. Eine für damalige Verhältnisse sehr großzügige Spende der Allianz-Versicherung im Jahr 1966 von 250.000 Mark ermöglichte den schrittweisen Ankauf von Bildern für eine „Berliner Porträt-Galerie“. Die Firma Reemtsma übernahm das Patronat über die Sammlung von Fayencen, die Kindl-Brauerei das Patronat über die Sammlung von (Bier-)Krügen und Gläsern.

Kollegienhaus oder Kammergerichtsgebäude mini|Martin Engelbracht, Kollegienhaus in Berlin, Aufriss, vor 1739

Der ursprünglich Kollegienhaus genannte Bau wurde im Auftrag von König Friedrich Wilhelm I. 1734 nach Plänen Philipp Gerlachs gebaut und am 8. Mai 1735 fertiggestellt.Andreas Bekiers: Baugeschichte des Berlin Museums. In: Stiftung Stadtmuseum Berlin (Hrsg.): Jahrbuch 1999. Henschel, Berlin 2000. Er rahmt die südliche Friedrichstadt nach Osten und dient der Markgrafenstraße vom Gendarmenmarkt als Point de vue.

Es handelt sich um eine zweigeschossige Dreiflügelanlage unter Mansarddach, die ihren Ehrenhof zum Garten wendet. Die elfachsige Westfassade ist als Schauseite gebildet. Hierbei ist die übergiebelte, sehr breite Mittelachse mit Durchfahrtstor und Balkon im Obergeschoss risalitartig vorgezogen. Auch die jeweils äußeren Achsen bilden flache Seitenrisalite. Seitlich schlossen sich entlang der Lindenstraße zwei architektonisch gegliederte Grundstücksmauern mit vasengeschmückter Tordurchfahrt an. Die südliche wurde bei Anlage der Husarenstraße im 19. Jahrhundert beseitigt.

mini|Martin Engelbrecht, Kollegienhaus Berlin, Grundriss Erdgeschoss, vor 1739

Das Gebäude erhebt sich auf einer schlicht gegliederten Sockelzone. Vor ihr schwingt eine breite Rampe mit Balustrade zur Mittelachse empor. Das Erdgeschoss ist durch eine Putzbänderung ausgezeichnet, während die Obergeschossfassaden glatt verputzt sind. In den Risaliten überfangen Pilaster mit kapitellartigen Festonbekrönungen beide Geschosse. Die Gebälkzone ist durch vier Schmuckelemente unter dem Gesims ausgezeichnet.

Im Giebelfeld befindet sich eine reliefierte Wappenkartusche, die den Bau als königliche Institution auswies. Auf den Giebelschrägen befinden sich allegorische Figuren der Justitia und der Caritas. Die Mansardzone des Dachs ich durch vier Lukarnen gegliedert und der Dachfirst ist durch vier Schornsteinköpfe bestimmt.

Während das Äußere des Kollegienhauses mit seiner palaisartigen Gestaltung die seinerzeit architektonisch bescheidene südliche Friedrichstadt aufwerten sollte, war das Innere recht funktional gestaltet. Das Erdgeschoss war durchgehend kreuzgratgewölbt. Die schlichte Haupttreppe befand sich hofseitig und wurde ergänzt durch Nebentreppen an den Enden der Seitenflügel. Mittig befand sich das Präsidentenzimmer, das von zwei Sälen flankiert wurde. Die Erschließung beider Geschosse erfolgte durch hofseitige Gänge.

mini|Martin Engelbrecht, Kollegienhaus Berlin, Grundriss Obergeschoss, vor 1739

Zunächst waren im Kollegienhaus mehrere gerichtliche Institutionen untergebracht, später wurde das Gebäude allein vom Kammergericht genutzt. Nach dessen Auszug in den Neubau am Kleistpark 1913 bezog das evangelische Konsistorium Brandenburg das Kollegienhaus.