Der Landratsbezirk Vilbel war ein Landratsbezirk in der Provinz Oberhessen des Großherzogtums Hessen mit Sitz in Vilbel. 1821 gegründet, ging er 1832 im Kreis Friedberg auf.
Geschichte Entstehung Im Zuge der Verwaltungsreform von 1821 im Großherzogtum wurden auch auf unterer Ebene Rechtsprechung und Verwaltung getrennt und die Aufgaben der überkommenen Ämter in Landratsbezirken (zuständig für die Verwaltung) und Landgerichtsbezirken (zuständig für die Rechtsprechung) neu organisiert. Der Landratsbezirk Vilbel entstand dabei aus: dem Amt Vilbel und Kloppenheim, dem Amt Rodheim, dem Amt Karben, dem Amt Büdesheim, dem Amt Altenstadt mit Stammheim (ehemals: Ganerbschaft Staden), den dem Staat gehörenden Anteilen an den Kondominaten Amt Assenheim,1823 an den Landratsbezirk Butzbach (Lit. C Die neue Eintheilung des Landes in Landraths(- und) Landgerichtsbezirke betreffend vom 5. Juni 1823. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 20, 11. Juli 1823, S. 231 f. ). Petterweil und Burg-Gräfenrode dem gräflich ysenburgisch-wächtersbacher Amt Assenheim (ohne die Orte Ronneburg und Michelau), dem Anteil an Burg-Gräfenrode, den die Grafen von Eltz hieltenBurg-Gräfenrode war ein Kondominat zu je zwischen dem Großherzogtum (das seinen Teil über das Amt Burg Friedberg verwaltete), den Grafen von Solms, die ihr Drittel über ihr Amt Nieder-Wöllstadt verwalteten, und den Grafen von Eltz (), Ilbenstadt (ohne die patrimonialgerichtsherrlichen Rechte, die Graf Friedrich I. von Altleiningen-Westerburg innehatte), den Solms-Rödelheimer Ämtern Rödelheim und Nieder-Wöllstadt (ohne EinartshausenEinartshausen wurde dem Landratsbezirk Hungen zugeteilt (Die neue Eintheilung des Landes in Landraths(- und) Landgerichtsbezirke betreffend vom 5. Juni 1823. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 20, 11. Juli 1823, S. 231 f. ).), dem Amt Engelthal (Patrimonialgerichtsherren waren hier die Grafen von Solms-Wildenfels), dem Patrimonialgericht Ober-Erlenbach; Gerichtsherren waren hier die Grafen von Ingelheim. dem Patrimonialgericht Lindheim; Gerichtsherren waren hier die Herren von Specht. dem Patrimonialgericht Höchst an der Nidder; Gerichtsherren waren hier die Freiherren von Günderrode.
Der Landratsbezirk Vilbel war somit durchsetzt von adeligen Berechtigungen und Verpflichtungen, Hoheitsrechten, die dem Gewaltmonopol des Staates entgegenstanden.
Die Aufgaben der Rechtsprechung erster Instanz, die die nun aufgelösten Ämtern wahrgenommen hatten, wurden dem ebenfalls neu gegründeten Landgericht Großkarben übertragen.
Weitere Entwicklung Der Staat versuchte nun in der Folgezeit, die Hoheitsrechte im Besitz des Adels, die im Bereich des Landratsbezirks Vilbel bestanden, durch Verträge mit den Inhabern der Rechte abzulösen und selbst in die Hand zu bekommen. Dies war gegenüber den ritterschaftlichen Rechteinhabern erfolgreich und geschah zum 1. Juli 1822 für Burg-Gräfenrode,Die Abtretung des Gräflich Eltzischen Antheils an der Patrimonial-Jurisdiction zu Burggräfenrod betreffend vom 6. Juni 1822. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 19,5. Juli 1822, S. 211. ebenfalls 1822 für Engelthal, Anfang 1823 für LindheimDie Abtretung der Patrimonial-Jurisdiction zu Lindheim betreffend vom 13. Januar 1823. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 3, 29. Januar 1823, S. 25. und ebenfalls 1823 für Höchst an der Nidder.Die Abtretung der Patrimonial-Gerechtsame der Freiherrn von Günderrode zu Höchst an der Nidder vom 25. April 1823. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 18, 16. Juni 1823, S. 190.
Mit den Standesherren konnten 1823 ebenfalls Übereinkünfte erzielt werden, die aber nicht so weitreichend ausfielen: Mit Solms-Rödelheim wurde ein komplexes Abkommen geschlossen,Lit. A Die neue Eintheilung des Landes in Landraths(- und) Landgerichtsbezirke betreffend vom 5. Juni 1823. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 20, 11. Juli 1823, S. 231 f. in dem die Zuständigkeiten zwischen Staat und Standesherrschaft geteilt wurden. Soweit das Abkommen den Landratsbezirk Vilbel betraf, handelte in Burg-Gräfenrode der staatliche Landrat nun „im Auftrag der Standesherrschaft“ und die hessisch-staatlichen Anteile an den Kondominaten Assenheim und Burg-Gräfenrode wurden gegen die solms-rödelheimisch-standesherrlichen Anteile des Kondominats Petterweil getauscht. Mit den Grafen von Isenburg-Wächtersbach wurde vereinbart, dass in Assenheim, Bönstadt und Bruchenbrücken der staatliche Landrat „im Namen der Standesherrschaft“ handelte.Lit. C Die neue Eintheilung des Landes in Landraths(- und) Landgerichtsbezirke betreffend vom 5. Juni 1823. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 20, 11. Juli 1823, S. 231f (232).
Weiter wechselte vom Landratsbezirk Vilbel 1823 Lindheim in den Landratsbezirk NiddaLit. B Die neue Eintheilung des Landes in Landraths(- und) Landgerichtsbezirke betreffend vom 5. Juni 1823. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 20, 11. Juli 1823, S. 231 f. (232). und Assenheim in den Landratsbezirk Butzbach.Lit. C Die neue Eintheilung des Landes in Landraths(- und) Landgerichtsbezirke betreffend vom 5. Juni 1823. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 20, 11. Juli 1823, S. 231 f. (232).
Auflösung In der Gebietsreform 1832 wurden die Landratsbezirke aufgelöst und zu größeren Kreisen zusammengelegt.Art. 1 Edict, die Organisation der dem Ministerium des Innern und der Justiz untergeordneten Regierungsbehörden betreffend vom 6. Juni 1832. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 55, 4. Juli 1832, S. 365–376. Deren Zuschnitt wurde mit einer weiteren Verordnung festgelegt. Der Landratsbezirk Vilbel ging dabei gemeinsam mit dem Landratsbezirk Friedberg in dem neuen Kreis Friedberg auf.Verordnung, die Bildung von Kreisen in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen betreffend vom 20. August 1832. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 74, 5. September 1832, S. 561–563 (563).
Innere Organisation Einteilung Der Landratsbezirk war in Bürgermeistereien eingeteilt, die dem Landrat unterstanden. Dabei konnten mehrere kleinere Ortschaften auch in einer Bürgermeisterei zusammengefasst wein. Seit 1822 konnten die Hessischen Gemeinden ihre Bürgermeister selbst wählen. Staatliche Schultheiße wurden nicht mehr eingesetzt. Zum Landratsbezirk Vilbel gehörten die Orte: Altenstadt, Assenheim, bis 1823,1823 an den Landratsbezirk Butzbach (Lit. C Die neue Eintheilung des Landes in Landraths(- und) Landgerichtsbezirke betreffend vom 5. Juni 1823. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 20, 11. Juli 1823, S. 231 f. ). Bauernheim, bis 1823,1823 an den Landratsbezirk Butzbach (Lit. A Nr. 3 Die neue Eintheilung des Landes in Landraths(- und) Landgerichtsbezirke betreffend vom 5. Juni 1823. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 20, 11. Juli 1823, S. 231 f. ). Beinhardshof, bis 1823,1823 an den Landratsbezirk Butzbach (Lit. A Nr. 3 Die neue Eintheilung des Landes in Landraths(- und) Landgerichtsbezirke betreffend vom 5. Juni 1823. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 20, 11. Juli 1823, S. 231 f. ). BönstadtWidersprüchliche Angaben zu Zugehörigkeit zum Landratsbezirk Vilbel: Bruchenbrücken, Büdesheim, Burg-Gräfenrode Burgholzhausen vor der Höhe, Engelthal, Fauerbach, bis 1823,1823 an den Landratsbezirk Butzbach (Lit. A Nr. 3 Die neue Eintheilung des Landes in Landraths(- und) Landgerichtsbezirke betreffend vom 5. Juni 1823. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 20, 11. Juli 1823, S. 231 f. ). Groß-Karben, Heldenbergen, Höchst an der Nidder, Ilbenstadt, Kaichen, Klein-Karben, Kloppenheim, Lindheim, bis 1823,1823 an den Landratsbezirk Nidda (Lit. C Die neue Eintheilung des Landes in Landraths(- und) Landgerichtsbezirke betreffend vom 5. Juni 1823. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 20, 11. Juli 1823, S. 231 f. ). Nieder-Eschbach, NiederurselNiederursel war ein Kondominat mit der Freien Stadt Frankfurt. Nieder-Wöllstadt, bis 1823,1823 an den Landratsbezirk Butzbach (Lit. A Nr. 3 Die neue Eintheilung des Landes in Landraths(- und) Landgerichtsbezirke betreffend vom 5. Juni 1823. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 20, 11. Juli 1823, S. 231 f. ). Oberau, Ober-Erlenbach, Ober-Eschbach, Okarben, Ossenheim, bis 1823,1823 an den Landratsbezirk Butzbach (Lit. A Nr. 3 Die neue Eintheilung des Landes in Landraths(- und) Landgerichtsbezirke betreffend vom 5. Juni 1823. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 20, 11. Juli 1823, S. 231 f. ). Rendel, Rodenbach, Rodheim, Rödelheim, Rommelhausen Stammheim Steinbach, bis 1823, Vilbel und Wickstadt, bis 1823.1823 an den Landratsbezirk Butzbach (Lit. A Nr. 3 Die neue Eintheilung des Landes in Landraths(- und) Landgerichtsbezirke betreffend vom 5. Juni 1823. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 20, 11. Juli 1823, S. 231 f. ).
Personal Einziger Landrat während der gesamten Zeit des Bestehens des Landratsbezirks war Joseph Aloys Seitz (1782–1851).
Historische Beschreibung Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über den Landratsbezirk Vilbel:
Die Lage wird beschrieben als:
Die Natürliche Beschaffenheit als:
Die Bevölkerung als:
Die Naturprodukte als:
Das Gewerbe und Handel als:
Literatur Willi Görich: Verwaltungs-Einteilung 1821 [Karte] = Taf. 25a. In: Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde (Hrsg.): Geschichtlicher Atlas von Hessen. Marburg 1960–1978. [de/subjects/idrec/sn/ga/id/45 Digitalisat] Ulrich Reuling: Verwaltungs-Einteilung 1821–1955. Mit einem Anhang über die Verwaltungsgebietsreform in Hessen 1968–1981. In: Fred Schwind (Hrsg.): Geschichtlicher Atlas von Hessen. Text- und Erläuterungsband. Thorbecke, Sigmaringen 1984. ISBN 3-921254-95-7 [downloads/ga/24-26b.pdf#zoom=50 Digitalisat] (PDF)
Anmerkungen
Einzelnachweise
Vilbel Vilbel Kategorie:Bad Vilbel Vilbel Kategorie:Aufgelöst 1832