mini|Patient auf einer Fahrtrage Trage, umgangssprachlich auch Tragbahre, bezeichnet eine Vorrichtung, mit der eine nicht gehfähige Person in zumeist liegendem Zustand von – je nach Ausführung – einem oder mehreren Helfern transportiert werden kann. Verwendung finden Tragen insbesondere im Rettungsdienst und Katastrophenschutz, aber beispielsweise auch im Sanitätswesen des Militärs. Dort dienen sie zur einfachen und dennoch schonenden Verlegung von Patienten. Tragen, die mit einem Fahrgestell ausgestattet sind, werden auch Fahrtragen genannt.
Das Wort Bahre bezeichnet speziell ein Gestell, auf dem Tote transportiert und aufgebahrt werden (Totenbahre);Vgl. auch Ralf Vollmuth: Die sanitätsdienstliche Versorgung in den Landsknechtheeren des ausgehenden Mittelalters und der frühen Neuzeit: Probleme und Lösungsansätze (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 51). Königshausen & Neumann, Würzburg 1991, ISBN 3-88479-800-6; zugleich Medizinische Dissertation Würzburg 1990, S. 144 (zu – von mittelhochdeutsch reis/reise abgeleitet – Reißbaren, auf denen im 16. Jahrhundert Kranke und Verwundete transportiert wurden). umgangssprachlich wird es oft auch im Sinne von Trage gebraucht.
Ziviler Rettungsdienst mini|Stryker-Trage Moderne Tragen verfügen in der Regel über ein abnehmbares Fahrgestell (mit Rollen versehen), welches die Fortbewegung der Trage durch nur einen Helfer ermöglicht und die körperliche Belastung für die Helfer verringert. Zum Transport über Stiegen oder in unwegsamem Gelände sind jedoch nach wie vor stets mehrere Personen nötig. Generell sind Tragen dazu mit vier Haltegriffen für die Helfer versehen. mini|Beispiel für Nutzung im militärischen Sanitätsdienst: Sanitäter mit einem Patienten auf der Trage bei Passchendaele, August 1917 im Ersten Weltkrieg Im modernen Rettungsdienst müssen Tragen nicht nur gesteigerten Ansprüchen an die Robustheit des Materials, sondern auch an den Komfort und die Sicherheit des Patienten genügen. Diese Tragen sind generell mit Polstermaterial versehen und erlauben auch die zusätzliche Verwendung einer Vakuummatratze oder anderer Immobilisationssets. Unterschiedliche Gurte tragen zur Sicherheit des Patienten beim Transport bei. Zudem muss die Möglichkeit gegeben sein, den Kopfteil gegenüber dem Rumpf des Patienten erhöht zu lagern. Nach Möglichkeit soll das Fahrgestell durch unterschiedliche mögliche Stellungen verschiedenen typischen Situationen gerecht werden, etwa der Patienten-Umlagerung, der Bekämpfung eines Volumenmangelschocks durch Hochlagerung des Fußendes etc. Des Weiteren gibt es für viele Tragen zusätzliche Infusionsständer oder auch Gerätehalterungen für Defibrillatoren, Beatmungsgeräte, Spritzenpumpen etc.
Wichtig und innerhalb Deutschlands durch Ländergesetze vorgeschrieben ist die bedarfsgerechte Desinfektion und Reinigung der Trage. Nur durch die Umsetzung der entsprechenden Hygienemaßnahmen können Schädigungen des nächsten Patienten vermieden werden.
Normen Es gibt für manche Bereiche genormte Ausführungen von Tragen, so schreibt die DIN 13024 die Basisanforderungen an Krankentragen im Zivil- und Katastrophenschutz vor. Dies erhöht die überregionale Kompatibilität des Hilfsgeräts der Einheiten. Tragen für militärische Sanitätsdienste entsprechen der Norm STANAG 2040. Fahrtragen sollen den Europäischen Normen EN 1789 und EN 1865 entsprechen.
Die EN 1865 schreibt u. a. gängige Mindestanforderungen für die Konstruktion von Krankentragen und andere Krankentransportmittel vor, die in Kranken- bzw. Rettungswagen für die Behandlung und den Transport von Patienten eingesetzt werden. Gleichzeitig legt die EN 1789 die Anforderungen, Prüfung und Ausrüstung für den Transport und die Sicherheit von Patienten fest.
Wesentlicher Bestandteil der EN 1789 ist ein dynamischer Crashtest, bei dem das Fahrtragensystem mit einer Beschleunigung von 10g in jeder Richtung, vor-, rück-, seitwärts und senkrecht, geprüft wird. Die Sicherheit des Patienten soll so im Falle eines Unfalls des Rettungswagens gewährleistet sein. Die Prüfung der Fahrtragen hinsichtlich des Verhaltens im Falle eines Crashs erfolgt mithilfe eines Rollwagens, der auf ca. 32 km/h beschleunigt und mit einer Verzögerungseinrichtung abgebremst wird. Die auftretende g-Kraft während der Verzögerung stellt hohe Anforderungen an das Tragensystem dar. Die Bilder zeigen den Prüfaufbau und die Fixierung der Fahrtragen auf dem Rollwagen.
Wenn eine Fahrtrage den Test besteht, ohne die Parameter des Prüfaufbaus zu verletzen, und nicht die Halterung verlässt, hat sie den dynamischen Test nach EN 1789 bestanden.
Andere Formen mini|Kombitrage Für die schonende, patientengerechte Rettung und Umlagerung von Traumapatienten (verletzte Personen, insbesondere bei Verdacht auf Wirbelsäulentrauma) kommen Schaufeltragen zum Einsatz.
Sogenannte Kombitragen vereinen Schaufeltrage und Tragstuhl. Eine solche Trage kann sowohl im ausgestreckten als auch im geknickten Zustand geteilt werden. Somit können Patienten sitzend aufgenommen und transportiert werden.
Schleifkorbtrage Schaufeltrage Schleifkorb Rettungstuch Spineboard Letzi-Mobil, motorisierte Fahrtrage
Hersteller Bekannte Hersteller von Tragen für den Rettungsdienstbedarf sind unter anderem die Firmen Ferno, Stryker sowie Stollenwerk oder auch Pensi Rescue aus Finnland.
Geschichtliche Entwicklung in Deutschland Als mit der Bildung von Löschmannschaften in Form von Pflichtfeuerwehren am Anfang des 19. Jahrhunderts deren Rechte und Pflichten festgelegt wurden, gab es auch Anordnungen zur Handhabung von Tragen. So hatte der Ortsvorstand eine Abteilung rüstiger Männer auszuwählen, welche „unter eigenen Anführern steht, und zum Retten von Menschen, Hausthieren und Effecten bestimmt ist“. Diese Mannschaft hatte sich, „soviel thunlich, mit starken, besonders an den Handhaben gut befestigten geflochtenen Körben, Rettungsschläuchen, Tragbahren, Zubern, Seilen und Brechwerkzeugen“ zu versehen, um Rettungsmaßnahmen durchzuführen. Beispielsweise erließ das Herzogtum Nassau im November 1826 eine solche Verordnung.
Militärisches Sanitätswesen in Deutschland Bayern Feld-Tragbahre mini|Bayerische Feld-Tragbahre Vor und während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 nutzten die bayerischen Streitkräfte die Feld-Tragbahre. Diese konnte zerlegt werden und bestand aus zwei Tragestangen, zwei Querteilen und einem Überzug. Der Überzug bestand aus einem am Kopf- und Fußende offenen Sack aus verstärktem Leinen. Zum Zusammenbau wurde der Überzug über die Tragestangen gezogen. Danach wurden die Tragestangen in spezielle Löcher an den Querteilen eingesteckt. Da sich der Transport der Trage auf den Wagen hinter den Truppen als unzweckmäßig herausstellte, transportierten die vier Krankenträger jeder Kompanie die zerlegte Trage „am Mann“. Im Allgemeinen bewährte diese Trage sich in den bayerischen Streitkräften sehr gut. Lediglich bei längerem Gebrauch bildete sich am Überzug eine Mulde, welche die richtige Lagerung des Verwundeten erschwerte. Ein weiterer Nachteil war die Breite der Querteile, die relativ weit über die Trage hinausragten, wodurch das Tragen für die Krankenträger unkomfortabel war.
Preußen Strohsacktrage (1789) Die ersten preußischen Tragen, über die es seit 1789 schriftliche Berichte gibt, waren die Strohsacktragen. Die Strohsacktrage war ein 2 m langer und 1 m breiter Strohsack. Bis zum Jahr 1830 bestand sie aus Zwilch, ab 1831 aus Leinen. Um sie für die Beförderung von Kranken und Verwundeten nutzbar zu machen, versah man sie ab 1866 an jeder Längsseite mit drei Gurtschlaufen zum Durchstecken von Tragestangen. Waren es am Anfang noch provisorische und selbst hergestellte einfache Stangen, kamen ab dem Jahr 1869 verbesserte und stabilere Tragestangen in Gebrauch. Im Jahr 1902 wurden sie weiter vereinheitlicht. Im Jahr 1869 wurde versuchsweise zwischen dem Mittelgurt und den Endschlaufen ein weiteres Paar Schlaufen angebracht, um das Kopfende besser anheben und den Oberkörper des Kranken in eine bessere Lage bringen zu können.
Krankentrage 1814 mini|Krankentrage 1814 Durch die Allgemeine Kabinettsorder vom 9. März 1814 erhielten die zur Fortbringung der Verwundeten vom Schlachtfelde zu errichtenden Kompanien neben 30 Tragesesseln und 50 Paar Krücken auch 15 neuartige Krankentragen nach einem Vorschlag des Generalstabschirurgen Johann Goercke. Diese neuartige Krankentrage bestand aus einem Sack aus Zwillich, welcher durch zwei an den Längsseiten eingeschobene hölzerne Tragestangen getragen werden konnte. Durch zwei eingehakte Querstäbe aus Eisen wurde der Sack dann gespannt. Für jede Krankentrage 1814 gab es zwei Tragegurte, welche den Transport durch die Verteilung der Last auf die Schultern erleichtern sollten. Weiterhin war es möglich, die Trage so zu verlängern, dass sie durch Esel, Maultiere oder andere Zugtiere mit langsamen und vorsichtigen Schritten gezogen werden konnte. Im Jahr 1834 wurde diese Krankentrage mit Säcken und Tragegurten durch Dienstvorschriften offiziell in den Bestand der Feldlazarette eingeführt. Insgesamt wurden die drei leichten Feldlazarette des preußischen Armeedepots mit 27 Tragen ausgerüstet. Damit verfügte jede fahrende Chirurgenabteilung über sechs und jedes Depot über drei Tragen.
Krankentrage 1832 mini|Krankentrage 1832 In den folgenden Jahrzehnten gab es Verbesserungsversuche. Als Missstand wurde vor allem die flache Form der Krankentrage 1814 empfunden, da das Absetzen auf den unebenen Erdboden mit oftmals schmerzhaften Lageveränderungen der Verwundeten verbunden war. Auch war für die Ärzte die Versorgung in einer stark gebeugten Stellung sehr ermüdend und beschwerlich. Man entschloss sich deshalb, an den Tragen Füße anzubringen, welche an den eingeschobenen Tragestangen angeschraubt werden konnten. Diese neue Konstruktion bewährte sich jedoch nicht, da die einzelnen Teile oftmals verloren gingen oder vertauscht wurden. Zudem hatten die Schlaufen zum Durchstecken der Tragestanden unterschiedliche Durchmesser; dadurch ließen sich die dicken Tragestangen nur selten verwenden, und die dünnen waren zu wackelig und instabil, so dass die Trage beim Abstellen keinen festen Halt fand.
Krankentrage 1853 mini|Krankentrage 1853 Um dem Mangel aufgrund der uneinheitlichen Durchmesser von Schlaufen und Tragestangen Abhilfe zu schaffen, erhielt die Trage im Jahr 1853 einen festen Rahmen, welcher sich nicht mehr auseinandernehmen ließ. Unter diesem Rahmen brachte man nun feste Füße an, welche ebenfalls nicht mehr abgenommen werden konnten. Zusätzlich erhielt die Trage ein bewegliches Kopfgestell aus Eschenholz. Doch auch diese Trage erfüllte zunächst noch nicht die Erwartungen. Die Verbindung des beweglichen Kopfgestells mit den Tragestangen erwies sich als zu schwach und brach oft ab, so dass man diesen Abschnitt verstärken musste. Zudem bestanden die Liegefläche und der Überzug für das Kopfgestell aus einem Stück, was zu dem Problem führte, dass dieser Überzug sich bei Nässe zusammenzog, wodurch das Kopfgestell angehoben wurde.
Ebenfalls als problematisch erwies sich die Unterbringung der Trage im Krankenwagen wie dem Krankenwagen 1831. So glitten die festen Füße nur sehr schlecht über den Wagenboden und vibrierten stark beim Verschieben, was für die darauf liegenden Verwundeten sehr unangenehm war. Versuche, diese Probleme mit Rollen zu beheben, misslangen; sobald diese mit Sand oder Erde in Berührung kamen, wurden sie unbrauchbar.
Krankentrage 1860 mini|Krankentrage 1860