miniatur|hochkant=2|Sulmtal von Löwenstein aus gesehen miniatur|Die Sulm im Weinsberger Tal im Nordwesten der Schwäbisch-Fränkischen Waldberge miniatur|Die Sulm und ihre Zuflüsse im Jahr 1923 miniatur|Mündung der Sulm (links) in den Neckar Die Sulm ist ein nicht schiffbarer rechter Nebenfluss des Neckars im Landkreis Heilbronn in Baden-Württemberg. Sie entspringt in den Löwensteiner Bergen und mündet nach gut 25 km etwa nordwestlichen Laufs etwas mehr als 315 Höhenmeter unterhalb ihres Ursprungs an der Grenze der Gemeinde Untereisesheim zur Stadt Bad Friedrichshall in den Neckar. Ab Neckarsulm fließt sie seit den 1970er Jahren über 2 km lang unterirdisch in Dolen.
Für das Tal der Sulm mitsamt seinen Nebentälern ist als zusammenfassende Bezeichnung auch der Name Weinsberger Tal üblich, nach dem wichtigsten Ort Weinsberg darin. Nach dem Fluss wurde der mittelalterliche Sulmgau benannt.
Geographie Ursprung Die Sulm entspringt südlich der Stadt Löwenstein am Rand der Löwensteiner Berge. Als Ursprung kommen verschiedene Bäche in Frage, die je nach Interpretation entweder als Quellbäche oder als Zuflüsse anzusehen sind. Im Löwensteiner Gewann Sauklinge entspringen unweit der Klinik Löwenstein und der Landesstraße 1066 auf etwa drei dieser Bäche, die bald vereint westwärts fließen. Dieser Bach wird manchmal ebenfalls als Sauklinge bezeichnet. Etwas weiter bachabwärts, wo ein Waldweg den Bach überquert, ist ein Hinweisschild zum angeblichen Ursprung der Sulm an dieser Stelle zu finden. Nach einem weiteren Zufluss im Gewann Schlagweiler trifft der Bach weiter westlich, unmittelbar südöstlich der Landesstraße 1111 (Vorhofer Straße), auf einen weiteren Zufluss, über den der künstlich aufgestaute Bleichsee im Süden auf der Geländeterrasse der Kirschenebene entwässert.
Der Bleichsee liegt auf der Wasserscheide zwischen Sulm und Schozach und wird mit Dämmen in beide Richtungen gehalten. Er wird unter anderem mit Wasser gespeist, das durch einen alten Mühlgraben aus dem weiter östlich auf 465 m über NN entspringenden Buchbach fortgeleitet wird. Ohne diesen Eingriff flösse es der Schozach zu; so gelangt es aber in den Bleichsee und von diesem in die Sulm. Je nach verwendeter (Literatur-)Quelle wird auch das kurze Stück des Bleichsee-Abflusses oder sogar der ganze obere Buchbach einschließlich des Mühlgrabens zum Bleichsee als Sulm angesehen, die in diesem Fall eine Gesamtlänge von 26,3 km erreicht (mit Ursprung in der Sauklinge nur 25,5 km).
Verlauf Unstrittig ist der Name Sulm auf jeden Fall ab dem Zusammenfluss der beiden Bäche aus der Sauklinge und aus dem Bleichsee unmittelbar an der L 1111. Von dort ab fließt die Sulm, auf einem kurzen Stück unter dem Gelände des Mineralwasser-Abfüllers Teusser verdolt (also unterirdisch), am Rande des Löwensteiner Stadtteils Teusserbad und am 1623 erbauten Wasserschloss Lautereck vorbei nach Norden, dann östlich vorbei am Löwensteiner Ortsteil Rittelhof. Bei der Seemühle südlich der B 39, einer von ursprünglich drei Löwensteiner Mühlen, speist sie einen Mühlsee. Nach Unterquerung der B 39 ist sie unweit des Gehöfts Beckershof aus Gründen des Hochwasserschutzes auf ca. zum 39,9 ha großen künstlichen Breitenauer See aufgestaut, der mit seinem größeren Teil schon auf Obersulmer Gemarkung liegt und in den Jahren 1975 bis 1980 erbaut wurde. Nordwestlich von Obersulm-Weiler verlässt sie ihn unterhalb des Seedamms wieder. Das alte Sulm-Bett wird unmittelbar unterhalb des Damms zunächst nur von Quellen und Entwässerungseinleitungen gespeist. Das aus dem Breitenauer See abfließende Wasser dagegen wird in einer Dole unterirdisch bis nördlich der Straße Weiler–Affaltrach geführt, fließt dann wenige Dutzend Meter in einem erhaltenen Teil des alten Mühlgrabens der Affaltracher Mühle und trifft schließlich auf den Sulm-Zufluss Schlierbach, der wenige Meter weiter in die Sulm selbst mündet.Quelle für die Wasserführung unterhalb des Breitenauer Sees bis Schlierbach-Einmündung: TK 25, Mitteilung des Wasserverbands Sulm per E-Mail vom 30. Juli 2007 und eigene Beobachtungen. Die Sulm wendet sich dann nach Westnordwesten und fließt durch die Obersulmer Ortsteile Affaltrach, Willsbach und Sülzbach. Sülzbach liegt am rechten Ufer. Das folgende Ellhofen dagegen berührt sie an dessen Nordostrand, unterquert hierbei die Bahnstrecke Crailsheim–Heilbronn und fließt dann konstant weiter nach Nordwesten auf Weinsberger Gebiet ein, aber nicht durch die Stadt Weinsberg selbst.
Gleich anfangs wird sie hier mitten durch das Weinsberger Autobahnkreuz geführt, in dem sich die A 6 und die A 81 schneiden. An dieser Stelle stand bis 1971 die Weinsberger Benzenmühle, die dem Autobahnbau weichen musste. Erhalten geblieben ist dagegen die nach der Unterquerung des Autobahnkreuzes am Gewässer stehende Hasenmühle. Schon auf Erlenbacher Gemarkung, aber noch östlich dieses Ortes, befindet sich nach dem Zufluss des Weißenhofbaches die Staumauer eines Hochwasserrückhaltebeckens.
Am Rand von Erlenbach und dessen Ortsteil Binswangen links vorbei fließt die Sulm weiter nach Nordwesten in Richtung Neckarsulm. Dort quert der Damm eines weiteren Hochwasserrückhaltebeckens den einen halben Kilometer breiten Talgrund. Ab der Stadtgrenze fließt die Sulm begradigt in einem Parkgelände, dem 1975 angelegten Sulmtalpark. Früher standen ihrem Lauf entlang auf Neckarsulmer Gebiet einige Mühlen. Die gleich an der Stadtgrenze gelegene Nähermühle wurde 1988 abgebrochen. Ab hier schlug die Sulm früher einen weiten Bogen nach erst Norden und dann Westen durch das Werksgelände der NSU Motorenwerke. Nach zwei Hochwassern im Jahre 1970 wurde der Fluss 1973 bis 1975 verdolt. Er läuft seitdem über 2,6 km unterirdisch und trifft im Norden der Neckarsulmer Gemarkung, an der Grenze zu Bad Friedrichshall, auf den (in diesem Abschnitt) 1925 fertiggestellten Neckarkanal. Dort wird die Sulm gleich im Anschluss unter dem Kanal hindurchgeführt; kurz zuvor ist sie in einem Wartungsbauwerk noch einmal mehrere Meter tiefer zu sehen.
Auf der Westseite des Neckarkanals kommt sie auf der „Insel“ zwischen Kanal und Altneckar wieder zum Vorschein, fließt hier noch etwa 250 m unmittelbar nördlich der Grenze zwischen Bad Friedrichshall und Untereisesheim auf Bad Friedrichshaller Gebiet und mündet dann gegenüber dem südlichen Untereisesheim auf in den Neckar.
Die Sulm mündet damit nach einem 26,3 km langen Lauf ab dem Ursprung des Buchbachs mit mittlerem Sohlgefälle von 12 ‰ etwa 316 Höhenmeter tiefer. Nach Gewässertypologie ist sie ein feinmaterialreicher karbonatischer Mittelgebirgsbach.
Einzugsgebiet Das Wassereinzugsgebiet der Sulm umfasst rund 122 km². Es erstreckt sich von einer kleinen Waldkuppe im Hummelsbühl auf über den Quellen des Buchbachs in nordwestlicher Richtung etwa 20 km weit bis zur Mündung; quer dazu erreicht es eine maximale Breite von etwa 10 km. Ihre Quellen liegen in naturräumlicher Betrachtung eben noch im Unterraum Südwestliche Löwensteiner Berge der Löwensteiner Berge. Bei Löwenstein tritt sie dann in den Unterraum Weinsberger Tal ein, in dem sie den überwiegenden Teil ihres Weges durchläuft. Ihr letzter, erst in Neckarsulm beginnender Abschnitt liegt dann im Unterraum Heilbronn-Wimpfener Tal des Nachbar-Naturraums Heilbronner Bucht.
Es wird eingegrenzt durch eine kurze Wasserscheide zum untersten Kocher ganz im Norden, eine sehr lange nordöstliche gegen dessen großen Unterlaufzufluss Brettach, eine sehr kurze südöstliche zur Murr und zwei mittellange erst zur Schozach im Südsüdwesten, dann zum alle diese entwässernden Neckar im Westsüdwesten und Westen, wo jenseits die Großstadt Heilbronn im Neckarbecken liegt.
Der höchste Punkt liegt auf rund an der Wasserscheide zum Brettach-Zufluss Bernbach auf einer namenlosen kleinen flachen Waldkuppe zwischen der B 39 und dem Hohlen Stein.
Die Sulm hat auf großem Maßstab zwei Abschnitte verschiedener Laufrichtung, den ersten nordwärts bis Obersulm-Affaltrach, hier hat sie nur anfangs in den Berghöhen um Löwenstein nicht ganz kleine Oberläufe und Zuflüsse und dann zuletzt in Affaltrach an ihrem Nordwestknick die größeren rechten von Schlierbach und Michelbach. Auf dem folgenden, doppelt so langen Unterlaufabschnitt münden ihr dann regelmäßig Nebenflüsse einiger Größe zu, darunter ihre zwei größten, der rechte Eberbach und der linke Stadtseebach.
Zuflüsse Liste der Zuflüsse vom Ursprung zur Mündung. Gewässerlänge und Einzugsgebiet übernommen bzw. (mit „ca.“) abgemessen nach den entsprechenden Layern auf der Onlinekarte der LUBW. Andere Quellen für die Angaben sind vermerkt.
Zuflüsse der Sulm Buchbach/Mühlgrabenbach (linker Quellbach, 2,4 km und ca. 1,0 km²) (Bach aus der Sauklinge) (rechter Quellbach, 1,7 km und ca. 0,9 km²) Tiefenklingenbach (rechts, Löwenstein, 0,7 km und ca. 0,5 km²) (Bach aus der Offelsklinge) (rechts, Löwenstein-Seemühle, 2,0 km und ca. 1,3 km²) class=noviewer|10px Durchfließt den Breitenauer See, 47 ha Schlierbach (rechts, Obersulm-Affaltrach, 6,3 km und 6,2 km²) Michelbach (rechts, Affaltrach, 7,3 km mit längerem Oberlauf Wilhelmsbach und 9,3 km²) (Bach durch die Meisenbergwiesen) (rechts, 0,7 km und ca. 0,3 km²) Hambach (links, Obersulm-Willsbach, 4,8 km mit linkem Oberlauf Hößlinsülzer Bach und 9,2 km²) Seebächle (rechts, Willsbach, 3,2 km und 3,4 km²) Mäusebach (links, Willsbach, 1,5 km und ca. 1,1 km²) (Bach aus dem Judengraben) (links, Willsbach, ca. 1,1 km und ca. 0,4 km²) Sülzbach (rechts, Obersulm-Sülzbach, 3,8 km und 4,7 km²) Ellbach (links, Ellhofen, 5,5 km mit rechtem Oberlauf Lauchbach und 8,4 km²) Wetterischbach (rechts, Ellhofen, 1,3 km und ca. 2,1 km²) Eberbach (rechts, Erlenbach, 7,0 km und 18,6 km²) Stadtseebach (links, Erlenbach, 7,6 km und 13,3 km²) Erlenbach (rechts, Erlenbach, 3,8 km und 5,3 km²) Pfühlbach (rechts, Neckarsulm-Reisachmühle, 1,4 km und ca. 1,9 km²) Hängelbach (rechts, Neckarsulm, 2,4 km und 2,8 km²) Amorbach (rechts, Neckarsulm, 3,0 km und 1,6 km²) Attichsbach (rechts, Neckarsulm, 6,7 km und 4,6 km²)
Geschichte
miniatur|Bach in der Sauklinge miniatur|Einmündung der Sulm in den Breitenauer See miniatur|Die Sulm bei Obersulm-Sülzbach miniatur|Die Hasenmühle an der Sulm in Weinsberg miniatur|Rückhaltebecken bei Erlenbach miniatur|Die Nähermühle in Neckarsulm um 1900 Die frühesten gefundenen Siedlungsspuren im Sulmtal gehen auf die Jungsteinzeit zurück. Zahlreiche Funde in Obersulm-Willsbach legen eine dauerhafte Besiedlung nahe. Für die Römerzeit ist eine Ansiedlung in Weinsberg nachgewiesen; eine Römerstraße zwischen den Limeskastellen in Böckingen und Öhringen verlief durch das Sulmtal. Im Anschluss siedelten Alamannen und Franken im Sulmtal.
Der Name Sulm wird im Jahr 771 mit der Nennung Neckarsulms als villa sulmana in einer Schenkungsurkunde des Klosters Lorsch erstmals urkundlich erwähnt. Er geht wahrscheinlich auf eine Ablautbildung (Schwundstufe) des altgermanischen Verbs swellan zurück, das (an)schwellen, aufwallen bedeutet.Dieter Berger: Geographische Namen in Deutschland. 2. Auflage. Dudenverlag, Mannheim (u. a.) 1999 (Duden-Taschenbücher, 25), ISBN 3-411-06252-5. S. 209 und 257.