Die Gruppenfertigung ist in der Fertigungstechnik ein Fertigungsverfahren, das aus der Kombination von Fließband- und Werkstattfertigung besteht.

Allgemeines Die gesamte Produktion wird zu diesem Zweck in so genannte Funktionsgruppen aufgeteilt, wobei innerhalb dieser die Arbeitsplätze und Maschinen nach der Bearbeitungsreihenfolge angeordnet sind und das Fließprinzip vollziehen.Jean-Paul Thommen, Lexikon der Betriebswirtschaft, 2008, S. 280 Diese Fließfertigung wird für einen Teil des Produktionsprogramms eingesetzt, während der Rest in Werkstattfertigung erfolgt.

Überblick Der Zusammenhang zwischen der Fertigungsart für bestimmte Produktgruppen und der Fertigungsorganisation erschließt sich aus folgender Übersicht:Frank Topolewski/Uwe Meinberg, Lexikon der Fertigungsleittechnik, 1995, S. 179

Fertigungstyp Produkte Produktgruppen Fertigungsorganisation Einzelfertigung Produktion nach Kundenauftrag Baustellenfertigung Einzel- und Kleinserienfertigung Bauteile, Ersatzteile Produkte mit Produktvarianten nach Kundenauftrag Serienfertigung Standardprodukte mit Produktvarianten Werkstatt- und Gruppenfertigung Massenfertigung Standardprodukte ohne Produktvarianten Fließbandfertigung

Was lediglich in Einzelfertigung hergestellt werden kann (Gebäude, Schiffe), eignet sich nicht für die Massenfertigung, die durch Kostendegression zu Kostensenkungen bei zunehmendem Absatzvolumen führt.

Produktionsprozess Es werden verschiedene Betriebsmittel räumlich und organisatorisch zu Funktionsgruppen, Bearbeitungszentren, Fertigungsinseln, Montageinseln oder flexiblen Fertigungssystemen zusammengefasst.Siegfried G. Häberle, Das neue Lexikon der Betriebswirtschaftslehre, Band 1, 2008, S. 528 Die Bearbeitungsschritte erfolgen ohne starre Arbeitsteilung und unabhängig von Taktzeiten.Peter Klaus/Winfried Krieger, Gabler Lexikon Logistik, 2000, S. 177 Kennzeichnend für die Gruppenfertigung ist die an Baugruppen, Teilefamilien oder Halbfertigfabrikaten orientierte Zusammenfassung von Fertigungseinrichtungen in Gruppen oder Linien.Frank Topolewski/Uwe Meinberg, Lexikon der Fertigungsleittechnik, 1995, S. 236

Anwendung In Gruppenfertigung werden Produkte hergestellt, bei denen die Werkstattfertigung zwar mehr oder weniger bedeutungslos wird, jedoch das Optimum der ausschließlichen Fließfertigung noch nicht erreicht ist.Helmut Sellien/Reinhold Sellien, Gablers Wirtschafts-Lexikon, Band 1, 1980, Sp. 1861 Häufig anzutreffen ist die Gruppenfertigung in der Serienfertigung von Standardprodukten mit Produktvarianten.Frank Topolewski/Uwe Meinberg, Lexikon der Fertigungsleittechnik, 1995, S. 236

Diese Fertigung kommt den Vorstellungen über einen humanen Arbeitsplatz entgegen, weil die einzelnen Mitarbeiter den Überblick über den gesamten Fertigungsablauf behalten. Die Arbeitsmotivation der Arbeitskräfte wird durch den Einsatz in mehreren wechselnden Funktionen erhöht. Außerdem stärkt diese Art der Fertigung die Eigenverantwortung und führt dadurch zur Steigerung der Produktqualität. Sie erfordert von den Arbeitnehmern neben hoher fachlicher Qualifikation vor allem auch Kommunikations- und Teamfähigkeit. Problematisch kann jedoch die Frage nach der gerechten Entlohnung innerhalb der Gruppe sowie der psychologische Druck auf einzelne Gruppenmitglieder werden.

Vor- und Nachteile Vorteile Durch die Reduktion der Transportwege entstehen geringere innerbetriebliche Transportkosten. Die Lagerkosten werden durch die geringere Lagerung von Zwischenbeständen reduziert. Der Produktionsvorgang ist leichter überschaubar und damit besser organisier- und rationalisierbar. Sehr förderlich in Hinblick auf die Motivation, Teamfähigkeit und Kooperationsbereitschaft der Mitarbeiter sowie daraus resultierender geringerer Krankenstand. Mitarbeiter lernen, verschiedenartige Aufgaben in ihrer Gruppe zu übernehmen (Job Enrichment).

Nachteile Verringerte Anpassungsfähigkeit an veränderte Betriebs- und Marktentwicklungen, jedoch trotzdem noch flexibler als Fließfertigung. Erfordert den Mitarbeitertyp "Generalist", der nicht auf ein bestimmtes Arbeitsgebiet spezialisiert ist. Einzelne Komponenten müssen mehrfach, nämlich in jeder Gruppe, vorhanden sein, was zu erhöhten Anschaffungskosten und Materialkosten führt und den Lagerbestand erhöht. Die Auslastung ist geringer als bei der Werkstattfertigung.

Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Betriebswirtschaftslehre Kategorie:Produktionstheorie Kategorie:Produktionstyp Kategorie:Produktionswirtschaft