Herschbach ist eine Ortsgemeinde im Westerwaldkreis in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Selters (Westerwald) an.
Geographie Geographische Lage Herschbach befindet sich in der Dierdorfer Senke, die in der hügeligen Mittelgebirgsregion des unteren Westerwaldes auf halber Strecke zwischen Köln und Frankfurt am Main eingelagert ist. Die Gemarkung beherbergt drei Naturschutzgebiete sowie einen 800 ha großen Gemeindewald. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich die Westerwälder Seenplatte, in der auch der durch die Gemarkung fließende Holzbach entspringt.
Umliegende Städte und Gemeinden Unmittelbare Nachbargemeinden sind (im Uhrzeigersinn von Norden beginnend): Mündersbach (3 km), Schenkelberg (3 km), Hartenfels (3 km), Rückeroth (1 km), Marienrachdorf (3 km) und Freirachdorf (2 km). Die nächsten Städte sind Selters (Westerwald) (6 km südlich), Dierdorf (7 km westlich) und Hachenburg (14 km nördlich). Koblenz (35 km südwestlich), Siegen (51 km nordöstlich) und Bonn (60 km nordwestlich) sind die nächsten Großstädte.
Geschichte Von den Anfängen bis zur Industrialisierung Der Fund eines „schnurverzierten westdeutschen Bechers“, von dem eine Nachbildung im Landschaftsmuseum Westerwald in Hachenburg ausgestellt wird, weist auf eine menschliche Existenz in diesem Raum vor etwa 4000 Jahren hin. Die schriftliche Überlieferung des Ortes Herschbach beginnt – nach derzeitigem Forschungsstand – mit der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahre 1248, in welcher der Erzbischof von Köln Konrad von Hochstaden beurkundet, dass sein Schwager Heinrich II. von Isenburg-Grenzau auf alle Ansprüche über Herschbach zu Gunsten der Gräfin Mechthild von Sayn verzichtet. Es ist anzunehmen, dass dieses Areal schon früher besiedelt wurde, da in der Engerser Chronik 963 ein Ort namens Hergispach auftaucht. Der Ortsname entwickelt sich über 1267 Herincsbach, 1348 Hergyszbach und 1536 Niederherszbach zum heutigen Herschbach. Trotz der Urkunde von 1248 kam Herschbach vor 1310 als kurkölnisches Lehen zur Grafschaft Isenburg-Arenfels, die auch über die 1320 erstmals erwähnte Burg Arx Hergispach verfügten. Im Jahre 1353 verlieh Kaiser Karl IV. Herschbach die Stadtrechte, wobei schon vorher die Voraussetzungen hierfür geschaffen wurden und Herschbach bereits ab 1343 als Oppidum bzw. Stadt bezeichnet wurde.Winfried Himmerich: . 1982, S. 4–6 (PDF; 11,4 MB).Manfred Schenkelberg und Winfried Himmerich: Chronik von Herschbach 1248–1998. 1998, S. 203. 1367 oder 1371 wurde Herschbach von Kuno II. von Falkenstein, Erzbischof von Trier, belagert und erobert.Christian Daniel Vogel: Limburger Chronik. 1828, S. 65 f. (Google eBook).F. W. Kirchbaum: Denkwürdigkeiten zur Geschichte der Burg, der Ortschaft und der Abtei Sayn. Zeitschrift für Heimatkunde von Coblenz und Umgebung, 1920, 1. Jahrgang, Heft 9, S. 139 (Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz). Mit Aussterben der Arenfelser Linie kam Herschbach 1371 zu gleichen Teilen an Wilhelm I. von Isenburg-Braunsberg-Wied und Salentin IV. von Nieder-Isenburg, dessen Sohn Salentin V. 1392 alleiniger Besitzer wurde. In der Folge wurde Herschbach mehrfach verpfändet, so finden sich unter den Besitzern/Pfandherren Gerhard II. von Sayn-Sayn, Philipp I. von Katzenelnbogen, die Landgrafschaft Hessen, Kurtrier und Wilhelm von Flodorf.
Herschbach blieb von den Wirren des Dreißigjährigen Krieges 1618–1648 weitestgehend verschont, jedoch wurden die Dörfer Oberherschbach und Dorfborn bis auf die Kapelle Oberherschbach zerstört, sodass dessen Einwohner Zuflucht in der befestigten Siedlung Herschbach suchten und fanden. Die Burg inmitten ihrer Weiher war eine Pflegestätte des Handwerks. Die heutigen Straßen Obertor und Untertor kennzeichnen die damalige Dimension des sogenannten Städtgens. Diese Bezeichnung kann als Hinweis darauf verstanden werden, dass die Entwicklung des Orts irgendwo zwischen Dorf und Stadt verblieben war. Die 1353 verliehenen Stadtrechte (s. o.) mussten immer wieder erneuert werden, was jedoch im Verlauf des 17. Jahrhunderts nicht mehr geschehen ist und die Siedlung somit das Recht, sich Stadt nennen zu dürfen, verwirkt hatte und fortan als Flecken bezeichnet wurde. Das ab 1664 mit dem Aussterben des Geschlechts von Isenburg-Grenzau kurtrierisch gewordene Amt Herschbach umfasste die Kirchspiele Herschbach, Horhausen, Marienrachdorf und Peterslahr.Nassauische Annalen: Jahrbuch des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung. Bände 9–10, 1868, S. 293 (Google Books). Das heute im Ortszentrum noch vorfindbare regelmäßige Straßenmuster entstand nach dem großen Brand von 1795, verursacht durch die Wirren der Koalitionskriege, als 97 Gebäude den Flammen zum Opfer fielen, im Zuge des Wiederaufbaus. Hierbei wurden auch die mittelalterlichen Befestigungsanlagen geschleift, um Baumaterialien und neue Bauplätze zu gewinnen.Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Herschbach bis 1993. S. 1–3 (PDF; 766 kB). Mit dem Ende des Kurstaats fiel Herschbach 1803 im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses zum Fürstentum Nassau-Weilburg, das wiederum 1806 im Herzogtum Nassau aufgegangen ist. Der nach dem Wiener Kongress beim Herzogtum Nassau verbliebene Teil des Amtes Herschbach ging 1816 im Amt Selters auf. 1866 wurde das Herzogtum vom Königreich Preußen im Zuge des Deutschen Krieges annektiert und anschließend zur preußischen Provinz Hessen-Nassau umgewandelt. Herschbach wurde innerhalb der Provinz 1867 dem neu gebildeten Unterwesterwaldkreis zugeordnet und gehörte zum Regierungsbezirk Wiesbaden.
Der Quarzitboom der goldenen Herschbacher Jahre Als 1884 die Eisenbahnlinie Siershahn–Altenkirchen eröffnet wurde, eröffneten sich neue Perspektiven für den Abbau des hochwertigen Süßwasserquarzites, da ein günstiger Transport möglich war. Mit der Eröffnung der Kleinbahn Selters–Hachenburg AG mit Sitz in Herschbach begann 1900 der planmäßige Abbau in den Gemarkungen Herschbach, Rückeroth, Freirachdorf und Marienrachdorf. Mit der weiteren Aufwärtsentwicklung der Eisenindustrie wurde der Herschbacher Quarzit einer der gefragtesten Rohstoffe für die feuerfeste Industrie. Der Quarzitabbau war für viele Jahre die Hauptverdienstquelle am Ort. 1939 waren 625 Arbeiter aus Herschbach und der angrenzenden Gemeinden in den Steinbrüchen beschäftigt.
Jüngste Entwicklungen Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte Herschbach zur französischen Besatzungszone, in dessen Nordteil 1946 das Land Rheinland-Pfalz errichtet wurde, das 1949 Teil der neu gegründeten Bundesrepublik Deutschland wurde.
In den 1950er Jahren wurde die Förderung von Quarzit eingestellt, weil die abnehmende Mächtigkeit der Quarzitbänke einen lohnenden Abbau unmöglich machte. Was übrig blieb vom „Quarzitboom der goldenen Herschbacher Jahre“, ist eine tiefgreifende Veränderung im Landschaftsbild durch heute zum Teil schon mit Niederwald bewachsene Abraumkuppeln und Halden. Viele stillgelegte Gruben werden als Fischteiche genutzt. Unland, verfallene Verladerampen und unwegsames Gelände erinnern noch an das Herschbacher Quarzitbecken. Dies hatte auch große Auswirkungen auf die Auflösung der Kleinbahn Selters–Hachenburg und Abriss der Schienen bis 1960. Jenseits des alten Bahndamms nördlich des Ortes entstand das Neubaugebiet Neu-Herschbach. Nach Ende des Quarzitabbaus war die Gemeindeverwaltung um die Ansiedlungen von Betrieben anderer Industriezweige bemüht, was auch gelang. So eröffnete beispielsweise die Deutz AG ein Komponentenwerk in Herschbach.
Im Zuge der in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre begonnenen rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wurde am 22. April 1972 die Verbandsgemeinde Selters (Westerwald) neu gebildet, der Herschbach als eigenständige Gemeinde seitdem angehört. 1974 wurden der Unterwesterwaldkreis und der Oberwesterwaldkreis zum neuen Westerwaldkreis vereinigt, zu dem die Verbandsgemeinde seitdem gehört. Am 1. Januar 1976 wurde der Gemeindename von „Herschbach (Unterwesterwald)“ in „Herschbach“ geändert.
Bevölkerung Die Bevölkerungszahl betrug am 30. September 2023 3.070 Einwohner mit Hauptwohnsitz und 86 Einwohner mit Nebenwohnsitz (gesamt: 3.156 Einwohner). Davon sind 49,6 % männlich und 50,4 % weiblich. Der Ausländeranteil liegt bei 9,94 %. Dieser wird von Bewohnern türkischer Herkunft dominiert. Die personenstärkste Altersdekade mit 16,6 % ist die von 50 bis 59 Jahren.
Die Mehrheit der Bevölkerung gehört der christlichen Kirche an; 44,1 % sind römisch-katholisch und 18,0 % evangelisch.
Vom Familienstand her betrachtet sind 37,9 % ledig, 44,7 % verheiratet, 7,4 % verwitwet und 8,0 % geschieden.Gemeindestatistik. Komplett RLP. Bei: ewois.de. Stichtag: 30. September 2023.
Bevölkerungsentwicklung Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Herschbach, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
mini|400px|Einwohnerentwicklung von Herschbach von 1815 bis 2017 nach nebenstehender Tabelle
Jahr Einwohner 1815 888 1835 1.088 1871 1.009 1905 1.140 1939 1.476 1950 1.545 1961 1.657 Jahr Einwohner 1970 2.031 1987 2.337 1997 2.704 2005 2.890 2011 2.810 2017 2.771 Nach einem starken Wachstum in der Nachkriegszeit bis in etwa die Mitte der 2000er Jahre zeigte sich zuletzt das typische Bild vieler ländlicher Gemeinden in Deutschland: allgemeiner leichter Bevölkerungsrückgang bei gleichzeitiger Überalterung.
Konfessionsstatistik Mit Stand 30. Juni 2005 waren von den Einwohnern 58,1 % katholisch, 18,9 % evangelisch und 23,0 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Gemeindestatistik Ortsgemeinde Herschbach AGS-Schlüssel: 14307029 Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken. Ende September 2025 hatten 41,7 % der Einwohner die katholische Konfession und 17,4 % Einwohner die evangelische. 41,0 % gehörten anderen Glaubensgemeinschaften an, waren ohne Angabe oder konfessionslos.Gemeindestatistik, abgerufen am 27. Oktober 2025
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Herschbach besteht aus 20 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.
Die Sitzverteilung im Gemeinderat:.Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und GemeinderatswahlenDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2019, Stadt- und Gemeinderatswahlen Wahl SPD CDU FLH BLH Gesamt 2024 3 8 7 2 20 Sitze 2019 4 8 8 – 20 Sitze 2014 5 9 6 – 20 Sitze 2009 4 11 5 – 20 Sitze 2004 3 11 6 – 20 Sitze FLH = Freie Liste Herschbach e. V. BLH = Bürgerliste Herschbach e. V.
Bürgermeister Axel Spiekermann (CDU) wurde 2014 Ortsbürgermeister von Herschbach. Bei den Kommunalwahlen 2019 wurde er in der Stichwahl mit 58,51 Prozent wiedergewählt.Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2019, Direktwahlen, Selters/Ww., Verbandsgemeinde Auch bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 wurde er bestätigt. Ohne Gegenkandidaten erhielt er 71,4 % der Stimmen.
Spiekermanns Vorgänger Edgar Deichmann (CDU) hatte das Amt 22 Jahre ausgeübt.
Wappen
Gemeindepartnerschaft Pleudihen-sur-Rance (Bretagne, Frankreich) seit September 1979 Im Dezember 1978 besuchte eine Delegation aus Pleudihen-sur-Rance mit dem im Jahr zuvor neugewählten Bürgermeister E. Playout, der in seinem Programm auch die Gründung einer Gemeindepartnerschaft mit einer Gemeinde in England oder Deutschland beabsichtigte, auf Initiative einer Bürgerin aus Pleudihen, die nach dem 2. Weltkrieg einen auf einem Bauernhof bei Pleudihen untergebrachten Herschbacher Kriegsgefangenen kennenlernte und diesen 1977 auf einem Campingplatz in Pleudihen wiedertraf, die Gemeinde Herschbach. Im Mai 1979 erfolgte der Herschbacher Gegenbesuch, um die Partnerschaft mit diesem Ort zu besiegeln.