mini|100px|Dulzian Dulzian, auch Dulcian oder Dolcian (von lateinisch dulcis „süß“), ein Vorläufer des Fagotts, ist ein Holzblasinstrument mit direkt angeblasenem Doppelrohrblatt und konischer Bohrung.

Bezeichnungen Michael Praetorius bezeichnet das Instrument im Syntagma musicum auch als Fagott.Michael Praetorius: Syntagma musicum II, Tafel X

Friedrich Erhard Niedt schreibt 1710: „Dulcian: ein teutscher Fagott“.Friedrich Erhard Niedt: Musicalische Handleitung S. 110.

Sébastien de Brossard beschreibt Dulcino als ein „Quart-Fagotto“ oder einen kleinen „Basson“.Sébastien de Brossard: Dictionnaire de Musique, Paris, 1702.

Johann Gottfried Walther bezieht sich 1732 auf Brossard:

Bauform Der Dulzian wurde in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts entwickelt. Er hat mit der Schalmei die konische Bohrung und mit Sordunen und Kortholten die geknickte, parallele Bohrung gemeinsam. Wie viele andere Instrumente der Renaissance wurde der Dulzian in Familien vom Sopran bis zum Kontrabass gebaut. Die kleineren Instrumente der Familie bis zum Bass wurden dabei gewöhnlich aus einem Stück Holz gefertigt, größere dann aus zwei oder drei Teilen. Bei allen Dulzianen steckt das Rohrblatt auf einem S-Bogen aus Messing.

Michael Praetorius gibt für die Dulziane folgende Tonumfänge an: Chorist Fagott: C–d' (g'), Quart Fagott: GG–f (a), Quint Fagott: FF–b (d') Fagott piccolo: G–f' (g').Michael Praetorius: Syntagma musicum Band II, S. 23

Spielweise mini|Kantorei mit Posaunen, Orgel und Dulzian Michael Praetorius gibt im Syntagma musicum verschiedene Beispiele zur Instrumentation. Er empfiehlt den Einsatz des Dulzians zur Verstärkung der Basslinie im Generalbass:

Für einen Tiefchor gibt er ein Besetzungsbeispiel für ein reines Dulzianensemble („Fagotten Chor“).Michael Praetorius: Syntagma musicum III, S. 159 Für die Besetzung eines Blockflötenchores empfiehlt er, den Bass nicht mit einer Blockflöte, sondern mit einer Posaune oder mit einem „Fagott“ zu besetzen.Michael Praetorius: Syntagma musicum III, S. 158 In der Besetzung einer Motette von Orlando di Lasso beschreibt er ein fünfstimmiges Bläserensemble, bestehend aus zwei Blockflöten, zwei Posaunen und einem Fagott im Bass.Michael Praetorius: Syntagma musicum III, S. 154

Komponisten von früher Sololiteratur sind u. a. Bartolomeo de Selma y Salaverde, Philipp Friedrich Böddecker und Giulio Mussi. Im 17. Jahrhundert verloren die kleinen Dulzianformen an Bedeutung. Während das Barockfagott aus dem Dulzian entwickelt wurde, blieb daneben eine Zeit lang auch der Bassdulzian in Gebrauch. In Spanien bis ins späte 19. Jahrhundert verschiedene Größen des Dulzians (Bajón, Bajóncillo) in Gebrauch.Beryl Kenyon de Pascual: A Further Updated Review of the Dulcians (Bajón and Bajoncillo) and Their Music in Spain, The Galpin Society Journal S. 87–116 (April 2000)

Lehrwerke Daniel Speer: Vierfaches Musicalisches Kleeblatt. Verlag Georg Wilhelm Kühnen, 1697. Otto Steinkopf und Volker Kernbach: Anleitung für das Musizieren auf Pommern, Dulcianen und Ranketten. Moeck, 1978.

Siehe auch Dolzflöte Pommer Rankett

Literatur Michael Praetorius: Syntagma musicum II, S. 38 Marin Mersenne: Harmonie universelle: Contenant la théorie et la pratique de la musique. 1637 László Újházy: Akustische Fragen in der Beziehung von Pommer und Dulzian. In: Studia Musicologica Academiae Scientiarum Hungaricae, T. 31, Fasc. 1/4. 1989, S. 421–431 David Munrow: Musikinstrumente des Mittelalters und der Renaissance, Moeck 1980 (Originalausgabe: Instruments of the Middle Ages and Renaissance, 1976) Alyson Elizabeth Roberts: Studien zur Bauweise und zur Spieltechnik des Dulzian. Dissertation Universität Köln, 1987.

Weblinks

The Dulcian. dulcians.org Instrumente der Renaissance: Dulzian Capella de la Torre, Video (0:57 Min.)

Einzelnachweise

Kategorie:Doppelrohrblattinstrument Kategorie:Historisches Musikinstrument Kategorie:Musikinstrument (Renaissance)