mini|hochkant=1.33|Westtrakt des Kreuzgangs
Die Glasgemälde des Klosters Muri sind Bleiglasfenster aus dem 16. Jahrhundert, die sich im Kreuzgang des Klosters Muri befinden. Es handelt sich um einen Zyklus von 57 Kabinettscheiben, die in 19 dreiteilige Lanzettfenster mit Masswerk eingefasst sind. Die bemalten Scheiben waren Schenkungen verschiedener Institutionen. Sie gehören zu den wichtigsten Werken der Renaissance-Glasmalerei in der Schweiz und sind ein wichtiges kulturhistorisches Denkmal aus der nachreformatorischen Zeit.
Geschichte Einige Tage nach der Schlacht bei Kappel am 11. Oktober 1531 war das Kloster von Berner Truppen, die zu spät zur Schlacht erschienen waren, besetzt worden und erlitt dabei grosse Schäden. Auf Anordnung von Laurentius von Heidegg wurde der Kreuzgang 1534/35 neu errichtet, wobei die Bögen zum Innenhof hin zunächst unverglast blieben. Zwanzig Jahre später liess sein Nachfolger Johann Christoph vom Grüth die Bögen mit Glasgemälden schmücken. Die Abtei finanzierte die Masswerkfenster und die Gemälde in den Spitzbögen. Gemäss dem damaligen Brauch stifteten befreundete Klöster, die eidgenössischen Schirmorte der Abtei, benachbarte Städte, Magistraten und ausländische Gesandte die übrigen Glasgemälde. Die Wahl der Künstler überliessen sie dabei dem Abt.Germann: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bezirk Muri. S. 367.
Die gestifteten Scheiben wurden ab 1554 eingefügt, zwölf Jahre später waren die meisten Fenster geschmückt. Bis 1625 kamen vereinzelt weitere Scheiben hinzu, wobei man davon ausgeht, dass sie ältere ersetzten. Die Scheiben sind überwiegend Werke der Zürcher Glasmaler Carl von Aegeri und Heinrich Leu, einzelne stammen von Niklaus Bluntschli aus Zürich, Christoph Brandenberg aus Zug, Jakob Wägmann aus Luzern und Hans Füchslin aus Bremgarten.Germann: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bezirk Muri. S. 367–370; Felder: Das Kloster Muri. S. 22–23.
Beim Neubau der Klosterkirche brach man 1695 den nördlichen Trakt des Kreuzgangs zum grössten Teil ab, in einem kleineren Bereich errichtete man die Loretokapelle. Dadurch gingen die dort vorhandenen Glasfenster verloren. Einzelteile verwendete man in der Folge zur Ausbesserung der weiterhin bestehenden Fenster. Nachdem der Grosse Rat des Kantons Aargau am 13. Januar 1841 die Aufhebung des Klosters beschlossen hatte, liess Oberst Friedrich Frey-Herosé (der spätere Bundesrat) die Scheiben entfernen, da er Diebstähle vermutete. Tatsächlich waren jedoch zwei Scheiben zur Renovation nach Konstanz gebracht worden. Die Scheiben wurden nach Aarau gebracht und ab 1869 im Regierungsgebäude ausgestellt. Ab 1897 zierten sie das Aarauer Kunst- und Gewerbemuseum. 1957 brachte man die Scheiben nach Muri zurück und setzte sie am ursprünglichen Standort wieder ein.Germann: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bezirk Muri. S. 370–371.
Beschreibung der Gemälde Die Scheiben bestehen in der Regel aus grossen, hellen und reinen Gläsern in vielfach gebrochenen Farben. Aus diesem Grund tritt die Zeichnung der Bleiruten zurück und die Scheiben wirken besonders bunt. Blaue Flächen werden durch Überfangglas erzeugt, grüne durch Aufschmelzen von Gelb- oder Silberlot, rote durch Aufschmelzen von Rotlot. Konturen und Schatten bestehen aus eingebrannten, zum Teil mit Pinsel und Feder radiertem Schwarzlot.Germann: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bezirk Muri. S. 372.
Anmerkung: Die Positionsangaben links und rechts in den Beschreibungen (nicht jedoch in der Rubrik «Teil») entsprechen den Regeln der Heraldik.
Osttrakt Fenster E1Germann: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bezirk Muri. S. 394–396.
Teil Stifter (Jahr) Beschreibung Foto links Zürich (1557) Der Stadtheilige Felix vor einer von Säulen geteilten Vedute, mit Fraumünster und Kloster Oetenbach. Fenster E1|180px Mitte Doppeltes Wappen des Standes Zürich, darüber das gekrönte Reichswappen; zwei Löwen als Schildhalter, der rechte trägt das Zürcher Banner, der linke ein Schwert. 1841 bei der Klosteraufhebung entwendet, 1881 von der Gesellschaft der Schildner zum Schneggen ersteigert, 1958 durch eine Kopie ersetzt. rechts Die Stadtheilige Regula vor einer von Säulen unterbrochenen Vedute mit Grossmünster und Predigerkirche. oben Darstellung der Verkündigung der Maria.
Fenster E2Germann: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bezirk Muri. S. 396.
Teil Stifter (Jahr) Beschreibung Foto links Luzern (1624 erneuert) Leodegar von Autun, einer der beiden Stadtheiligen, vor zwei korinthischen Säulen und Gebälk. Fenster E2|180px Mitte Doppeltes Wappen des Standes Luzern, darüber das gekrönte Reichswappen; als Schildhalter links ein Bannerträger und rechts ein Hauptmann mit Hellebarde; im Oberbild ein Lanzenstechen. rechts Mauritius, einer der beiden Stadtheiligen, vor der Darstellung einer phantastischen Stadt. oben Mariä Heimsuchung vor durchkomponierter Landschaft.
Fenster E3Germann: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bezirk Muri. S. 396.
Teil Stifter (Jahr) Beschreibung Foto links Uri (1624 erneuert) Martin von Tours, Landespatron von Uri, zwischen zwei Bettlern und von Pfeilern umgeben. Fenster E3|180px Mitte Doppeltes Wappen des Standes Uri, darüber das gekrönte Reichswappen; als Schildhalter links der «Landeshorner» und rechts ein Bannerträger. rechts Muttergottes als Landespatronin auf der Mondsichel mit Jesuskind, Lilienzepter und Krone; von Wolkenkranz umgeben. oben Anbetung des Kindes und Verkündigung an die Hirten.
Fenster E4Germann: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bezirk Muri. S. 396–398.
Teil Stifter (Jahr) Beschreibung Foto links Schwyz (1557) Martin von Tours, einer der Landespatrone von Schwyz, zu Pferd, einen Mantel zerteilend; umrahmt von zwei dorischen Säulen. Fenster E4|180px Mitte Doppeltes Wappen des Standes Schwyz, darüber das gekrönte Reichswappen; als Schildhalter links ein Bannerträger und rechts ein Hauptmann. rechts Der zweite Landespatron Uris, der heilige Georg, auf einem Schimmel reitend; im Hintergrund Darstellung einer Burgenlandschaft mit der heiligen Margaretha. oben Anbetung der Könige.
Fenster E5Germann: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bezirk Muri. S. 398.
Teil Stifter (Jahr) Beschreibung Foto links Unterwalden (1557) Petrus, Landespatron von Unterwalden, mit dem Schritt eines Moriskentänzers und Schlüssel in der Rechten; umgeben von Säulen und Rundbogen. Fenster E5|180px Mitte Wappen von Nidwalden (links) und Obwalden (rechts), darüber das gekrönte Reichswappen; als Schildhalter zwei Krieger (rechts der Bannerträger); im Oberbild Niklaus von Flüe. rechts Apostel Paulus mit Schwert; umgeben von Säulen und Rundbogen. oben
Fenster E6Germann: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bezirk Muri. S. 398–399.
Teil Stifter (Jahr) Beschreibung Foto links Glarus (1557) Der heilige Fridolin von Säckingen, Landespatron von Glarus, an der Hand einen Toten, den er als Zeugen aufruft; umgeben von korinthischen Säulen. Fenster E6|180px Mitte Doppeltes Wappen des Standes Glarus, darüber das gekrönte Reichswappen; als Schildhalter zwei Krieger (rechts der Bannerträger); im Oberbild eine Schlachtszene. rechts Der heilige Hilarius von Poitiers, der ein Kind auferweckt, um es zu taufen; auf dem Sockel Szenen einer Hirschjagd mit Fangnetzen. oben Darstellung des Kindermords von Betlehem.
Fenster E7Germann: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bezirk Muri. S. 399–400.
Teil Stifter (Jahr) Beschreibung Foto links Zug (1557) Erzengel Michael vor einer Meerlandschaft mit dem Mont-Saint-Michel; flankiert von Pfeilern mit männlichen und weiblichen fischschwänzigen Atlanten. Fenster E7|180px Mitte Doppeltes Wappen des Standes Zug, darüber das gekrönte Reichswappen; als Schildhalter zwei Krieger (links der Bannerträger); im Oberbild zwei kämpfende Lanzenknechte, dahinter ein Krieger mit Zweihänder und ein Büchsenschütze. rechts Der heilige Oswald von York mit goldenem Pokal in seiner Rechten, im Hintergrund die Stadt Zug und Schloss Buonas. oben Darstellung der Flucht nach Ägypten.
Südtrakt Fenster S1Germann: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bezirk Muri. S. 384.
Teil Stifter (Jahr) Beschreibung Foto links Baden (1559) Wappen der Stadt Baden, darüber Wappen des Heiligen Römischen Reichs mit Bügelkrone; flankiert von zwei Bannerträgern; rechtes Banner mit Marienbild im Pfahl, linkes Banner mit Marienbild an der Stange. Fenster S1|180px Mitte Bremgarten (1555) Doppeltes Wappenschild der Stadt Bremgarten, darüber Reichsschild; zwei Löwen halten einerseits das Reichsschild, andererseits die Reichskrone. rechts Sursee (1560) Wappen der Stadt Sursee, flankiert von Feldhauptmann und Bannerträger; oben Darstellung des Stadtpatrons St. Georg. oben Mondsichelmadonna mit Putten und Grotesken.
Fenster S2Germann: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bezirk Muri. S. 384–388.
Teil Stifter (Jahr) Beschreibung Foto links Ammann Konrad Zurlauben von Zug (1624) Geviertes Wappen mit goldenem Bügelhelm, umgeben von einem Reif mit Inschrift; als Schildhalter dienen zwei Allegorien der Geduld und der Liebe; im Oberbild die Heiligen Konrad, Beatus, Franziskus und Anna um den Heiland. Fenster S2|180px Mitte Kloster Rheinau (1560) Geviertes Wappen; im 1. Feld Wappen des Klosters, im 2. und 3. Feld Wappen des Abtes Michael Herster, im 4. Feld Wappen der Mutter des Abtes; rechts neben dem Schild Benedikt von Nursia, links der Klosterpatron Fintan von Rheinau; im Oberbild Verkündigung der Maria. rechts Landvogt Ulrich Püntener von Uri und Adelheid a Pro (1597) Rechts geviertes Wappen von Ulrich Püntener mit schwarzem Stier als Kleinod, links Wappen von Adelheid a Pro mit Geck; dazwischen stehend Ulrich von Augsburg mit Bischofsornat; das Oberbild zeigt das salomonische Urteil und die Enthauptung von Johannes dem Täufer. oben Wappen des Klosters Muri und von Abt Johann Christoph vom Grüth, umgeben von Ranken.
Fenster S3Germann: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bezirk Muri. S. 388–390.
Teil Stifter (Jahr) Beschreibung Foto links Kloster Einsiedeln (1557) Geviertes Wappen; in Feld 1 und 4 Wappen des Klosters, in Feld 2 und 3 Wappen des Abtes Joachim Eichhorn; rechts neben dem Schild steht Maria, links Meinrad von Einsiedeln; im Oberbild Verkündigung an Maria. Fenster S3|180px Mitte Christoph Metzler, Bischof von Konstanz (1557) Geviertes Wappen; in Feld 1 und 4 Wappen des Bistums, in Feld 2 und 3 Wappen der Metzler von Feldkirch; neben dem Schild die Heiligen Konrad und Pelagius; im Oberbild Mondsichelmadonna in Wolkenkranz. rechts Kloster St. Gallen (1557) Wappen der Abtei, der Grafschaft Toggenburg und der Blarer von Wartensee; neben den Schilden die Heiligen Gallus und Otmar von St. Gallen; im Oberbild Gallus im Gebet und mit dem Bären. oben Geviertes Wappen; in Feld 1 Wappen des Hauses Habsburg, in Feld 2 und 3 Wappen des Abtes Johann Christoph vom Grüth, in Feld 4 Wappen des Klosters Muri; umgeben von Darstellung des barmherzigen Samariters.
Fenster S4Germann: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bezirk Muri. S. 390–391.
Teil Stifter (Jahr) Beschreibung Foto links Caspar Molitoris, Abt von St. Blasien (1558) Drei pyramidenförmig angeordnete Wappen (Erzherzogtum Österreich, Kloster St. Blasien, Freiherren von Seldenbüren); flankiert von vier Kompositsäulen. Fenster S4|180px Mitte Darstellung des Hl. Blasius, auf Thron sitzend, zu seinen Füssen ein Hirsch. rechts Rechts Wappen des Klosters St. Blasien, links Wappen der Familie Müller (Molitoris); flankiert von vier Kompositsäulen. oben Die vier Evangelisten mit ihren Symbolen; zwei Wappen Kloster Muri / Abt Johann Christoph vom Grüth.
Fenster S5Germann: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bezirk Muri. S. 391–392.