Röthges ist ein Stadtteil von Laubach im mittelhessischen Landkreis Gießen.

Geografie Röthges befindet sich im östlichen Teil des Landkreises Gießen an einem Ausläufer des Vogelsbergs. Geologisch ist es fast mittig des vom Vogelsberger Vulkangestein bedeckten etwa 60 km im Durchmesser umfassenden Gebietes. Röthges liegt an der Altstraße die Kurze Hessen, welche Frankfurt am Main mit Leipzig verband.Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie (2009): Der Vogelsberg

Ortsgeschichte

An einem leichten Südhang, wo sich zwei Straßen kreuzten, begann die Entstehung des Dorfes. Es handelte sich um die Straßenverbindungen von Hungen nach Grünberg und Villingen – Ettingshausen – in das Lumdatal. Im südlichen Teil verläuft die alte Straße von Laubach nach Lich. Am Fuße des abfallenden Geländes befand sich eine Wasserstelle, ein Tümpel. Diese Stelle wird Mitte des 19. Jahrhunderts als Weed oder Kump bezeichnet.

Lange vor der ersten Erwähnung des Dorfes lebten auch hier bereits Menschen. Belegt wird diese Aussage durch Funde in der Gemarkung, die bis in die Zeit des Paläolithikums zurückreichen.Siehe Kari Kunter: „Zwischen Wetterau und Vogelsberg“. S. ??? Mittelalter Röthges wird erstmals 1256 erwähnt: „de Rothe“ (von Röthges).Klosterarchive 5: Kloster Haina, Band 1, S. 151, Nr. 260. In einer Urkunde von 1322 heißt es: „... in Rode juxta Wedirveldin ...“Ludwig Baur: Urkundenbuch des Klosters Arnsburg in der Wetterau. Darmstadt 1851. Nr. 545, S. 361. (in Röthges neben Wetterfeld). Die späteren Formen des Ortsnamens lassen darauf schließen, dass das Dorf aus einer Rodungssiedlung hervorgegangen ist.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 309 f, 315. 1330 werden Ober-Bessingen und Röthges in einer Urkunde genannt: „... in campo ville dicte Abirnbeszingin V jugera ..., ... in campo versus Royde II jugera ...“Ludwig Baur: Hessische Urkunden aus dem Großherzoglich Hessischen Haus- und Staatsarchive. Band 1–5. Band 1. Darmstadt 1860–1873. Nr. 1334, S. 902. (im Feld des Ortes Ober-Bessingen 5 Morgen, im Feld gegen Röthges 2 Morgen). in einer stark vermoderten Urkunde von 1495 lesen wir: „... zum Ro..ginß jhensit H.ngen ...“StAD, Urkunden Oberhessen, Röthges. Lange Zeit gehörte Röthges denen von Falkensteiner. Diese hatten das Gebiet in der Münzenberger Erbschaft erlangt. 1418 starb der letzte Falkensteiner Werner von Falkenstein, Erzbischof von Trier. Nach dessen Tod wurde das Dorf dem gräflichen Haus Solms-Braunfels zuerkannt.

Neuzeit Dort blieb Röthges fast 400 Jahre. Erst nach der Säkularisation bzw. dem Reichsdeputationshauptschluss, also 1806, kam Röthges zu Hessen.Robert Möll: Röthges, eine Dorfchronik, 2001

Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde der Ort fast völlig zerstört.

Heute ist Röthges für ruhesuchende Feriengäste ein Platz zum Ausspannen und Wandern in waldreicher Umgebung.

Wie viele der westdeutschen Dörfer ist Röthges stark von den Folgen des Zweiten Weltkriegs geprägt. Dabei sind besonders die vielen Heimatvertriebenen und Flüchtlinge zu erwähnen, die im Ort eine neue Heimat fanden und zeitweise ein Drittel der Bevölkerung ausmachten. Sie kamen aus Orten wie Schanzmark, Schlewitz, Kratzau, Brieg, Reichenberg, Schröffeldorf oder Heidersdorf.Robert Möll: Röthges im Spiegel der Geschichte, 2013

Hessische Gebietsreform (1970–1977) Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die Gemeinde Röthges zum 31. Dezember 1970 auf freiwilliger Basis in die Stadt Laubach eingemeindet. Für den Stadtteil Röthges wurde, wie für die anderen eingemeindeten ehemals eigenständigen Gemeinden von Laubach, ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung eingerichtet.

Zeittafel 1256: Röthges wird zum ersten Mal urkundlich erwähnt. 1420: Nach dem Tod des letzten Falkensteiners fällt Röthges an den Grafen Bernhard zu Solms-Braunfels. 1702: Die erste Schule wird gebaut. Vorher besuchten die Schüler die Schule in Villingen. 1806: Röthges kommt zu Hessen. 1843: Am alten Standort wird eine neue Schule gebaut. 1879: Die neue Kirche wird gebaut. Die alte Kirche auf dem Friedhof wird abgerissen. 1908: Eine eigene Wasserleitung mit einem Pumpwerk im Wasserhaus und ein Wasserbehälter werden gebaut. 1921: Ein Gesangverein wird gegründet. 1922: Röthges wird an das Stromnetz angeschlossen. 1936: Die Freiwillige Feuerwehr Röthges wird gegründet. 1953: Ein Feuerwehrhaus wird gebaut, und ein Löschwasserteich wird eingerichtet. 1958: Eine neue Schule wird gebaut. Hier wird nur noch bis 1969 unterrichtet. Danach wird das Gebäude zum Dorfgemeinschaftshaus umgebaut. 1961: Ein Tiefkühlhaus wird gebaut. 1970: Röthges wird eingemeindet.

Die Burg In der Nähe des heutigen Friedhofes stand eine Burg. Pfarrer Göbel – er war von 1659 bis 1684 in Wetterfeld und Röthges tätig – berichtete von einer Raubritterburg und von den Resten eines Wallgrabens. Die Burg wurde zumindest bis 1782 von den Herren von Clotz genutzt. Geschichtliche Unterlagen liegen zum Teil im Licher Archiv vor. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die Gebäude der Burg zur Schleifung freigegeben und die Steine wurden für die Röthgeser genutzt, um Häuser zu bauen. Reste waren auch später noch beim Bau des Wasserbehälters im Jahre 1908 zu sehen. An dieser Stelle konnten sich früher interessierte bauwillige Bürger kostenlos Sandecksteine und Mauersteine abholen.

Weitere Informationen zur Burg in Röthges: „Im verflossenen Winter wurden auf der sogenannten „Burg“ bei Röthges die Fundamente einer Mauer in der Stärke von 1,1 Meter freigelegt. Diese Burgstätte befindet sich dicht bei dem genannten Dorfe, auf der Anhöhe rechts vom Wege Laubach - Röthges, an den Friedhof stoßend. Auffallenderweise befindet sich die Burgstätte nicht ganz auf der höchsten Stelle der Anhöhe, sondern etwas unterhalb des Gipfels. Trotzdem bietet sie einen weiten Ausblick in die Umgebung. Schon seit langer Zeit dient diese Stätte als allgemeiner Steinbruch. Leider ist der Boden hierdurch in einer solchen Weise zerwühlt und ausgehöhlt worden, dass die ursprüngliche Anlage nicht mehr festzustellen ist. Die innere Burgstelle, worauf sich diese Mauerreste befinden, zeigt sich gegenwärtig als ein Viereck mit abgerundeten Ecken von ca. 300 m² Flächeninhalt, das von einem 1–3 Meter tiefen, 6–8 Meter breiten, kreisrunden Graben umschlossen wird. Die äußere Umfassungslinie dieses Grabens beträgt ca. 150 Meter. Niemand erinnert sich mehr, die Mauern über dem Erdboden gesehen zu haben. Dagegen teilten uns alte Leute mit, dass ihnen von ihren Großeltern erzählt worden sei, sie hätten die Mauern noch in Mannshöhe über dem Erdboden gesehen. Auch wurde uns vom Funde alter Töpfe, Hufeisen und von einem alten Schwert, das wie ein Kreuz aussah, erzählt“. Der Name „Auf der Burg“ hat sich bis heute erhalten; und die Dorfstraße in diese Richtung heißt „Burgstraße“.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Röthges angehört(e):

ab 1420 Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Solms-Braunfels (Anteil an der Herrschaft Münzenberg), Amt Hungen ab 1742: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Solms-Braunfels (Anteil an der Herrschaft Münzenberg), Amt Hungen ab 1806: Großherzogtum Hessen, Oberhessen, Amt Hungen (des Fürsten Solms-Braunfels) ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Hungen (des Fürsten Solms-Braunfels) ab 1820: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt HungenPatrimonialgericht: Standesherrliches Amt Hungen des Fürsten Solms-Braunfels. ab 1822: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk HungenTrennung zwischen Justiz (Landgericht Hungen; 1822 gingen die Rechte des „standesherrlichen Amts Hungen“ an das Landgericht über, wo sie im Namen der Standesherren ausgeübt wurden) und Verwaltung. ab 1841: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Hungen ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Friedberg ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1867: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1874: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Gießen ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Stadt Laubach ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis, Stadt Laubach ab 1979: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Stadt Laubach ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Gießen, Stadt Laubach

Gerichte seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Oberhessen (ab 1815 Provinz Oberhessen) wurde das „Hofgericht Gießen“ eingerichtet. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Röthges ab 1806 das „Patrimonialgericht der Fürsten Solms-Braunfels“ in Hungen zuständig. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821–1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übertragen. Ab 1822 ließen die Fürsten Solms-Braunfels ihre Rechte am Gericht durch das Großherzogtum Hessen in ihrem Namen ausüben. „Landgericht Hungen“ war daher die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht, das für Röthges zuständig war. Auch auf sein Recht auf die zweite Instanz, die durch die Justizkanzlei in Hungen ausgeübt wurde verzichtete der Fürst 1823. Erst infolge der Märzrevolution 1848 wurden mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April 1848 die standesherrlichen Sonderrechte endgültig aufgehoben.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten. Gleichzeitig wurde Röthges dem Landgericht Laubach zugewiesen das in Amtsgericht Laubach umbenannt wurde. Die zweite Instanz war jetzt das Landgerichts Gießen.

Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Laubach und Röthges wurde dem Sprengel des Amtsgerichts Gießen zugelegt.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Röthges 399 Einwohner. Darunter waren 6 (1,5 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 75 Einwohner unter 18 Jahren, 156 zwischen 18 und 49, 96 zwischen 50 und 64 und 69 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 158 Haushalten. Davon waren 36 Singlehaushalte, 54 Paare ohne Kinder und 57 Paare mit Kindern, sowie 9 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 33 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 105 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung

Historische Religionszugehörigkeit