Luckau ()Ernst Eichler: Die Ortsnamen der Niederlausitz. Domowina-Verlag, Bautzen 1975, S. 76. ist eine Stadt im Landkreis Dahme-Spreewald in Brandenburg. Sie zählte, vor allem vor dem Dreißigjährigen Krieg, zu den wichtigsten Städten der Niederlausitz und war vom 15. Jahrhundert bis 1993 durchgehend Kreisstadt verschiedener Landkreise. Luckau ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Städte mit historischen Stadtkernen des Landes Brandenburg.
Geographie Das Gebiet der Stadt Luckau in der Niederlausitz zählt mit 207,44 Quadratkilometern zu den flächengrößten Gemeinden in Deutschland und ist größer als etwa die Stadt Stuttgart. Es erstreckt sich entlang der Nordseite des Lausitzer Grenzwalles und wird von Berste und Wudritz durchflossen, die beide in die Spree münden. Den höchsten Punkt des Gemeindegebietes bildet der Mühlenberg im Süden mit . Die südliche Hälfte des Gebietes der Stadt ist in den Naturpark Niederlausitzer Landrücken eingebettet. Zwischen den Ortsteilen Schlabendorf am See und Fürstlich Drehna liegt der ehemalige Tagebau Schlabendorf-Süd des Lausitzer Braunkohlereviers.
Im Landkreis Dahme-Spreewald grenzen im Südwesten die amtsfreie Gemeinde Heideblick, im Norden – im Amt Unterspreewald – die Gemeinden Drahnsdorf, Kasel-Golzig und Bersteland, und im Nordosten die Kreisstadt Lübben (Spreewald) an Luckau. Im Osten und Südosten grenzt Luckau an die Städte Lübbenau/Spreewald und Calau im Landkreis Oberspreewald-Lausitz. Im Süden grenzt Luckau an die Gemeinden Massen-Niederlausitz und Crinitz im Amt Kleine Elster-Niederlausitz im Landkreis Elbe-Elster. Im Nordwesten (südlich der Dahme, die dort die Grenze zu Drahnsdorf bildet) gibt es eine kurze Grenze zur Gemeinde Dahmetal im Amt Dahme/Mark im Landkreis Teltow-Fläming.
Stadtgliederung Zu Luckau gehören folgende Ortsteile mit den zugehörigen bewohnten Gemeindeteile und Wohnplätzen (die Einwohnerzahlen beziehen sich auf den 30. April 2023):
Bergen; 64 Einwohner Cahnsdorf mit dem Wohnplatz Siedlung; 357 Einwohner Duben mit den Gemeindeteilen Alteno, Freiimfelde und Kaden; 645 Einwohner Egsdorf; 98 Einwohner Freesdorf; 46 Einwohner Fürstlich Drehna mit dem Gemeindeteil Tugam; 286 Einwohner Gießmannsdorf; 272 Einwohner Görlsdorf mit den Gemeindeteilen Frankendorf und Garrenchen sowie dem Wohnplatz Wanninchen; 509 Einwohner Karche-Zaacko mit dem Gemeindeteil Schollen und den Wohnplätzen Karche und Zaacko; 195 Einwohner Kreblitz; 156 Einwohner Kümmritz; 102 Einwohner Paserin; 105 Einwohner Rüdingsdorf; 74 Einwohner Schlabendorf am See; 270 Einwohner Terpt; 160 Einwohner Uckro; 323 Einwohner Wierigsdorf mit dem Wohnplatz Drei Linden; 83 Einwohner Willmersdorf-Stöbritz mit den Wohnplätzen Stöbritz und Willmersdorf; 134 Einwohner Zieckau mit dem Gemeindeteil Caule; 172 Einwohner Zöllmersdorf mit dem Gemeindeteil Pelkwitz; 157 Einwohner
Zur Kernstadt Luckau mit 5359 Einwohnern gehören der Gemeindeteil Wittmannsdorf sowie die Wohnplätze Calauer Vorstadt, Sando und Sandoer Vorstadt.
Geschichte mini|hochkant|Der im 13. Jahrhundert errichtete „Rote Turm“ der Luckauer Stadtbefestigung
Die älteste Überlieferung der Stadt geht auf eine Urkunde vom 19. Januar 1276 zurück, in der sie als Lukkowe erwähnt wird.Rudolf Lehmann (Hrsg.): Historisches Ortslexikon für die Niederlausitz. Band 1: Die Kreise Luckau, Lübben und Calau. Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2013, ISBN 978-3-941919-89-1, S. 81–86. Nördlich der Stadt befand sich früher ein slawischer Burgwall, der später mit einer Burg aus frühdeutscher Zeit überbaut wurde. In Luckau wurde 1291 ein Dominikanerkloster errichtet. Im Dezember 1351 wurde der Luckauer Vertrag in der Stadt geschlossen. Als wohlhabende Stadt wurde Luckau 1492 zu einer der Hauptstädte der Niederlausitz. Zu diesem Zeitpunkt war der Ort eine gemischt deutsch- und sorbischsprachige Kleinstadt in sorbischsprachiger Umgebung. Noch Ende des 18. Jahrhunderts verlief die deutsch-(nieder)sorbische Sprachgrenze nur drei Kilometer nordöstlich der StadtJan Brankačk/Frido Mětšk: Geschichte der Sorben - Band 1, Von den Anfängen bis 1789. Domowina-Verlag Bautzen 1977, S. 315 und Karte 5, schon die Nachbardörfer Schollen, Karche, Zaacko und Cahnsdorf waren zu diesem Zeitpunkt noch sorbischsprachig.
Vom 14. Jahrhundert an bis etwa 1690 wurden zahlreiche Dörfer in der Umgebung unter die Lehnshoheit des Luckauer Rates gestellt. Als Gewerbe waren im 15. Jahrhundert unter anderem die Brauerei, die Textilindustrie vertreten. Als Kreuzungspunkt der historischen Handelswege Salzstraße und Messestraße war Luckau zudem ein wichtiger Warenumschlagplatz. Das Kloster Luckau wurde spätestens 1569 säkularisiert und der Stadt überlassen. Mit dem Prager Frieden 1635 wurde der sächsische Kurfürst mit dem Markgraftum Niederlausitz belehnt, das bis dahin unter böhmischer Lehnshoheit stand. Im Dreißigjährigen Krieg bauten die Schweden die Stadt Luckau als Hauptstützpunkt aus; sie erlitt infolge der anschließenden Auseinandersetzungen starke Zerstörungen. Der Krieg führte ferner zu einer Stagnation und schließlich zum Rückgang der wirtschaftlichen Aktivitäten.
mini|links|Luckauer Rathaus von 1675, die Aufstockung erfolgte im Jahr 1851
Das Rathaus von Luckau wurde 1652 bei einem Brand zerstört und bis 1675 wieder aufgebaut. Im Jahr 1755 lebten in der Stadt Luckau 2013 Einwohner. Am 4. Juni 1813 wurde während der Freiheitskriege im Gefecht bei Luckau der Vormarsch französischer Verbände auf Berlin durch die verbündeten russisch-preußischen Truppen vereitelt. Im Rahmen einer Truppeninspektion weilte Napoleon am 20. und 21. Juli 1813 in Luckau. Er bezog Quartier in der oberen Etage des Sommerhauses des Kaufmanns Vogt, der damals der reichste Mann der Stadt war. Er war so wohlhabend, dass auch die Stadt Luckau sich von ihm Geld lieh. Da es in dieser Julinacht sehr kalt war, ließ sich Napoleon eine kupferne Wärmflasche ans Bett bringen, die heute noch im Niederlausitz-Museum Luckau zu besichtigen ist. Durch Beschluss des Wiener Kongresses von 1815 wurde die Niederlausitz preußisch, das Markgraftum aufgelöst und das Gebiet der Niederlausitz und damit auch die Stadt Luckau der Provinz Brandenburg angeschlossen.
mini|Das Bahnhofsempfangsgebäude des 1897 eröffneten Bahnhofs Luckau Zentrum
In Preußen war Luckau Kreisstadt des Kreises Luckau. Im Jahr 1818 hatte die Stadt 2892 Einwohner und bestand aus 479 Wohngebäuden. Es gab zudem ein Lazarett, acht Windmühlen und eine Scharfrichterei. Im Jahr 1856 gehörten zu der Stadt noch 22 Ratsdörfer. Bei der Volkszählung am 1. Dezember 1871 hatte Luckau 4917 Einwohner in 1132 Haushalten; von den Einwohnern waren 2525 Männer und 2392 Frauen; 894 Einwohner waren Kinder unter zehn Jahren. Der mit Abstand größte Teil der Bevölkerung war evangelisch-lutherischer Konfession, zudem gab es 51 Katholiken und 23 Juden in der Stadt. Am 20. Dezember 1897 wurde Luckau mit dem Bahnhof an der Strecke der Niederlausitzer Eisenbahn an das Bahnnetz angeschlossen.Niederlausitzer Eisenbahn. In: bahnstrecken.de, abgerufen am 29. Juni 2023. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts war Luckau ein bekanntes Moorbad. Im Jahr 1925 hatte die Stadt 4394 Einwohner, bis 1939 stieg die Einwohnerzahl auf 5001 an.
Auf der Gemarkung Alteno befand sich zur Zeit des Nationalsozialismus und während des Zweiten Weltkrieges der Fliegerhorst Alteno. Er diente überwiegend der Ausbildung von Flugzeugführern der Luftwaffe. Erst 1944/45 lagen auch aktive fliegende Einheiten hier. Nach Kriegsende gehörte Luckau zur Sowjetischen Besatzungszone und kam somit 1949 zur DDR. Die Luftstreitkräfte der Nationalen Volksarmee nutzen den Flugplatz später als Dezentralisierungsflugplatz für das Jagdfliegergeschwader 1 „Fritz Schmenkel“. Bei der Gebietsreform am 25. Juli 1952 wurde der Landkreis Luckau sehr stark verkleinert, aus dem deutlich kleineren Nordteil wurde der neue Kreis Luckau im Bezirk Cottbus gebildet. Am Bahnhof Uckro kam es 1953 zu einem Zwischenfall bei der Flucht der tschechischen Brüder Mašín nach West-Berlin, die eine Großfahndung der Volkspolizei auslöste und mehrere Tote forderte.
Nach der Wiedervereinigung blieb Luckau zunächst übergangsweise Kreisstadt des Landkreises Luckau im Land Brandenburg. Am 25. Mai 1992 bildete die Stadt mit 16 weiteren Gemeinden das Amt Luckau und übernahm somit den Großteil der Verwaltungsarbeit für die umliegenden Gemeinden. Bei der Gebietsreform am 6. Dezember 1993 ging Luckau im neuen Landkreis Dahme-Spreewald auf, womit die Stadt nach über 500 Jahren den Status einer Kreisstadt verlor. Am 1. Juni 1996 wurde der regelmäßige reguläre Bahnverkehr am Bahnhof Luckau Zentrum eingestellt. Im Jahr 2000 war Luckau Standort der brandenburgischen Landesgartenschau. Unter anderem wurde ein neun Hektar großer Stadtpark angelegt. Das Amt Luckau wurde nach der Gemeindegebietsreform am 26. Oktober 2003 aufgelöst, nachdem die letzten vier verbliebenen Mitgliedsgemeinden nach Luckau eingemeindet worden waren.
Eingemeindungen Sando wurde 1950 eingegliedert, 1957 kam Wittmannsdorf hinzu. Gießmannsdorf folgte 1997StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1997 Zwei weitere Gemeinden wurden 1998 eingegliedertStBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1998, Ende 1999 sechsStBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999. Freesdorf wurde zum 31. Dezember 2000 eingegliedert. Zwei weitere Orte folgten Ende 2001.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2001 Uckro kam dann 2002 hinzu.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2002 Vier weitere Gemeinden wurden im Jahr 2003 eingemeindet.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003
Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung Alteno 15. März 1973 Eingemeindung nach Duben Bergen 31. Dezember 1998 Cahnsdorf 26. Oktober 2003 Duben 26. Oktober 2003 Egsdorf 31. Dezember 1999 Frankendorf 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Görlsdorf Freesdorf 31. Dezember 2000 Fürstlich Drehna 1. Juli 19501. Januar 199131. Dezember 1999 Umbenennung in DrehnaUmbenennung von DrehnaEingemeindung nach Luckau Garrenchen 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Görlsdorf Gießmannsdorf 30. November 1997 Görlsdorf 26. Oktober 2003 Kaden 15. März 1973 Eingemeindung nach Duben Karche 1. Januar 1957 Zusammenschluss mit Zaacko zu Karche-Zaacko Karche-Zaacko 31. Dezember 1999 Kreblitz 31. Dezember 1999 Kümmritz 31. Dezember 1999 Pelkwitz 1. August 1973 Eingemeindung nach Zöllmersdorf Presehnchen 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Schlabendorf; 1987/88 für den Tagebau Schlabendorf-Süd vollständig abgebaggert Rüdingsdorf 1. April 1974 Eingemeindung nach Gießmannsdorf Sando 1. Juli 1950 Schlabendorf 26. Oktober 2003 Schollen 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Karche Stiebsdorf 6. August 1964 Eingemeindung nach Drehna; 1983 für den Tagebau Schlabendorf-Süd vollständig abgebaggert Stöbritz 1. Oktober 1962 Zusammenschluss mit Willmersdorf zu Willmersdorf-Stöbritz Stoßdorf 1. Januar 1957 Eingemeindung nach Egsdorf; 1954 für den Tagebau Schlabendorf-Nord vollständig abgebaggert Terpt 31. Dezember 2001 Tugam 1. Januar 1961 Eingemeindung nach Drehna Uckro 1. Juni 2002 Wanninchen 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Görlsdorf; bis auf ein Gebäude 1986 für den Tagebau Schlabendorf-Süd abgebaggert Wierigsdorf 14. April 1966 Eingemeindung nach Gießmannsdorf Willmersdorf 1. Oktober 1962 Zusammenschluss mit Stöbritz zu Willmersdorf-Stöbritz Willmersdorf-Stöbritz 31. Dezember 1999 Wittmannsdorf 1. Januar 1957 Zaacko 1. Januar 1957 Zusammenschluss mit Karche zu Karche-Zaacko Zieckau 1. September 1998 Zöllmersdorf 31. Dezember 2001
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 4.842 1890 4.514 1910 4.216 1925 4.394 1933 4.636 1939 4.812 Jahr Einwohner 1946 6.145 1950 6.190 1964 6.307 1971 6.438 1981 6.632 1985 6.402 Jahr Einwohner 1990 6.059 1995 5.557 2000 7.904 2005 10.642 2010 10.130 2015 9.558 Jahr Einwohner 2020 9.443 2021 9.466 2022 9.157 2023 9.227 2024 9.20320259.138