mini|hochkant|Heinz Trökes in seinem Hamburger Atelier (1957)
Heinz Trökes (* 15. August 1913 in Hamborn am Rhein; † 22. April 1997 in Berlin) war ein deutscher Kunstmaler, der vor allem zahlreiche Ölbilder schuf. 1947/1948 war er Professor an der Kunsthochschule Weimar. Weitere akademische Wirkungsorte waren Hamburg (1956–1958), Stuttgart (1961–1965) und Berlin (1965–1978).
Leben Heinz Trökes war nach dem 1933 abgelegten Abitur von 1933 bis 1936 Schüler von Johannes Itten in Krefeld. 1934 unternahm er mit dem Fahrrad eine Reise durch Italien und besuchte dabei unter anderem Florenz, Rom, Neapel, Palermo und Venedig. Von 1936 bis 1939 lebte Trökes als Maler in Augsburg und verdiente seinen Lebensunterhalt durch Textilentwürfe bei der Firma J. P. Bremberg. 1938 wurde seine erste Einzelausstellung in der Berliner Galerie Nierendorf auf Veranlassung der Nationalsozialisten geschlossen. Danach erfolgten der Ausschluss aus der Reichskulturkammer und bis 1945 keine Ausstellungsmöglichkeit mehr. 1937 hatte er eine Begegnung mit Wassily Kandinsky in Paris. Im anschließenden Jahr machte er Reisen nach Wien, Budapest, Jugoslawien und nochmals Italien.
Im Jahr 1939 zog Trökes nach Zürich, um von dort nach Holländisch-Indien (Indonesien) auszuwandern. Durch den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde dies verhindert. Es folgten seine Rückkehr nach Deutschland und ab 1940 ein Studium bei Georg Muche in Krefeld und Einberufung zur Wehrmacht. Bis 1942 diente er als Flaksoldat in Berlin. In seiner Freizeit besuchte er die Kunstschule von Max Dungert. Freundschaft pflegte er unter anderem mit Oskar Huth.
1945 war Trökes Mitbegründer der Berliner Galerie Gerd Rosen, der ersten privaten Kunstgalerie nach dem Krieg in Deutschland, deren künstlerischer Leiter er bis 1946 war. Von 1946 bis 1948 entstand eine Reihe kosmonautischer Bilder wie Die Mondkanone, Terrain der Kosmologen, Sphärische Kontraste, Zwei Welten. 1947 erfolgte der Ruf an die Staatliche Hochschule für Architektur und Kunst in Weimar (heute Bauhaus-Universität), zusammen mit dem Maler Mac Zimmermann. Nach einem Semester folgte die Beendigung der Lehrtätigkeit aufgrund zu starker Einflussnahme von außen.
Trökes beteiligte sich an der Ausstellung L’Art Allemand Moderne, Deutsche Kunst der Gegenwart in Baden-Baden. Während der Blockade von 1948 bis 1949 Berlin war sein Aufenthalt in Rodenbach bei Neuwied am Rhein, danach wieder in Berlin. 1949 heiratete er Renata „Renée“ Severin, Tochter des Buchhändlers Walter Severin (1891–1960) und Schwester des Journalisten Jochen Severin (1927–1995). Aus der Ehe ging der Sohn Jan-Manuel hervor.
Trökes veröffentlichte einen Artikel in der Zeitschrift Les Temps Modernes, Paris (Direktor Jean-Paul Sartre) über La peinture et le public en Allemagne. L’inflation d’expositions et le scandale qu’elles provoquent („Die Malerei und die Öffentlichkeit in Deutschland – Die Inflation der Ausstellungen und der Skandal, den sie hervorrufen“). 1950 bis 1952 war er Preisträger beim Blevin-Davis-Wettbewerb in München. Er unternahm einen Aufenthalt in Paris und hatte Freundschaft mit Wols und Paul Celan. Trökes schloss sich der Rixes-Gruppe mit Roberto Matta, Jaroslaw Serpan, Jean-Paul Riopelle, Zañartu u. a. an. Er war Teilnehmer am wöchentlichen Jour fixe um André Breton (Benjamin Péret, Marcel Duchamp, Toyen, Max Ernst, Rufino Tamayo und Gérard Hérold).
1952 zogen Heinz und Renée Trökes nach Ibiza. Dort entstanden zahlreiche Inselbilder, oft topographischen Charakters. Er wurde im selben Jahr Preisträger beim Hallmark-Wettbewerb in New York. 1954 wurde der Sohn des Ehepaares Trökes, Jan Manuel, geboren. 1955 unternahm er eine große Spanienrundreise u. a. nach Madrid, Alicante und Toledo. Ebenfalls 1955 erhielt er den Deutschen Kritikerpreis und Lehrangebote der Kunsthochschulen und -akademien in Berlin, Karlsruhe, Zürich, Stuttgart und Frankfurt, die er aber nicht annahm. Im Jahr 1955 war Heinz Trökes Teilnehmer der documenta 1 in Kassel. (Er nahm auch im Jahr 1959 (documenta II) und 1964 (documenta III) teil.)
1956 unternahm er Reisen von Ibiza nach Andalusien und Marokko. Im selben Jahr erhielt er den Berliner Kunstpreis. Von 1956 bis 1958 leitete er die Abteilung für Freie Graphik an der Staatlichen Hochschule für bildende Kunst in Hamburg. Es entstanden Lithographien und Radierungen. 1957 zeigte er auf der Triennale in Mailand ein Mosaik. 1958 unternahm er eine dreimonatige Reise nach Ceylon und besuchte u. a. Kairo, Dschibuti, Aden und Bombay. Auf einer Gummiplantage entstanden Aquarelle für den 1959 erschienenen Band Singhalesische Miniaturen. Es folgte seine Teilnahme an der Biennale di Venezia. Auf der Interbau in Berlin-Hansaviertel 1957, realisierte er für die Kaiser-Friedrich-Gedächtnis-Kirche ein Glasfenster. Dann war seine Rückkehr nach Ibiza.
1959 bis 1960 lebte Trökes mit Familie auf der Insel Ägina in Griechenland. Nach der starken Farbigkeit der Pariser und Ibiza-Jahre entstanden im differenzierten Licht Griechenlands und noch bis 1966 stille Bilder in reduzierten und atmosphärischen Farben. Es erfolgten Reisen nach Kreta, Rhodos, auf dem Peloponnes und nach Istanbul. 1960 bis 1961 ging es über Berlin, Wameln (Radierungen Wamelner Folge), Paris und Barcelona zurück nach Ibiza. In dieser Zeit entstanden drei Gobelin- bzw. Teppichentwürfe (Ausführung durch die Firma Anker-Teppiche, Düren).
Als Mitglied des Deutschen Künstlerbundes beteiligte sich Heinz Trökes zwischen 1952 und 1971 an sieben großen DKB-Jahresausstellungen, darunter auch an der Wanderausstellung 1961 in Belgien. (abgerufen am 16. Mai 2016) Ab 1961 war Trökes ordentliches Mitglied der Akademie der Künste, Berlin. Ab 1962 bis 1965 hielt er sich in wechselndem Turnus auf Ibiza und in Stuttgart auf, dort folgte er, berufen 1961, einer Lehrtätigkeit an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste. 1964 unternahm Trökes ausgedehnte Reisen durch Lateinamerika: Curaçao, Caracas, Peru, Bolivien, Ecuador, Kolumbien, Panama, Guatemala, Mexiko und New York. Im Anschluss daran entstand der 1965 erschienene Bildband Eldorado. Trökes gewann den Karl-Ströher-Preis der 1. Internationale der Zeichnung, Darmstadt und hatte eine Einzelausstellung im Museo de Bellas Artes, Caracas.
Im Jahr 1965 erhielt Trökes den Ruf an die Hochschule für bildende Künste, heute Universität der Künste Berlin, wo er bis 1978 lehrte. Seitdem lebte er wieder in Berlin, und weiterhin auch auf Ibiza. Er gestaltete Kirchenfenster in Leonberg bei Stuttgart. Ausgedehnte Reisen führten ihn durch Nord- und Südspanien, nach Madrid und Marokko. 1966 experimentierte Trökes mit Georg Muche an einem Helio-Klischographen in Kassel, um elektrisch gesteuerte Drucke herzustellen. Die stillen Bilder wurden durch starkfarbige abgelöst. 1967 gab es ausgedehnte Reisen nach Argentinien, Brasilien und Senegal. Eine Einzelausstellung fand im Lehmbruck-Museum, Duisburg statt. 1968 machte er LSD-Malversuche mit Dr. Hartmann, München. Er wurde Ehrenmitglied der Accademia Internazionale „Tommaso Campanella“ die Lettere-Arti-Scienze, Rom.
Von 1968 bis 1970 entstanden 64-farbige Illuminationen zur achtbändigen Gesamtausgabe des Crébillon. 1969 erfolgten Reisen nach Kuba und Dänemark, 1970 nach Äthiopien, Ankara und Anatolien. 1971 kam die Ablösung der vielfarbigen und oft großformatigen Bilder durch zweifarbige, kleinere Formate. Trökes unternahm seine zweite Äthiopien- und zweite Südamerika-Reise nach Bolivien, Peru, Panama, Honduras, Guatemala, Mexiko. 1972 gab er ein Seminar für freie Malerei an der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg. Er unternahm Reisen nach Tunesien, Algerien, Zentral-Sahara. Ab 1973 entstanden Schwarzweiß-Collagen und Chinatuschen und mehrere Skizzenbücher.
Ab 1974 bis 1975 folgten Experimente mit Gold. Einen viermonatige Asien-Reise ging nach Ceylon, Burma, Thailand, Malaysia, Indonesien, Nepal, Indien, Pakistan, Afghanistan und Iran. 1976–1977 schuf er Chinatuschen, Farbradierungen und vornehmlich Aquarelle. Weitere vier Monate war er auf Weltreise: Israel, Thailand, Bali, Australien, Süd-Pazifik, Chile und Argentinien. Er hielt Vorträge im Tel-Aviv-Museum und im Israel-Museum in Jerusalem über „Kunst in Deutschland unter Hitler und danach“. Eine weitere Reise führte in den Südjemen und zu den Lehmhochhäusern im Wadi Hadramaut. 1978 wurden drei Gobelin-Entwürfe gefertigt, mit Ausführung durch die Fränkische Gobelin-Manufaktur. Auf Ibiza entstanden neue Ölbilder, in Berlin weitere Skizzenbücher. Es folgten die Beendigung der Lehrtätigkeit an der Hochschule der Künste Berlin und eine Ägypten-Reise.
Ab 1981 entstanden zahlreiche quadratische Bilder mit gewischten und lasierten Hintergründen. Ab ca. 1990 malte Trökes heitere 50 × 50 cm Bilder im Format, die seine gesamte zeichnerische und malerische Erfahrung nochmals bündeln und eine große formale Freiheit ausdrücken. Am 15. August 1993 wurde Heinz Trökes anlässlich seines achtzigsten Geburtstages durch den Oberbürgermeister Josef Krings die Mercatorplakette der Stadt Duisburg verliehen.rp-online.de: Ringen um angemessene Würdigung. (abgerufen am 16. Mai 2016) Am 1. April 1997 starb Renée Trökes und am 22. April Heinz Trökes in Berlin. Sie wurden gemeinsam auf dem Waldfriedhof Zehlendorf beigesetzt.
Werke (Auswahl) mini|hochkant|Glasmosaik für die Hamburger Katharinenschule (1957) Die Mondkanone (Berlin, Berlinische Galerie – Landesmuseum für moderne Kunst, Photographie und Architektur), 1946; Öl auf Leinwand Landschaft danach, 1946; Öl auf Leinwand, Chicago Museum Die blinde Stadt, 1949; Öl auf Leinwand Sphärische Kontraste, 1948; Öl auf Leinwand, Neue Nationalgalerie, Berlin Am Mars, 1948; Öl auf Leinwand, Neues Museum, Weimar In der Luft und im Wasser, 1950; Öl auf Leinwand, The Busch-Reisinger Museum/Harvard Art Museums, Cambridge, USA Zwischen Wolken und Kristallen 1951; Öl auf Leinwand. Buffalo AKG Art Museum, Buffalo, USA Eroberte Stadt, 1953 Echo, 1954; Öl auf Leinwand, Lehmbruck-Museum, Duisburg Für Artisten, 1954; Öl auf Leinwand, Sprengel Museum Hannover Wunschbild für Geologen, 1956; Öl auf Leinwand, Neue Nationalgalerie, Berlin Glasmosaik in der Katharinenschule, Hamburg-Hafencity. Anfertigung: Puhl & Wagner. Ursprünglich für die XI. Triennale, Mailand.1958/59 vom Senat Hamburg angekauft und 2009/10 von der Münchner Hofmanufaktur restauriert und umgesetzt. Vormaliger Standort: Volksschule an der Katharinenkirche. Lettern einer Schrift; Radierung auf Bütten, 1960. Museum of Modern Art, New York, USA Goldadern, 1961; Öl auf Leinwand, Wallraf-Richartz-Museum, Köln (Museum Ludwig) Tage Nacht Buch; 1963; Verlag der Spiegel, Köln, lim. Edition Ein Bilderbuch von Amerika, 1965 Augenreise, 1968; Rembrandt Verlag, Berlin - Library of Congress, Washington
Ausstellungen (Auswahl) 1949: Einzelausstellung im Kaiser-Wilhelm-Museum, Krefeld. Beteiligung an der Ausstellung „Kunst in Deutschland 1930–1949“, Zürich 1952: Einzelausstellung in der Galerie Jeanne Boucher, Paris 1953: Einzelausstellungen im Museum von der Heydt, Wuppertal, und im Städtischen Museum, Braunschweig, Beteiligung an der 2. Biennale von São Paulo 1954: Ausstellungsbeteiligung: „duitse kunst na 1945“, Amsterdam, Stedelijk Museum 1955: Einzelausstellungen im Städtischen Kunstmuseum, Duisburg, und in der Galerie Buchholz, Madrid. 1955: Beteiligung an der documenta I, Kassel 1956: Einzelausstellungen im Haus am Waldsee, Berlin, und im Kunstverein Hamburg 1957: Einzelausstellung in der Galerie Henning, Halle/Saale (Ölbilder, Aquarelle, Lithographien, Federzeichnungen) 1959: Teilnahme an der documenta II, Kassel 1964: Teilnahme an der documenta III, Kassel 1965: Einzelausstellungen in den Kunstvereinen von Pforzheim, Mannheim und Oldenburg 1966: Einzelausstellung im Museu de Arte Moderna do Rio de Janeiro 1969: Einzelausstellung im Wilhelm-Morgner-Haus Soest