Niederkappel ist eine Gemeinde in Oberösterreich im Bezirk Rohrbach im oberen Mühlviertel mit Einwohnern (Stand ). Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Rohrbach.

Geographie mini|hochkant|Blick auf die Donau. Niederkappel liegt auf einer Höhe von im südlichen Randbereich des Bezirks Rohrbach im oberen Mühlviertel. Bezogen auf die naturschutzfachliche Raumgliederung gehört das Gemeindegebiet überwiegend in der Raumeinheit Zentralmühlviertler Hochland, der südliche Abschnitt hingegen in der Raumeinheit Zentralmühlviertler Hochland. Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 6,2 und von West nach Ost 6,3 Kilometer, die Gesamtfläche umfasst  Quadratkilometer. Niederkappel liegt damit im oberen Mittelfeld der Gemeinden des Bezirks. Mit 43 Einwohnern pro km² war Niederkappel 2013 die Gemeinde mit der sechstniedrigsten Bevölkerungsdichte im Bezirk. Das Gemeindegebiet erstreckt sich über eine durchschnittliche Höhe zwischen 500 und 600 Meter,Land Oberösterreich: Naturraumkartierung Oberösterreich. Landschaftserhebung Niederkappel. Endbericht. Kirchdorf an der Krems 2006 (). 2001 waren 29,8 Prozent der Gemeindefläche bewaldet, 59,6 Prozent der Fläche wurden landwirtschaftlich genutzt. Im Vergleich mit dem Bundesland Oberösterreich ist Niederkappel damit weniger bewaldet als der Landesschnitt (Oberösterreich: 38,3 Prozent) bzw. besteht mehr landwirtschaftliche Nutzfläche (Oberösterreich: 49,3 Prozent). Der Anteil sonstiger Nutzungen (Bauflächen, Gärten, Gewässer und anderes) liegt mit 10,6 Prozent deutlich hinter dem Oberösterreichischen Durchschnitt von 13,8 Prozent. Nachbargemeinden sind Hofkirchen im Mühlkreis im Südwesten, Putzleinsdorf im Westen und Nordwesten, Lembach im Mühlkreis im Nordosten, Altenfelden im Osten und Kirchberg ob der Donau im Südosten. Im Süden verläuft die Bezirksgrenze zum Bezirk Eferding, wo Niederkappel an die Gemeinde Haibach ob der Donau grenzt.

Geologie und Böden Die Landschaft des Gemeindegebietes ist ein Teil der Böhmischen Masse die auf ein sehr altes Gebirge zurückgeht, dass durch die Variszische Gebirgsbildung im Paläozoikum (Karbon) entstand. Nach der starken Erodierung des ehemaligen Hochgebirges kam es während der Alpidischen Gebirgsbildung im Tertiär zur Aufhebung des kristallinen Grundgebirges um mehrere 100 Meter, wodurch Brüchen und Störungen entstanden. In weiterer Folge kam es im Tertiär und Quartär zur Ablagerung von Sedimenten. Der dominante Bodentyp in der Gemeinde ist silikatische Braunerde. Je nach Hanglage bestehen mittel- bis tiefgründige, reife Böden die nährstoffarm sind aber auf Grund ihres ausgeglichenen Wasserhaushaltes als ertragssicher gelten. Bei Vernässungen, Feuchtwiesen oder entlang von Fließgewässern besteht zudem Gley, der sich für Grünlandbewirtschaftung eignet, in höheren Waldplateaulagen treten auch Podsolierungserscheinungen auf.

Landschaft und Vegetation Der Großteil des Gemeindegebietes entfällt auf ein reliefiertes Kuppenland mit wechselnder Ausstattung von Landschaftselementen, wobei das Gebiet hauptsächlich von Nordwesten nach Südosten hin langsam abfällt und durch zahlreiche Kuppen und Mulden strukturiert ist. Es handelt sich hierbei um ein landwirtschaftlich mehr oder weniger intensiv geprägtes Gebiet mittlerer Höhenlagen, wobei zudem kleinere und größere Waldflächen über das Gebiet verstreut liegen. Größtenteils handelt es sich dabei um forstlich stark geprägte Fichtenreinbestände, in geringem Ausmaß auch um laubholzreiche Teilflächen (insbesondere Buchen). In der Landwirtschaft dominiert gemischte Acker- und Grünlandwirtschaft mit leichtem Grünland-Schwerpunkt. Im Süden des Gemeindegebiets liegen die bewaldeten Donauanhänge, die von naturnahen, steilen Hangwäldern dominiert sind. Größtenteils handelt es sich um naturnahe Eichen-Hainbuchenwälder, auf den Oberhängen bestehen teilweise auch fichtendominierte Bestände. Das Gebiet ist großteils als Natura 2000 Gebiet geschützt. Eine Besiedelung besteht hier nur im schmalen Talboden der Donau. An der Ostgrenze des Gemeindegebiets liegt die Kleine Mühl, die hier steile Hang- und Schluchtwälder ohne Besiedelung ausgebildet hat. Im Südteil des Gebiets bestehen Fichten-Tanne-Buche-Wälder, wobei im Schluchtwaldbereichen Eschen, Bergahorn und Bergulmen sowie in den tieferen Lagen auch Eichen und Hainbuchen vorkommen. Der Norden ist hier verstärkt forstlich von Fichten geprägt. Insgesamt von besonderer naturschutzfachlicher Bedeutung sind die naturnahen Hangwälder des Donautales, wobei sich hier gefährdete Arten und Gesellschaften wie Smaragdeidechsen und artenreiche Traubeneichen-Hainbuchenwälder halten konnten.

Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst folgende Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):

Nachbargemeinden

Geschichte mini|hochkant|In Niederkappel gefundene Pfeilspitze aus der Jungsteinzeit.

Frühgeschichte und Römerzeit Funde aus der jüngeren Steinzeit weisen auf eine frühe Besiedelung des Gemeindegebietes hin. So wurden in den Jahren 1935 und 1936 fünf Flachbeile aus dieser Epoche auf dem Gemeindegebiet gefunden, die dem Landesmuseum Linz übergeben wurden. Fünf weitere Steinbeile aus Porphyrit bzw. Serpentinit fand man zwischen 1982 und 1985 in Niederkappel, Weikersdorf, Lampersdorf und Klotzing. Sie werden im Schulhaus von Niederkappel aufbewahrt. Von Christi Geburt bis etwa 400 nach Christus bildete die Donau die Grenze zwischen den Römern im Süden und den germanischen Markomannen im Norden. Nach dem Einfall der Heruler im Jahr 480 zogen die Römer aus dem Donauraum ab.

Um 2005 wurde bei Niederkappel ein knapp 5 cm großes geschliffenes Beil gefunden, das 2015 beforscht wurde. Es stammt aus der Jungsteinzeit, besteht aus Jade (Nephrit), möglicherweise aus Zederhaus an der Mur, Steiermark, und könnte als Statussymbol gedient haben.https://ooe.orf.at/news/stories/2749874/ Jadebeil aus der Jungsteinzeit entdeckt, orf.at, 29. Dezember 2015, abgerufen am 29. Dezember 2015.

Mittelalter Bayrische Siedler begannen ab dem 9. Jahrhundert mit der Besiedelung des Mühlviertels ausgehend von der Donau. Die Besiedelung war anfangs noch spärlich, erst um 1100 begann die Urbarmachung und Besiedelung des sogenannten Nordwaldes, einem damals nahezu undurchdringlichen Waldlandes zwischen der Mühl und der Ranna.Johann Altendorfer (Hrsg.): 650 Jahre Markt Hofkirchen im Mühlkreis. Hofkirchen einst und jetzt. Marktgemeinde Hofkirchen 1985, S. 15. Das Land zwischen Illz, Rodl, Böhmerwald und Donau war dabei 1010 von König Heinrich II. de, Passauer Benediktinerkloster Niedernburg geschenkt worden, woraufhin niederbayrische Adelsgeschlechter sich in diesem Raum niederließen und die Rodung immer neuer Gebiete leiteten. Um 1150 erfolgte die erste Nennung des Ortes als „Capella“, bis 1220 erlangte der Bischof von Passau alle Rechte an diesem Gebiet. Zwar kam die Region im 14. Jahrhundert unter österreichische Oberhoheit, dennoch blieb es auch passauisches Reichslehen und Teil des Reichsfürstentums Bistum Passau. „Chapelle“ (Niederkappel) wurde 1256 im Ilzstädtischen Landtag (Vertrag) ebenso wie Lembach, Hofkirchen, Putzleinsdorf, Sarleinsbach und Rohrbach als passauischer Gerichtssitz erwähnt, wobei etwa zur gleichen Zeit Ulrich von Capellen das Schloss Kappell (heute der Pfarrhof von Niederkappel) sowie eine Taverne (das ehemalige Gasthaus Pühringer) errichtet wurde. Spätere Besitzer des Schlosses waren die Raspen und um 1470 die Ruestorfer. Der Name Niederkappel findet sich erstmals 1397 als „Nidern Chappeln“ in den Urkunden, wobei sich die Unterscheidung zwischen Ober- und Niederkappel auf die Lage der Kapellen am Lauf der Donau orientiert. Dabei war die Kapelle von Niederkapell von Passau aus gesehen die untere Kapelle. Um 1400 erhielt Niederkappel eine kleine gotische Kirche, die bis 1890 bestand. Um 1500 errichtete die Kirche zudem ein einklassiges Schulhaus im Ort.

Frühe Neuzeit Mitte des 16. Jahrhunderts erwarb das Adelsgeschlecht der Rödern von den Ruestorfern die passauischen Lehensgüter und damit auch das Schloss und die Taverne in Niederkappel. Somit wurde 1562 Niederkappel Teil der Herrschaft Berg bei Rohrbach, wo die Rödern ihren Stammsitz hatten. Die Rödern blieben bis 1764 Eigentümer dieser Güter. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts verstärkte sich der Einfluss der Reformation im Oberen Mühlviertel und immer mehr der katholischen Priester wurden aus den Pfarren vertrieben. Der katholische Vikar Hans Werndl in Niederkappel trat hingegen 1595 zum protestantischen Glauben über rund wurde von den ebenfalls protestantischen Rödern als evangelischer Prediger eingesetzt. Gleichzeitig legte die hohen Abgaben der Bauern den Grundstein für soziale Unruhen. Werndl übersiedelte nach St. Peter und wurde Anführer der aufständischen Bauern, die im Juli 1595 durch das westliche Mühlviertel zogen. Die Handlungen im Mühlviertel erfolgten im Rahmen des Zweiten oberösterreichischen Bauernaufstandes, wobei der Kaiser im Sommer 1597 Soldaten unter Gotthard von Starhemberg nach Haslach entsandte. Er forderte die Pfarren auf, dem reformatorischen Glauben abzuschwören und die Waffen abzugeben, woraufhin die Pfarren nach und nach aufgaben. Nachdem Kaiser Ferdinand II Oberösterreich an Kurfürst Max II. von Bayern verpfändet hatte, wurde Adam von Herberstorff als Statthalter eingesetzt, der die Gegenreformation im Mühlviertel vorantrieb. Er ließ zwischen 1624 und 1625 alle evangelischen Schullehrer und Prediger vertreiben. Gegen die bayrischen Pfandherren regte sich jedoch rasch Widerstand und im Mai 1626 kam es nach einem Streit zwischen Bauern und bayrischen Soldaten zu einem offenen Aufstand gegen die Bayern, aus dem sich der Oberösterreichische Bauernkrieg entwickelte. Am 8. Oktober 1626 gelangte der Bäckermeister David Spatt aus Haibach mit Aufständischen Bauern nach Niederkappel, die das Schloss und die Taverne niederbrannten. Noch im selben Monat konnten die kaiserlichen Truppen jedoch den Bauernaufstand niederschlagen und Graf Rödern ließ in der Folge Schloss und Taverne wiedererrichten. Nachdem es zwischen 1626 und 1633 keinen Gottesdienst gegeben hatte, trat 1633 wieder ein katholischer Vikar seinen Dienst an. Bereits im Folgejahr wütete jedoch die Pest in Niederkappel, die ausgehend von Grafenau zwischen August und Oktober 1634 rund 100 Menschen das Leben kostete.

Niederkappel im 18. und 19. Jahrhundert 1755 brannten bei einem Großbrand 13 von 20 Häuser in Niederkappel nieder. Unter Kaiser Joseph II. wurden im Zuge einer Steuerreform die Katastralgemeinden und der Grundsteuerkataster eingeführt, wobei auf dem heutigen Gemeindegebiet die Katastralgemeinden Niederkappel und Witzersdorf entstanden. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts durchquerten französische Truppen in den Jahren 1800, 1805 und 1809 drei Mal das Mühlviertel, was den Bewohnern von Niederkappel durch die Einquartierung und Versorgung der Soldaten große Entbehrungen aufbürdete. Auf Grund der hohen Reparationszahlungen Österreichs an die Franzosen musste auch die Kirche drei Kelche und eine Monstranz an den Kaiser abliefern, während durch die Abtretung eines Teils des Hausrucksviertels an Bayern Niederkappel eine Zeit direkt an Bayern grenzte. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die heutigen politischen Gemeinden gegründet, wobei auf dem heutigen Gemeindegebiet von Niederkappel die Gemeinden Niederkappel und Witzersdorf entstanden. Gemeinsam mit den umliegenden Gemeinden bildeten die beiden Gemeinden ab 1850 den Gerichtsbezirk Lembach, der 1868 Teil des Bezirks Rohrbach wurde. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es auch zu wichtigen Investitionen in die Infrastruktur der Gemeinde. Bereits 1832 war ein neues Schulgebäude errichtet worden, 1853 kam es zum Bau der ersten Wasserleitung. In weiterer Folge gründete man 1858 den Brandschadenversicherungsverein, 1872 eröffnete ein Postamt. Zudem wurde 1881 die Freiwillige Feuerwehr gegründet und 1890 mit dem Bau der neuen Pfarrkirche begonnen. Zudem wurde 1894 die Raiffeisenkasse Niederkappel gegründet.