Die Kugelige Teufelskralle (Phyteuma orbiculare) ist eine Pflanzenart, die zur Gattung der Teufelskrallen (Phyteuma) in der Familie der Glockenblumengewächse (Campanulaceae) gehört.
Beschreibung mini|Illustration aus Choix de plantes de l'Europe centrale et particulièrement de la Suisse et de la Savoie, Tafel 107 mini|Blütenstand
Vegetative Merkmale Die Kugelige Teufelskralle ist eine krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 5 bis 50 Zentimetern erreicht. Die in einer Rosette angeordneten Grundblätter sind lang gestielt, ihr Stiel ist oft länger als die Spreite. Diese ist eiförmig bis lanzettlich, in oder unter der Mitte am breitesten und gezähnt. Die oberen Stängelblätter sind eilanzettlich bis linealisch, die obersten sind spitzend. Die Blätter sind meist kahl, selten nur zerstreut behaart.
Generative Merkmale Die Blütezeit reicht von Mai bis Juli. Die köpfchenförmigen Blütenstände weisen einen Durchmesser von 1,5 bis 3 Zentimetern auf und enthalten meist 15 bis 30 Blüten. Die äußeren Hüllblätter sind eilanzettlich und meist zwei- bis viermal so lang wie breit. Die Hüllblätter haben einen breiten, abgerundeten Grund, sind lang zugespitzt, ganzrandig oder am Grund gezähnt und etwa so lang wie der Radius des Kopfes. Die zwittrigen Blüten sind fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die Blütenkrone ist blau; die Kronröhre ist 10 bis 15 Millimeter lang und vor dem Aufblühen gegen die Kopfmitte gekrümmt.
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 22.
mini|Habitus im Habitat
Vorkommen Die Kugelige Teufelskralle ist in Europa in den Baltischen Staaten, in der Ukraine, im ehemaligen Jugoslawien, in der ehemaligen Tschechoslowakei, in der Schweiz, in Österreich, Deutschland, Spanien, Frankreich, Italien, Albanien, Griechenland, Süd-England (South Downs), Belgien, Ungarn, Polen, Rumänien und in Belarus verbreitet.
Diese kalkliebende Pflanze ist häufig auf Magerrasen, Flachmoorwiesen, in Föhrenwäldern in Europa von den Pyrenäen bis zum Balkan. Die Kugelige Teufelskralle ist bis in Höhenlagen von 2400 Metern anzutreffen. In den Allgäuer Alpen steigt sie in Bayern an der Hochgundspitze nahe dem Rappensee bis zu einer Höhenlage von 2450 Metern auf. In Österreich kommt sie in allen Bundesländern häufig vor. Sie kommt vor in Gesellschaften der Ordnung Seslerietalia albicantis und auch in denen der Verbände Mesobromion oder Molinion.
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt & al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3w (mäßig feucht aber mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 2+ (unter-subalpin und ober-montan), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).
Taxonomie und Systematik Die Erstveröffentlichung von Phyteuma orbiculare erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum Band 1 Seite 170. Synonyme für Phyteuma orbiculare sind: Rapunculus orbicularis , Rapunculus sylvestris , Phyteuma cordifolium , Phyteuma ellipticifolium , Phyteuma lanceolatum , Phyteuma inaequatum , Phyteuma brevifolium , Phyteuma fistulosum , Phyteuma angustatum , Phyteuma corsicum nom. inval., Phyteuma bovelinii , Phyteuma hispidum , Phyteuma longifolium , Phyteuma michelii nom. illeg., Phyteuma pseudorbiculare , Phyteuma ellipticifolium var. pauciflorum , Phyteuma pilosum nom. superfl., Phyteuma austriacum , Phyteuma obtusifolium , Phyteuma hispanicum , Phyteuma delphinense , Phyteuma montanum nom. illeg., Phyteuma pancicii , Phyteuma sallei , Phyteuma scorzonerifolium var. eynense , Phyteuma eynense , Phyteuma orbiculare var. ellipticum , Phyteuma orbiculare var. lanceolatum , Phyteuma orbiculare var. comosum , Phyteuma orbiculare var. camerarii , Phyteuma orbiculare var. bracteosum , Phyteuma orbiculare var. columnae , Phyteuma orbiculare var. cordifolium , Phyteuma orbiculare var. decipiens , Phyteuma orbiculare var. giganteum nom. illeg., Phyteuma orbiculare var. brevifolium nom. superfl., Phyteuma orbiculare var. fistulosum , Phyteuma orbiculare var. cordatum nom. superfl., Phyteuma orbiculare var. alpinum , Phyteuma orbiculare var. cordatum nom. illeg., Phyteuma orbiculare var. ellipticifolium nom. superfl., Phyteuma orbiculare var. inaequatum , Phyteuma orbiculare var. pseudorbiculare , Phyteuma orbiculare var. angustifolium , Phyteuma orbiculare var. carpaticum , Phyteuma orbiculare var. exinvolucratum , Phyteuma orbiculare var. hungaricum , Phyteuma orbiculare var. liguricum , Phyteuma orbiculare var. patens , Phyteuma orbiculare var. suffultum , Phyteuma orbiculare var. vulgare , Phyteuma orbiculare var. montanum , Phyteuma orbiculare var. pratense , Phyteuma orbiculare var. ciliata , Phyteuma orbiculare subsp. cinerascens , Phyteuma orbiculare subsp. cordatum , Phyteuma orbiculare subsp. decipiens , Phyteuma orbiculare subsp. ellipticum , Phyteuma orbiculare subsp. lancifolium , Phyteuma orbiculare subsp. fistulosum , Phyteuma orbiculare subsp. ellipticifolium nom. superfl., Phyteuma orbiculare subsp. lanceolatum , Phyteuma orbiculare subsp. austriacum , Phyteuma orbiculare subsp. delphinense , Phyteuma orbiculare subsp. depauperatum , Phyteuma orbiculare subsp. flexuosum nom. illeg., Phyteuma orbiculare subsp. montanum , Phyteuma orbiculare subsp. anglicum , Phyteuma orbiculare subsp. ibericum , Phyteuma orbiculare subsp. pratense . Bei WCSP sind keine Subtaxa akzeptiert.
Bei manchen Autoren werden 2 Unterarten unterschieden: Phyteuma orbiculare subsp. orbiculare: Hüllblättger eiförmig-lanzettlich, so lang oder länger als das Köpfchen. Phyteuma orciculare subsp. tenerum : Hüllblätter schmal dreieckig, kürzer als das Köpfchen. Sie kommt vor allem in Südwesteuropa vor.
Verwendung Die Kugelige Teufelskralle fand stellenweise als Wildgemüse Verwendung.
Literatur
Einzelnachweise
Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 560. Rafaël Govaerts (Hrsg.): Datenblatt bei World Checklist of Selected Plant Families des Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. Letzter Zugriff am 12. April 2016.
Gerald Parolly: Campanulaceae. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024. ISBN 978-3-494-01943-7. S. 750.
Weblinks
Thomas Meyer: Teufelskralle Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).
Kategorie:Teufelskrallen Kategorie:Alpenflora