mini|Henry Charlton Bastian Bedeutung Kinästhesie bedeutet Bewegungsempfindung und ist als „Fähigkeit, Bewegungen der Körperteile unbewusst zu kontrollieren und zu steuern“Duden: Das Fremdwörterbuch. Leipzig/Mannheim 2005, ISBN 3-411-04058-0, S. 928. definiert. Die Wortschöpfung kinaesthesis – eine Kombination der beiden altgriechischen Wörter und – geht zurück auf den britischen Neurologen Henry Charlton Bastian, der um 1880 anregte, damit den Bewegungssinn (Sense of Movement → Kinaesthesis) und ein für die Verarbeitung von Bewegungsempfindungen zuständiges Gehirnareal (Sense of Movement Centre → Kinaesthetic Centre) zu bezeichnen.Kinaesthesis. In: Henry Charlton Bastian: The brain as an organ of mind. Keagan Paul, London 1880, (Zugriff: 16. Juni 2024)
Begriffsverwendung In der Sinnesphysiologie wird der Begriff Kinästhesie benutzt, um eine der drei Sinnesmodalitäten der Propriozeption – den Bewegungssinn – zu bezeichnen (neben Lagesinn und Kraftsinn).In der Fachliteratur wird auch auf die Bedeutung der vestibulären Wahrnehmung für die Propriozeption hingewiesen; z. B.: „Einen wichtigen Beitrag zur Propriozeption leistet das Vestibularorgan.“ In: R. Schmidt, H.-G. Schaible: Neuro- und Sinnesphysiologie. Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2006, ISBN 3-540-25700-4, S. 215. (online) Die Kinästhesie basiert auf Rezeptoren des Bewegungsapparates in Gelenken, Muskeln (Muskelspindeln) und Sehnen (Golgi-Sehnenorgane) und läuft zu großen Teilen unbewusst ab.Der Neurophysiologe Arthur Prochazka von der Universität Alberta stellt online ein interaktives Rezeptor Modell zur Verfügung, welches eindrucksvoll die Frequenzen der Aktionspotentiale von Muskelspindeln und Golgi-Sehnenorganen in Ruhe und unter Bewegung darstellt. Die enorme Kapazität der kinästhetischen Sinnesorgane wird deutlich.
In der Kinästhetik – wie auch in der Psychologie, Pädagogik und Pflegewissenschaft – werden Bezeichnungen wie kinästhetische Wahrnehmung, kinästhetischer Sinn oder kinästhetisches Sinnessystem häufig als Synonyme für die Propriozeption bzw. Tiefensensibilität an sich, also als Sammelbegriffe für Lage-, Kraft- und Bewegungssinn verwendet.„Der kinästhetische Sinn liefert ständig sensorische Rückmeldungen, was der Körper während motorischer Aktivitäten tut. Ohne ihn wären wir nicht in der Lage, die meisten Willkürbewegungen zu koordinieren.“ In: P. G. Zimbardo, R. J. Gerrig: Psychologie. 18., aktualisierte Auflage. Pearson Studium, München 2008, ISBN 978-3-8273-7275-8.
In Verbindung mit der taktilen Wahrnehmung sind auch die Begriffe taktil-kinästhetischer Sinn und taktil-kinästhetisches Sinnessystem gebräuchlich.
Weblinks
U. Proske, S. C. Gandevia: The kinaesthetic senses. Topical Review. In: The Journal of Physiology. 587.17 2009, S. 4139–4146 (Zugriff: 7. Juni 2013) J. Rosker, N. Sarabon: Kinaesthesia and Methods for its Assessment. Literature Review. In: Sport Science Review. Band XIX, Heft 5–6, S. 165–208 (Zugriff: 7. Juni 2013)
Einzelnachweise
Anmerkungen
Kategorie:Wahrnehmung Kategorie:Pflege