Der Rhein-Sieg-Kreis ist eine Gebietskörperschaft mit Einwohnern () im Süden des Landes Nordrhein-Westfalen. Kreisstadt ist Siegburg, die bevölkerungsreichste Gemeinde ist die Stadt Troisdorf. Der Kreis ist in Bezug auf die Einwohnerzahl nach der Region Hannover und dem Kreis Recklinghausen der drittgrößte Landkreis Deutschlands. Der Rhein-Sieg-Kreis gehört zur Region Köln/Bonn, zur Metropolregion Rheinland und teilweise zur Metropolregion Rhein-Ruhr. Er umgibt die kreisfreie Bundesstadt Bonn fast vollständig und bildet mit ihr und dem rheinland-pfälzischen Landkreis Ahrweiler den Arbeitskreis Bonn/Rhein-Sieg/Ahrweiler. Der Kreis wird vom Rhein geteilt.
Geographie Gemeinden
Der Rhein-Sieg-Kreis umfasst die nachfolgend genannten 19 Städte und Gemeinden.
+ Gemeinden im Rhein-Sieg-Kreis (Einwohnerzahlen am ) Name Einwohner Flächein km² Einwohnerje km² Status Amtlicher Gemeinde-schlüssel Alfter kreisangehörige Gemeinde 05 382 004 Bad Honnef mittlere kreisangehörige Stadt 05 382 008 Bornheim mittlere kreisangehörige Stadt 05 382 012 Eitorf kreisangehörige Gemeinde 05 382 016 Hennef (Sieg) mittlere kreisangehörige Stadt 05 382 020 Königswinter mittlere kreisangehörige Stadt 05 382 024 Lohmar mittlere kreisangehörige Stadt 05 382 028 Meckenheim mittlere kreisangehörige Stadt 05 382 032 Much kreisangehörige Gemeinde 05 382 036 Neunkirchen-Seelscheid kreisangehörige Gemeinde 05 382 040 Niederkassel mittlere kreisangehörige Stadt 05 382 044 Rheinbach mittlere kreisangehörige Stadt 05 382 048 Ruppichteroth kreisangehörige Gemeinde 05 382 052 Sankt Augustin mittlere kreisangehörige Stadt 05 382 056 Siegburg mittlere kreisangehörige Stadt 05 382 060 Swisttal kreisangehörige Gemeinde 05 382 064 Troisdorf große kreisangehörige Stadt 05 382 068 Wachtberg kreisangehörige Gemeinde 05 382 072 Windeck kreisangehörige Gemeinde 05 382 076 Gesamt (19) Rhein-Sieg-Kreis 05 382 mini|Das Siegtal
Nachbarkreise/-städte Der Rhein-Sieg-Kreis grenzt, im Norden beginnend im Uhrzeigersinn, an die kreisfreie Stadt Köln, den Rheinisch-Bergischen und an den Oberbergischen Kreis (alle in Nordrhein-Westfalen), an die Landkreise Altenkirchen (Westerwald), Neuwied und Ahrweiler (alle in Rheinland-Pfalz) sowie an den Kreis Euskirchen und den Rhein-Erft-Kreis in Nordrhein-Westfalen. Die kreisfreie Bundesstadt Bonn wird fast vollständig vom Kreisgebiet umschlossen und grenzt im äußersten Süden an Rheinland-Pfalz.
Räumliche Gliederung mini|Das Weinbaugebiet im Siebengebirge, das nördlichste der alten Bundesländer mini|Bachlauf in Eitorf, das Ottersbachtal mini|Der „Aalschokker Aranka“ auf dem Rhein zwischen Bad Honnef und Insel Grafenwerth mit Blick zum Drachenfels (Siebengebirge)
Der Rhein-Sieg-Kreis ist aus topographischer Sicht äußerst differenziert. Grund hierfür ist die Lage zwischen dem Rheinischen Schiefergebirge und der Köln-Bonner Bucht. Der Kreis hat Anteil an den Landschaftsräumen Bergisches Land, Westerwald, Siebengebirge, Eifel und Kölner Bucht.
Geprägt ist der Rhein-Sieg-Kreis daher auf der einen Seite von einer Mittelgebirgslandschaft (Siebengebirge, Drachenfelser Ländchen, Voreifel, Nutscheid, Leuscheid) und auf der anderen Seite von weiten flacheren Gebieten nahe den Flüssen Rhein und Sieg. Höchster Berg im Rhein-Sieg-Kreis ist der zum Siebengebirge gehörende Große Ölberg mit 461 Metern, der mit 43 Metern tiefste Punkt des Kreises findet sich im Niederkasseler Ortsteil Lülsdorf am Rhein. Auffällig aus topographischer Sicht sind die verschiedenen „Terrassen“ des Rheins, die im Laufe der Jahrmillionen in die Landschaft geschnitten wurden.
alt=Geländemodell und Topographie des Rhein-Sieg-Kreises mit Gemeindegrenzen (zusammengestellt mit QGIS aus offenen Geodaten das Landes Nordrhein-Westfalen)|mini|Geländemodell und Topographie des Rhein-Sieg-Kreises mit Gemeindegrenzen (zusammengestellt mit QGIS aus offenen Geodaten des Landes Nordrhein-Westfalen)
Die naturräumliche Gestalt schwankt zwischen Wiesen, Mischwäldern und Agrar- beziehungsweise Weideflächen. Die Waldfläche nimmt fast 29 Prozent des Kreisgebietes ein, die landwirtschaftliche Nutzfläche fast 43 Prozent. Kein anderer Kreis in Nordrhein-Westfalen hat mehr Obstwiesen.Rhein-Sieg-Rundschau v. 19. September 2022, S. 23: Sylvia Schmidt: „Mit Apfelsaft zurück“ Dem steht eine Siedlungsfläche von gut 25 Prozent gegenüber. Weitere knapp 2 Prozent der Kreisfläche sind Wasserfläche. Ebenso vielfältig ist die sozioökonomische Struktur des Rhein-Sieg-Kreises. Nahe den Großstädten Bonn und Köln hat die Suburbanisierung die Städte wie z. B. Sankt Augustin stark anwachsen lassen und diese urbaner geprägt. Dagegen herrscht in den weiter entfernten Gemeinden wie z. B. Much eher noch „ländliche Idylle“ vor und die Gemeindestruktur ist eher ländlich.
Naturparks In den Rhein-Sieg-Kreis ragen die Naturparke Bergisches Land, Rheinland und Siebengebirge. Mit 551, 334 und 38 Quadratkilometern Fläche im Kreis (gesamt 921 Quadratkilometer) sind somit 32,4 Prozent des Kreises Teil eines Naturparks. 2005 standen zudem 9,3 Prozent der Kreisfläche unter Naturschutz und 55,5 Prozent unter Landschaftsschutz. Seit dem 1. Dezember 2010 beteiligte sich der Rhein-Sieg-Kreis unter dem Projektnamen „chance7 – wir fördern Heimat“ an dem Bundesförderprogramm „chance.natur: Natur- und Kulturlandschaft zwischen Siebengebirge und Sieg“, das mit Bundes-, Landes- und Kreismitteln gefördert wurde. Dabei wurden auf einer Fläche von 12.000 Hektar Biotopverbundsysteme geschaffen. Das Projekt hatte eine Laufzeit von zwölf Jahren und ein Fördervolumen von 12,5 Millionen Euro. Daneben gibt es etliche FFH-Gebiete wie die Wahner Heide, die Siegaue und z. B. Steinbrüche (Grauwacke, Basalt, Kalk).
Geschichte mini|Die thüringische Burgruine Windeck, eine der vielen Burgen im Rhein-Sieg-Kreis mini|Im September blüht in der Wahner Heide die Besenheide.
Frühgeschichte Durch die Römer wurde Gallien erobert und der linksseitige Rhein gegen die freien Germanen rechts des Rheins befestigt. Hierbei entstand neben anderen die römische Garnisonstadt Bonn. Während die hiesigen Sugambrer durch römische Vorstöße vernichtend geschlagen wurden, siedelten sich andere germanische Stämme wie die Ubier später friedlich links des Rheines an und bekamen gegen Wehrdienste Land zugewiesen. Während der Römischen Kaiserzeit gehörte der heutige linksrheinische Teil des Rhein-Sieg-Kreises zur römischen Provinz Niedergermanien, während der rechtsrheinische Teil zum Gebiet des „freien Germaniens“ gehörte. Im 5. Jahrhundert wurden die Römer durch die Franken verdrängt. In dieser Zeit begann die Besiedlung des heutigen Kreisgebietes, später erfolgten die ersten Dorfgründungen und die Christianisierung. Im Mittelalter gehörte das heutige Kreisgebiet zunächst zum Bonngau und zum Auelgau, später zu verschiedenen Herrschaften. Linksrheinisch war das im Wesentlichen das Erzstift Köln, rechtsrheinisch die Grafen von Sayn mit den Burgen Löwenburg, Blankenberg und Windeck und vor allem die Herzöge von Berg. Daneben gab es noch zahlreiche Freiheiten für Klöster oder Freiherren, die in den einzelnen Kommunen näher erläutert sind. Ab 1794 wurde das linksrheinische Gebiet von Frankreich besetzt, von 1798 an gehörte der linksrheinische Teil des heutigen Kreises zum Rhein-Mosel-Département. Unter französischer Verwaltung wurden am 12. Dezember 1808 die Leibeigenschaft und am 11. Januar 1811 das Lehenswesen abgeschafft. Neben der Neueinteilung von Verwaltungsgebieten Kantone und Mairien kam es auch zur Einführung der Hausnummern und der bürgerlichen Personenstandsregister (1798 linksrheinisch, 1810 rechtsrheinisch).Theodor Rutt: Land an Sieg und Rhein – Geschichte-Kultur-Wirtschaft. Wissenschaftliches Archiv, Urkunde-Bild-Chronic GmbH, Bonn 1960. Der rechtsrheinische Teil gehörte von 1806 an zum Großherzogtum Berg.
1815–1945 Nach dem Wiener Kongress wurde das Rheinland Teil von Preußen; diese bildeten 1816, bezogen auf das heutige Gebiet des Rhein-Sieg-Kreises, zunächst die Kreise Rheinbach, Bonn, Siegburg, Uckerath und Waldbröl, die zur Provinz Jülich-Kleve-Berg und von 1822 an zur Rheinprovinz gehörten. 1820 wurden die Kreise Siegburg und Uckerath zum Kreis Siegburg mit Sitz in Siegburg vereinigt, 1825 in Siegkreis umbenannt. Am 3. Mai 1854 gründete Landrat Franz von Wülffing die Spar- und Darlehenskasse 1887 schied die Stadt Bonn aus dem Landkreis Bonn aus und wurde kreisfreie Stadt 1918 bis 1926 alliierte Besetzung des rechtsrheinischen Gebietes bis Blankenberg 1932 wurde der Siegkreis um das Amt Dattenfeld aus dem aufgelösten Landkreis Waldbröl und der Landkreis Bonn um einen Großteil des aufgelösten Kreises Rheinbach vergrößert 1945 wurde das Gebiet von Alliierten (vor allem US-amerikanischen) Streitkräften besetzt und später der britischen Besatzungszone zugeordnet.
Seit 1945 Im Rahmen der ersten Phase der kommunalen Neugliederung in Nordrhein-Westfalen wurde zum 1. August 1969 der bisherige Siegkreis um die neu geschaffenen Kommunen Alfter, Bornheim, Meckenheim, Rheinbach, Swisttal und Wachtberg aus dem ehemaligen Landkreis Bonn erweitert und in Rhein-Sieg-Kreis umbenannt. Der bisherige Landkreis Bonn wurde aufgelöst. Ein Teil dessen wurde mit anderen Kommunen zur neuen Stadt Bonn vereinigt, der Rest – wie beschrieben – in den Rhein-Sieg-Kreis eingegliedert. Nach dem Gesetzeswortlaut sollte die Reform bereits zum 1. Juli 1969 in Kraft treten. Bedingt durch eine Eilentscheidung des nordrhein-westfälischen Verfassungsgerichtshofs in Münster (geklagt hatten der Landkreis Bonn, die Städte Beuel und Bad Godesberg sowie die Gemeinden Uckerath, Wahlscheid, Oberkassel, Oberpleis, Stieldorf, Duisdorf, Lengsdorf und Witterschlick) verschob sich der Zeitpunkt des Inkrafttretens auf den 1. August 1969.Gesetz zur kommunalen Neugliederung des Raumes Bonn, Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Nordrhein-Westfalen 1969, S. 236 ff. sowie VGH 13/69, 14/69, 16/69, 22/69, 34/69, 35/69, 36/69, 38/69, 41/69 Im Rahmen der zweiten Phase der kommunalen Neugliederung in Nordrhein-Westfalen (Vorarbeiten zum späteren „Köln-Gesetz“) wurde u. a. eine Zuordnung der Kommunen Alfter, Meckenheim, Swisttal und Wachtberg zur Stadt Bonn und eine Eingliederung der Stadt Rheinbach in den Kreis Euskirchen diskutiert. Die Stadt Bornheim sollte zwischen Köln und Bonn aufgeteilt werden (etwa Roisdorf zu Bonn und Sechtem bzw. Walberberg zu Köln). Dieses Vorhaben konnte jedoch bereits im Anhörungsverfahren sowohl durch den Rhein-Sieg-Kreis als auch durch die betroffenen Städte und Gemeinden verhindert werden.Franz Möller: Der Rhein-Sieg-Kreis im Spannungsfeld zwischen Bund und Land 1949–2000. Siegburg 2005.
1974–1978: Abriss des ehemaligen Landratsamtes am Kaiser-Wilhelm-Platz in Siegburg und Bau des heutigen Kreishauses an gleicher Stelle. 1991: Bonn-Berlin-Beschluss des Deutschen Bundestages: Die Umzugsentscheidung des Bundestages nach Berlin hat beachtliche Auswirkungen auf den Rhein-Sieg-Kreis, da u. a. viele Kommunen neben Bonn sogenannte Hauptstadtfunktionen (beispielsweise Sitz von Botschaften und anderen Behörden) wahrnehmen. 1994: Bonn-Berlin-Gesetz tritt in Kraft. Dadurch wird eine Arbeitsteilung zwischen Berlin und der Region Bonn/Rhein-Sieg-Ahrweiler mit Ausgleichregelungen für den Hauptstadtverlust festgeschrieben. Mitte der 1990er Jahre: Bau und Errichtung der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg in Rheinbach und Sankt Augustin. Ende der 1990er Jahre: Bau der ICE-Strecke Köln–Frankfurt sowie des neuen ICE-Bahnhofes Siegburg/Bonn. 1999: Umzug des Deutschen Bundestages (nach der Sommerpause) nach Berlin.
Einwohnerstatistik mini|Bevölkerungspyramide für den Rhein-Sieg-Kreis (Datenquelle: Zensus 2011Datenbank Zensus 2011, Rhein-Sieg-Kreis, Alter + Geschlecht)
Jahr EinwohnerLandesdatenbank Nordrhein-Westfalen 1970 376.800 1975 435.027 1980 463.537 1985 479.330 1990 504.274 1995 546.670 2000 576.993 2005 597.857 2010 598.736 2015 596.213 2020 600.375