Charlotte Elfriede Pauly (* 6. Dezember 1886 in Stampen, unweit Oels, Schlesien; † 24. März 1981 in Berlin) war eine deutsche Malerin, Grafikerin, Zeichnerin und Schriftstellerin. Bekannt wurde sie vor allem mit ihrer Druckgrafik, in der sie Motive und Erlebnisse ihrer ausgedehnten Aufenthalte in Spanien, Portugal, Persien und im Nahen Osten in den 1920er und 1930er Jahren, nach vor Ort entstandenen Zeichnungen, bearbeitete.

Leben und Werk Kindheit, Jugend, Ausbildung Charlotte E. Pauly war die Tochter des Rittergutspächters und Amtmanns im schlesischen Dorf Stampen Adolf Pauly und von dessen Frau Marie.„Stampen“ in den Ortschaften Kreis Oels (Private Webseite). Sie besuchte das Mädcheninternat in Bolkenhain und das Realgymnasium in Breslau. Nach einem Abschluss in Zoologie studierte sie von 1909 bis 1915 Kunstgeschichte, klassische Archäologie, Literaturgeschichte und Philosophie in Heidelberg, Berlin und Freiburg. 1915 promovierte Pauly in Würzburg zum Thema Der venezianische Lustgarten. Seine Entwicklung und seine Beziehungen zur venezianischen Malerei (1916 publiziert im Heitz Verlag, Straßburg). 1913/1914 unternahm sie zu diesem Zweck Forschungsreisen durch Italien. Hier entstand der Plan, Malerin zu werden. 1917 studierte sie an der Stuttgarter Kunstgewerbeschule bei Bernhard Pankok.

Reisen Nach einigen Jahren im heimischen Riesengebirge unternahm Pauly 1925/26 und 1928/29 ausgedehnte Reisen nach Spanien, wo sie in Madrid Schülerin des Malers Daniel Vázquez Díaz (1882–1969) wurde und unter anderem Federico García Lorca ins Deutsche übersetzte. 1928 erschien Die glückliche Halbinsel, ein Buch mit ihren Reiseaufzeichnungen. Vom Spätsommer 1929 an hielt sie sich mit Unterbrechungen bis Februar 1932 in Nazaré in Portugal auf. Von dort brach sie zu einer großen Orientreise auf, die sie bis Dezember 1932 durch Griechenland, Libanon, Palästina, Syrien, den Irak und Persien sowie durch den Süden der Sowjetunion führte.

Jahre in Agnetendorf 1933 nahm sie an einer Großausstellung in Breslau teil. Als Beginn der Diffamierungen durch die Nationalsozialisten wurde sie aus der Reichskammer der bildenden Künste ausgeschlossen und erhielt damit ein Ausstellungsverbot. Nach der Rückkehr nach Schlesien verlegte Pauly 1933 ihren Wohnsitz nach Agnetendorf.Charlotte Elfriede Pauly, Bildatlas Kunst in der DDR, abgerufen am 8. April 2015. Dort freundete sie sich mit Gerhart Hauptmann und dessen Frau Margarete an. Sie fertigte Illustrationen zu Hauptmanns Insel der großen Mutter. Nach Hauptmanns Tod am 6. Juni 1946 konnte Pauly mit dem Sonderzug, der den Leichnam des Dichters in die Sowjetische Besatzungszone überführte, aus dem polnisch gewordenen Agnetendorf ausreisen und ließ sich im Ost-Berliner Stadtteil Berlin-Friedrichshagen nieder.

Berliner Jahre 1959 nahm sie Grafikunterricht bei Herbert Tuchoklski in den Zentralen Werkstätten des Verbands Bildender Künstler (VBK) und entwickelte eine Reihe von Druckgrafiken mit Reiseeindrücken als Motiv.

In Berlin knüpfte sie Kontakte zu zahlreichen bildenden Künstlern der DDR, darunter Dieter Goltzsche, Egmont Schaefer, Sella Hasse und Michael Augustinski, die sich in loser Runde bei ihr zum Gespräch trafen. Augustinski betätigte sich für sie auch als Drucker. Sie unternahm Reisen nach England, in die Schweiz, nach Ungarn, Bulgarien und in die Bundesrepublik Deutschland.

Im hohen Alter erfuhr sie erstmals eine breitere öffentliche Anerkennung und konnte ihre Werke in zahlreichen Ausstellungen zeigen. Ihre schriftstellerischen Arbeiten kursierten als Abschriften in ihrem großen Freundes- und Bekanntenkreis, zu dem außer den oben Genannten auch der Schriftsteller Johannes Bobrowski und der Liedermacher Wolf Biermann gehörten. In ihren letzten Lebensjahren war Pauly in Ost-Berlin „so etwas wie eine Institution“.Anita Kühnel in Ein schlesisches Fräulein wird Weltbürgerin. 2012, S. 10.

Charlotte E. Pauly war Mitglied des VBK und hatte in der Sowjetischen Besatzungszone bzw. der DDR eine große Zahl von Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen u. a. in Dresden 1946 an der Allgemeinen Deutschen Kunstausstellung, 1967/1868 an der VI. Deutschen Kunstausstellung und 1977/1978 an der VIII. Kunstausstellung der DDR.

mini|Das Grab von Charlotte E. Pauly auf dem Friedhof Friedrichshagen in Berlin Charlotte E. Pauly wurde auf dem Evangelischen Friedhof Berlin-Friedrichshagen bestattet. Die Stadt ehrte Pauly postum, indem 1998 in Friedrichshagen eine neue Straße zwischen Aßmannstraße und Müggelseedamm den Namen Charlotte-E.-Pauly-Straße erhielt.

Bildnerische Darstellung Charlotte E. Paulys Darstellung in der bildenden Kunst Frank Glaser: Dr. Charlotte Pauly (1972, Öl, 80 × 100 cm)deutschefotothek.de

Fotografische Darstellung Christian Borchert: Die Malerin Charlotte E. Pauly im Freien (1976)

Rezeption

Museen und öffentliche Sammlungen mit Werken Charlotte Paulys (unvollständig) Berlin: Neue NationalgalerieSammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin Berlin: ifa-Institut für Auslandsbeziehungen Görlitz: Kulturhistorisches Museum Görlitz Stendal: Winckelmann-Museum

Werkbeispiele

Schriftstellerische Arbeiten Die glückliche Halbinsel. Straßburg 1928 Das Weib auf dem Tier, Bildergeschichte in Bänkelreimen o. D. Der Tiger und die Harfe. Roman aus dem schlesischen Barock. Hamburg 1944.

Postume Einzelausstellungen (unvollständig) 2000: Görlitz, Schlesisches Museum („Die glückliche Halbinsel: Spanien in Bildern und Texten von Charlotte E. Pauly“) 2012: Berlin, Galerie Parterre ("Ein Temperament, mir selbst fast unbekannt – Arbeiten auf Papier") 2021/2022: Görlitz, Graphische Kabinett des Kulturhistorischen Museums (Zeichnungen und Druckgrafik) 2022: Berlin, Galerie Parterre ("Arbeiten auf Papier") 2024: Birkenwerder, Galerie 47 ("Seitwärts. Reisebilder." Mit Linde Bischof und Michael Augustinski)

Literatur (chronologisch) Lothar Lang: Charlotte E. Pauly. In: Begegnungen im Atelier. Berlin 1975, S. 7–13. Klaus Werner: Pauly. VEB Verlag der Kunst Dresden 1984 (= Maler und Werk). Anita Kühnel: Charlotte E. Pauly. Verzeichnis der Tiefdrucke. Berlin 1993.

Nachtrag. Texte aus dem Nachlass. 3. Graphikbuch der Berliner Graphikpresse 1993 (Künstlerbuch in 130 + XX Ex.) Anita Kühnel: Die Graphik Charlotte E. Paulys. Alterswerk zwischen biographischer Reminiszenz und philosophischem Lebensbekenntnis. Münster, Hamburg 1994. Anita Kühnel: Charlotte E. Pauly, eine Europäerin aus Friedrichshagen. Berlin 2004 (= Friedrichshagener Hefte, Nr. 43).

Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 694–695.

Anita Kühnel (Hrsg.): Ein schlesisches Fräulein wird Weltbürgerin. Die Malerin und Schriftstellerin Charlotte E. Pauly in Selbstzeugnissen. Berlin 2012, ISBN 978-3-942476-36-2. De Gruyter. Allgemeines Künstlerlexikon. Band 94, 2017, S. 449. Anita Kühnel: Nun hier Fuß gefaßt in Berlin. Charlotte E. Pauly (= Frankfurter Buntbücher 61). Verlag für Berlin-Brandenburg, Berlin 2017, ISBN 978-3-945256-99-2. Bodo von Dewitz (Hrsg.): Ich liebte helle Farben. Die Malerin Charlotte E. Pauly. Thomas Helms Verlag, Schwerin 2018, ISBN 978-3-944033-16-7.

Filmografie 1980: Heute abend und morgen früh (Diplomfilm)

Weblinks Charlotte E.-Pauly-Archiv im Archiv der Akademie der Künste, Berlin Charlotte Pauly – Suche Arthistoricum Galerie der Berliner Graphikpresse Bilder Bildindex der Kunst & Architektur: Charlotte E. Pauly

Einzelnachweise

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