Wildschönau ist eine österreichische Gemeinde im Gerichtsbezirk Rattenberg, Bezirk Kufstein in Tirol mit Einwohnern (Stand ). Das Gemeindegebiet erstreckt sich über 24 km oberhalb von Wörgl in den Kitzbüheler Alpen, die Wildschönau genannt; das Gebiet zählt zu den Tiroler Tourismuszentren.
Die Gemeinde umfasst neben verschiedenen Weilern die vier Kirchdörfer Niederau, Oberau, Auffach und Thierbach. Das Gemeindeamt befindet sich im zentral gelegenen Ort Oberau.
Neben einer zweisaisonalen touristischen Ausrichtung spielt auch die intensive Alm- und Weidewirtschaft eine Rolle, daneben pendeln viele Bewohner zu ihren Arbeitsstätten außerhalb der Gemeinde, früher wurde lange Zeit Bergbau betrieben.
Geografie mini|hochkant|Der Roßkopf von Thierbach aus gesehen mini|hochkant|Die Gratlspitze im Sommer 2010 von Thierbach aus gesehen mini|hochkant|Der Hauptort Oberau von Thierbach aus gesehen mini|hochkant|Der in Europa seltene Tintenfischpilz aus der Gattung der Gitterlinge auf der Achentalalm oberhalb von Wildschönau Die Wildschönau beginnt im Osten mit Niederau und Straßenverbindungen nach Wörgl und Hopfgarten im Brixental, nach Westen hin verläuft sie aufsteigend zu einer Wasserscheide, über die sich Oberau zur Wildschönauer Ache und dem Ortsteil Mühltal hinzieht. Die Ache fließt von Süd nach Nord, vom Siedeljoch über Auffach und Mühltal durch die Kundler Klamm in den Inn. In Mühltal zweigt eine Straße steil bergauf nach Westen ab und führt nach Thierbach und endet weiter westlich vor der Gratlspitze. In der Nähe des Endtalhofs bei einer Kapelle ( ü. A.) beginnt die Sauluegstraße, ein schmaler, einspuriger Schotterfahrweg, der kurvenreich am geschlossenen Silberschaubergwerk Lehenlahn vorbei Richtung Kundl führt. Erst ab etwa 880 m Seehöhe weist die Straße Asphaltbelag auf.
Im Westen wird das Tal durch folgende Berge (von Nord nach Süd) begrenzt: Gratlspitz (), Schatzberg (), Joelspitze (), Lämpersberg (), Kleiner Beil (), Großer Beil (, höchster Berg des Tales) und Sonnjoch (, nicht zu verwechseln mit dem Sonnjoch im Karwendel). Westlich dieser Kette liegt das Alpbachtal.
Der Talteil um die Wildschönauer Ache wird östlich begrenzt durch: Roßkopf (), Feldalphorn (), Schwaigberghorn (), Breitegg-Gern (), Wildkarspitze () und Breiteggspitze ().
Als südlicher Talabschluss werden diese beiden Ketten durch das passartige Siedeljoch () miteinander verbunden, über das man in den Langen Grund (Kelchsau) gelangt.
Den südlichen Abschluss des östlichen Talteiles um Niederau bilden Roßkopf und Markbachjoch ().
Im Norden wird das Tal durch eine deutlich niedrigere Bergkette zum Inntal hin abgegrenzt. Von West nach Ost: Gratlspitze, Thierbacher Kogl (), Kragenjoch (), Sonnberger Jöchl (), Möslalmkogl (), unterbrochen durch die Kundler Klamm zwischen Thierbacher Kogl und Kragenjoch.
Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht aus vier Katastralgemeinden und gleichnamigen Ortschaften (Fläche Stand ; Einwohner Stand ): Kirchdörfer Fläche (ha) Einw. Seehöhe Auffach Niederau Oberau Thierbach
Nachbargemeinden Fünf der sechs Nachbargemeinden liegen im Bezirk Kufstein, eine im Bezirk Kitzbühel (KB).
Geschichte Erstmals urkundlich erwähnt wurde Wildschönau in den Jahren 1193–1195, als der oberbayrische Graf Heinrich von (Lechsgemünd)-Rettenberg (bei Unterwössen) Eigenleute an das Kloster Herrenchiemsee schenkungsweise übertrug. Unter den Zeugen der Urkunde findet sich der Ministeriale Adelbertus de Wiltsconenŏwe (= Albert von Wildschönau).Martin Bitschnau, Hannes Obermair (Bearb.): „Tiroler Urkundenbuch“, II. Abt.: „Die Urkunden zur Geschichte des Inn-, Eisack- und Pustertals“, Bd. 2: „1140–1200“. Innsbruck: Wagner 2012, ISBN 978-3-7030-0485-8, S. 382 Nr. 881; das Stück wurde in der älteren Literatur („Monumenta Boica“ 2, S. 356 Nr. 218) ungenau auf „ca. 1190“ datiert.
Ab dem 16. Jahrhundert wurden in Thierbach an den Abhängen des Gratlspitz Silber- und Kupfererze abgebaut, die in Brixlegg verhüttet wurden. Wegen mangelnder Rentabilität wurde der Bergbau im 19. Jahrhundert eingestellt.
1811 konstituierte sich Wildschönau als Gemeinde. 1911 wurde durch die Kundler Klamm eine Straßenverbindung ins Inntal hergestellt, diese ist heute nur mehr ein Wanderweg.
Bevölkerungsentwicklung
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Pfarrkirche Auffach mini|hochkant|Pfarrkirche Niederau mini|hochkant|Pfarrkirche Oberau mini|hochkant|Pfarrkirche Thierbach
Katholische Pfarrkirche Auffach hl. Johannes Nepomuk Katholische Pfarrkirche Niederau hl. Sixtus Katholische Pfarrkirche Oberau hl. Margaretha Katholische Pfarrkirche Thierbach hl. Michael Schaubergwerk Lehenlahn in Thierbach Kundler Klamm Bergauernmuseum z'Bach 1. Tiroler Holzmuseum in Auffach Skulpturenpark Markbachjoch Franziskusweg von Niederau nach Oberau Schönangeralm mit Schaukäserei in Auffach Speckbacherstube im Sollererwirt in Thierbach
Zeitzeugen Wildschönau 2023 hat der Kulturausschuss der Gemeinde mit dem Projekt „Zeitzeugen Wildschönau – Wildschönauer*innen erzählen“ gestartet. Ziel des Projektes ist es, das frühere Alltagsleben in der Wildschönau in Form von Video-Interviews für die jüngere Generation festzuhalten.Zeitzeugen Wildschönau Erzählungen vom früheren Alltagsleben, auf .wildschoenau.gv.atWildschönau: „Zeitzeugen-Videos“, auf rofankurier.at, abgerufen am 19. September 2024 Ein Jahr lang wurde gefilmt und auf sehr einfühlsame Weise das viele Filmmaterial geschnitten. In Video-Interviews werden teils sehr bewegende Erzählungen aus dem Leben von früher präsentiert. Jede Woche wurden ab Sommer 2024 Interviews einer Zeitzeugin bzw. eines Zeitzeugen veröffentlicht.
Freizeit und Sport Es gibt in der Wildschönau u. a. folgende Sport und Freizeitangebote:
Wirtschaft und Infrastruktur Landwirtschaft und Gewerbe In der Wildschönau sind etwa 186 landwirtschaftliche Betriebe, die großteils als Bergbauernhöfe einzustufen sind. Der höchstgelegene Hof „Stödl“ am Oberauer Sonnberg liegt auf .
Neben Handwerks- und Kleingewerbebetrieben ist vor allem der Tourismus Arbeitgeber für die Bevölkerung. Zur Unterstützung der heimischen Wirtschaft wurde im September 2010 der Verein Wildschönauer Wirtschaft gegründet.
Tourismus Der Hauptwirtschaftszweig der Gemeinde ist der Tourismus. Die Wildschönau bietet etwa 6350 Gästebetten, etwa 2000 davon in Privatunterkünften.
Winter mini|hochkant|Loipe in Oberau Es gibt zwei voneinander getrennte Skigebiete am Markbachjoch und am Schatzberg mit zusammen rund 70 km Pisten in den Schwierigkeitsgraden blau bis schwarz und 25 Bergbahnen und Skilifte. Die beiden Sesselbahn-Neubauten am Skigebiet Schatzberg (Auffach) ersetzen mehrere ältere Schlepplifte. 2008 wurde der alte Sessellift in Niederau durch einen modernen Vierer-Sessellift ersetzt. Eine Lift-/Pistenverbindung ins Alpbachtal wurde am 7. Dezember 2012 nach langer Planungszeit in Betrieb genommen. Somit entstand ein großer Skiverbund unter dem Namen „Ski-Juwel Alpbachtal – Wildschönau“, der es von der Größe unter die Top Ten der Tiroler Skigebiete geschafft hat. Im Freizeitpark Drachental kann man seit Ende 2020 eislaufen.
Weiters gibt es 50 km Langlaufloipen, 40 km Winterwanderwege, Pferdeschlittenfahrten und 3 geräumte Nordic-Walking-Strecken.Winterurlaub in der Wildschönau auf www.wildschoenau.com = Webseite des Tourismusverbandes Wildschönau.
Sommer mini|hochkant|Bummelzug bei der Kundler Klamm Im Sommer stehen etwa 300 km Wanderwege zur Verfügung mit den Gondelbahnen am Markbachjoch und Schatzberg als Aufstiegshilfe, weiters ein Freischwimmbad, ein Beachvolleyballplatz, fünf Hotelhallenbäder, Saunen, eine Minigolfanlage, drei Tennisplätze und einen Kletterpark.
Ein besonderes Highlight stellen Bummelzüge dar, die im Sommer vom Mühltal aus in vier verschiedene Richtungen verkehren: Zum Eingang der Kundler Klamm,Bummelzug Wildschönau, bummelzug.com durch das ganze Tal,Von Dorf zu Dorf durch das ganze Tal. bummelbahn.com zur Schönanger AlmSchönanger Alm. bummelbahn.com und nach Thierbach.Bergdorf Thierbach. bummelbahn.com
Nächtigungen in der Wildschönau mini|hochkant|Bergauernmuseum z'Bach Jahr Nächtigungen 1955 61.828 1962 177.218 1969 437.928 1976 872.499 1990 > 1.000.000 2011 625.6542019780.7792020533.321
Zahlen zur Sommersaison 2018Ankünfte, Übernachtungen bzw. Betriebe und Betten in allen Berichtsgemeinden in der Winter- und Sommersaison 2018 (PDF; 473 KB), statistik.at, abgerufen am 21. Juli 2019. 74.463 Ankünfte 357.821 Nächtigungen
Zahlen zur Wintersaison 2018/19Gemeindeergebnisse der Beherbergungsstatistik April 2019 (excel), statistik.at, abgerufen am 21. Juli 2019. 82.425 Ankünfte 403.512 Nächtigungen davon 78 % in 79 gewerblichen Betrieben und 22 % in 288 privaten Betrieben
Verkehr Das Tal ist über Landesstraßen von Wörgl im Inntal aus und von Hopfgarten im Brixental aus erreichbar. Die Gemeinde betreut ein weitläufiges Straßen- und Wegenetz von 117,6 km Länge.Merkblatt für die Gemeinden Tirols, 89. Jahrgang, Juni 2016; abgerufen am 20. Juli 2019.
Die Wildschönau ist mit der VVT Buslinie 770 im Stundentakt zwischen 6 und 20 Uhr an den Wörgler Hauptbahnhof angebunden.
Öffentliche Einrichtungen der Gemeinde Altenwohn- und Pflegeheim Sozial- und Gesundheitssprengel Bücherei Niederau Gemeindebücherei Wildschönau 3 Freiwillige Feuerwehren in Auffach, Niederau und Oberau (bestehend aus Löschzug Oberau, Löschzug Mühltal und Löschzug Thierbach) 4 Kindergärten in Auffach, Niederau, Oberau und Thierbach 4 Volksschulen in Auffach, Niederau, Oberau und Thierbach Neue Mittelschule und Neue Musikmittelschule in Oberau (zusammen 201 Schüler 2014/15)
Politik Gemeinderat Ergebnisse der Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen in Tirol 2016: K = Koppelung Wählergruppe K Stimmen % Mandate Auffacher Gemeinschaftsliste 359 13,68 % 2 Gemeinsam für die Wildschönau – Liste Hannes Eder 990 37,73 % 7 Wildschönau Aktiv – Ludwig Stadler 130 4,95 % 1 Allgemeine Liste Oberau-MühltalK 283 10,79 % 2 Mia fia Enk – Liste Franz Josef Luchner 370 14,10 % 2 Allgemeine Auffacherliste – Peter Weißbacher 255 9,72 % 1 Thierbacher ListeK 237 9,03 % 2 Bürgermeister-Kandidat Stimmen % Eder Johannes 1.722 65,25 % Stadler Ludwig 195 7,39 %Weißbacher Peter 722 27,36 % Die Wahlbeteiligung betrug 78,36 % von 3447 Wahlberechtigten.
Bürgermeister 1977–1992 Walter Lanner 1992–2009 Peter Riedmann 2009–2016 Rainer Silberberger seit 2016 Johannes Eder (ÖVP)
Wappen rahmenlos|rechts|150px Der Wortlaut der Verleihungsurkunde vom 10. Juli 1958:
Persönlichkeiten Ehrenbürger 1909: Simon Prem (1853–1920), Gymnasiallehrer und Literaturhistoriker 1928 oder früher: Josef Gföller (1841–1928), 67 Jahre lang Kapellmeister und Chorsänger 1960: Heinz Thaler (1896–1970), 40 Jahre Schuldirektor, 50 Jahre Organist und Chorleiter 2004: Sixtus Lanner (1934–2022), Politiker (ÖVP) 2012: Josef Aichriedler (* 1941), ehemaliger langjähriger Pfarrer Johann Schartner (1862–1946), Pfarrer in Oberau (1906–1946) Josef Jesacher (1904–1979), Pfarrer in Oberau (1946–1976) Andrä Schoner (1909–1987), Bürgermeister (1944–1945, 1950–1977)
Söhne und Töchter der Gemeinde Alois Hörbiger (1810–1876), Orgelbauer, Großvater von Hanns Hörbiger, dem Begründer der Schauspielerdynastie Hörbiger Gottlieb Schuller (1879–1959), Glasmaler und Mosaikkünstler Andreas Thaler (1883–1939), Politiker (Landwirtschaftsminister) und Koloniegründer von Treze Tílias in Brasilien Rupert Mayr (* 1948), Lehrer, Imker und Sachbuch-Autor Hans Haas (* 1957), Koch, ehemaliger Chefkoch des Tantris in München Norbert Siedler (* 1982), Autorennfahrer Vanessa Stadler, Weltmeisterin 2015 im Naturbahnrodeln
Gemeindepartnerschaften Treze Tílias (Dreizehnlinden), Brasilien; seit 2003
Weblinks
www.wildschoenau.tirol.gv.at Amtliche Website der Gemeinde Wildschönau www.wildschoenau.info Informationsplattform der Gemeinde Wildschönau www.wildschoenau.tv Wildschönau News
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Einzelnachweise
Kategorie:Tal in Nordtirol