mini|Big-Mac-Index im November 2022 mini|Installation zum Big-Mac-Index im Geldmuseum der Deutschen Bundesbank
Der Big-Mac-Index ist ein Indikator, der die Kaufkraft verschiedener Währungen anhand der Preise für einen Big Mac in verschiedenen Ländern vergleicht. Er wurde 1986 von der britischen Wochenzeitung The Economist erfunden, um einen leicht verständlichen Vergleich auf Basis von Kaufkraftparitäten zu ermöglichen und Über- und Unterbewertungen einzelner Währungen zu zeigen. Seitdem wird er regelmäßig erhoben und auch in wissenschaftlichen Studien und Lehrbüchern zitiert. 2025 ergänzte The Economist das Konzept um den McWages-Index, der die lokale Erschwinglichkeit von Big Macs pro Lohn und pro Arbeitsstunde ausweist.
Dazu werden die Preise eines Big Mac, einer Cheeseburger-Variante von McDonald’s, in den Währungen verschiedener Länder erhoben. Durch die Umrechnung zum aktuellen US-Dollar-Kurs wird die jeweilige Kaufkraft vereinfachend miteinander verglichen.Peter Bofinger: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre. Zweite, aktualisierte Auflage. Pearson Studium, München 2007, S. 544.
Der Big Mac wird hier als einfacher Indikator herangezogen, weil es ihn in vielen Ländern in standardisierter Größe, Zusammensetzung und Qualität gibt. Hinter dem Währungsvergleich steht die Annahme, dass sich die Preise für ein identisches Gut auf lange Sicht in allen Ländern angleichen.
Geschichte und Grundlagen Entwickelt wurde der Index 1986 von der Volkswirtin Pamela Woodall, die damals als Korrespondentin für den Economist tätig war. 1993 wurde sie dort Wirtschaftsredakteurin und übernahm 2006 den Bereich Wirtschaft Asiens.Interview mit dem Autor. In: The Economist; abgerufen am 8. April 2008
Die Grundlage für den Kaufkraftvergleich der Währungen untereinander bietet eine der ältesten Betrachtungen der internationalen Makroökonomie: die Kaufkraftparität (KKP, , PPP), die von David Ricardo und anderen britischen Ökonomen des 19. Jahrhunderts entwickelt wurde.Paul Krugman, M. Obstfeld: Internationale Wirtschaft. 7., aktualisierte Auflage. Pearson Studium, München 2006, S. 478. mini|Ein Big Mac
Gesetz der Preiseinheitlichkeit und Kaufkraftparität Die Grundlage für die Kaufkraftparitätentheorie bietet das Gesetz der Preiseinheitlichkeit. Es besagt, dass ein homogenes Gut in zwei Ländern keine Preisunterschiede aufweist, solange ein vollkommener Markt vorliegt. Dies setzt unter anderem voraus, dass zwischen den Ländern völliger Freihandel besteht und es keine Transaktionskosten (zum Beispiel in Form von Transport- und Versicherungskosten) gibt.U. Baßeler, J. Heinrich, B. Utecht: Volkswirtschaft. 18. Auflage. Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart 2006, S. 579.
Bei einem homogenen Gut, welches im Land 1 und im Land 2 nach Umrechnung mithilfe des jeweiligen Wechselkurses in einer einheitlichen Währung Preisdifferenzen aufweist, führt das Ausnutzen der Preisdifferenzen zwischen den Ländern (Arbitrage) zur Realisierung des Gesetzes der Preiseinheitlichkeit für homogene Güter. Das heißt, dass die Güter in einem Land preisgünstiger eingekauft werden und in einem anderen Land gewinnmaximierend verkauft werden. Diese Arbitrage hat zur Folge, dass die Güter so lange in das Importland gewinnmaximierend verkauft werden, bis der Preis für diese Güter auf das tatsächliche Preisniveau des Exportlandes sinkt.
Übertragen auf einen Mehr-Güter-Fall spricht man von Kaufkraftparität, wenn die Kaufkraft zweier Währungen, gemessen anhand eines Index von verschiedenen Güterpreisen, gleich ist.Gabler Wirtschaftslexikon. 16. Auflage. Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler, Wiesbaden 2005, S. 1663.
Kaufkraftparitätischer Wechselkurs Der kaufkraftparitätische Wechselkurs ist derjenige (hypothetische) Wechselkurs, zu dem die realen Preise der Güter in den zwei betrachteten Währungsräumen einem einheitlichen Preisniveau entsprechen.P. R. Krugman, M. Obstfeld: Internationale Wirtschaft. 7., aktualisierte Auflage. Pearson Studium, München 2006, S. 490. Demzufolge sollte sich der tatsächliche Wechselkurs dem KKP-Kurs langfristig angleichen. Als Formel ausgedrückt bedeutet das: ,
wobei der Preis eines gegebenen Warenkorbes im Inland und der Preis des entsprechenden Warenkorbes im Ausland ist und der nominale Wechselkurs zwischen den zwei Ländern, ausgedrückt in , ist.
Beispiel: Wenn ein Liter Coca-Cola in Europa durchschnittlich 2,50 Euro kostet und in den USA durchschnittlich 1,60 Dollar, so wäre die KKP für dieses homogene Gut zwischen Europa und den USA . In Europa müssen 1,56 Euro bezahlt werden für jeden Dollar, der in den USA für einen Liter Coca-Cola ausgegeben wird, um die gleiche Quantität und Qualität dieses Getränks zu erhalten.Kaufkraftparität: weitere Definition. Bearbeitungsstand: 23. November 2007, abgerufen am 22. Mai 2008
Definition und Wesen des Big-Mac-Index Im Fall des Big-Mac-Index besteht der Warenkorb nur aus einem einzigen Gut, das in über 140 Ländern erhältlich ist: dem Big Mac der Restaurantkette McDonald’s. Seit über 50 JahrenBig Mac gibt 1968 als Start an besteht der Hamburger aufgrund strenger Auflagen durch Franchiseverträge international fast überall aus den gleichen Zutaten: Sesambrötchen, Rinderhackfleisch, Schmelzkäse, Salat, Gewürzgurken, Zwiebeln und Sauce.McDonald’s: Zutaten für Burger der USA. Bearbeitungsstand: 8. April 2008; abgerufen am 16. April 2008 Aus kulturellen Gründen werden in manchen Ländern andere Zutaten verwendet. In Indien z. B. stimmt der „Maharaja Mac“ zwar in der Form mit dem Big Mac überein, besteht aber unter anderem aus Sesambrötchen, gegrilltem Hühnerfleisch, Salat, Schmelzkäse und Janchi-Soße.
In der Studie des Economist werden die Preise für einen Big Mac in unterschiedlichen Ländern in der inländischen Währung erhoben und werden durch Umrechnung zum aktuellen Wechselkurs in US-Dollar vergleichbar gemacht.P. Bofinger: Grundzüge der Volkswirtschaftslehre. 2., aktualisierte Auflage. Pearson Studium, München 2007, S. 544.About The Economist. In: The Economist; abgerufen am 6. April 2008
Der Big Mac könne zudem durch die Strategien von McDonald’s, Zutaten aus der Umgebung zu verwenden und namhafte Markenhersteller als Lieferanten zu gewinnen, die Inlandskaufkraft einer Volkswirtschaft wiedergeben.
Internationaler Vergleich (zu Deutschland und Österreich siehe „Eurozone“)
+ Big-Mac-Index verschiedener Länder (Stand Juli 2018) Land Big-Mac-Preis in US-Dollar Big-Mac-Preis in inländischer Währung* Wechselkurs (Stand 1. Juli 2018) Über-/Unterbewertung in Prozent 5,51 5,51 US-Dollar 1,00 0,0 3,81 14,00 Dirham 3,67 −30,8 2,71 75,00 Peso 27,73 −50,9 4,52 6,05 Dollar 1,34 −18,1 2,32 3,95 Manat 1,70 −57,9 3,16 1,20 Dinar 0,38 −42,6 4,40 16,90 Real 3,84 −20,1 5,07 6,65 Dollar 1,31 − 8,0 6,54 6,50 Franken 0,99 18,8 4,05 2.640,00 Peso 651,73 −26,5 3,10 20,50 Renminbi Yuan 6,62 −43,8 4,14 11.900,00 Peso 2.874,07 −24,9 4,03 2.290,00 Colón 567,80 −26,8 3,40 75,00 Krone 22,06 −38,3 4,72 30,00 Krone 6,36 −14,4 1,75 31,37 Pfund 17,91 −68,2 € Eurozone 4,74 4,04 Euro 0,85 −14,1 4,23 3,19 Pfund 0,75 −23,2 3,34 25,00 Quetzal 7,49 −39,4 2,55 20,00 Dollar 7,85 −53,8 3,54 85,00 Lempira 23,99 −35,7 3,33 21,00 Kuna 6,31 −39,6 3,07 850,00 Forint 276,43 −44,2 2,19 31.500,00 Rupiah 14.360,00 −60,2 2,51 173,00 Rupie 68,83 −54,4 4,68 17,00 Schekel 3,63 −15,1 2,75 1,95 Dinar 0,71 −50,2 3,51 390,00 Yen 111,25 −36,4 4,03 4.500,00 Won 1.116,00 −26,8 3,47 1,05 Dinar 0,30 −37,0 4,30 6.500,00 Pfund 1.511,00 −21,9 3,64 580,00 Rupie 159,27 −33,9 2,58 43,00 Leu 16,65 −53,1 2,57 49,00 Peso 19,05 −53,3 2,10 8,45 Ringgit 4,02 −61,9 3,26 103,00 Córdoba Oro 31,59 −40,8 5,22 42,00 Krone 8,04 − 5,2 4,23 6,20 Dollar 1,46 −23,2 2,73 1,05 Rial 0,38 −50,5 3,09 375,00 Rupie 121,49 −44,0 3,21 10,50 Nuevo Sol 3,27 −41,8 2,62 140,00 Peso 53,49 −52,5 2,74 10,10 Złoty 3,69 −50,3 3,30 12,00 Riyal 3,64 −40,2 2,32 9,20 Leu 3,97 −58,0 2,09 130,00 Rubel 62,14 −62,0 3,20 12,00 Riyal 3,75 −41,9 4,28 5,80 Dollar 1,36 −22,4 5,83 51,00 Krone 8,75 5,8 3,59 119,00 Baht 33,17 −34,9 2,28 10,75 Lira 4,71 −58,6 2,27 69,00 Dollar 30,37 −58,8 1,91 50,00 Hrywnja 26,20 −65,4 4,47 140,00 Peso 31,31 −18,8 2,82 65.000,00 Đồng 23.039,50 −48,8 2,32 31,00 Rand 13,36 −57,9
* alle Währungen sind im Singular angegeben.
Über-/Unterbewertung einer Währung Mithilfe der Big-Mac-Preise stellt der Economist die Über- und Unterbewertung einzelner Währungen dar und möchte somit die These des herrschenden Gleichgewichts auf dem internationalen Währungsmarkt widerlegen. Eine Über- bzw. Unterbewertung liegt vor, wenn einheimische Güter aufgrund des aktuellen Wechselkurses teurer bzw. günstiger als äquivalente Güter im Ausland sind.P. R. Krugman, M. Obstfeld: Internationale Wirtschaft. 7., aktualisierte Auflage. Pearson Studium, München 2006, S. 491.
Der Prozentsatz () der Über-/Unterbewertung ist demzufolge
mit als nominalem Wechselkurs der inländischen Währung in US-Dollar.
Wenn der Preis eines Big Mac als alleinige Berechnungsgröße eines „fairen“ Wechselkurses herangezogen wird, dann ist der gegenwärtige Preis der schwedischen Krone gegenüber dem US-Dollar auf dem Devisenmarkt mit einer leichten Überbewertung von 5,8 % nahezu „fair“ bewertet. Eine stark überbewertete Währung ist dagegen der Schweizer Franken. Gemäß dem Big-Mac-Index von Januar 2016 sind insbesondere der venezolanische Bolivar und der russische Rubel günstig. In Venezuela ist die Währung laut Index um rund 86,5 % und in Russland um rund 69 % gegenüber dem US-Dollar unterbewertet.
Varianten McWages-Index (seit 2025) Im August 2025 stellte The Economist den McWages-Index vor, der Löhne in die Anzahl lokal bezahlbarer Big Macs „übersetzt“ und damit die Erschwinglichkeit auf Jahres- und Stundenbasis vergleicht. Grundlage sind durchschnittliche Bruttolöhne der OECD-Länder, die für Teilzeitanteile adjustiert und durch den nationalen Big-Mac-Preis geteilt werden; zusätzlich wird eine stundenbezogene Kennzahl berechnet, um Unterschiede in der Jahresarbeitszeit zu berücksichtigen. Nach Jahresverdienst führt 2025 die USA mit 13.601 Big Macs pro Jahr vor der Schweiz, die 1.775 Burger weniger erreicht. Nach Big Macs pro Arbeitsstunde liegt Dänemark vorn (8,5) vor der Schweiz (7,7) und den USA (7,6). In Deutschland stieg der Burgerpreis gegenüber dem Vorjahr um 13 % auf 6,05 €, während die Löhne nur um 4 % wuchsen; Deutschland fiel dadurch fünf Plätze im Ranking, Großbritannien und Irland sanken um drei bzw. vier Positionen. Der Economist betont methodische Grenzen: Steuern auf Einkommen und Konsum sowie Unterschiede in Vergütungssystemen (z. B. Krankenversicherung, Pensionen) werden nicht berücksichtigt und Big-Mac-Preisänderungen sind nur lose mit der allgemeinen Inflation verknüpft. 2025 wurde zudem eine geschlechtsspezifische Auswertung ergänzt: Im Durchschnitt können Männer in reichen Ländern pro Stunde um etwa einen halben Big Mac mehr bezahlen als Frauen; der größte absolute Abstand findet sich in den USA (1,31 Big Macs), der relativ größte in Südkorea (25 %), während in Belgien Frauen pro Stunde 0,27 Big Macs mehr als Männer finanzieren können.
KFC-Index mini|Karte der Länder mit mindestens einem McDonald’s-Restaurant, die das Nichtvorhandensein dieser Restaurants in Afrika zeigt (2022) Auf dem afrikanischen Kontinent ist McDonald’s nur in Marokko, Ägypten und Südafrika tätig. Für diese Länder wurde der KFC Index erstellt. Dieser verwendet den 15-Teile-Eimer von KFC.
Gold-Mac-Index Analog zu den unterschiedlichen Währungen gibt es auch den GMI, den Gold-Mac-Index. In ihm wird dargestellt, wie viele Big Mac für ein Gramm Gold mehr gekauft werden können als für eine korrespondierende Währung. Allerdings ist dieser Wert relativ und gibt keinen wirklichen Wert von Gold an. Man kann mit Gold nicht, ungleich einer Währung, direkt einen Burger kaufen. So muss dieser Index über den Goldpreis im Verhältnis zu einer Währung berechnet werden.Gold.de – GMI 2023: Kaufkraft von Gold erreicht Höchstwert, abgerufen am 2. November 2023.