Eutin ist die Kreisstadt des Kreises Ostholstein im Osten Schleswig-Holsteins.
Lage und Gemeindegliederung Eutin liegt im seereichen Naturpark Holsteinische Schweiz, der durch Moränen geprägt ist, zwischen dem Großen Eutiner See und dem Sibbersdorfer See im Osten, dem Kleinen Eutiner See im Süden, dem Dodauer See im Westen, sowie dem Keller-, Uklei- und Lebebensee im Norden der Gemeinde. Außerdem liegen im Gebiet der Kommune der nordöstlich gelegene Seeschaarwald und der sich am westlichen Ortsrand Eutins befindende Dodauer Forst, in dem unter anderem die Bräutigamseiche steht.
Neben der eigentlichen Stadt Eutin mit rund 12.000 Einwohnern gibt es die vier Dorfschaften Fissau (1946 Einwohner), Neudorf (2855 Einwohner), Sibbersdorf (132 Einwohner) und Sielbeck (214 Einwohner), die eigene Dorfvorstände bilden. Des Weiteren gehören zur Kommune die Gebiete Am Redderkrug, An der Schafwehde, Forsthaus Dodau, Forsthaus Wüstenfelde, Sandfeldkrug und Schäferei.
Geschichte Mittelalter Der Name Eutin (ursprünglich Utin) ist slawischer Herkunft. Seine Bedeutung ist nicht ganz sicher, wahrscheinlich ist er von dem Personennamen „Uta“ abgeleitet. Die slawischen Abodriten besiedelten seit dem 7./8. Jahrhundert n. Chr. das östliche Holstein (Wagrien) und errichteten auf der Fasaneninsel im Großen Eutiner See eine Burg.Karl Wilhelm Struve: Zum slawischen Ursprung Eutins. In: Die Heimat 80, 1973, S. 209–214. Im Zuge der deutschen Ostsiedlung wanderten seit dem 12. Jahrhundert, nachdem das Gebiet durch die Grafen von Holstein militärisch unterworfen worden war, niederdeutsche und holländische Siedler ein. In und um Eutin siedelten sich insbesondere Holländerfamilien an. Im Jahre 1156 wurde Eutin Marktort und 1257 erhielt es die Stadtrechte. Um 1300 wurde es vorübergehend die Residenz der (Fürst-)Bischöfe von Lübeck. Die Kirche des späten 12. Jahrhunderts wurde 1309 zum Kollegiatsstift erhoben. Seit 1439 ist bei der Stadt „vor dem Lübecker Tor“ ein Leprosorium nachweisbar, das als St.-Jürgen-Stift bezeichnet wurde und später im St.-Georg-Hospital aufging. Im Gebäude des Hospitals befand sich später das Kreisheimatmuseum (heute Ostholstein-Museum Eutin).Siehe Daten der Gesellschaft für Leprakunde unter
Frühe Neuzeit Als Reiseprediger begleitete Johann Gottfried Herder im Jahr 1770 den Eutiner Erbprinzen Peter Friedrich Wilhelm. Zwischen 1776 und 1829 erlebte Eutin eine kulturelle Blüte. Der Sturm-und-Drang-Lyriker Friedrich Leopold zu Stolberg, der Dichter und Homer-Übersetzer Johann Heinrich Voß, der Dramatiker Heinrich Wilhelm von Gerstenberg, der Philosoph Friedrich Heinrich Jacobi und andere weithin bekannte Schriftsteller lebten hier und bildeten den Eutiner Kreis. Matthias Claudius, Friedrich Gottlieb Klopstock, Wilhelm von Humboldt sowie andere bedeutende Persönlichkeiten kamen nach Eutin und suchten den Gedankenaustausch mit ihnen. Der weltberühmte romantische Komponist Carl Maria von Weber wurde 1786 hier geboren.
1803 bis 1945 mini|Das Eutiner Offizierskorps der 162er rückt ins Kriegslager aus. mini|Marktplatz mit St. Michaelis mini|Schloss Nach der Aufhebung des Hochstifts Lübeck im Reichsdeputationshauptschluss 1803 wurde Eutin mit dem Stiftsgebiet als Fürstentum Lübeck Teil des Großherzogtums Oldenburg.
Der Goethe-Maler Johann Heinrich Wilhelm Tischbein lebte und wirkte seit 1808 bis zu seinem Tode 1829 in der Stadt. Dies trug Eutin die Ehrenbezeichnung Weimar des Nordens ein (siehe unten: berühmte Persönlichkeiten).
Ab 1913 war Eutin eine Garnisonsstadt. Das neue III. Bataillon des Infanterie-Regiments „Lübeck“ (3. Hanseatisches) Nr. 162 erhielt hier seinen Standort. Während des Ersten Weltkriegs befand sich hier ein Offizierslager der 9. Inspektion (IX. RK). Erst während des Krieges wurde dessen hiesige Kaserne, sie wurde zum 25. Jahrestag des Regiments nach deren Regimentskriegskommandeur Rettberg-Kaserne benannt und trägt seit 2021 den Namen Oberst-Herrmann-Kaserne, fertiggestellt. Nach dem Krieg war dort das von Otto Dziobek befehligte lübeckische Freiwilligen-Bataillon.
In der Zeit der Weimarer Republik wurde Eutin eine Hochburg des Nationalsozialismus.Lawrence D. Stokes: Kleinstadt und Nationalsozialismus: Ausgewählte Dokumente zur Geschichte von Eutin 1918–1945. 1926 besuchte Adolf Hitler die Stadt. Der Tod des SS-Mannes Karl Radke, der am Abend des 9. November 1931 unter ungeklärten Umständen bei einer Auseinandersetzung durch Messerstiche tödlich verletzt wurde, bewirkte in Eutin einen starken Zulauf für die nationalsozialistische Bewegung.Der Fall Radke. In: Nationalsozialismus im Eutinischen. Ein Projekt des Leistungskurses Geschichte in den Klassenstufen 12 und 13. Carl-Maria-von-Weber-Schule, Eutin.Lawrence D. Stokes: „Meine kleine Stadt steht für tausend andere …“. Studien zur Geschichte von Eutin in Holstein. 2004. Dies nicht zuletzt deshalb, weil der Tod Radkes es der NSDAP in Eutin ermöglichte, einen Märtyrerkult mit seinem Tod im Gau Schleswig-Holstein zu veranstalten. Dazu gehörte auch, dass die SS-Kaserne der 50. SS-Standarte in Flensburg den Namen „Carl Radkehaus“ erhielt. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten unterhielt die SA in Eutin von Juli 1933 bis Mai 1934 das KZ Eutin, ein frühes Konzentrationslager, in dem Angehörige der demokratischen Parteien, Nazigegner und Juden gefangen gehalten und misshandelt wurden.
Ab 1936 versuchte der Eutiner Dichterkreis unter nationalsozialistischen Vorzeichen an die Tradition des historischen Eutiner Kreises anzuknüpfen. Der vom Dichterkreis herausgegebene Almanach enthielt aber vor allem Heimatkunst und stellte sich in den Dienst der Blut-und-Boden-Ideologie. Das machte den Eutiner Dichterkreis zu einer bedeutenden literarischen Gruppe Deutschlands in der Zeit des Nationalsozialismus.Lawrence D. Stokes: Der Eutiner Dichterkreis und der Nationalsozialismus 1936–1945: Eine Dokumentation. Die Novemberpogrome 1938 am 9. November 1938 gingen an Eutin weitgehend spurlos vorbei. Grund dafür war, dass hier nur eine sehr kleine jüdische Minderheit lebte und jegliche jüdische Einrichtungen fehlten, mit Ausnahme des jüdischen Friedhofs, der in der Pogromnacht verwüstet und bis 1954 genutzt wurde.Die Kirche und die Judenfrage. In: Nationalsozialismus im Eutinischen. Ein Projekt des Leistungskurses Geschichte in den Klassenstufen 12 und 13. Carl-Maria-von-Weber-Schule, Eutin Auf einen Befehl der Geheimen Staatspolizei vom 22. Januar 1945, arbeitsfähige „jüdische Mischlinge“ aufzulisten, damit sie zum Geschlossenen Arbeitseinsatz eingezogen würden, schickten der stellvertretende Bürgermeister und der Obermedizinalrat im Übrigen eine Krankschreibung für die beiden betroffenen Männer als Antwort. Eine weitere Reaktion der Gestapo blieb offenbar danach aus.Rettete ein Arzt die Eutiner Juden? Flensburger Tageblatt vom 26. Januar 2015; abgerufen am 15. Oktober 2018.
1937 wurden die Eutiner Gebiete des Freistaats Oldenburg durch das Groß-Hamburg-Gesetz an Preußen übertragen und hier als Landkreis Eutin in die Provinz Schleswig-Holstein eingegliedert.
Im Jahr 1938 gründete Valdemar Pitzner die nicht mehr bestehende Utina-Elektrowerk GmbH.Pitzner, Valdemar. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 952.Vgl. auch www.landtechnik-historisch.de. Später entstand die Pitzner & Schleuter GmbH & Co. KG.www.utina.com.
Eutin blieb während des Zweiten Weltkriegs vom Luftkrieg verschont, da die Stadt, abgesehen von der dortigen Rettberg-Kaserne, keine lohnenden militärischen Ziele bot.Die Ausgebombten, Flüchtlinge und Vertriebenen. 8. Juli 2017. Während der Schlacht um Berlin, unmittelbar nach dem letzten Geburtstag Hitlers, am 20. April 1945, kamen vorbereitete Evakuierungsmaßnahmen der Reichsregierung, der Reichsministerien und des Sicherheitsapparats zur Ausführung.Stephan Link: „Rattenlinie Nord“. Kriegsverbrecher in Flensburg und Umgebung im Mai 1945. In: Gerhard Paul, Broder Schwensen (Hrsg.): Mai ’45. Kriegsende in Flensburg. Flensburg 2015, S. 20 f. Alle Reichsminister sollten sich in Eutin sammeln, da der Raum Eutin-Plön zu dieser Zeit noch kampffrei war.Ernst Piper: Alfred Rosenberg. Hitlers Chefideologe. München 2005, S. 620.LN suchen Zeitzeugen – Vor 70 Jahren ging der Zweite Weltkrieg zu Ende. Lübecker Nachrichten vom 14. Februar 2015; abgerufen am 7. Juli 2017. Die Regierung sowie der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine Karl Dönitz hielten sich nur kurz in Eutin auf und zogen weiter ins benachbarte Plön zum Barackenlager der Kaserne Stadtheide, wo sie sich bis Ende April aufhielten. Der Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion Albert Speer soll sich aber weiterhin mit seinen Mitarbeitern in einer Bauwagenkolonie beim Eutiner See aufgehalten haben.Ob es sich bei dem Eutiner See um den Kleinen oder den Großen Eutiner See handelte, ist in der Quelle nicht angegeben. Vgl. Jörg Wollenberg: Spurensuche hinter den Mauern des Vergessens. In: Heinrun Herzberg, Eva Kammler (Hrsg.): Biographie und Gesellschaft: Überlegungen zu einer Theorie des modernen Selbst. Frankfurt am Main/New York 2011, S. 202. Nach dem Suizid Hitlers wurde Dönitz am 1. Mai 1945 dessen Nachfolger als Reichspräsident. Vor den herannahenden britischen Truppen flohen Dönitz und die Regierung Dönitz am 2. Mai 1945 weiter in den Sonderbereich Mürwik. Plön wurde anschließend zur Offenen Stadt.Institut für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte: , abgerufen am 31. Mai 2017. Am 4. Mai 1945 unterschrieb Hans-Georg von Friedeburg im Auftrag von Dönitz die Teilkapitulation der Wehrmacht für Nordwestdeutschland, Dänemark und die Niederlande. 16. S. Der Krieg endete schließlich mit der Bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai.
Von 1945 bis zum Ende des 20. Jahrhunderts Nach dem Kriegsende wurde der Landkreis Eutin dem im August 1946 gegründeten Land Schleswig-Holstein zugeordnet. Der Kirchenkreis Eutin nahm nach dem Krieg ideologisch belastete Pastoren auf und distanzierte sich nicht klar vom NS-Unrecht. Erst 2017 verabschiedete die Kirchenkreissynode Ostholstein eine entsprechende Erklärung zur Distanzierung. Evangelische Zeitung vom 10. Mai 2017; abgerufen am 7. Juli 2017
In den folgenden Nachkriegsjahren wurde Neubauland in großen Massen erschlossen, um der wachsenden Bevölkerung, die sich zeitweise verdoppelt hatte aufgrund der Flüchtlingsströme am Ende des Krieges, gerecht zu werden, wodurch die damaligen noch von Eutin getrennten Ortsteile Fissau und Neudorf immer mehr in die eigentliche Stadt integriert wurde und heutzutage, besonders Neudorf, nur noch auf dem Papier vom eigentlich Stadtgebiet abzugrenzen sind.
1970 wurde Eutin Kreisstadt des neugeschaffenen Kreises Ostholstein, der aus der Zusammenlegung zweier kleinerer Kreise entstand und sich bis Fehmarn erstreckt.
Ab ca. 1980 startete Eutin mit einer Sanierung des Stadtkerns und es wurden verschiedenste Neubauprojekte initiiert. Hierbei verlor Eutin teilweise seinen vorherigen Charakter vor allem in der Altstadt, gewann aber auch deutlich durch maßgebende Investitionen in die örtliche Infrastruktur wie z. B. in das Verkehrswesen mit neuen Parkplätze und einem zusammen mit den angrenzenden Straßen zur Fußgängerzone erklärten Markt.
1993 wurde Eutin zum heilklimatischen Kurort ernannt. 2014 wurde der Stadt das Prädikat Luftkurort verliehen. Eutin erhebt eine Tourismusabgabe ausschließlich von Gewerbebetrieben. mini|Der Schlossgarten nach den umfassenden Arbeiten zur Landesgartenschau
Gegenwart