mini|Vorwall, Graben und Plateau der Pagenburg Wallmoden ist ein Stadtteil von Langelsheim im Landkreis Goslar in Niedersachsen. Wallmoden hatte 2012 etwa 960 Einwohner und erstreckt sich auf einer Fläche von 16,82 km².

Geographie Lage

Der im Harzvorland gelegene Ort ist vor allem landwirtschaftlich geprägt. Die Neile durchfließt Neuwallmoden und das mittlere Ortsgebiet. Sie mündet unweit nördlich in die Innerste.

Nachbarorte Wallmoden grenzt im Norden an die kreisfreie Stadt Salzgitter und die Gemeinde Sehlde (Landkreis Wolfenbüttel). Im Osten grenzt sie an die Gemeinde Liebenburg, im Westen an die Stadt Bockenem (Landkreis Hildesheim) und im Süden an den Flecken Lutter am Barenberge.

Ortsgliederung Wallmoden besteht aus den Ortsteilen Alt Wallmoden, Bodenstein und Neuwallmoden.

Ortsteil EinwohnerzahlEinwohnerzahl der Gemeinden und Ortsteile des Landkreises Goslar: PDF/Digitalisat, Stand 17. März 2019. Alt Wallmoden* 384 Neuwallmoden 277 Bodenstein 248 Wallmoden 909 * mit Könneckenrode und der Mühle Ringelheim

(Stand: 30. Juni 2018)

Geschichte Bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts gehörte das heutige Gebiet um Wallmoden zum Hochstift Hildesheim. Als Folge der Hildesheimer Stiftsfehde wurden Alt Wallmoden, Neuwallmoden und Bodenstein 1523 dem braunschweigischen Herzogtum zugesprochen. 1643 wurde Alt Wallmoden wieder an das Hochstift Hildesheim zurückgegeben, während Neuwallmoden und Bodenstein bis 1946 beim braunschweigischen Herzogtum und späteren Land Braunschweig verblieben. Alt Wallmoden als Teil des Hochstifts Hildesheim gehörte ab 1814 zum Königreich Hannover und fiel mit diesem 1866 an Preußen. Wegen des Erlasses des preußischen Kultusministers vom 6. Oktober 1910Abgedruckt im "Kattowitzer Kreisblatt" vom 29. Oktober 1910, S. 345 f. PDF, Digitalisat: Śląska Biblioteka Cyfrowa. galt im preußischen Alt Wallmoden die Regel, dass nur „die Schreibweise der Orts- und Verwaltungsbezirksnamen mit einem unterscheidenden Vorsatzworte, wie Alt, Neu, Groß, Klein, Bergisch, Deutsch usw. – sofern sie nicht jetzt schon in einem Worte geschrieben werden – ohne Bindestrich“ korrekt sei, während sie im braunschweigischen Neuwallmoden nicht zu beachten war.

Im Zuge der niedersächsischen Gebietsreform wurde die Gemeinde Wallmoden am 1. März 1974 aus den bis dahin selbständigen Gemeinden Alt Wallmoden, Neuwallmoden und Bodenstein gebildet. Zum 1. November 2021 wurde Wallmoden ein Stadtteil von Langelsheim. Alt Wallmoden, Neuwallmoden und Bodenstein sind seine Ortschaften geworden.Stadt Langelsheim (Hrsg.): Gebietsänderungsvertrag zwischen der Samtgemeinde Lutter am Barenberge, dem Flecken Lutter am Barenberge, der Gemeinde Hahausen, der Gemeinde Wallmoden und der Stadt Langelsheim PDF/Digitalisat, Stand 7. August 2021.

Alt Wallmoden mini|Blick auf Alt Wallmoden mini|Alt Wallmoden: Gutsanlage (Blick von Südwesten)

Alt Wallmoden wurde 1016 erstmals in einer Schenkungsurkunde erwähnt, in der Kaiser Heinrich II. einen Herrenhof zu Wallmoden (Curtis Walmonthem) der bischöflichen Kirche in Paderborn übertrug. Seit dieser Zeit gehört das Bistum Paderborn neben dem Bistum Hildesheim zu den Lehnsherren in Alt Wallmoden. Der Name des Ortes änderte sich später von Walmonthem über Walmuthe, Walmede zum heutigen Wallmoden.

1154 wird mit Tidelinus (Thedel) von Wallmoden, einem Ministerialen (Hofdiener im Verwaltungsdienst des Herzogs) Heinrichs des Löwen, erstmals ein Angehöriger des Adelsgeschlechts, das sich nach dem Ort benannte, erwähnt. Das Geschlecht ist seit dieser Zeit in Wallmoden begütert und betreibt in Alt Wallmoden auch heute noch einen landwirtschaftlichen Betrieb.

Im Jahr 1599 wurde der Besitz der Familie von Wallmoden aufgeteilt, als die Brüder Ludolf und Jasper von Wallmoden die Linien Oberhaus und Unterhaus begründeten. Erst nach 1825, als mit dem Tod des Rittmeisters Karl Christoph Heinrich von Wallmoden das Oberhaus erloschen war, wurden die Güter wieder vereinigt.

Erste Teile des Gutshauses der Familie von Wallmoden wurden im 16. Jahrhundert errichtet, der nördliche Flügel stammt von 1579, der zweite Flügel von 1628. An den nördlichen Flügel ist ein achteckiger Treppenturm angebaut, dessen Eingang die Inschrift „Soli deo gloria 1579“ trägt. Die Gebäude wurden 1833 durch einen dritten Flügel des Herrenhauses ergänzt. Die Lebensgeschichte des Ahnherrn Tidelinus behandeln Gemälde, mit denen der Historienmaler Georg Bergmann den Saal des Gutshofs 1851 ausgemalt hat. Die Gutsanlage befindet sich heute noch im Familienbesitz.Reclams Kunstführer Deutschland. Band V: Baudenkmäler, Hrsg. H.R. Rosemann, 1967, ISBN 3-15-008473-3, S. 18. Auf der Fläche des Oberhauses steht als einziger Bestandteil der ursprünglichen Burg noch der rechteckige Bergfried aus dem 14. Jahrhundert von 12 × 13,75 m Größe.

Pagenburg Höchste Erhebung Wallmodens ist der 290,8 m hohe, etwa 1,5 km südwestlich von Alt Wallmoden gelegene Pagenberg, auf dem Reste einer ehemaligen Burganlage zu sehen sind, deren Alter ungeklärt ist. Das Burgareal grenzt im Südwesten an einen Steilabfall und fällt nach Norden hin ab. Die ovale, 19 × 53 m große Burg ist auf drei Seiten von einem doppelten Ringgraben mit dazwischenliegendem Wall und äußerem Vorwall umgeben. Im Süden war die Anlage durch einen Steilhang vor Angriffen geschützt, hier ist lediglich eine künstliche Abböschung festzustellen. Der äußere Graben scheint im Westen unvollendet zu sein. Auf dem Burgplateau können einige größere Eintiefungen auf früher vorhandene Gebäude, Keller und Türme zurückzuführen sein. Die Burg wurde ursprünglich Pawenburg genannt, das vom althochdeutschen phawo abgeleitet ist und so viel wie Pfau bedeutet. Da ein Zweig der Familie von Wallmoden im 13. Jahrhundert auch einen Pfau im Wappen führte, wird angenommen, dass die Pagenburg einst zu ihren Besitztümern zählte. Die Pagenburg verlor ihre Bedeutung, nachdem ab dem 14. Jahrhundert der Stammsitz der Familie in Alt Wallmoden ausgebaut worden war. Die Burg wurde 1181 dem Kloster Riechenberg übertragen, 1460 erhielt die Familie von Wallmoden die Güter wieder zurück.

Neuwallmoden Die südwestlich von Alt Wallmoden gelegene Burg Neuwallmoden () wurde im 13. oder 14. Jahrhundert erbaut. Diese wurde 1307 erstmals schriftlich als Castrum Novum Walmede erwähnt, als die Stadt Goslar und der Bischof Siegfried von Hildesheim diese Burg zum Schutz der Handelswege erwarben. Ob auch diese Burg zum Besitz der Familie von Wallmoden gehörte, ist nicht geklärt. Ab 1311 gehörte die Burg dem Bistum Hildesheim und wurde 1323 an die Herren von Oberg verkauft. Die Burg wurde 1368 bei einer Fehde durch Truppen des Bischofs von Hildesheim zerstört und der Ort fiel wieder an das Bistum zurück.

Die Burg in Neuwallmoden besitzt die Form einer Motte, deren Hügel noch ca. 5 m hoch erhalten ist. Das Erscheinungsbild ist heute durch diverse Baumaßnahmen beeinträchtigt. Im Süden ist am Hügelfuß noch eine Futtermauer zu erkennen. Der Verlauf des Ringgrabens mit ca. 45 m Durchmesser ist anhand der Grundstücksgrenzen und z. T. auch als sehr flache Mulde noch ablesbar. Nach mündlicher Überlieferung waren auf dem Burgplateau starke Mauern und Keller vorhanden. Eine Vorburg dürfte im Norden gelegen haben, in der ersten Hälfte des 20. Jhs. war dort noch ein 80 m langer Wall mit Mauerkern zu sehen.

Nordöstlich des Ortes befindet sich eine „Reitbahn“ genannte, wohl frühmittelalterliche Wallburg, deren Befestigung heute eingeebnet ist.

Seit 1724 wurde östlich von Neuwallmoden in drei kleinen Gruben Eisenstein abgebaut. Das abgebaute Erz wurde in der Wilhelmshütte bei Bornum verhüttet. Ende des 18. Jahrhunderts kam der Bergbau wieder zum Erliegen.

Bodenstein mini|Blick auf Bodenstein Das Kloster des in den Hainbergen gelegenen Ortes () wurde 1146 durch das Kloster St. Godehardi zu Hildesheim gegründet. In der Gründungsurkunde des Klosterhofs, zugleich die erste schriftliche Erwähnung des Ortes, wurde neben Bodenstein noch der benachbarte Ort Holthusen erwähnt, auf dessen Grund ein Teil der Klostergüter lagen. Im Jahr 1214 wurde der Name Holthusens noch einmal erwähnt, danach verschwand dieser und der Name Bodenstein stand seitdem für beide Ortsteile. Seit 1271 gehörte das Kloster zum Goslarer Kloster Frankenberg. Nach Einführung der Reformation durch Herzog Julius im Jahre 1568 wurde das Kloster in ein adeliges Damenstift umgewandelt. Das Damenstift wurde 1806 als eine Folge der Säkularisation aufgehoben und in ein Klostergut umgewandelt.

In der Schlacht bei Lutter wurde Bodenstein 1626 weitgehend zerstört und erst 1650 wieder aufgebaut. Aus dem Jahr 1756 ist eine Flurkarte erhalten, nach der im Ort ein Halbspänner, elf Vollköter, sechs Halbköter, elf Brinksitzer und ein Anbauer lebten. Beim Aufbau des Eisenbahnnetzes Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Bodenstein nicht angeschlossen, da es zu weit ab der Verkehrswege lag. Der Ort behielt so seinen landwirtschaftlichen Charakter, der insbesondere durch das Klostergut geprägt wurde.

Das Klostergut wird heute von der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz verwaltet. Nachdem zuletzt 1987 auch die Milchproduktion eingestellt werden musste, ist es heute ein reiner Ackerbaubetrieb. Auf dem Gelände des Klostergutes unterhält das Niedersächsische Landgestüt Celle seit 1987 eine Deckstation.

Könneckenrode mini|Ehemaliges Waldgasthaus von Könneckenrode – Blick von der Bundesstraße 248 Das Vorwerk Könneckenrode (), heute ein Ortsteil von Alt Wallmoden, war ursprünglich ein Vorwerk des Gutes in Alt Wallmoden. Der Ort liegt an der Bundesstraße 248 etwa auf halber Strecke zwischen Salzgitter-Bad und Lutter am Barenberge. Der Name erscheint erstmals 1154 in einer Schenkungsurkunde, in der Heinrich der Löwe dem Kloster Riechenberg bei Goslar zwei Hufen Land in Kantingerod schenkt. Im Jahr 1460 erwarb die Familie von Wallmoden diese Ländereien. Anfang des 18. Jahrhunderts wurden hier ein Wirtshaus und eine Ziegelei erwähnt.

Um 1750 war eine Erzwiese bei Könneckenrode bekannt. Das Eisenerz wurde in geringem Umfang von Bauern abgebaut und an der Innerstefurt bei Hohenrode verhüttet. Auf diese Erzfunde verwies auch ein Gutachten, das 1764 im Auftrag des Hildesheimer Fürstbischofs Friedrich Wilhelm von Westphalen (1763–1789) erstellt worden war, zu einer weiteren Ausbeutung dieser Funde kam es aber nicht. Die Erkundung des Lagers wurde 1938 wieder aufgenommen, als im Rahmen des Aufbaus der Erzbergwerke für Reichswerke Hermann Göring bei Alt Wallmoden der Schacht Anna abgeteuft wurde, der als Wetterschacht für das Bergwerk Ringelheim dienen sollte. Von diesem Schacht aus wurde in einer Teufe von 296 m ein Untersuchungsquerschlag in südwestlicher Richtung aufgefahren. Die Arbeiten wurden abgebrochen, als nach 650 m ein Wassereinbruch den weiteren Vortrieb unmöglich machte. Die Teufarbeiten am Schacht Anna wurden kriegsbedingt im Oktober 1940 eingestellt und nach Kriegsende nicht wieder aufgenommen. Der Schacht Anna wurde 1949 abgeworfen und mit einem Betondeckel verschlossen.

Die Revierförsterei von Alt Wallmoden hat ihren Sitz in Könneckenrode. Der Gasthof „Tannenhof“ wurde um 2010 aufgegeben, das Gebäude wird seitdem privat genutzt.

Einwohnerentwicklung Alt Wallmoden: 386 (Stand 30. Juni 2012) Bodenstein: 289 Neuwallmoden: 289Samtgemeinde Lutter: Daten, Zahlen und Fakten 2012/13: PDF (PDF-Datei), Stand 21. Januar 2013.

mini|400px|Einwohnerentwicklung von 1821 bis 2017 Jahr Einwohner 1821 1118 1848 1204 1871 1135 1885 1117 1905 1049 1925 935 1933 936 Jahr Einwohner 1939 928 1946 1778 1950 1807 1956 1415 1961 1411 1968 1292 1970 1267 Jahr Einwohner 1975 1224 1980 1189 1985 1181 1990 1129 1995 1107 2000 1091 2005 1112 Jahr Einwohner 2010 980 2015 897 2016 895 2017 897 2018 913 2019 916 (Ab 1968 Stand jeweils zum 31. Dezember)

Religionen

Seit der im Jahre 1568 im Herzogtum Braunschweig durchgeführten Reformation ist die zu Wallmoden gehörende Bevölkerung überwiegend protestantisch. Die nächstgelegene katholische Gemeinde ist in Salzgitter-Ringelheim.