Die Suchoi Su-30 (, NATO-Codename: Flanker-C) ist ein russisches Mehrzweckkampfflugzeug auf der Basis des zweisitzigen Trainingsflugzeugs Suchoi Su-27UB, dessen Entwicklung in den letzten Jahren der Sowjetunion begann.
Entwicklung mini|Eine Su-30 im extremen Tiefflug, geflogen von Testpilot Anatoli Kwotschur (2006) mini|Russische Suchoi Su-30 von unten (2016) mini|Die Su-30K ersetzte in der indischen Luftwaffe viele der veralteten MiG-21- und MiG-23-Jäger mini|Viele der indischen Su-30-Maschinen sind in Lizenz gebaut worden
Mit der Entwicklung der Su-30 wurde bei Suchoi Mitte der 1980er-Jahre begonnen. Noch bevor die Su-27 („Flanker“) in Dienst gestellt wurde, begann man bereits mit der Weiterentwicklung. Ziel war, eine ganze Serie von Flugzeugtypen zu schaffen, die aus einem Langstreckenabfangjäger, einem Luftüberlegenheitsjäger, einem taktischen Jagdbomber und einem Mehrzweckkampfflugzeug bestehen sollte. Diese Generation bezeichnete Suchoi als Serie 30.
Die Su-30, zunächst auch Su-27PU genannt, sollte in diesem Konzept den Langstreckenabfangjäger darstellen. Der erste Prototyp flog unter der Bezeichnung T-10PU-5 erstmals am 30. Dezember 1989. Der Prototyp war relativ frei von Problemen, weshalb recht schnell die Serienfertigung begann. Am 14. April 1992 flog die erste Su-30-Serienmaschine, und noch im gleichen Jahr wurde dieser Typ in Dienst gestellt. Im Einsatz war die Su-30 als Ergänzung für die MiG-31 („Foxhound“) vorgesehen, die dann primär zur Abwehr von Marschflugkörpern eingesetzt werden sollte. Die Su-30 sollte US-amerikanische B-1- und B-52-Bomber über dem Nordpol und dem Pazifik abfangen. Durch den Zusammenbruch der Sowjetunion wurde dieses Konzept aber hinfällig, wodurch die Su-30 „arbeitslos“ wurde. Als Folge dessen gab es zunächst nur eine eingeschränkte Produktion von Su-30-Maschinen.
Daraufhin begann man bei Suchoi mit der Suche nach neuen Aufgaben für die Su-30, und man begann damit, die Su-30 zu einem Mehrzweckkampfflugzeug umzubauen. Heraus kam die Su-30M, die vorwiegend für Jagdbomber-Einsätze vorgesehen ist. Entsprechend diesem Aufgabenspektrum wurden anstelle des Abfangradars ein neues Kampfelektronik- und ein Tschaika-Navigationssystem eingebaut. Gleichzeitig wurde die Heckpartie der Maschine überarbeitet und stabilisiert, um sie gegen Beschuss widerstandsfähiger zu machen. Für den Export wurde die Su-30MK bereitgestellt, die sich mehrfach gegen ihre US-amerikanischen und europäischen Konkurrenten auf dem asiatischen Markt durchsetzte.
Trotz ihrer Größe und ihres hohen Gewichts ist die Su-30 zu bemerkenswerten Flugleistungen fähig. Dazu gehört unter anderem das mit einer Su-27 öffentlich demonstrierte und seitdem berühmte Kobramanöver. Im Vergleich zur Su-27 erreicht die Su-30 allerdings eine etwas geringere Steigleistung und Höchstgeschwindigkeit. Bei Manövern mit sehr abrupten Richtungsänderungen verliert sie enorm an Geschwindigkeit und somit auch Höhe, was vor allem bei Versionen mit Schubvektorsteuerung, welche die Wendigkeit der Maschine gegenüber Flugzeugen mit konventionellen Triebwerken stark erhöhen, besonders deutlich wird. Die Stärke der Su-30 liegt primär in ihrer hohen Flexibilität, da sie beinahe für jede Art von Einsatz verwendet werden kann. Diese sogenannten „Multi-Role“-Fähigkeiten waren der größte Vorteil der Su-30MK auf dem Weltmarkt, da zuvor nur die F-16 „Fighting Falcon“, F/A-18 „Hornet“ und JAS 39 „Gripen“ über eine ähnliche hohe Flexibilität verfügten, ohne aber die Flugleistungen der Su-30 zu erreichen. Dies änderte sich aber mit der Einführung der F-35 sowie der vollen Einsatzfähigkeit der französischen Rafale und des Eurofighter „Typhoon“.David A. Fulghum, Douglas Barrie: Su-30MK Beats F-15C ‚Every Time‘. In: Aviation Week and Space Technology, 24. Mai 2002 (englisch).
Die Su-30 verfügt über keine Tarnkappen-Eigenschaften und weist aufgrund ihrer Größe einen hohen Kerosinverbrauch auf, der durch die großen internen Tanks jedoch wieder ausgeglichen wird, sodass der Hersteller bislang auf eine Integration von abwerfbaren Zusatztanks verzichtet hat.
Radarsysteme Die Su-30 verwendet als Bordradar das NIIP N001 „Metsch“ (auch: RPLK-27, NATO-Code: „Slot Back“). Es wurde für die Su-27 entwickelt und sollte mindestens dieselbe Leistung wie das US-amerikanische AN/APG-65 aufweisen. Dies war aber zum Zeitpunkt der Entwicklung nicht realisierbar, so dass man Teile aus dem vorhandenen N019-Radar einsetzte (hauptsächlich die Parabolantenne und der TS100-Prozessor). Die Entwicklung war im März 1983 abgeschlossen. Bei den folgenden Tests lag die Reichweitenleistung deutlich unter den Erwartungen. So kann das Radar einen großen Bomber auf maximal 140 km statt der geplanten 200 km erfassen. Auch die Zuverlässigkeit war mit einem MTBF von nur fünf Stunden extrem niedrig. Daher wurde das Radar vorerst nicht akzeptiert und erneut überarbeitet. Das überarbeitete Radar wurde 1991 eingeführt.
Die Parabolantenne des N001 hat einen Durchmesser von 1,075 m und sendet mit einer Durchschnittsleistung von 1 kW im X-Band (8–12 GHz).Overscan’s Guide to Russian Military Avionics (englisch). Es gehört zur Gruppe der Doppler/Impuls-Radare, weshalb es auch über gute Look-Down/Shoot-Down-Fähigkeiten verfügt. Große Ziele können auf 140 km Entfernung erfasst werden, ein Ziel mit einem Radarquerschnitt von 3 m² auf 80 bis 100 km, wobei ein solches Ziel erst ab 65 km sicher verfolgt werden kann.Radar and Electronic Warfare Systems 2003. Das Radar verfügt auch über einen TWS-Modus und kann so zehn Ziele gleichzeitig verfolgen und zwei davon simultan bekämpfen. Die chinesische Version der Su-30MK2 ist mit einem Schuk-MSE-Radar ausgestattet, mit dem bis zu zehn Ziele gleichzeitig verfolgt und vier simultan bekämpft werden können.
In der Su-30MKI und ihren Varianten kommt das N011M „Bars“ (auch: RLSu-30MK) als eines der leistungsfähigsten russischen Radargeräte für Kampfflugzeuge zum Einsatz. Es zeichnet sich besonders durch die PESA-Antenne aus, welche die Leistung in allen relevanten Parametern deutlich erhöht. Die Entwicklung begann Anfang der 1990er-Jahre, wobei als Testplattform zwei speziell konfigurierte Su-27M dienten. Während der Entwicklung traten Probleme mit der neuen Antenne auf, die bei einer elektronischen Schwenkung über 40° massiv an Leistung verlor. Daher wird die Antenne nun horizontal zusätzlich mechanisch ausgerichtet, so dass Scanwinkel von ±70° möglich sind, in der Höhe wegen der fehlenden mechanischen Ausrichtung nur ±40°. Die Antenne selbst hat einen Durchmesser von einem Meter, wiegt 110 kg und sendet im X-Band. Hierbei erzielt sie eine Impulsleistung von 4–5 kW und eine Dauerleistung von 1,2 kW. Der Antennengewinn beträgt 36 dB, die erste Nebenkeule fällt um −25 dB geringer aus, was zu einer durchschnittlichen Nebenkeulendämpfung von −48 dB führt. Der Öffnungswinkel liegt bei 2,4°, wobei zwölf unterschiedliche Strahlen erzeugt werden können. Zur Signalverarbeitung kommt ein programmierbarer TS200-Prozessor zum Einsatz, der eine maximale Leistung von 75 MIPS erreicht. Das Radar wird von drei separaten Prozessoren kontrolliert, die auf einen 16-MB-RAM zurückgreifen können. Das komplette System wiegt 650 kg.
Das N011M verfügt über diverse fortschrittliche Betriebsmodi, um eine breite Palette von Luft-, See- und Boden-Zielen effektiv bekämpfen zu können. Dazu gehören Ground Mapping (mit Dopplerschärfung), TWS (15 Ziele verfolgen, davon vier simultan bekämpfen) und NCTI anhand spezifischer Eigenschaften von rotierenden Fan-Schaufeln. Die Ortungsreichweite liegt bei etwa 140 km für einen Radarquerschnitt von 1 m².Air Power Australia: Flanker Radars in Beyond Visual Range Air Combat (englisch).
Einsatzgeschichte Bürgerkrieg in Syrien Suchoi Su-30 der russischen Luftstreitkräfte werden seit dem 30. September 2015 im Rahmen des Militäreinsatzes in Syrien zur Luftraumsicherung und gegen Bodenziele eingesetzt. Am 3. Mai 2018 stürzte eine Su-30 nahe der syrischen Küste ab. Beide Besatzungsmitglieder kamen dabei ums Leben.
Russischer Überfall auf die Ukraine Beim russischen Überfall auf die Ukraine setzen die russischen Luftstreitkräfte ab dem 28. Februar 2022 die Su-30 zur Luftraumsicherung und gegen Bodenziele ein. Bis Juli 2026 wurden mindestens 21 Su-30 über der Ukraine abgeschossen oder gingen aus technischen Gründen verloren. Dies entspricht rund 16 % der russischen Su-30-Flotte.
Versionen mini|Eine Suchoi Su-30K der indischen Luftwaffe
Su-30Initialversion und Langstreckenabfangjäger auf Basis der Su-27UB. Unterscheidet sich von der Su-27UB durch umfassendere Ausrüstung, um den Einsatz einer Gruppe von Jägern koordinieren zu können.
Su-30KErste Serienversion der Su-30. 18 Stück wurden nach Indien exportiert. Indien gab diese Flugzeuge wegen Qualitätsproblemen zurück. Die Maschinen wurden in einem Flugzeugreparaturwerk bei Minsk eingelagert. Über einen Weiterverkauf an belarussische Luftstreitkräfte ist in den Jahren 2010–2012 mehrfach spekuliert worden, eine Übereinkunft konnte jedoch nicht erzielt werden. Stattdessen bestellte Angola im Rahmen eines umfassenden Rüstungsvertrags mit Russland 12 dieser Flugzeuge. Zwei weitere ehemalig indische Maschinen gingen wohl an Äthiopien.
Su-30KILuftüberlegenheitsjäger auf Basis der Su-27SKM für Indonesien. Der 1997 geschlossene Vertrag wurde wegen der Finanzkrise in Asien nicht umgesetzt. Die Maschine wurde wieder zur Su-27SKM umgerüstet. Im Jahr 2010 erhielt Indonesien dann das Modell Su-30MK2. Die einzige einsitzige Variante der Su-30.
Su-30KNModernisierungsversion für die russischen Marineluftstreitkräfte der Seekriegsflotte. Etwa 40 Maschinen Su-27UB sollten zur Su-30KN umgerüstet werden, das Vorhaben wurde jedoch zugunsten der Modernisierung der Su-27S aufgegeben.
Su-30MMehrzweckkampfflugzeug auf Basis der Su-30. Sechs Serienmaschinen wurden an die russischen Luftstreitkräfte ausgeliefert und dienten als Technologieträger. Basisversion, aus der die beiden wichtigen Zweige der Su-30-Familie entwickelt wurden: Su-30MK, Su-30MK2 und ihre Derivate auf der einen Seite sowie Su-30MKI und ihre Varianten auf der anderen.
Su-30MKSerienversion der Su-30 als Mehrzweckkampfflugzeug auf Basis der Su-30M. Der Buchstabe „K“ in der Bezeichnung steht übersetzt für kommerziell, bzw. auf Exporte ausgerichtet und bildet die Grundlage für einen der zwei Zweige der Su-30-Entwicklung seit der Su-30M.
Su-30MKKExportversion der Su-30MK für die Volksrepublik China. 76 Maschinen wurden ausgeliefert.
Su-30MK2Verbesserte Su-30MK. Diese Version besitzt zwei zusätzliche Aufhängungspunkte für Bewaffnung und ist in der Lage, Ch-59M-Flugkörper einzusetzen. Das Radar wurde verbessert und kann nach Wunsch alternativ durch Fasotron-NIIR-Schuk-Varianten ersetzt werden. 24 dieser Maschinen wurden von der chinesischen Volksmarine beschafft. Auch Libyen und Uganda haben jeweils 6 Flugzeuge dieses Typs bestellt. Die ersten beiden Maschinen für Uganda wurden im Juli 2011 geliefert.
Su-30MK3Vorschlag für eine für die chinesische Volksmarine modifizierte Su-30MK2. Letztendlich wurde auf die Einführung dieser Bezeichnung verzichtet und die Flugzeuge als Su-30MK2 nach China verkauft.
Su-30MKVExportversion der Su-30MK2 für Venezuela. 24 Maschinen wurden ausgeliefert.rian.ru: Chavez warns U.S. after getting Russian warplanes.
Su-30MK2VVersion der Su-30MK2 für Vietnam.
Su-30M2Su-30MK2 für die russischen Streitkräfte. Im Rahmen des Vertrags über die Lieferung von 48 Su-35 erwarb Russland unter anderem auch 4 Su-30M2, die aus früheren Geschäftsbeziehungen bei KnAAPO übrig blieben. Weitere 16 wurden im Dezember 2012 bestellt.UAC-Jahresabschluss S. 12 (PDF; 1,8 MB).
mini|Eine Su-30MKI