Andhra Pradesh () ist ein indischer Bundesstaat mit einer Fläche von 160.205 km² und über 49 Millionen Einwohnern (Volkszählung 2011). Hauptstadt ist die Planstadt Amaravati, die sich im Aufbau befindet.
Der Name des Bundesstaates bedeutet im Sanskrit „Land der Andhra“, eines schon in vorchristlicher Zeit bekannten Volkes. Andhra Pradesh entstand im unabhängigen Indien 1953 zunächst in Form des Bundesstaats Andhra. Dieser vereinigte sich 1956 im Rahmen des States Reorganisation Acts mit der Region Telangana zum neuen Bundesstaat Andhra Pradesh, dessen Grenzen entlang der Sprachgrenzen des Telugu gebildet wurden. Am 2. Juni 2014 wurde Telangana als eigener Bundesstaat von Andhra Pradesh abgetrennt. Damit verlor Andhra Pradesh jeweils rund 40 Prozent seiner Fläche und seiner Einwohner sowie auch die Hauptstadt Hyderabad, die nun für 10 Jahre als Hauptstadt für beide Bundesstaaten fungiert. Zur Unterscheidung von Andhra Pradesh vor 2014 ist für Andhra Pradesh ohne Telangana auch der Begriff Seemandhra in Gebrauch, der zusammengesetzt ist aus den Namen der beiden Regionen des verbliebenen Bundesstaates: Seema für Rayalaseema und Andhra für die Andhraküste.
Geografie mini|Topografische Karte Andhra Pradeshs
Andhra Pradesh grenzt an die Bundesstaaten Tamil Nadu im Süden, Karnataka im Westen, Telangana im Norden und Odisha im Nordosten, sowie im Osten an den Golf von Bengalen. Der zum Unionsterritorium Puducherry gehörende Ort Yanam liegt als Enklave nahe der Küste im Nordosten Andhra Pradeshs. Nach der Abspaltung Telanganas hat Andhra Pradesh eine Fläche von 160.205 Quadratkilometern und ist damit weniger als halb so groß wie Deutschland. Flächenmäßig ist Andhra Pradesh der siebtgrößte der 29 Bundesstaaten Indiens. Vor der Abspaltung Telanganas war Andhra Pradesh mit 275.045 Quadratkilometern Indiens viertgrößter Bundesstaat gewesen.
Landschaftsgliederung mini|Bewaldete Berglandschaft in den nördlichen Ostghats (Naturschutzgebiet Kambalakonda nahe Visakhapatnam) mini|Die Ethipothala-Wasserfälle nahe der Nagarjuna-Sagar-Talsperre Andhra Pradeshs Küste am Golf von Bengalen ist eine Ausgleichsküste mit zahlreichen, zum Teil bereits verlandeten Lagunen. Der südliche Abschnitt bis zur Mündung des Krishna wird der Koromandelküste zugerechnet. Dahinter liegt eine breite Küstenebene, die vom Gebirgszug der Ostghats begrenzt wird, welche im Westen und Nordwesten wiederum zum Hochland von Dekkan abfallen. Die drei größten Ströme Godavari, Krishna und Penneru schneiden sich tief ins Bergland ein und trennen die Ostghats damit in mehrere große Blöcke: die bis zu 1150 Meter hohen Palkonda- und Seshachalam-Berge südlich des Penneru, die knapp über 1000 Meter reichenden Nallamalai-Berge zwischen Penneru und Krishna sowie die sich nordöstlich des Godavari fortsetzende, steil zum Meer hin abfallende Hauptkette der Ostghats mit dem 1680 Meter hohen Devodi Munda, der höchsten Erhebung des Bundesstaates. Der Penneru teilt zudem die östlich der Nallamalai-Kette parallel verlaufenden Velikonda-Berge, die im Süden bis an die Grenze Tamil Nadus und im Norden fast bis zum Krishna reichen, in zwei jeweils mehr als 1000 Meter erreichende Höhenzüge. Westlich der Nallamalai-Berge schließt sich das tief gelegene, vom Penneru und einigen Nebenarmen durchflossene Kadapa-Becken an. Krishna und Godavari bilden breite Stromebenen, die weit ins Binnenland hineinreichen, und münden in stark gefächerten Deltas in den Golf von Bengalen. Die Südwestregion als Rayalasima bekannt.
Klima In Andhra Pradesh herrscht tropisches Klima. Allerdings gibt es beträchtliche regionale Unterschiede sowohl bei den Temperaturen als auch bei der Niederschlagsverteilung. Im Wesentlichen lassen sich zwei allgemeine Aussagen treffen. Zum einen ist es im Norden kühler und feuchter als in den südlichen Landesteilen, zum anderen weisen die Küstengebiete höhere Durchschnittstemperaturen und Niederschlagsmengen auf als das Binnenland.
An der Küste fällt das Thermometer selbst im Januar und Februar nur selten unter 18 Grad Celsius. Werte von bis zu 41 Grad werden nur in den heißesten Monaten April und Mai erreicht. Im Jahresmittel liegt die Temperatur um 27 Grad im Norden sowie um 29 Grad im Süden. Niederschläge fallen fast ausschließlich während des Südwestmonsuns von Juni bis September sowie während des Nordostmonsuns von Oktober bis Dezember, wobei die Intensität des ersteren von Norden nach Süden abnimmt und die des letzteren von Norden nach Süden zunimmt. Pro Jahr fallen je nach Ort zwischen 700 und 1500 mm Regen. Am niederschlagsreichsten ist der nördliche Küstenabschnitt mit über 1000 mm. Die Luftfeuchtigkeit ist ganzjährig hoch.
Im höher gelegenen Binnenland schwanken die Temperaturen spürbar stärker. Die Tiefstwerte im Winter liegen bei 13 Grad im nördlichen Telangana-Hochland bzw. 17 Grad in der Rayalasima-Region im Südwesten. Zumindest in Telangana sind vereinzelt sogar Temperaturen unter 10 Grad möglich. Im April und Mai kann das Thermometer auf 43 Grad steigen, in Extremjahren sind auch schon über 45 Grad gemessen worden. Die durchschnittlichen Jahrestemperaturen sind etwas niedriger als an der Küste. Telangana erhält nur durch den Südwestmonsun von Juni bis September ausreichend Niederschlag, insgesamt je nach Ort 750 bis 1000 mm. In Rayalasima regnet es zwar auch während des Nordostmonsuns von Oktober bis Dezember, dafür fallen die vorangehenden Sommermonsunregen wesentlich schwächer aus, sodass insgesamt nur 550 bis 800 mm erreicht werden. Die Luftfeuchtigkeit im Binnenland liegt bei 20 % bis 35 % in der trockensten Zeit des Jahres von Februar bis Mai. In der Regenzeit steigt sie auf 70 % bis über 80 %. Das trockene Klima des Binnenlandes begünstigt Dürren.
Bevölkerung Demografie mini|Bewohner eines Dorfes in Andhra Pradesh Nach der indischen Volkszählung 2011 leben im Gebiet des heutigen Bundesstaates Andhra Pradesh (nach der Abspaltung Telanganas) 49,4 Millionen Menschen. Damit ist Andhra Pradesh der zehntgrößte unter den 29 Bundesstaaten Indiens. Vor der Abspaltung Telanganas war Andhra Pradesh mit 84,6 Millionen Einwohnern noch der fünftgrößte Bundesstaat gewesen.
Die Bevölkerungsdichte Andhra Pradeshs beträgt 308 Einwohner pro Quadratkilometer und liegt somit unter dem indischen Durchschnitt von 382 Einwohnern pro Quadratkilometer. Die Bevölkerung ist ungleich verteilt: Während die fruchtbaren Deltas des Godavari und Krishna eine Dichte von jeweils mehr als 500 Menschen je Quadratkilometer aufweisen, ist der trockene Südwesten eher dünn besiedelt. 30 Prozent der Einwohner Andhra Pradeshs leben in Städten. Der Urbanisierungsgrad entspricht damit dem Landesdurchschnitt von 31 Prozent. Das Geschlechterverhältnis ist unausgeglichen, entspricht aber dem Mittelwert Gesamtindiens: Auf 1000 Männer kommen in Andhra Pradesh 950 Frauen (Indien: 943).Berechnet anhand der Werte für die Distrikte Andhra Pradeshs ohne Telangana nach der Volkszählung 2011 (Census of India 2011: Primary Census Abstract – Andhra Pradesh.)
Eine Minderheit der Bevölkerung Andhra Pradeshs stellen die Adivasi (Angehörige der indigenen Stammesbevölkerung) dar. 2,6 Millionen Einwohner des Bundesstaates (fünf Prozent der Bevölkerung) werden als Angehörige der Stammesbevölkerung (Scheduled Tribes) klassifiziert. Die größten Gruppen sind die Yanadi, Yerukula und Sugali, die im Südwesten Andhra Pradeshs siedeln. In den nördlichen Ostghats an der Grenze zu Odisha (Distrikte Visakhapatnam, Vizianagaram und Srikakulam) lebt eine Reihe weiterer Stammesvölker, darunter die Konda, Bagata, Jatapu, Savara und Kondh.
Sprachen mini|hochkant|Eine Wandmalerei auf Telugu in Kakinada Die Hauptsprache Andhra Pradeshs ist wie im benachbarten Telangana das Telugu. Das Telugu gehört zur Gruppe der in Südindien verbreiteten dravidischen Sprachen und wird in einer eigenen Schrift, der Telugu-Schrift geschrieben. Nach der Volkszählung 2011 wurde Telugu im Gebiet des damaligen Andhra Pradesh von 89 Prozent der Bevölkerung als Muttersprache gesprochen.
Der größte Teil der muslimischen Minderheit Andhra Pradeshs spricht als Muttersprache Urdu, meist in der regionalen Variante Dakhini. Das Urdu gehört zu den indoarischen Sprachen und ist eng mit dem Hindi verwandt. Es unterscheidet sich aber durch die Benutzung der persisch-arabischen Schrift und den größeren Anteil von Lehnwörtern aus dem Persischen und Arabischen. Die meisten Urdu-Sprecher in Andhra Pradesh sind zweisprachig mit Telugu. In Distrikten mit besonders hohem Sprecheranteil genießt Urdu den Status einer zweiten offiziellen Sprache. Entlang der Grenze zu Tamil Nadu, Karnataka und Odisha sind zudem die Sprachen der jeweiligen Nachbarbundesstaaten – Tamil, Kannada und Oriya – verbreitet.
Unter der Stammesbevölkerung im Nordosten Andhra Pradeshs sind eine Reihe kleinerer Sprachen verbreitet, die jeweils einige Zigtausend Muttersprachler haben. Hierzu gehören Savara in den Distrikten Srikakulam und Vizianagaram, Jatapu im Distrikt Vizianagaram, Konda im Distrikt Visakhapatnam und Koya im Distrikt West Godavari. Das Savara gehört zur Gruppe der Munda-Sprachen, die übrigen dieser Sprachen zur dravidischen Sprachfamilie.
Als alleinige Amtssprache Andhra Pradeshs dient das Telugu. Wie überall in Indien spielt das Englische eine wichtige Rolle als bedeutende Bildungs-, Wirtschafts- und Verwaltungssprache.
+ Sprachen in Andhra Pradesh (2011)Berechnet für die 2014 bei Andhra Pradesh verbliebenen Distrikte nach Census of India 2011: C-16 Population By Mother Tongue. Andhra Pradesh. Sprache Sprecher Anteil Telugu 44.141.145 89,4 % Urdu 3.244.556 6,6 % Tamil 573.500 1,2 % Sonstige 1.427.598 2,9 % Summe 49.386.799 100 %
Religionen mini|Der Hindutempel von Tirumala Tirupati ist das weltweit meistbesuchte Pilgerziel. In Andhra Pradesh liegt der Bevölkerungsanteil der Hindus mit 91 Prozent deutlich über dem gesamtindischen Durchschnitt von 80 Prozent. Muslime stellen mit 7 Prozent die größte Minderheit. Der größte Teil der Muslime Andhra Pradeshs lebt in der Region Rayalaseema, während die Küstenregion stark hinduistisch geprägt ist. Rund anderthalb Prozent der Bevölkerung Andhra Pradeshs sind Christen. Trotz vereinzelter jesuitischer Missionierungsversuche im 18. Jahrhundert hat das Christentum erst im 19. Jahrhundert durch die vorwiegend protestantische, später auch katholische Missionstätigkeit in Andhra Pradesh Fuß fassen können, insbesondere unter den von der hinduistischen Gesellschaft ausgegrenzten Dalit und Adivasi.
+ Religionen in Andhra Pradesh (2011)Berechnet für die 2014 bei Andhra Pradesh verbliebenen Distrikte nach Census of India 2011: C-1 Population By Religious Community. Andhra Pradesh. Religion Angehörige Anteil Hinduismus 44.875.698 90,9 % Islam 3.617.713 7,3 % Christentum 682.660 1,4 % Sonstige 210.728 0,4 % Summe 49.386.799 100 %
Bildung Andhra Pradeshs Alphabetisierungsrate liegt mit 67 % unter dem Landesdurchschnitt von 73 % (jeweils Volkszählung 2011).Berechnet anhand der Werte für die Distrikte Andhra Pradeshs ohne Telangana nach der Volkszählung 2011 (Census of India 2011: Primary Census Abstract – Andhra Pradesh.) Trotz allgemeiner Schulpflicht ab sechs Jahren werden vor allem auf dem Land längst nicht alle Kinder tatsächlich eingeschult.Annual Status of Education Report 2005:
Erste Unterrichtssprache ist in der Regel die Amtssprache Telugu. Der Unterricht kann jedoch auch in einer der anderen anerkannten Nationalsprachen Indiens erteilt werden, sofern wenigstens 10 Schüler einer Klasse und mindestens 30 Schüler an der gesamten Schule die entsprechende Sprache zur Muttersprache haben. Englisch wird als Zweit- oder Drittsprache gelehrt. Die Sprachen der Adivasi-Bevölkerung sind dagegen nicht anerkannt, Adivasi-Kinder erhalten ihre Grundausbildung ausschließlich auf Telugu. An höheren Bildungseinrichtungen wird ein Großteil der Lehrveranstaltungen auf Englisch abgehalten.
Größte Städte Stand: Volkszählung 2011.