Assam (Assamesisch: [], ) ist ein indischer Bundesstaat mit einer Fläche von 78.438 km² und 31,2 Millionen Einwohnern (Volkszählung 2011). Hauptstadt und Regierungssitz ist Dispur, ein Vorort von Guwahati, der größten Stadt des Bundesstaats. Die hauptsächlich gesprochenen Sprachen sind Assamesisch (Asamiya) und Bengalisch (Bengali) neben zahlreichen Kleinsprachen der tibetobirmanischen Sprachfamilie.
Geografie Lage und Ausdehnung mini|links|Der Brahmaputra in Guwahati Assam liegt im Nordosten Indiens und gehört zu den sogenannten sieben Schwesterstaaten, die nur durch einen schmalen Korridor mit dem Rest des Landes verbunden sind. Nachbarbundesstaaten sind Arunachal Pradesh im Nordosten, Nagaland und Manipur im Osten, Mizoram, Tripura und Meghalaya im Süden und Westbengalen im Westen. Im Nordwesten liegt die Staatsgrenze zu Bhutan, im Südwesten und Süden besitzt Assam zwei Grenzabschnitte zu Bangladesch. Die Fläche des Bundesstaates beträgt 78.512 Quadratkilometer. Damit nimmt er eine mittlere Stellung unter den Bundesstaaten Indiens ein und ist etwa so groß wie Tschechien.
Der Großteil Assams gehört zum Flusstal des Brahmaputra, das zwischen dem Himalaya im Norden und den Bergen von Meghalaya, North Cachar und Nagaland im Süden liegt. Der Brahmaputra entspringt in Tibet und tritt, nachdem er den Himalaya in einer tiefen Schlucht durchquert hat, in die Flussebene Assams ein. Hier erreicht er stellenweise eine Breite von zehn Kilometern. Das Brahmaputra-Tal ist etwa 1000 Kilometer lang und 80 bis 100 Kilometer breit. Im Süden Assams liegen die Bareil-Berge und jenseits davon das Barak-Tal. Das 40 bis 50 Kilometer breite Flusstal des Barak ist durch die Berge vom restlichen Assam isoliert und stellt sich geografisch als Fortsetzung der Flussebenen Ostbengalens dar.
Städte mini|Blick auf Guwahati Die mit Abstand größte Stadt Assams ist Guwahati (ehemals Gauhati) mit gut 960.000 Einwohnern (Volkszählung 2001). Die Hauptstadt Assams ist Dispur, ein Vorort Guwahatis.
(Stand: Volkszählung 2011)
StadtEinwohnerStadtEinwohner 1Guwahati962.334 8Bongaigaon67.322 2Silchar178.865 9Dhubri63.388 3Dibrugarh145.488 10Diphu61.797 4Jorhat126.736 11North Lakhimpur59.814 5Nagaon121.628 12Karimganj56.854 6Tinsukia116.322 13Goalpara53.430 7Tezpur75.540 14Sivasagar50.781
Bevölkerung Demografie mini|Reisbauern im Distrikt Nagaon Nach der indischen Volkszählung 2011 hat Assam 31.169.272 Einwohner. Zwischen 2001 und 2011 nahm die Einwohnerzahl um 16,9 Prozent zu. Die Wachstumsrate entspricht damit dem Durchschnitt Indiens von 17,6 Prozent im Vergleichszeitraum. Die Bevölkerungsdichte Assams beträgt 397 Einwohner pro Quadratkilometer und liegt damit nahe am gesamtindischen Durchschnitt von 382 Einwohnern pro Quadratkilometer. Dabei konzentriert sich ein großer Teil der Bevölkerung auf die ländlichen Gebiete: Nur 14,1 Prozent der Einwohner Assams leben in Städten. Der Urbanisierungsgrad ist damit deutlich niedriger als der Landesdurchschnitt von 31,2 Prozent. Mit einer Alphabetisierungsquote von 73,2 Prozent rangiert Assam im Mittelfeld der indischen Bundesstaaten und liegt nahe am Mittelwert Indiens (74,0 Prozent).Census of India 2001: und Provisional Population Totals – India – Rural-Urban Distribution. (PDF; 8,1 MB) Im Zeitraum von 2010 bis 2014 betrug die durchschnittliche Lebenserwartung 63,9 Jahre (der indische Durchschnitt betrug 67,9 Jahre). Die Fertilitätsrate betrug 2,17 Kinder pro Frau (Stand: 2016) während der indische Durchschnitt im selben Jahr bei 2,23 Kinder lag.
Eine nicht unbeträchtliche Minderheit der Einwohner Assams gehört einer Reihe von indigenen Völkern an. Obwohl sie sich hauptsächlich in sprachlich-kultureller, weniger in wirtschaftlich-sozialer Hinsicht von der Mehrheitsbevölkerung unterscheiden, werden diese Ethnien häufig als „Stammesvölker“ (tribals) bezeichnet. Die indische Volkszählung 2001 klassifiziert 12,4 Prozent der Bevölkerung als Angehörige der Stammesbevölkerung (Scheduled Tribes). Die größte Gruppe bilden dabei die Bodo, die in den Ebenen des unteren Brahmaputra-Tals im Westen Assams siedeln und rund 40 Prozent der Stammesbevölkerung Assams ausmachen. Die übrigen Stammesvölker leben in den Berggegenden im Osten und Süden Assams. Die größten von diesen sind die Miri, Mikir, Rabha, Kachari, Lalung, Dimasa und Deori.Census of India 2001: Assam. Data Highlights: The Scheduled Tribes. (PDF; 39 kB) Die beiden Distrikte Dima Hasao und Karbi Anglong, in denen die Stammesvölker die Bevölkerungsmehrheit stellen, und die Bodo-Gebiete (Bodoland) besitzen einen Autonomiestatus.Thomas Benedikter: Nordostindien: Experimentierfeld für Regionalautonomie. Nordostindiens autonome Distrikte zwischen Minderheitenschutz und Sezession, suedasien.info, 2. August 2009.
In Assam lebt eine größere Zahl von Einwanderern aus anderen Teilen Indiens und aus Bangladesch. Vor allem die illegale Einwanderung von muslimischen Bengalen aus Bangladesh hat zu einem zunehmenden Maß an Fremdenfeindlichkeit unter der alteingesessenen Bevölkerung Assams geführt, die eine Überfremdung und schleichende Islamisierung Assams fürchten. Dieser Konflikt hat sich wiederholt in schweren Pogromen gegen muslimische Bengalen geäußert.
Bevölkerungsentwicklung Zensusbevölkerung von Assam (in den heutigen Grenzen) seit der ersten indischen Volkszählung im Jahr 1951. ZensusjahrEinwohnerzahl19518.029.100196110.837.700197114.625.157198118.041.250199122.414.320200126.638.600201131.169.272
Sprachen
In weiten Teilen des heutigen Bundesstaats ist Assamesisch die Muttersprache der Bevölkerung. Dies gilt vor allem für die Talgebiete. Ein Teil des Bundesstaats gehörte ursprünglich zur britischen Provinz Bengalen. Nach der Unabhängigkeit verblieb ein kleiner Teil des bengalischen Sprachgebiets bei Assam. Viele Sprecher des Bengalischen sind allerdings Zuwanderer aus Bangladesch. In den Gebirgsregionen Assams gibt es zahlreiche Völker, die meist eine tibetobirmanische Sprache benutzen. Assamesisch, Bengalisch und Sprecher von tibetobirmanischen Sprachen sind also regional gesehen Muttersprache der dort heimischen Bewohner.
Die Amtssprache Assams ist das Assamesische. Das Assamesische gehört zu den indoarischen Sprachen und ist somit mit den Sprachen Nordindiens und auch entfernt mit den meisten in Europa gesprochenen Sprachen verwandt. Von den indoarischen Sprachen ist das Assamesische am weitesten nach Osten vorgedrungen. Es wird von der Hälfte der Einwohner Assams als Muttersprache gesprochen.
Unter der eingewanderten Bevölkerung sind vor allem Bengalisch (28 Prozent), Hindi (6 Prozent) und Nepali (2 Prozent) verbreitet. Das Bengalische ist außerdem im Barak-Tal, das historisch und kulturell starke Affinitäten nach Ostbengalen aufweist, die angestammte Mehrheitssprache. In den dortigen drei Distrikten Cachar, Karimganj und Hailakandi besitzt es neben dem Assamesischen einen Status als assoziierte Amtssprache.
Die Stammesbevölkerung Assams spricht verschiedene Sprachen, die größtenteils zur tibetobirmanischen Sprachfamilie gehören. Die größte dieser Sprachen ist das Bodo, die Sprache der gleichnamigen Volksgruppe. Es wird von 5 Prozent der Bevölkerung Assams als Muttersprache gesprochen und ist in den Bodo-Gebieten assoziierte Amtssprache neben dem Assamesischen. Die Stammesvölker im Osten Assams sprechen eine Vielzahl kleinerer tibetobirmanischer Sprachen. Die wichtigsten sind Miri, Karbi, Garo, Rabha und Dimasa. Die historisch bedeutsame Ahom-Sprache, die im Ahom-Reich als Hof- und Literatursprache diente, ist seit dem 19. Jahrhundert ausgestorben, in Teilen Assams werden aber noch kleine Tai-Sprachen gesprochen.Stephen Morey: The Tai Languages of Assam, Canberra 2005.
Religionen Die Mehrheit der Einwohner Assams sind Hindus. Nach der Volkszählung 2011 machen sie 62 Prozent der Bevölkerung des Bundesstaates aus. Ihr Anteil ist damit niedriger als im Durchschnitt Indiens. Hingegen gibt es eine große Minderheit von Muslimen. Mit 34 Prozent hat Assam den höchsten muslimischen Bevölkerungsanteil aller indischen Bundesstaaten, nach den Unionsterritorien Jammu und Kashmir und Ladakh. In mehreren Distrikten Assams stellen Muslime die Bevölkerungsmehrheit. Ferner gibt es eine christliche Minderheit von knapp 4 Prozent. Besonders hoch ist der christliche Bevölkerungsanteil unter den Stammesvölkern. So bekennt sich im mehrheitlich von indigenen Völkern bewohnten Distrikt Dima Hasao über ein Viertel der Einwohner zum Christentum. Die Verteilung auf die einzelnen Religionsgemeinschaften zeigt die folgende Tabelle:
JahrBuddhistenChristenHindusJainasMuslimeSikhsAnderekeine AngabenGesamtZahl%Zahl%Zahl%Zahl%Zahl%Zahl%Zahl%Zahl%Zahl%201154.9930,181.165.8673,7419.180.75961,4725.9490,0810.679.34534,2220.3720,0727.1180,0950.8730,1631.169.272100,00 %Quelle: Ergebnis der Volkszählung 2011
Moderne Hexenverfolgung In Assam wurden zwischen 2011 und 2021 unter dem Vorwand der Hexerei 110 Personen umgebracht, auch aus den Jharkhand und Westbengalen werden derartige Vorfälle berichtet.
Geschichte Anfänge und Kolonialgeschichte mini|Palastanlage Kareng Ghar, ein Beispiel für die Ahom-Architektur aus dem 18. Jahrhundert Assam stand seit 1228 unter der Herrschaft der Ahom-Dynastie. Die Ahom waren ein aus dem Gebiet des heutigen Thailand stammendes Eroberervolk, das anfänglich dem buddhistischen Glauben anhing, sich jedoch später im Laufe der Jahrhunderte mit der unterworfenen assamesischen Mehrheitsbevölkerung assimilierte, in ihr aufging und den Hinduismus annahm. Bedingt durch die relativ abgeschiedene Lage machte Assam eine von restlichen Indien unterschiedliche Entwicklung durch. Das Land war beispielsweise nie unter der Herrschaft muslimischer Herrscher und gehörte nie zum Mogulreich.
1826 übernahm die Britische Ostindien-Kompanie Assam nach dem Ersten Anglo-Birmanischen Krieg von den Birmanen. Verwaltungsmäßig wurde das neue Gebiet an die Präsidentschaft Bengalen angegliedert, was unter anderem auch zur Folge hatte, dass viele britisch-bengalische Beamte und Arbeiter aus ganz Indien für die sich neu etablierenden Teeplantagen ins Land kamen. Schon vor der britischen Machtübernahme hatte es immer wiederkehrende Konflikte zwischen den Bewohnern der Brahmaputra-Ebene (plains people) und den Bewohnern des Berglandes (hills people) gegeben. Erstere waren Hindus und sprachen meist Assamesisch, letztere gehörten tibeto-birmanischen Stammesvölkern an, die ihren lokalen Religionen anhingen. Unter der britischen Kolonialherrschaft kam noch eine weitere ethnisch-religiöse Konfliktebene hinzu – jene zwischen den autochthonen Bewohnern Assams (den Assamesen und Stammesvölkern) und den Einwanderern aus anderen Teilen Indiens. Die Einwanderer waren anfänglich überwiegend bengalische Hindus, aber später wanderten zunehmend auch bengalische Muslime nach Assam ein. Im Jahr 1874 wurde das Gebiet von der Präsidentschaft Bengalen verwaltungsmäßig abgetrennt und zur North-East-Frontier-Provinz erhoben. Nach der Teilung Bengalens 1905 wurde es wieder der neu geschaffenen Provinz Ostbengalen (East Bengal) zugeschlagen. Nachdem die Teilung aufgrund der anhaltenden Proteste wieder rückgängig gemacht werden musste, wurde die Provinz Assam 1911 neu geschaffen.
Nach der Unabhängigkeit mini|hochkant=1.5|Der Bundesstaat Assam im Jahr 1950:Stammesgebiete: 1. „A-Stammesgebiete“2. „B-Stammesgebiete“ (direkt dem Gouverneur unterstellt): Nach der Teilung Indiens im Zuge der Unabhängigkeit von den Briten 1947 wurde nach einem Referendum am 6. Juli 1947 das zuvor zur Provinz Assam gehörende Gebiet Sylhet Teil des neuen Ostpakistans. Das übrige Assam trat der Indischen Union bei und bildete seit 1950 den Bundesstaat Assam. Assam war ein ausgesprochen multiethnischer Bundesstaat. Der Assamesisch sprechende Bevölkerungsanteil lag nur bei etwa 60 %.