Meiolania (griechisch für „Kleiner Wanderer“) ist eine Gattung aus der Gruppe der ausgestorbenen Meiolaniidae. Es sind vier Arten bekannt, die vom Mittleren Miozän bis zum Holozän existierten.

Merkmale und Verbreitung Meiolania hatte einen ungewöhnlich geformten Schädel, der viele knaufartige und hornähnliche Fortsätze trug. Einschließlich der beiden seitlichen Hornzapfen hatte der Kopf eine Gesamtbreite von bis zu 60 cm. Diese Fortsätze verhinderten vermutlich, dass die Tiere ihren Kopf vollständig in den Panzer zurückziehen konnten. Der Schwanz war durch gepanzerte Ringe geschützt und trug dornähnliche Zacken am Ende.Douglas Palmer: The Marshall illustrated encyclopedia of dinosaurs and prehistoric animals. A comprehensive, colour guide to over 500 species. Marshall Publishing, London 1999, ISBN 1-84028-152-9, S. 67. Schildkröten der Gattung Meiolania waren sehr groß. Mit einer Länge von 2,50 m waren sie die zweitgrößten bekannten Landschildkröten, nur übertroffen von Colossochelys atlas, die bis zum Pleistozän in Asien vorkam.

Fossile Funde sind von Australien, der Lord-Howe-Insel, Neukaledonien und Vanuatu bekannt. Die Arten von der Lord-Howe-Insel und von Neukaledonien waren jedoch viel kleiner. Schildkrötenknochen, die auf den Fidschi-Inseln entdeckt wurden, gehören vermutlich ebenfalls zu dieser Gattung.

Lebensweise Meiolania-Schildkröten waren Pflanzenfresser. Als 1925 fossile Überreste in der Nähe von Stränden gefunden wurden, ging man von einer aquatischen Lebensweise aus. Heute ist bekannt, dass sie terrestrisch lebten.

Entdeckungs- und Forschungsgeschichte

Die Gattung Meiolania wurde 1886 von Richard Owen aufgestellt, basierend auf Fossilfunden von der Lord-Howe-Insel. Owen vergab die Namen Meiolania platyceps und Meiolania minor (heute ein Synonym von Meiolania platyceps).Richard Owen: Description of Fossil Remains of Two Species of a Megalanian Genus (Meiolania, Ow.), from Lord Howe's Island. In: Proceedings of the Royal Society of London. Bd. 40, 1886, S. 315–316, . Es waren die ersten gut erhaltenen Fossilien der Familie Meiolaniidae. An ihnen konnte gezeigt werden, dass fossile Überreste aus dem King’s Creek, Queensland nicht wie ursprünglich angenommen von einer Echse stammen, sondern von einer Schildkröte.Arthur Smith Woodward: Note on the extinct reptilian genera Megalania Owen and Meiolania Owen. In: Annals and Magazine of Natural History, Zoology, Botany, and Geology being a Continuation of the Annals combined with Loudon and Charlesworth's Magazine of Natural History. 6th Series, Bd. 1, 1888, , S. 85–89, Digitalisat. Die heute als Ninjemys oweni bekannte Art ist ebenfalls der Familie der Meiolaniidae angehörig und wurde bis 1992 der Gattung Meiolania zugeordnet.Eugene S. Gaffney: Ninjemys, a New Name for "Meiolania" oweni (Woodward), a Horned Turtle from the Pleistocene of Queensland. American Museum Noviates 3049, 1992, S. 1–10

Die Überreste der zweiten Art Meiolania mackayi wurden auf Walpole (Loyalitätsinseln, Neukaledonien) im Zuge von Phosphatabbau gefundenEugene S. Gaffney, Jean Christophe Balouet und France De Broin: New Occurrences of Extinct Meiolaniid Turtles in New Caledonia. American Museum Noviates 2800, 1984, S. 1–6 und 1925 von Charles Anderson, dem ehemaligen Direktor des Australian Museum, beschrieben.Charles Anderson: Notes on the extinct Chelonian Meiolania, with a record of a new occurrence. In: Records of the Australian Museum. Bd. 14, Nr. 4, , 1925, S. 223–242, . Sie war kleiner und weniger robust als Meiolania platyceps. Auf Tiga, Neukaledonien wurden 1959 ebenfalls Meiolania-Knochen durch Phosphatabbau entdeckt. Erhalten sind jedoch nur Skelettfragmente, die keine Bestimmung auf Artebene möglich gemacht haben. Gleiches gilt für den Knochenfund aus den Pindai Caves auf Grande Terre, Neukaledonien im Jahr 1983 sowie für einen Nachweis vom Wyandotte Creek im nördlichen Queensland.Eugene S. Gaffney und G. McNamara: A Meiolaniid Turtle from the Pleistocene of Northern Queensland. Memoirs of the Queensland Museum 28, 1990, S. 107–113

Meiolania brevicollis wurde 1992 vom Paläontologen Dirk Megirian beschrieben.Dirk Megirian: Meiolania brevicollis sp. nov. (Testudines: Meiolaniidae): a new horned turtle from the Australian Miocene. In: Alcheringa. An Australasian Journal of Palaeontology. Bd. 16, Nr. 2, 1992, , S. 93–106, . Die Überreste stammen aus den Camfield Beds im Northern Territory. Die Art lebte im mittleren Miozän. Der Schädel und andere Hornproportionen waren flacher als bei Meiolania platyceps.

2010 beschrieben Arthur W. White, Trevor H. Worthy, Stuart Hawkins, Stuart Bedford und Matthew Spriggs die vierte Art Meiolania damelipi von der zu Vanuatu gehörenden Insel Efate.Arthur W. White, Trevor H. Worthy, Stuart Hawkins, Stuart Bedford, Matthew Spriggs: Megafaunal meiolaniid horned turtles survived until early human settlement in Vanuatu, Southwest Pacific. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America. Bd. 107, Nr. 35, 2010, S. 15512–15516, . Die Überreste stammen aus der Zeit der Lapita-Kultur im Holozän. In einer Publikation von 2016 wurden weitere Funde von Knochen auf mehreren Inseln Vanuatus und Fidschis beschrieben und der Art Meiolania damelipi zugeordnet.Stuart Hawkins, Trevor H. Worthy, Stuart Bedford, Matthew Spriggs, Geoffrey Clark, Geoff Irwin, Simon Best und Patrick Kirch: Ancient tortoise hunting in the southwest Pacific. Scientific Reports 6, 2016, doi:10.1038/srep38317

Übersicht der Nachweise Fundort Taxon Autor Datierung Camfield Beds, Northern Territory Meiolania brevicollis , 1992 Mittleres Miozän Wyandotte Creek, Queensland Meiolania sp. & , 1990 Pleistozän Lord-Howe-Insel Meiolania platyceps , 1886 Pleistozän Teouma, Efate, Vanuatu ?Meiolania damelipi et al., 2010 Holozän Uripiv, Vanuatu ?Meiolania damelipi et al., 2016 Vao, Vanuatu ?Meiolania damelipi et al., 2016 Espirito Santo, Vanuatu ?Meiolania damelipi et al., 2016 Viti Levu, Fidschi ?Meiolania damelipi et al., 2016 Naigani, Fidschi ?Meiolania damelipi et al., 2016 Pindai Caves, Grande Terre, Neukaledonien Meiolania sp. et al., 1984 Tiga, Neukaledonien Meiolania sp. et al., 1984 Walpole, Neukaledonien Meiolania mackayi , 1925 Pleistozän

Aussterben Vermutlich wurde Meiolania damelipi vor 3000 Jahren von den Menschen der Lapita-Kultur bis zur Ausrottung gejagt. Gestützt wird diese Annahme durch das Vorhandensein von Schildkrötenknochen in Müllgruben in der archäologischen Fundstätte Teouma auf Efate. Die Überreste enthielten hauptsächlich Beinknochen, woraus sich ergibt, dass die Schildkröten irgendwo geschlachtet wurden. Die Knochen sind nicht in jüngeren Schichten vorhanden, was nahelegt, dass Meiolania etwa 300 Jahre nach dem ersten Kontakt mit Menschen ausgestorben ist.

Einzelnachweise

Weblinks

Meiolania im Australian Museum

Kategorie:Sauropsiden Kategorie:Sauropsida Kategorie:Ausgestorbene Schildkröte