mini|Stolpersteinverlegung am 8. Mai 2017 (Nordwall 80) mini|Stolpersteine für die Familie Zanders nach dem Ausladen aus dem Fahrzeug am 2. Februar 2018 am Preußenring 13 in Krefeld mini|Stolpersteine für die Familie Zanders kurz vor dem Verlegen am 2. Februar 2018 am Preußenring 13 in Krefeld mini|Hier sieht man die Stolpersteine der Familie Zanders bereits einzementiert an der endgültigen Position. mini|So sieht die Verlegestelle der Stolpersteine für die Familie Zanders nun endgültig aus (Foto vom 17. März 2018).

Die Stolpersteine in Krefeld sind Teil eines europaweiten Projekts des Künstlers Gunter Demnig. Die Stolpersteine sind Mahnmale, die an das Schicksal der Menschen erinnern sollen, die in Krefeld gewohnt und von den Nationalsozialisten deportiert und unter anderem in Konzentrationslagern und Vernichtungslagern ermordet wurden. Stolpersteine haben eine aus Messing bestehende Oberfläche von 96 × 96 mm und werden meist vor dem jeweils letzten frei gewählten Wohnhaus des auf dem Stolperstein Genannten niveaugleich in den Gehweg einzementiert.

In Krefeld begann die Verlegung im Dezember 2006. Dem voraus ging ein zähes Ringen auf kommunaler Ebene. Unter anderem äußerte die jüdische Gemeinde Krefeld Bedenken gegenüber dem Projekt, da sie die Würde der Opfer als gefährdet ansah, weil man „auf ihnen herumtrampeln“ würde. Nachdem sich der Stadtrat Anfang November 2005 ebenfalls gegen die Aktion Stolpersteine ausgesprochen hatte, führten Schüler der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule eine Unterschriftenaktion für ein Bürgerbegehren durch und sammelten etwa 14.000 Unterschriften. Ein großes Echo der regionalen und auch überregionalen Presse war die Folge. Noch vor dem Start des eigentlichen Bürgerbegehrens einigten sich die Vertreter auf einen Kompromiss, sodass das Projekt starten konnte.Westdeutsche Zeitung 24. März 2006: Stolpersteine: Kompromiss gefunden

Am 17. Dezember 2025 fand die letzte Stolpersteinverlegung in Krefeld statt; mittlerweile liegen 267 Stolpersteine in Krefeld. Nahezu alle wurden im Auftrag vom Bildhauer Michael Friedrichs-Friedlaender in Berlin hergestellt und von Gunter Demnig persönlich verlegt.

Deportationen aus dem ganzen Regierungsbezirk Düsseldorf fanden vom Güterbahnhof Düsseldorf-Derendorf aus statt. Am Abend vor der Abfahrt mussten sich die jüdischen Menschen im Schlachthof an der Rather Straße einfinden, wo sie registriert und mittels Leibesvisitationen ausgeraubt wurden. Am nächsten Tag mussten sie zu den Verladerampen gehen, wo Personenwagen 3. Klasse standen. Die Deportationen starteten in vier Großtransporten mit jeweils ca. 1.000 Menschen: 27. Oktober 1941 ins Ghetto Litzmannstadt (1.003 Menschen); am 10. November 1941 ins Ghetto Minsk (993 Menschen); am 11. Dezember 1941 ins Ghetto Riga (1.007) und am 22. April 1942 ins Ghetto Izbica bei Lublin (1.051).

Weiteres im Artikel Deportation von Juden aus Deutschland.

Nachfolgend die Übersicht über alle bisher in Krefeld verlegten Stolpersteine in chronologischer Reihenfolge:

Friedrich Lewerentz Friedrich Lewerentz Inschrift HIER WOHNTE FRIEDRICH LEWERENTZ JG. 1875 VERHAFTET 22.8.1944 GESTAPOHAFT KZ SACHSENHAUSEN 1944 TODESMARSCH TOT 1945 150px|Stolperstein für Friedrich Lewerentz (Hammerschmitdtplatz 1) Standort Hammerschmidtplatz 1 Initiator, Stifter bzw. Auftraggeber SPD Krefeld Finanzierung Spenden Datum der Erstverlegung 18. Dezember 2006 Anmerkungen Der Stolperstein erinnert an Friedrich „Fritz“ Lewerentz, geboren am 3. Juli 1878 in Loddin.

Der Sozialdemokrat Friedrich Lewerentz war bis 1933 Mitglied im Krefelder Stadtrat, er wurde von den Nationalsozialisten nach dem Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 im Rahmen der Aktion Gewitter am 22. August 1944 verhaftet und in das Gefängnis Anrath gebracht. Später wurde er in das KZ Sachsenhausen verbracht. Im April 1945 starb er auf einem der Todesmärsche von KZ-Häftlingen.Erste Stolpersteine erinnern an NS-Opfer. rp-online.de, 12. Dezember 2006, abgerufen am 11. Juni 2017.

Else Müller Else Müller Inschrift HIER WOHNTE ELSE MÜLLER GEB. COPPEL JG. 1894 DEPORTIERT 1944 THERESIENSTADT BEFREIT TOT 1.6.1945 150px|Stolperstein für Else Müller (Roßstraße 249) Standort Roßstraße 249 Initiator, Stifter bzw. Auftraggeber Schüler und Schülerinnen der Kurt Tucholsky Gesamtschule Finanzierung Spenden Datum der Erstverlegung 18. Dezember 2006 Anmerkungen Der Stolperstein erinnert an Else Müller geb. Koppel, geboren am 1. Juni 1894 in Krefeld.bundesarchiv.de: Gedenkbucheintrag Müller, Else

Else Müller war Jüdin und mit Fritz Müller, der dem christlichen Glauben angehörte, verheiratet. Im September 1944 wurde Else Müller mit dem letzten Transport aus Krefeld gemeinsam mit ihrer Tochter Ilse in ein Arbeitslager der Organisation Todt, einer nationalsozialistischen Bauorganisation für Militärbauten, verschleppt. Anfang 1945 wurde sie in das KZ Theresienstadt deportiert. Am 8. Mai 1945 erreichte die Rote Armee das KZ. Else Müller kümmerte sich um die Lagerinsassen, die an Typhus erkrankt waren, infizierte sich mit Typhus und starb bald darauf. Ihre Tochter Ilse (geb. 1925) ist wohl eine der letzten Überlebenden der 1944 zur Zwangsarbeit Deportierten. Die Familie Müller wurde in ihrem Haus an der Roßstraße ausgebombt und zog in eine Behelfswohnung an die Uerdinger Parkstraße. Ilse Kassel-Müller wurde am 17. September 1944 mit dem letzten Juden-Transport gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer im sechsten Monat schwangeren Schwester Lore und deren Mann Werner Gabelin deportiert. Während Schwester und Schwager ins KZ Theresienstadt gebracht wurden, landete die damals 19-jährige Ilse mit ihrer Mutter zunächst zur Zwangsarbeit in der NS-Organisation Todt in Zeitz in Sachsen-Anhalt. Fritz Kassel blieb mit dem damals zwei Jahre alten Richard Gabelin in Krefeld zurück.

Im Februar 1945 wurde auch Else Müller ins KZ Theresienstadt deportiert. Sie traf dort neben ihrer Tochter Lore und deren Mann auch ihren Bruder und ihre Stiefmutter. Lore gebar am 21. Dezember 1944 im KZ einen Jungen, Thomas Gabelin. Ilse Kassel: „Das war ein großes Wunder, denn noch eine Woche vorher wurden Mütter mit Kindern von dort in die Gaskammern ins Vernichtungslager Auschwitz geschickt.“

Else Müller wurde in Theresienstadt am 8. Mai 1945 von Truppen der Roten Sowjetarmee befreit. Allerdings hatte die Befreiung zur Folge, dass eine grassierende Typhus-Epidemie sich in der Folge rasch über das Lager hinaus ausbreitete. Man rief zu freiwilligen Helfern auf. Auch Else Müller meldete sich zur Pflege der Schwerkranken. Sie infizierte sich dabei und starb an der tückischen Krankheit. Sie starb an ihrem 51. Geburtstag, dem 1. Juni 1945. Ihr Leichnam wurde verbrannt; sie erhielt ein Urnengrab auf dem Ehrenfriedhof der tschechischen Nation in Theresienstadt. Seit Jahren erinnert ihre Tochter Ilse mit einer Traueranzeige in der Zeitung jeweils am 1. Juni an ihre Mutter.

Ilse Kassel-Müller wurde in Zeitz am 13. April 1945 von derselben US-Einheit befreit, die auch die Tore des KZ Buchenwald geöffnet hatte. Sie brauchte mehrere Wochen, ehe sie sich per Fahrrad, Motorrad und mit Lkw-Mitfahrgelegenheiten wieder in ihre Heimatstadt durchschlagen konnte.

Ihr Vater Fritz Müller wurde nach dem Krieg rehabilitiert und betrieb ein Elektrogeschäft an der Kölner Straße 25. 19 Jahre lang war er als Obermeister für die Elektro-Innung tätig. Ihre Schwester Lore Gabelin und ihr Mann überlebten Theresienstadt. Ilse Müller heiratete 1957 Helmut Kassel, der Beamter bei der Stadtverwaltung war. Im selben Jahr übersiedelte das Paar zum Dahlerdyk, wo Ilse Kassel-Müller noch heute wohnt. Ihr Mann starb 1997.

Paula Billstein Paula Billstein Inschrift HIER WOHNTE PAULA BILLSTEIN GEB. ROTHE JG. 1877 VERHAFTET 1937 KZ MORINGEN KZ LICHTENBURG TOT 4.7.1938 150px|Stolperstein für Paula Billstein (Ritterstraße 189) Standort „Trampelpfad“ an der ehemaligen Fabrik „Im Brahm“, Ritterstraße 189 Initiator, Stifter bzw. Auftraggeber Die Grünen, Krefeld Finanzierung Die Grünen Datum der Erstverlegung 18. Dezember 2006 Anmerkungen Der Stolperstein erinnert an Paula Billstein geb. Rothe, geboren am 2. Oktober 1877 in Krefeld.

Paula Rothe war mit dem Arbeiter Wilhelm Billstein verheiratet. Gemeinsam hatten sie zwei Söhne (Aurel und Wilhelm) und eine Tochter (Josefine). Die Familie lebte in einer Genossenschaftswohnung an der Ritterstraße. Von 1924 bis 1933 war Paula Billstein Stadtverordnete für die KPD in Krefeld. Auch ihr Sohn Aurel war für die KPD politisch aktiv und wollte für den Reichstag beziehungsweise den preußischen Landtag kandidieren. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten endete ihre politische Karriere. Sohn Aurel wurde 1933 in das KZ Sonnenburg gebracht und stand nach seiner Entlassung unter weiterer Beobachtung durch die Gestapo. Aurel Billstein war weiter in der KPD aktiv, wurde denunziert und 1934 zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt. Durch einen vertraulichen Brief an ihren Sohn geriet auch Paula Billstein ins Visier der Gestapo und wurde 1937 verhaftet. Paula Billstein wurde am 19. Januar 1938 in das Frauenkonzentrationslager Moringen deportiert und am 21. März 1938 in das Frauenkonzentrationslager Lichtenburg verlegt. In der KZ-Haft erkrankte Paula Billstein schwer. Am 29. Juni 1938 wurde sie wegen „Krankheit“ entlassen und von ihrer Tochter Josefine dort abgeholt. Paula Billstein starb wenige Tage nach ihrer Entlassung am 4. Juli 1938 in Krefeld.

Sohn Aurel leistete noch Kriegsdienst in der Strafdivision 999 und geriet in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Er kehrte 1947 nach Krefeld zurück und engagierte sich wieder in der Kommunalpolitik. 1990 wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Krefeld ernannt. Er starb am 12. Februar 1996 in Krefeld.

Tochter Josefine starb 1945, als Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion versuchten ihr ein Akkordeon zu stehlen., abgerufen am 17. Juni 2017.

Eugen Frank und Luise Frank Eugen Frank und Luise Frank Inschrift HIER WOHNTE EUGEN FRANK JG. 1884 DEPORTIERT 1942 IZBICA ??? HIER WOHNTE LUISE FRANK GEB. WALLERSTEIN JG. 1882 DEPORTIERT 1942 IZBICA ??? 150px|Stolperstein für Eugen Frank (Friedrichstraße/Ecke St. Anton-Straße) 150px|Stolperstein für Luise Frank (Friedrichstraße/Ecke St. Anton-Straße) Standort Alte Friedrichstraße 11, (heute Friedrichstraße / Ecke St.-Anton-Straße) Datum der Erstverlegung 16. Februar 2007 Anmerkungen Die Stolpersteine erinnern an: Eugen Frank, geboren am 29. Mai 1884 in Wittlich.bundesarchiv.de: Gedenkbucheintrag Frank, Eugen Luise Frank geb. Wallerstein, geboren am 22. Oktober 1892 in Krefeld.bundesarchiv.de: Gedenkbucheintrag Frank, Luise

Der Kaufmann Eugen Frank war mit Luise Wallerstein verheiratet, gemeinsam hatten sie zwei Kinder (Helmut und Suse). Eugen Frank lebte mit seiner Familie in Krefeld und war Vorstandsmitglied der jüdischen Kultusvereinigung. Dort oblag ihm 1940 die Betreuung der Kleiderkammer, der auch andere Orte angeschlossen waren. Er und seine Frau wurden am 22. April 1942 in das Ghetto Izbica deportiert. Dort verliert sich ihre Spur.Krefelder Juden (= Krefelder Studien. 2). Bonn 1981, ISBN 3-7928-0442-5, S. 290.

Arthur Daniels, Marta Daniels, Kurt Daniels und Hannelore Daniels Arthur Daniels, Marta Daniels, Kurt Daniels und Hannelore Daniels Inschriften HIER WOHNTE ARTUR DANIELS JG. 1881 DEPORTIERT 1941 RIGA ERMORDET 5.1.1942 HIER WOHNTE MARTHA DANIELS GEB. SERVOS JG. 1887 DEPORTIERT 1941 RIGA ??? HIER WOHNTE KURT DANIELS JG. 1914 FLUCHT 1939 ENGLAND ÜBERLEBT HIER WOHNTE HANNELORE DANIELS JG. 1921 DEPORTIERT 1941 RIGA ÜBERLEBT 150px|Stolperstein für Artur Daniels (Issumer Straße 7) 150px|Stolperstein für Martha Daniels (Issumer Straße 7) 150px|Stolperstein für Kurt Daniels (Issumer Straße 7) 150px|Stolperstein für Hannelore Daniels (Issumer Straße 7) 250px|Stolpersteine Gruppe Issumer Str. 7 Krefeld Standort Issumer Straße 7 Datum der Erstverlegung 16. Februar 2007 Anmerkungen Die Stolpersteine erinnern an: Arthur Daniels, geboren am 16. Januar 1881 in Krefeld-Linn.bundesarchiv.de: Gedenkbucheintrag Daniels, Arthur