Stolpersteine in Osnabrück sind besondere Pflastersteine in den Bürgersteigen, die an die Opfer der nationalsozialistischen Diktatur in Osnabrück erinnern sollen.
Geschichte Im Dezember 2006 übernahm der Rat der Stadt Osnabrück die Idee des Kölner Künstlers Gunter Demnig, Stolpersteine zu verlegen, um an die Opfer der nationalsozialistischen Diktatur zu erinnernOffizielle Seite zu den Stolpersteinen in Osnabrück. Die mit einer Messingplatte versehenen Steine werden als Mahnmal verlegt. Fußgänger sollen symbolisch über die Steine, die ebenerdig in das Pflaster eingearbeitet und mit einer Inschrift versehen sind, stolpern. In die Messingplatten sind die Namen der jeweiligen Personen oder der Personenkreis oder die Familie eingraviert und sollen an die Opfer-Persönlichkeiten erinnern. Die Stolpersteine werden vor deren ehemaligen Wohnungen oder Arbeitsstätten in die Bürgersteige eingelassen.
Das Projekt wird in Osnabrück seit November 2007 umgesetzt. Bis März 2013 wurden 192 Stolpersteine verlegt. Sie sind über das gesamte Stadtgebiet verteilt. Am 8. Oktober 2008 wurde der Dokumentarfilm Stolpersteine beim Filmfestival in Osnabrück gezeigt.
Stadtteillisten Innenstadt: Liste der Stolpersteine in Osnabrück-Innenstadt
Verlegte Stolpersteine Familie van Pels mini|Stolpersteine Familie von Pels
Vor dem Gebäude in der Martinistraße 67a in Osnabrück findet man Stolpersteine für die Familie van Pels. Dort hatten sie im ersten Stock gewohnt. Fam. van Pels versteckte sich mit der Familie von Anne Frank in Amsterdam.
Hermann van Pels† 08.09.1944 / KZ Auschwitz Auguste van Pels† 09.04.1945 / Raguhn, Außenlager des KZ Buchenwald Peter van Pels† 05.05.1945 (andere Quellen 10.5.) / KZ Mauthausen
Verlegung der Stolpersteine: Donnerstag, 15. November 2007
Familie Nussbaum mini|Stolpersteine Familie Nussbaum
Drei Stolpersteine erinnern an Felix Nussbaum und seine Eltern in seiner Geburtsstadt Osnabrück vor der Nussbaum-Villa, Schloßstraße 11. In diesem Haus lebte die Familie Nussbaum. Ein weiterer Stolperstein für Felix Nussbaum befindet sich in Hamburg-Uhlenhorst.
Philipp Nussbaum† 11.02.1944 / KZ Auschwitz Rahel Nussbaum, geb. van Dijk† 11.02.1944 / KZ Auschwitz Felix Nussbaum† nach dem 22.09.1944 / KZ Auschwitz Verlegung der Stolpersteine: Samstag, 2. Oktober 2010
Johannes Prassek mini|Stolperstein Johannes Prassek
Am 15. November 2007 wurde vor der Christus-König-Kirche in der Bramstraße 105 in Osnabrück-Haste ein Stolperstein für Johannes Prassek verlegt. Johannes Prassek war katholischer Priester und gehört zu den sogenannten Lübecker Märtyrern. Er hatte in der Christus König-Kirche 1937 seine erste heilige Messe als Priester gefeiert. Außerdem ist das dortige Jugend- und Gemeindehaus nach ihm benannt. Weitere Stolpersteine befinden sich in Hamburg-Winterhude, Hamburg-Neustadt und Hamburg-Volksdorf.
Johannes Prassek† 10.11.1943 / hingerichtet im Gefängnis Holstenglacis, Hamburg
Verlegung des Stolpersteins: Donnerstag, 15. November 2007
Gewerkschafter und Sozialdemokraten mini|Stolpersteine, Kollegienwall 14/14a
Stolpersteine als Erinnerung für Gewerkschafter und Sozialdemokraten im Kollegienwall 14/14a. Hier befand sich das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Gewerkschaftshaus. Bis zur Besetzung durch die Nationalsozialisten am 11. März 1933 befanden sich hier zahlreiche sozialdemokratische und gewerkschaftliche Einrichtungen.
Fritz SzalinskiGewerkschaftssekretär und SPD-Vorsitzender† 15.01.1945 / an den unmenschlichen Bedingungen der Haft im KZ Neuengamme Wilhelm Mentrupführendes SPD-Mitglied und Geschäftsführer der AOK Osnabrück† 03.05.1945 / auf dem Häftlingsschiff „Thielbek“ Heinrich Groosführendes SPD-Mitglied und Direktor des Arbeitsamtes† 20.12.1944 / an den unmenschlichen Bedingungen der Haft im KZ NeuengammeHeinrich Niedergesäß SPD-Parteigeschäftsführer† 03.05.1945 / auf dem Häftlingsschiff „Thielbeck“ Gustav HaasGewerkschaftssekretär und Provinziallandtagsabgeordneter† 13.10.1933 / mehrfache Inhaftierungen im Jahr 1933 ließen seinen Gesundheitszustand derart verschlechtern, dass er schon zu Beginn der NS-Zeit verstarb
Die Verlegung der Stolpersteine erfolgte am 26. Juni 2008.
Johann Staperfeld mini|Stolperstein Johann Staperfeld Vor dem Haus Süsterstraße 25 (ehemals: Hausnummer 23) wurde ein Stolperstein für Johann Staperfeld verlegt. Er wurde wegen der Beschimpfung Adolf Hitlers mehrfach verhaftet und in das KZ Sachsenhausen verbracht.
Johann Staperfeld† 18.04.1944 / gestorben an den grausamen und unmenschlichen Behandlungen im Gefängnis Berlin-Alexanderplatz
Verlegung des Stolpersteins: 30. März 2008
Charlotte und Helga Seligmann mini|Stolpersteine Charlotte und Helga Seligmann Charlotte Seligmann hat von den unsäglichen Zuständen im Zwangsarbeiterlager in Bielefeld, in dem ihr Mann Fritz interniert war, gehört und dies weitererzählt. Daraufhin wurde sie denunziert und in das KZ Ravensbrück gebracht. Die gemeinsame Tochter Helga musste in das Kinderheim am Schölerberg. Familie Seligmann wohnte in der Johannisstraße 22.
Charlotte Seligmann† unbekannt / KZ Sachsenhausen Helga Seligmann† 21.11.1944 / bei einem Bombenangriff auf das Kinderheim
Verlegung der Stolpersteine: 30. März 2008
Gertrud David mini|Stolperstein Gertrud David
Die Jüdin Gertrud David wohnte in der Krahnstraße 1/2. Sie litt an Kinderlähmung und Epilepsie und wurde, über mehrere Stationen, in die Landesanstalt Brandenburg eingeliefert.
Gertrud David† 1940 / vergast in der Tötungsanstalt Brandenburg (Euthanasieopfer)
Verlegung des Stolpersteins: 30. März 2008
Familie Silbermann mini|Stolpersteine Familie Silbermann
Die Stolpersteine für die jüdische Familie Silbermann wurden vor deren Wohnhaus Neue Straße 20 verlegt. Der jüngste Sohn konnte 1939 nach Großbritannien emigrieren. Das Ehepaar Israel und Johanna Silbermann und der älteste Sohn Siegfried waren seit September 1940 im „Judenhaus“ Kommenderiestraße 11 gemeldet.
Israel Silbermann† 06.09.1943 / KZ Theresienstadt Johanna Silbermann† 14.09.1942 / KZ Theresienstadt Siegfried Silbermann† unbekannt / KZ TheresienstadtJulius Silbermann † 28.11.1938 / KZ Buchenwald Verlegung der Stolpersteine: 26. Juni 2008
Raphael und Alma Flatauer mini|Stolpersteine Raphael und Alma Flatauer
Vor dem Wohnhaus der jüdischen Familie Flatauer in der Herderstraße 22 wurden zwei Stolpersteine verlegt.
Raphael Flatauer† 1943 / KZ Auschwitz Alma Flatauer† 1943 / KZ Auschwitz
Verlegung der Stolpersteine: 30. März 2008
Frieda Lieblich mini|Stolperstein Frieda Lieblich
Die Jüdin Frieda Lieblich wohnte in der Uhlandstraße 2a und wurde in der Aktion Dünamünde ermordet.
Frieda Lieblich† 02./03. 1942 / Dünamünde
Verlegung des Stolpersteins: 30. März 2008
Familie Winter/Schmidt mini|Stolperstein Familie Winter/Schmidt
Die Sinti-Familie wohnte in der Großen Rosenstraße 1 (jetzt Große Rosenstraße 1–3), wo auch die Stolpersteine verlegt sind.
Oswald Winter† 29.03.1944 / KZ Auschwitz Marie Schmidt† 10.01.1944 / KZ Auschwitz Ramona Schmidt† 16.01.1944 / KZ AuschwitzWerner Schmidt † 07.04.1943 / KZ Auschwitz
Verlegung der Stolpersteine: 15. November 2007
Familie Strauss mini|Stolpersteine Familie Strauss
Die Stolpersteine für die Sinti-Familie Strauss wurden vor deren Wohnhaus in der Schützenstraße 24 verlegt.
Heinrich Strauss† 07.12.1943 / KZ Auschwitz Sibilla Strauss† 14.07.1943 / KZ Auschwitz Anna Strauss† 11.07.1943 / KZ AuschwitzWalter Strauss † 06.07.1943 / KZ AuschwitzHildegard Strauss † unbekannt / KZ AuschwitzMargot Strauss † 28.04.1943 / KZ Auschwitz Verlegung der Stolpersteine: 26. März 2008
Heinrich Hackmann und Lissy Rieke mini|Stolpersteine Heinrich Hackmann und Lissy Rieke
Vor dem Haus Wiesenbachstraße 24 wurden zwei Stolpersteine für Lissy Rieke und Heinrich Hackmann verlegt.
Heinrich HackmannKPD-Funktionär† 25.04.1944 / Zuchthauslazarett Münster an Herzschwäche durch Hunger und Entbehrungen Lissy RiekeKVJD-Mitglied† 05.01.1945 / wegen Hochverrats in Dortmund hingerichtet
Verlegung der Stolpersteine: 30. März 2008
Familie Jacobson mini|Stolpersteine Familie Jacobson
Der Stolperstein für den jüdischen Rechtsanwalt und Vorstand der Synagogengemeinde Ernst Jacobson wurde vor dessen Wohnhaus Wittekindstraße/Ecke Karlstraße verlegt. Die Familie Jacobson hatte die Emigration in die USA vorbereitet. Ernst Jacobson wurde vor der Emigration in seinem Schrebergarten tot aufgefunden, seiner Ehefrau Margarete und den Kindern Else und Rudolf gelang die Emigration jedoch noch.
Dr. Ernst Jacobson† 08.10.1938 / offiziell Selbstmord, wahrscheinlich aber ermordet
Verlegung der Stolpersteine: 18. September 2008
Bernhard Schopmeyer mini|Stolperstein Bernhard Schopmeyer
Der Stolperstein für den Regimegegner und katholischen Arbeitersekretär Bernhard Schopmeyer wurde vor dessen Wohnhaus an der Knollstraße 73 verlegt.
Bernhard Schopmeyer† 23.06.1945 / Hier wohnte Bernhard Schopmeyer Jg. 1900 / im christlichen Widerstand gedemütigt/entrechtet/verfolgt / erschossen 23.6.1945 / Mord nie aufgeklärt
Verlegung des Stolpersteins: 9. Juli 2014
Jenny Frankl mini|176x176px
Der Stolperstein für Jenny Janny Frankl (geb. Isaacsohn) wurde vor ihrer ehemaligen Wohnung in der Katharinenstraße 53 verlegt. Jenny Frankl stammte aus Reval, dem heutigen Tallinn. Als Jüdin musste sie im August 1941 in ein von den Nationalsozialisten errichtetes Ghettohaus in der Hegerstr. 24 umziehen. Am 10. November 1941 wurde sie aus Düsseldorf ins Konzentrationslager nach Minsk deportiert. Jenny Janny FranklHier wohnte Jenny Frankl; Jg. 1883; deportiert 1941; Minsk; ermordet Verlegung des Stolpersteins: 9. Oktober 2010
Eduard Kalka mini|214x214px
Eduard Kalkas Stolperstein wurde vor seiner Wohnung in der Osnabrücker Straße 142 verlegt. Gebürtig stammte er aus Wanne-Eickel. Zusammen mit seiner Frau Berta Hopphan hatte er drei Söhne. Bis zum April arbeitete in der Nähe seines Wohnortes bei den Osnabrücker Kupfer- und Drahtwerken (OKD). Im März 1940 wurde er dort entlassen. Kurz später wurde er von den Nationalsozialisten verhaftet und wieder freigelassen. Am 6. April 1940 wurde er wegen der Anschuldigung der „Spionage/Landesverrat“ erneut verhaftet und wurde am 26. Mai 1940 „tot aufgefunden“. Ein Eintrag, der den Vorwurf bestätigt, im Strafregister und Hinweise auf ein Urteil oder eine Verhandlung fehlt. Unter welchen Umständen er genau starb, bleibt unklar. Bekannt ist lediglich, dass in den überfüllten Zellen am Kollegienwall in Osnabrück Häftlinge häufig auf dem kalten Boden schlafen mussten und erkrankten. +Eduard KalkaHier wohnte Eduard Kalka; Jg. 1909; verhaftet März 1940; „Spionage“; Landgerichtsgefängnis Osnabrück; „tot aufgefunden“ 26.5. 1940 Verlegung des Stolpersteins im Beisein vieler Verwandter: 24. November 2010
Heinrich Konrad Flottmann mini|Stolperstein Heinrich Konrad Flottmann Heinrich Konrads Flottmanns Stolperstein wurde vor seiner letzten Meldeadresse am Drosselweg 22 verlegt. Geboren wurde er am 28. September 1908 in Osnabrück. 1940 nahm er als Schütze am Frankreichfeldzug teil. Gegen Ende dieses Feldzugs wurde er von der 5. Kompanie Infanterie-Regiment 78 in Neufchateau für 10 Tage als vermisst gemeldet, stieß dann aber wieder zur Truppe. 1942 wurde er wegen Sachbeschädigung verurteilt und musste drei Monate Haft in Feldstrafgefangenenabteilung an der Ostfront verbüßen. Von dort aus floh er ins Ruhrgebiet. Zur Tarnung besorgte er sich die Uniform eines Unteroffiziers und ließ sich einen Armgips anlegen, um den Eindruck eines vermeintlichen Geneseungsaufenthaltes im Heimatgebiet nach Verwundung zu erwecken. Am 10. August 1944 wurde er von der Heeresstreife Duisburg festgenommen und nahm auf der Wache das Gift Veronal zu sich. Er verstarb am 10. oder 11. August 1944 im Städtischen Krankenhaus Duisburg. +Heinrich Konrad FlottmannHier wohnte Heinrich Konrad Flottmann; Jg. 1908; Dienst an der Waffe verweigert; verhaftet 10. 8. 1944; Flucht in den Tod; Duisburg; 10. 8. 1944