mini|Blick in einen der Ausstellungsräume im Haus der Stadtgeschichte in Heilbronn mini|Das Haus der Stadtgeschichte befindet sich im städtischen Archivgebäude im Heilbronner Deutschhof Das Haus der Stadtgeschichte (auch Otto-Rettenmaier-Haus) in Heilbronn ist Sitz des Stadtarchivs Heilbronn und bietet ein Forschungs-, Dokumentations- und Museumsangebot zur Geschichte der Stadt Heilbronn. In ihrer heutigen Form wurde die Einrichtung im Juli 2012 eröffnet.Haus der Stadtgeschichte eröffnet, Heilbronner Stimme, 20. Juli 2012

Geschichte Der Heilbronner Unternehmer Otto Rettenmaier hat 2011/2012 den Umbau des Archivgebäudes im Deutschhof zum Otto-Rettenmaier-Haus mit einer Spende von 3 Mio. Euro finanziert. bei heilbronn.de, 14. Juli 2010 (abgerufen am 7. April 2012) Dabei wurden insbesondere die Ausstellungsfläche, die Gebäudetechnik und die Sammlungspräsentation im Archivgebäude völlig erneuert. Bei den Umbauarbeiten wurde zusätzlich zum bisherigen Eingang von der Eichgasse ein neuer Zugang zum Gebäude vom Deutschhof-Innenhof her geschaffen, außerdem auch eine durchgängige Verbindung der Ausstellungsflächen mit denen der ebenfalls im Deutschhof befindlichen Städtischen Museen Heilbronn, die neben Kunst weitere stadtgeschichtliche Exponate zeigen.

Ausstellungskonzept Das Haus präsentiert die vom Stadtarchiv konzipierte Ausstellung „Heilbronn historisch! Menschen, Plätze, Geschichten“ in zwei Sälen auf 485 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Die beiden Ausstellungsräume zu beiden Seiten des Foyers zeigen die Geschichte der Stadt Heilbronn von den Anfängen bis in die Gegenwart. Im kleineren der beiden Räume wird die Stadtgeschichte vom Hochmittelalter bis in das 19. Jahrhundert in fünf Kapiteln präsentiert. Im Mittelpunkt steht dabei ein dreidimensionales Modell der Stadt Heilbronn um 1800, bei dem sich einzelne Bauwerke beleuchtet hervorheben lassen und an dem ergänzende Informationen zu Gebäuden und Themenkomplexen über Monitore und Wandprojektionen abgerufen werden können. Im größeren der beiden Säle wird die Stadtgeschichte seit der Industrialisierung in weiteren fünf Kapiteln präsentiert, wobei hier großformatige Tafeln mit Stadtansichten aus dem frühen 20. Jahrhundert im Mittelpunkt des Raumes stehen.

Die große Zahl authentischer Exponate wird durch Texte, Bilder, Audio- und Videoangebote ergänzt. Dem Rundgang folgend, dokumentieren im Fußboden eingelassene und beleuchtete Karten die Veränderungen der Stadt und heben diejenigen der Gebäude hervor, auf die die jeweilige Ausstellungsstation Bezug nimmt. Medienpulte zu Heilbronner Köpfen und interaktive Wandmonitore widmen sich bestimmten Teilaspekten der Stadtgeschichte. Im kleineren Ausstellungssaal gibt es einen Kinoraum mit Filmen zur Stadtgeschichte, im größeren Ausstellungssaal kann ein Teil des Raums für Sonderausstellungen und Veranstaltungen genutzt werden. Am Ende des Rundgangs befindet sich eine umgebaute Fotokabine, in der Besucher ihre Eindrücke per Videoaufzeichnung zum Archivgut geben können.

Der Eintritt zur Ausstellung wie auch der Eintritt in die städtischen Museen ist frei, die Ausstellungen beider Häuser haben 44 Stunden pro Woche geöffnet. Das Stadtarchiv hat ein ehrenamtliches Lotsenteam aus stadtgeschichtlich interessierten Personen zusammengestellt, das die Begrüßung und Betreuung der Besucher im Ausstellungsbereich übernimmt.

Themen Erste Spuren Eine karolingische Figur aus der Zeit um das Jahr 800Helmut Schmolz und Hubert Weckbach: Heilbronn – Geschichte und Leben einer Stadt. 2. Auflage. Anton H. Konrad Verlag, Weißenhorn 1973, S. 26, Nr. 10 [Karolingische Heiligenfigur, um 800, Heilbronn.] ist das älteste gezeigte Exponat. Die Figur, deren Herkunft und ursprüngliche Verwendung unbekannt sind, symbolisiert die urkundenlose Frühzeit der Stadtgeschichte. Das nachfolgend ausgestellte Tympanon vom Heilbronner Siebenröhrenbrunnen weist auf die Herkunft des Stadtnamens hin, der anlässlich einer Schenkung im Jahr 741 in einer Urkunde von 822 erstmals erwähnt wird.

Hoch- und Spätmittelalter mini|hochkant|Stadtrechtsurkunde vom 9. September 1281 mini|Bildstock an der Armsündersteige, Kopie am ursprünglichen Standort

Behandelte Themen sind: „Dorf und Stadt“, „Reichsstadt, Handelsstadt“ sowie „Kaufmannsstadt“.

Auf einer Konsole werden die wichtigsten Urkunden der Stadt Heilbronn dargestellt und übersetzt: Urkunde zur Ersterwähnung 741 Urkunde zum Aufenthalt Ludwigs des Deutschen im Jahr 841 Urkunde zum Hirsauer Codex 1146: Marktrecht, Hafen und Weinbau Urkunde zum Oppidum Heilecbrunnen wird 1225 Lehen der Staufer Urkunde zum Stadtrecht 1281 durch Rudolf von Habsburg Urkunde über einen Ablass für St. Kilian von 1297 Urkunde zum Neckarprivileg von 1333 durch Ludwig den Bayern Urkunde zur Reichsstadt ab 1371, mit der paritätische Verfassung von 1371 durch Karl IV.

Steinerne Denkmale jener Zeit sind der Gedenkstein für Nathan den Vorsteher aus dem 10. Jahrhundert, der auf die sehr alte Jüdische Gemeinde Heilbronn verweist, ein Markstein der Stadt Heilbronn von 1494 vom Heilbronner Staufenberg an der Grenze zu Sontheim, der ursprünglich an der Armsündersteige auf dem Weg zum Heilbronner Galgen aufgestellte Bildstock von 1514 sowie die Grabplatte des Arnold Geiling von Illesheim, des Schwiegervaters Götz von Berlichingens.

Ein Modell des 1306 gestifteten Katharinenspitals von Wilhelm Rieth visualisiert die wichtigste städtische Einrichtung zur Alten- und Armenvorsorge.

An der Wand zeigt eine große Karte den Plan des Heilbroner Gebiets von Böckingen bis zu Markungsgrenze Obereisesheim aus dem Jahre 1597.Anmerkung: Der Plan entstand als die Neckargartacher Untertanen die Reichsstadt Heilbronn vor dem württembergischen Lehenhof verklagten. So wegen Weidstreitigkeiten, unberechtigtes Abschlagen der Weiden im Nebel bei Morgengrauen im Weidach vor Neckargartach, wegen Marksteinversetzen und endlich wegen unberechtigter geforderter Abgaben (Betwein) aus neu angelegten Weingärten im Gewann „Fleischbühel“. (Quelle: Helmut Schmolz und Hubert Weckbach: Heilbronn – Geschichte und Leben einer Stadt. 2. Auflage. Anton H. Konrad Verlag, Weißenhorn 1973, S. 38, Nr. 37 [Plan des Heilbroner Gebiets von Böckingen bis zu Markungsgrenze Obereisesheim, 1597]) Weiteres historisches Kartenmaterial zeigt Ansichten der reichsstädtischen Dörfer Böckingen, Flein, Frankenbach und Neckargartach auf Ansichten aus dem Kieserschen Forstlagerbuch von 1684 und aus der Faberschen Chronik um 1700, außerdem einen Markungsplan des 1333 von der Stadt Heilbronn erworbenen und danach abgegangenen Dorfes Altböckingen von 1778.

Reformationszeit mini|hochkant|Der Heilbronner Katechismus von 1528 mini|Bauernführer Jäcklein Rohrbach wird bei lebendigem Leib verbrannt. Behandelte Themen sind „Kirchen und Klöster“ sowie Reformationszeit.

Exponate zum Thema Kirchen und Klöster: Die Stiftertafel des Ewigen Almosens für Bernhard Berlin (1457) und das Grabdenkmal der Familie Erer aus dem 15. Jahrhundert repräsentieren das Bemühen des Heilbronner Patriziats um Repräsentation und Seelenheil. Die Skulptur der heiligen Katharina um 1500 befand sich vermutlich einst im Katharinenspital. Bücher aus der Bibliothek des Franziskanerklosters, darunter eine Psalterium-Handschrift (15. Jahrhundert), und eine Windfahne aus dem Heilbronner Klarakloster in Form eines Franziskaners (frühes 16. Jahrhundert) erinnern an die Heilbronner Klöster. Der Wasserspeier „Vogel mit einem Bocksfuß und 2 Menschenköpfen“ (1525) stammt vom Turm der Kilianskirche und symbolisiert deren reformatorischen Bauschmuck.

Die Reformationszeit wird durch folgende Exponate vertreten: Eine Nachbildung der berühmten Eisernen Hand sowie ein Beschwerdebrief von 1522 erinnern an Götz von Berlichingen, der von 1519 bis 1522 in Heilbronn gefangen und im Bauernkrieg 1525 zeitweise Hauptmann der aufständischen Bauern war. Der Heilbronner Katechismus von Johann Lachmann und Kaspar Gretter von 1528 zählt zu den ältesten protestantischen Katechismen überhaupt.

Die Konsolen mit dem Thema „Heilbronner Köpfe“ befassen sich mit dem 1525 hingerichteten Bauernführer Jäcklein Rohrbach und mit dem Kilianskirchprediger und Reformator Johann Lachmann.

Frühe Neuzeit mini|hochkant|Gmelins Grabstein mini|hochkant|Ölgemälde, Porträt der Maria Catharina Bianchi geb. Bellino

Beschrieben werden die Themen „Kriegszeiten“, „Handel und Handwerk“, „Handel und Hafen“ sowie die Aufklärung.

Eine interaktive Medienpräsentation leitet vom Bauernkrieg im Heilbronner Raum über das Kasendorfer Konfessionsbild von 1530, auf dem Bürgermeister Hans Riesser bei der Überreichung der Augsburger Konfession zu sehen ist, zum Dreißigjährigen Krieg mit der Schlacht bei Wimpfen 1622, dem Heilbronner Konvent 1633, der Eroberung der Stadt durch das kaiserliche Heer 1634 und weiteren Geschehnissen im kriegerischen 17. Jahrhundert über. Als Exponate sind diesem Themenkreis Scherben aus dem Stadtgraben sowie historische Steinkugeln, Pistolen und Säbel beigegeben.

Handel und Handwerk werden von folgenden Exponaten repräsentiert: Gesellschaftslade der Schmiede und Wagner aus dem frühen 17. Jahrhundert Gesellschaftstafel der Küfer aus dem 17. oder 18. Jahrhundert, die bis ins 20. Jahrhundert hinein durch Namen ergänzt wurde, wofür man sie mehrfach mit Klappen erweitert hat Erzeugnisse der Heilbronner Zinn- oder Kantengießer, darunter Zinnbecher von Johann Jakob Kaller (1696–1753)Schmolz/Weckbach (1973) Nr. 419,420 und Friedrich August Wolff (1799–1859)Lebensdaten nach Stadtarchiv Heilbronn, Zeitgeschichtliche Sammlung Signatur ZS-12922, Eintrag zu Friedrich August Wolff in der Datenbank HEUSS, dessen Nachfahren die Eisengießerei Julius Wolff & Co. GmbH gründeten Schild der Rotgerbergesellen. Silbermedaillen, des Heilbronner Vieh- und Pferdemarktes (1770) von Jakob Michael Pressel Silberbecher von Hans Antoni LindenStadtarchiv Heilbronn, Zeitgeschichtliche Sammlung Signatur E003-117, Silber Lind/Linden in der Datenbank HEUSS

Das Zeitalter der Aufklärung stellen folgende Exponate dar: Grabmal und Porträt des Stadtarztes Eberhard Gmelin, der ein Vertreter des tierischen Heilmagnetismus war und Caroline Heigelin geheilt haben soll.laut Ausstellung im Haus der Stadtgeschichte Heilbronn Ölporträts von Georg Heinrich von Roßkampff und seiner Frau Rosina Elisabeth von Harpprecht geb. von Kinkel, gemalt von Adam Schlesinger 1787. Roßkampff war Baurat und Bürgermeister, auf ihn gehen mehrere Prachtbauten wie das Schießhaus und das Alte Stadtarchiv zurück. Er setzte sich außerdem auch für die Errichtung des Waisen- und Arbeitshauses ein. Ölporträt der Maria Catharina Bianchi geb. Bellino, einer Angehörigen der in Heilbronn tätigen Kaufmannsfamilie Bianchi. Porzellan-Sammlung des 18. Jahrhunderts, zum Teil gefertigt in der Porzellanmanufaktur Meißen und Porzellanmanufaktur Ludwigsburg, gespendet aus der Becker-Franck-Stiftung. Weitere Exponate haben Bezug zu Musikdirektor Johannes Amon, zur Bürgermeistergattin Charlotte Sophie von Wacks, zum Stoffdesigner Johann Michael Kirschbaum, zum Papierfabrikanten Johann Valentin Ebbeke, zu den Sprachlehrerinnen Charlotta und Wilhelmina Bertrand, sowie zu Johann Albrecht Sperling (* 1739 in Dürrmenz; † 19. Mai 1813 in Heilbronn), der 1794 eine Öl- und Farbholzmühle einrichtete.Johann Albrecht Sperling. Das Tüftlergenie. In: Im Zeichen der Aufklärung, Begleitbuch zur Ausstellung im Haus der Stadtgeschichte, Heilbronn.Eintrag zu Johann Albrecht Sperling in der Datenbank Heuss. Weitere vorgestellte Personen sind der Chemiker Gottlieb Christian Füger, der Schriftsteller Carl Lang, die „Freifrau von Hessenheim“ Friederike Schmidt, der Peruquier Antoni Maria Quittini, der Pädagoge Johann Rudolf Schlegel, der Gips-Fabrikant Caspar Hofmann, der Sternenseher Christian Ludwig Schübler sowie der Großunternehmer Jakob Friedrich Gsell.