Die Bargellini-Reaktion ist eine nach Guido Bargellini (1879–1963) benannte Mehrkomponentenreaktion der organischen Chemie. Sie bietet eine gute Atomökonomie und ist verwandt mit den nach Jocic(-Reeve)Organische-Chemie.ch: Jocic-Reaktion und Corey-Link benannten Reaktionen.

Bargellini berichtete im Jahr 1906 von der Bildung von 2-Methyl-2-phenoxypropionsäure durch die Einwirkung von Aceton auf Phenol in Chloroform in Gegenwart von Natriumhydroxid:Guido Bargellini: Azione del cloroformio e idrato sodico sui fenoli in soluzione nell’acetone. In: Gazz. Chim. Ital. 36, 1906, S. 329–338.

650px|mini|center|Multikomponentensynthese von 2-Methyl-2-phenoxypropionsäure.

650px|mini|center|Übersichtsreaktion am Beispiel der Umsetzung eines β-Aminoalkohols (X = O) oder einen Diamins (X = NR) mit Aceton und Chloroform im basischen Milieu. Es entsteht ein substituiertes Morpholinon oder Piperazinon (rechts unten).

Durch Verwendung von Kaliumfluorid-beschichtetem Aluminiumoxid als basische Komponente können hydrolyseempfindliche Substrate geschont werden.Md. Rumum Rohman, Bekington Myrboh: KF-alumina-mediated Bargellini reaction. In: Tetrahedron Letters. 51, Nr. 36, 2010, S. 4772–4775, .

Reaktionsmechanismus Ein sterisch zugängliches KetonNicht alle Ketone reagieren gleich gut. Siehe Gerhard Korger: Über die Synthese von Grisanonen-(3). In: Chemische Berichte. 96, Nr. 1, 1963, S. 10–37, . addiert Trichlormethid – unter basischen Bedingungen durch Deprotonierung aus Chloroform in situ entstanden – und bildet das entsprechende Trichlormethylcarbinol bzw. -alkoxid. Dieses Additionsprodukt unterliegt der baseninduzierten intramolekularen Veretherung zum gem-Dichlorepoxid. An diese intermediär entstehende, reaktive Verbindung substituieren Nukleophile regioselektiv am α-Kohlenstoff, was zur Bildung von α-substituierten Carbonsäurechloriden führt. Nukleophile Acyl-Substitution, einschließlich Solvolyse, ergibt zum Schluss das Carbonsäurederivat.Timothy S. Snowden: Recent applications of gem-dichloroepoxide intermediates in synthesis. In: ARKIVOC. 2, 2012, S. 24–40 (PDF).

630px|mini|center|Möglicher Reaktionsmechanismus der Bargellini-Reaktion.Jie Jack Li: Name Reactions. 3. Auflage, Springer, 2006, ISBN 3-540-30030-9, S. 24–25.

Anwendung Ein Anwendungsbereich dieser Reaktion ist die Herstellung von in α-Stellung sterisch gehinderten Carbonsäurederivaten.

Beispiele für Arznei- und Wirkstoffe, die per Bargellini-Reaktion zugänglich sind, sind Fenofibrat, CarfentanylKen J. Butcher, Jenny Hurst: Aromatic amines as nucleophiles in the Bargellini reaction. In: Tetrahedron Letters. 50, Nr. 21, 2009, S. 2497–2500, . und Griseofulvin-Analoga.Gerhard Korger: Über die Synthese von Grisanonen-(3). In: Chemische Berichte. 96, Nr. 1, 1963, S. 10–37, .

Einzelnachweise

Weiterführende Literatur Lauren Rebecca Cafiero: New synthetic applications of trichloromethyl carbinols in synthesis. 2009 (Dissertation, PDF; 5,0 MB) Timothy S. Snowden: Recent applications of gem-dichloroepoxide intermediates in synthesis. In: ARKIVOC. 2, 2012, S. 24–40 (PDF).

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