mini|hochkant=1.3|Luftaufnahme des Tempelhofer Feldes, 2019

Das Tempelhofer Feld ist seit 2010 ein als Park und Freizeitfläche genutztes Gelände in Berlin. Das über 350 Hektar große Feld umfasst die unbebaute Fläche zwischen dem Volkspark Hasenheide und der Ringbahn. Es liegt auf der Hochfläche des Teltow südlich des Berliner Zentrums.

Zu dem Feld gehören einige ehemalige Anlagen des Flughafens Tempelhof. Historisch ist es eng verbunden mit der deutschen Militärgeschichte, Luftfahrtgeschichte und Sportgeschichte.

Seit Einstellung jeglichen Flugverkehrs im Jahr 2008 werden die Bauten und Hangars sowie die Rollflächen anderweitig genutzt.

Ackerland und militärische Nutzung (1700–1900) mini|hochkant|Die Pappel stand seit der Zeit Friedrichs des Großen auf dem Tempelhofer Feld. Hier zieht das 3. Garde-Regiment zu Fuß an ihr vorbei.

Das zwischen den Orten Schöneberg und Tempelhof gelegene Feld, damals auch Großes Feld genannt, wurde bis zum 18. Jahrhundert von Schöneberger Bauern als Ackerfläche genutzt.

Unter Friedrich Wilhelm I. wurde es ab 1722 auch als militärischer Parade- und Exerzierplatz sowie als Manövergelände der preußischen Armee verwendet. Am 2. August 1881 war der hawaiische König Kalākaua Gast einer Parade.„Heute Vormittag werden dem Gaste auf dem Tempelhofer Felde verschiedene Regimenter vorgeführt werden.“ In: Berliner Gerichts-Zeitung, 2. August 1881, S. 3 „The King reviewed a large body of infantry the next day […]“. In: William N. Armstrong: Around the world with a king. The Story of the Circumnavigation of His Majesty King David Kalakaua. London / New York 2000, ISBN 0-7103-0291-6, S. 254; Die Funktion als Paradeplatz erhielt sich bis zum Frühjahr 1914. Kennzeichnend war dabei insbesondere die kaiserliche Paradepappel, an der Wilhelm II. die Parade abnahm.Christian Wolter: Rasen der Leidenschaft. S. 14. 1828 kaufte das Militär das Areal auf. Der westliche Teil wurde 1830 an den Verein für Pferdezucht und Pferdesport verpachtet, der eine Pferderennbahn anlegen ließ, die bei den Berlinern sehr beliebt war. Bereits 1841 musste sie der Anhalter Eisenbahn weichen.

mini|links|Karte für Berlin und seine Vororte, 1907

Westlich der Bahnstrecke wurden nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/1871 die Kaserne und ein Verladebahnhof für das neu aufgestellte Preußische Eisenbahn-Bataillon, dem späteren Eisenbahn-Regiment Nr. 1, errichtet, das hier auch einen Übungsplatz erhielt. Parallel zur Bahnstrecke Berlin–Dresden der Berlin-Dresdener Eisenbahn-Gesellschaft wurde bis 1875 eine Militäreisenbahn nach Zossen gebaut, die später bis Jüterbog verlängert wurde. Bald entstanden auch östlich der Bahn ausgedehnte Kasernenanlagen für das Eisenbahn-Regiment, welches 1890 zur Eisenbahn-Brigade aufgestockt wurde und 1893 um das 3. Regiment erweitert wurde. Schon 1885 war hier die ein Jahr zuvor gegründete Luftschiffer-Abteilung untergebracht worden. 1895–1898 kamen die Dienstgebäude der Landwehrinspektion hinzu.

Sportgeschichte (1880 bis zur Gegenwart) Auf dem unbebaut gebliebenen Gelände des Tempelhofer Feldes befand sich der Badesee Schlangenpfuhl. Außerdem nutzten die Berliner das Feld zu Naherholung, Picknick und Sport. Der erste Berliner Fußballverein, der BFC Frankfurt 1885, trug hier ebenso seine Heimspiele aus wie der deutsche Fußballmeister von 1905, Union 92 Berlin. Auch der älteste noch existierende Fußballverein Deutschlands, der BFC Germania 1888, bestritt auf dem Tempelhofer Feld die ersten Spiele. Außerdem nutzte der Berliner Cricket Club das Feld für Cricketspiele.

mini|Union 92 Berlin, Deutscher Meister 1905 Anfänglich existierten keine festen Sportanlagen, sondern es wurden auf den großen Freiflächen nach Belieben Spielfelder markiert. Für 1912 sind 32 Spielfelder bekannt, die in der Sommerpause per Los verteilt wurden.Christian Wolter: Rasen der Leidenschaft. S. 18. 1924 wurde an der Ostseite des Tempelhofer Damms ein Sportplatz errichtet, der vom BFC Preussen genutzt wurde. Er bot bis zu 40.000 ZuschauernChristian Wolter: Rasen der Leidenschaft. S. 145. Platz und war seinerzeit eine der wichtigsten Berliner Fußball-Spielstätten. Auf der Preussen-Stadion bzw. Preussen-Platz genannten Anlage fanden unter anderem mehrere Endrundenspiele zur deutschen Fußballmeisterschaft statt, darunter im Mai 1933 das Halbfinalspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Eintracht Frankfurt. Die Sportanlage wurde 1936 für den Bau des neuen Zentralflughafens abgerissen.

Am östlichen Rand des Tempelhofer Feldes wurde 1930 ein großer Sportpark mit zahlreichen Sportplätzen errichtet. Ein großer Teil dieses Sportparks musste später dem Ausbau des Zentralflughafens weichen. Die verbliebenen Anlagen bilden heute den Werner-Seelenbinder-Sportpark.

Seit 2015 startet jährlich auf einer temporären Rennstrecke auf dem Vorfeld des alten Flughafengebäudes ein Lauf der FIA-Formel-E-Weltmeisterschaft, einer offiziellen Weltmeisterschaft mit elektrisch angetriebenen Fahrzeugen und mehreren zehntausend Zuschauern.

Am Columbiadamm befinden sich seit 1947 ein Baseball- und ein Softball­platz, die seit 2019 unter dem Namen Gail-S.-Halverson-Park bekannt sind, dazu haben sich im letzten Jahrzehnt noch Beachvolleyball­plätze, ein Squash-Court sowie Basketball­plätze, gesponsert von Nike, dazugesellt. Im Rahmen einer Erweiterung von Flüchtlingsunterkünften plant der Berliner Senat derzeit den Abbruch der historischen Baseballplätze und weiterer Sportanlagen.

Bebauungen (1910–1940)

mini|Gartenstadt aus den 1920er Jahren an der Manfred-von-Richthofen-Straße

Am 31. August 1910 kaufte die Gemeinde Tempelhof dem Militär das Gelände für 72 Millionen Mark ab und gab den westlich des Tempelhofer Damms gelegenen Teil zur Bebauung frei. Um das Vorhaben zu finanzieren, entstand die Tempelhofer Feld Aktiengesellschaft,Aktie der AG Tempelhofer Feld aus dem Jahr 1911 bei Historische-Wertpapiere.de, abgerufen am 3. Juni 2014 eine Investorengruppe aus Deutscher Bank und dem Bauunternehmer Georg Haberland. Nach einem Entwurf von Hermann Jansen und Bruno Möhring sollte eine dichte fünfgeschossige Bebauung entstehen. Nach diesen Plänen wurden bis 1914 lediglich 60 Wohnhäuser, vor allem am heutigen Platz der Luftbrücke, gebaut. Dann stoppte der Erste Weltkrieg das Vorhaben. Nach 1920 wurde von Fritz Bräuning eine neue Planung umgesetzt. Es blieb bei einer hohen Bebauung der Ränder des Areals. Im Inneren dieses Gebietes, auch als Gartenstadt Neu-Tempelhof bezeichnet, entstand eine aufgelockerte Siedlung mit Doppel- und Reihenhäusern und viel Grün. Mit der Wohnbebauung entstanden auch die Kirche auf dem Tempelhofer Feld (Rundkirche), das St. Joseph Krankenhaus Berlin-Tempelhof und ein Neubau für das Askanische Gymnasium, das zuvor in Kreuzberg ansässig gewesen war. 1936 wurden die Straßen nach bekannten Fliegern des Ersten Weltkriegs wie Oswald Boelcke, Manfred von Richthofen und Werner Voß umbenannt.

Etwa zeitgleich mit der Neubebauung des Westteils wurde ab 1921 im Rahmen des „Notstandprogramms gegen die Arbeitslosigkeit“ der 30 Hektar große Volkspark Tempelhof an der Columbiastraße angelegt (auf späteren Stadtplänen auch Volkspark Neukölln), mit großer Liegewiese und einer Rodelbahn. Dieser musste aber schon Mitte der 1930er Jahre der Erweiterung des Flughafens weichen.Kommunale Grünentwicklung von 1920 bis 1948. berlin.delandkartenarchiv.de

Bereits 1896 war an der Prinz-August-von-Württemberg-Straße, dem heutigen Columbiadamm, eine Militär-Arrest-Anstalt errichtet worden. Von 1918 bis Ende der 1920er Jahre wurde sie als Polizeigefängnis genutzt. Ab 1933 war hier zuerst ein Gefangenenlager der SS und der Gestapo und von 1934 bis 1936 ein reguläres Konzentrationslager, das KZ Columbia.

Luftfahrtgeschichte (1870–2008) Auf dem Tempelhofer Feld wurde bereits in den 1880er Jahren Luftfahrtgeschichte geschrieben. Das vom alten Ostbahnhof hierher verlegte Ballon-Versuchsdetachement, ab Mai 1886 offiziell Luftschiffer-Abtheilung genannt, ließ hier ab 1885 seinen Ballon Barbara aufsteigen. 1886 machte Hugo vom Hagen aus dessen Korb die ältesten bekannten deutschen Luftbildaufnahmen.Markus Becker: Berlin von oben. Die ersten Luftbilder Deutschlands. Spiegel Online, 26. April 2006; abgerufen am 7. Mai 2010. Als der Deutsche Verein zur Förderung der Luftschifffahrt von 1888 bis 1899 seine vom Meteorologen Richard Aßmann initiierten sogenannten Berliner wissenschaftlichen Luftfahrten durchführte, starteten diese Ballonfahrten überwiegend entweder auf dem Gelände der Luftschiffer-Abteilung oder neben der Schöneberger Englischen Gasanstalt am nordwestlichen Rand des Tempelhofer Feldes.

mini|Ballon Preussen vor dem Aufstieg am 31. Juli 1901

Das Tempelhofer Feld war in den 1890er Jahren der Ort, wo Erfinder dem preußischen Militär ihre Flugobjekte vorführten, um finanzielle Unterstützung zu erhalten. 1897 endeten zwei dieser Vorführungen tragisch. Friedrich Hermann Wölfert, dessen Luftschiff bereits 1888 eine Strecke von zehn Kilometern von Cannstatt nach Aldingen zurückgelegt hatte, war der erste, der einen Benzinmotor zum Antrieb verwendete. Am 12. Juni 1897 demonstrierte er sein Luftschiff Deutschland über dem Tempelhofer Feld. Der heiße Motor entzündete jedoch den als Traggas benutzten Wasserstoff. Das in Flammen stehende Luftschiff stürzte ab. Wölfert und sein Assistent Robert Knabe starben. Einige Monate später, am 3. November 1897, fand auf dem Tempelhofer Feld der weltweit erste Flug eines Starrluftschiffs statt. Das Ganzmetallluftschiff aus Aluminium ging auf den Erfinder David Schwarz zurück. Das Luftschiff stellte sich als gut lenkbar heraus und stieg auf eine Höhe von über 400 Metern. Durch einen Antriebsschaden wurde es jedoch manövrierunfähig und ging bei der Notlandung zu Bruch.

Einige Monate vor dem Umzug der Luftschiffer-Abteilung in die Jungfernheide schrieb das Tempelhofer Feld noch einmal Luftfahrtgeschichte. Das aeronautische Observatorium Tegel war durch Schenkung in den Besitz des Ballons Preussen gekommen, der mit einem Fassungsvermögen von 8400 m³ Gas einer der größten seiner Zeit war. Zur Überprüfung ihrer Messinstrumente wollten die Meteorologen Arthur Berson und Reinhard Süring in möglichst große Höhen vordringen. Mit Unterstützung der Luftschiffer-Abteilung – allein 96 Soldaten hielten den Ballon an 48 Seilen – hob der Preussen am 31. Juli 1901 kurz vor 11 Uhr ab. Auf der dramatischen Fahrt, die beide Aeronauten zeitweise ohnmächtig werden ließ, erreichten sie im offenen Korb eine Höhe von 10,8 Kilometern. Dieser Weltrekord hatte 30 Jahre Bestand. Aus wissenschaftlicher Sicht war der Aufstieg von Bedeutung für die Entdeckung der Stratosphäre im Jahr 1902.

Der erste Motorflug auf dem Tempelhofer Feld fand bereits 1909 statt. Am 28. Januar begann der Franzose Armand Zipfel (1883–1954) hier mit seinen öffentlichen Vorführungen. Er flog auf Einladung des Berliner Lokal-Anzeigers unter großem öffentlichen Interesse bis Mitte Februar 1909 mit seinem Voisin-Doppeldecker. Mit dem LZ 6 landete anlässlich seiner Kaiserfahrt am 29. August 1909 erstmals ein Zeppelin in Berlin auf dem Tempelhofer Feld. Wenige Tage später, vom 4. bis 20. September 1909, stellte Orville Wright auf dem Feld bei Demonstrationsflügen neue Rekorde auf; unter anderem einen Höhenweltrekord mit 172 Metern und einen Passagierflug von 1:35 Stunden Dauer. Am 27. September 1909 führte Hubert Latham (1883–1912) den ersten Überlandflug über einer Stadt vom Tempelhofer Feld über Rixdorf und Britz zum Flugplatz Johannisthal durch.

Flughafen Berlin-Tempelhof (1923–2008)

mini|C-47 Transportflugzeuge auf dem Flughafen Tempelhof, 1948