Radio FRO (Freier Rundfunk Oberösterreich) ist ein Freies Radio in Linz, Österreich. Es sendet seit 1998 auf der Frequenz 105,0 MHz im Großraum Linz und ist das größte nichtkommerzielle, Freie Radio in Oberösterreich. Sendestudio und Büro befinden sich in der Kirchengasse in Linz-Urfahr. Seit Oktober 2018 sendet Radio FRO auch auf der Frequenz 102,4 MHz westlich von Linz im Eferdinger Becken.
Geschichte Vorläuferprojekte Bereits vor dem Sendestart 1998 gab es eine Reihe wichtiger Vorläuferprojekte. Hier die wichtigsten Meilensteine: Am 24. November 1987 meldet sich „Radio ÖGB – Österreich Geht’s Blendend“ mit einer „Belanglos- und Niederhaltungssendung“ zu Wort. Es werden Analysen über die Hintergründe der Verstaatlichtenpolitik sowie die Situation und Ansichten Betroffener gesendet. 1991 nehmen Piratenradios in Linz und Schwertberg ihre Sendetätigkeit auf, die KAPU veranstaltet ein Kassettenradio. Im Oktober organisiert die KAPU ein „Radiolabor“ in Zusammenarbeit mit dem Offenen Kulturhaus. Dabei werden die Geschichte des Radios in Österreich und nicht-kommerzielle Radiostationen aus dem Ausland vorgestellt. Eine ganze Woche wird von Initiativen täglich ungefähr eine Stunde Programm für den ORF erstellt. Daraus geht die Sendung „Offenes Radio“ des ORF-Landesstudios Oberösterreich hervor, einem Programmfenster mit offenem Zugang. 1992 gestalten und senden neben Radio FRO folgende Radioinitiativen wöchentlich eine Viertelstunde Programm im „Offenen Radio“: „Radio Wurstinsel“ aus Wels, „Radio Schtarkschtrom“ aus Steyr und aus Gmunden „Radio Understone“. Im Juni sendet das „Radiolabor“ im Rahmen der Ars Electronica und sendet eine Woche lang täglich eine Stunde auf der Frequenz von Ö3 in Oberösterreich. 1993 stellen die Radioinitiativen die Sendetätigkeit vorübergehend ein. Grund dafür sind Repressalien und der aus rechtlichen Gründen im Untergrund verlaufenden Aktivitäten, die den Aufbau eines fixen und ständigen Publikums unmöglich machen. Im März findet das so genannte Radiowochenende in Form eines Standlmarktes statt, bei dem sich in- und ausländische Radioinitiativen präsentieren. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion werden auch die Möglichkeiten für die Einführung nicht-kommerziellen Rundfunks in Österreich diskutiert. Im Juli wird das RRG, das künftig Privatradio in Österreich ermöglichen soll, verabschiedet. Daraufhin beginnen die ersten Konzeptarbeiten für einen Lizenzantrag. Die Diözese Linz beginnt mit ihrem Radiokursprogramm. Am 8. April 1994 stellt Radio FRO einen Antrag auf Erteilung einer Regionalradiolizenz – unterstützt von 60 Sozial-, Kultur-, Jugend- und sonstigen Initiativen. Zugleich laufen in Linz Konzept- und Bündnisarbeiten für einen Lokalradiolizenzantrag an. Im Frühjahr baut der ORF das Programmfenster auf OÖ-Regional aus und die VHS Linz beginnt mit ihrem Radiokursprogramm. Im August wird Radio FRO als Verein „Freies Radio Oberösterreich – Verein zur Förderung von Freien Nicht-Kommerziellen Radioprojekten“ neu gegründet. Im Jänner 1995 werden die Regionalradiolizenzen wie erwartet an die Verlagsgesellschaften vergeben. Am 15. März bringt das Radio FRO eine Bescheidbeschwerde beim Verfassungsgerichtshof (VfGH) gegen die Lizenzvergabe ein. Radio FRO regt den VfGH an, die Verfassungskonformität des RRG und des Frequenznutzungsplanes zu prüfen. Bei der Ars Electronica vom 19. bis 23. Juni nimmt FRO am „horizontal radio“ teil, bei dem 24 Stunden live und via Internet gesendet wird. Im Sommer beginnt Radio FRO mit der Ausbildung von Mitgliedern und Interessenten im journalistischen und technischen Bereich. Am 27. September hebt der VfGH den § 2 des RRG auf, damit auch den Frequenznutzungsplan, der durch diesen Paragraphen geregelt wird. Am 19. Oktober findet im Rahmen der Präsentation des Buches „Radiokultur von morgen“* im Theater Phönix eine Podiumsdiskussion zum Thema nicht-kommerzielle Radios in Österreich statt. Bei dieser von Hermes Phettberg moderierten Diskussion erklären Politiker der SPÖ, ÖVP, GRÜNEN und LIF freie, nicht-kommerzielle Radios zu unterstützen. Fritz Hochmair (SPÖ) kündigt eine entsprechende Resolution im oberösterreichischen Landtag an. (Hg.: Johanna Dorer, Alexander Baratsits, Verlag Buchkultur). Im Herbst wird der Verband Freier Radios Österreich (VFRÖ) gegründet. Am 17. Dezember wird durch die Nationalratsneuwahlen die Novellierung des RRG auf unbestimmte Zeit verschoben. Im Frühjahr 1996 gibt es Vorgespräche mit den Mediensprechern der politischen Parteien und mit Bundesminister Rudolf Scholten in seiner Funktion als Verkehrsminister. Am 5. März startet der Verband Freier Radios Österreich (VFRÖ) unter der Leitung von Radio FRO einen Protestaufruf, um den Verhandlungen mit den zuständigen Institutionen Nachdruck zu verleihen. Dabei werden an Landesregierungen, die Clubs der politischen Parteien, das Verkehrsministerium und das Bundeskanzleramt Protestschriften gegen die offensichtliche Hintertreibung Freier Radios gefaxt. Diese Aktion wird mitgetragen von der IG Kultur Österreich, der IG Autoren, der österreichischen Sozialplattform, der österreichischen Hochschülerschaft und der österreichischen Journalistengewerkschaft. Diesen Aufruf unterstützen über 100 Initiativen und Gruppen aus dem kulturellen, sozialen, gewerkschaftlichen, politischen und studentischen Bereich. Sogar aus dem Ausland (Kroatien, Deutschland, Schweiz, England) kommen Protestschriften. Am 6. Mai gibt es den so genannten Radiogipfel in Wien mit BM Rudolf Scholten, Abg. Josef Cap (SPÖ), Vertretern des VFRÖ, F.E.R.L (Europaorganisation Freier Radios), AMARC (Weltorganisation Freier Radios) und der Journalistengewerkschaft. Dabei sichern die Politiker zu, dass im neuen Regionalradiogesetz (RRG) Freie Radios dezidiert genannt werden und dass es genügend Frequenzen geben wird. Am 4. Juli wird ein FRO-Benefizfest in der Stadtwerkstatt veranstaltet, bei dem sich spontan sechs Bands bereit erklären, gratis zu spielen. Es wird live Hausradio veranstaltet, das – bedingt durch die Lage – auch noch am Linzer Hauptplatz zu hören ist. Geladen und anwesend sind neben Leuten, die Interesse am Freien Radio haben, auch Prominenz aus Politik, Kunst und Kultur. September bis Dezember stehen im Zeichen konkreten Radiomachens. Die Radiowerkstatt beginnt zu arbeiten, erstellt Sendungen für das Offene Fenster in Radio Oberösterreich und macht von September bis Dezember regelmäßig Hausradio vom Dachboden der Stadtwerkstatt ins Café Strom. Im September erstellt Radio FRO eine Stellungnahme zum Entwurf zur Novelle des RRG und führt Verhandlungen für Verbesserungen für Freie Radios. Im Herbst werden die ersten Internet-Seiten von Radio FRO erstellt – beim Projekt @servus.at. Am 31. Dezember 1996 ist es so weit: VORLAUF startet. Das erste Mal hat Radio FRO 24 Stunden am Tag Sendefläche im Kabelnetz von KabelTV Urfahr. Am 12. Jänner 1997 fällt der Startschuss für das Real-Audio-Projekt: Radio FRO sendet als zweites Radio in Österreich 24 Stunden täglich im Internet. Am 7. Juni folgt die Gründung der Freier Rundfunk Oberösterreich GmbH als Trägerorganisation von Radio FRO. Am 11. Juni 1997 erfolgt die Antragstellung für eine lokale und regionale Sendelizenz zur Veranstaltung von Hörfunk für Linz bzw. Oberösterreich und am 25. Juli 1997 ein Radiobeitrag für die „documenta X“ in Kassel: „Der Untergang des christlichen Abendlandes“ oder „Die Verschiffung der Zukunft“. Im Dezember 1997 wird Radio FRO offiziell die Frequenz „Linz 2“ auf 105,0 MHz mit einer Senderstärke von 100 Watt zugesprochen. Viele Mitkämpfer und Mitstreiter für ein Freies Radio in Linz feiern spontan bis in die frühen Morgenstunden. Erst am Morgen danach wird vielen bewusst, wie viel Arbeit unter Zeitdruck das bedeutet, bis dann tatsächlich gesendet werden kann.
Entwicklung des Projektes Seit dem offiziellen Start am 17. Oktober 1998 betreut Radio FRO wöchentlich knapp 70 Programmpunkte mit kontinuierlicher Sendeleistung. Die Programmpunkte werden von Einzelpersonen und Personengruppen gestaltet – somit nutzen über 300 Radiomacher in der FRO-Redaktion oder im offenen Zugang den Sender. Radio FRO betreut seine Programmmacher durch technische Hilfestellung, Programmmachertreffen, inhaltliche Reflexion und Kritik der Sendungen.
Nach fast zweijährigem Sendebetrieb von 31. Dezember 1996 bis September 1998 im Kabelnetz Urfahr und im Internet, startet Radio FRO seinen drahtlosen, terrestrischen Sendebetrieb auf der Frequenz 105,0 MHz in Linz. 2008 wurde zum 10-jährigen Bestehen von Radio FRO 105.0 eine Mediathek eingerichtet.
Organisation Betreiberin von Radio FRO 105.0 ist die 1998 gegründete Freier Rundfunk Oberösterreich GmbH mit Sitz in Linz. Gesellschafter der GmbH sind sowohl Organisationen aus dem Kunst- und Kulturbereich als auch Einzelpersonen. Größter Gesellschafter ist der Verein Freier Rundfunk Oberösterreich, dem auch die Durchführung laufender Schulungsmaßnahmen obliegt. Der Betrieb wird von acht hauptamtlichen Mitarbeitern aufrechterhalten. Dieses Kernteam wird laufend von einem Kreis ehrenamtlicher Mitarbeiter, EU-Praktikanten und EU-Freiwilligen unterstützt.
Programm Das Programm ist nicht-kommerziell und quotenunabhängig. Es zeichnet sich durch den offenen Zugang aus, der von etwa 400 Personen zur Gestaltung von derzeit 150 Sendungen genutzt wird. Dabei sendet Radio FRO 105.0 in 17 verschiedenen Sprachen. In den Programmrichtlinien ist verankert, dass „rassistische, sexistische, faschistische und die Würde des Menschen verletzende Inhalte, sowie Personen und Gruppen, die solche Inhalte programmatisch vertreten, ausdrücklich ausgeschlossen sind“.
FROzine, das Infomagazin von Radio FRO 105.0 Sendetermin: Werktags / Uhrzeit: 18–19 Uhr / Wiederholung: Folgetag, 6–7 und 13–14 Uhr
Über FROzine: Das Infomagazin von Radio FRO 105.0, informiert werktäglich über aktuelle politische, soziale, kulturelle und gesellschaftspolitische Themen. Veranstaltungstipps (kulturelle, soziale und gesellschaftspolitische Veranstaltungen in Linz und Umgebung) und Programmvorschau (für Sendungen auf Radio FRO105.0) sind feste Bestandteile der Sendung.
FROzine-Geschichte: Seit 1998 setzt FROzine auf eine kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen Inhalten und Themen. Das Infomagazin stellt eine zentrale Anlaufstelle der Informationsvermittlung und -sammlung auf Radio FRO 105.0 dar. Die Schwerpunkte der Berichterstattung liegen in den Bereichen lokale und internationale Politik, Kultur, Soziales und Gesellschaftspolitik.
Organisation: FROzine gewährleistet kontinuierlich eine qualitativ hochwertige Berichterstattung: Ein Koordinator ist für die Organisation der Redaktion zuständig, ein Team von täglich wechselnden Tagesverantwortlichen wickelt die einzelnen Sendungen ab. Redaktionsmitarbeitern sind Absolventen der Freien Radio-Lehrredaktionen und diverser Radioworkshops 2002 bis 2010, Programmmacher von Radio FRO105.0 und Einzelpersonen, die im FROzine die Möglichkeit haben, sich mit Journalismus und Radiotechnik auseinanderzusetzen und sich so wertvolle Kenntnisse zu erarbeiten. Die organisatorische Weiterentwicklung und inhaltliche Fokussierung des Magazins ist nach wie vor ein Arbeitsschwerpunkt von Radio FRO105.0.
Sendungsinhalte: Vor allem der Linzer Politik und den gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen wird in der Berichterstattung besonderes Augenmerk geschenkt. Beiträge zu Kulturveranstaltungen in Linz und Umgebung, Terminankündigungen und Berichte sind integraler Bestandteil des Sendungskonzepts. Weiters werden globalisierungskritische Themen mitverfolgt und dargestellt. Medienpolitik mit den Schwerpunkten Freie Medien, Medienvielfalt und Meinungsfreiheit sowie Migrationspolitik sind zentrale Themen der FROzine. Seit 2009 gibt FROzine auch gern Ausblicke auf das Radioprogramm von Radio FRO105.0 und die Sendungsinhalte.