mini|Rundturm der Burg Stickhausen
Die Samtgemeinde Jümme ist ein Gemeindeverband im Landkreis Leer in der niedersächsischen Region Ostfriesland. Sie ist neben der Samtgemeinde Hesel eine der beiden Samtgemeinden im Landkreis und besteht aus den drei Gemeinden Detern, Filsum und Nortmoor, die sich im Zuge der kommunalen Gebietsreform im Jahre 1973 zusammengeschlossen haben. Benannt ist Jümme nach dem gleichnamigen Fluss, der alle drei Mitgliedsgemeinden durchfließt. Als Verwaltungssitz dient Filsum.
Aufgrund der Lage an Jümme und Leda wird Jümme auch „Zweistromland“ genannt; der ostfriesische Geograf Dodo Wildvang prägte bereits in den 1920er-Jahren den Begriff „ostfriesisches Mesopotamien“. An den Flüssen befinden sich mit der Pünte Wiltshausen die nach Gemeindeangaben älteste noch in Betrieb befindliche handgezogene Fähre Mitteleuropas sowie Deutschlands schmalste Autobrücke im Ortsteil Amdorf.
Die Samtgemeinde hat für Ostfriesland historische Bedeutung durch die Schlacht von Detern, in der im Jahre 1426 der ostfriesische Häuptling Focko Ukena seinen Widersacher Ocko II. tom Brok und dessen Verbündete besiegte. Die Burg Stickhausen im gleichnamigen Ortsteil war darüber hinaus über rund drei Jahrhunderte eine wichtige Grenzbefestigung der Grafschaft Ostfriesland. Zum kulturellen Erbe der Samtgemeinde zählen neben den Überresten der Burg auch historische Kirchen, von denen die Filsumer St.-Paulus-Kirche aus dem 13. Jahrhundert die älteste ist.
Die selbst im innerostfriesischen Vergleich nur dünn besiedelte Samtgemeinde ist landwirtschaftlich geprägt, wobei in den Grünlandniederungen entlang der Flüsse vor allem Milchwirtschaft vorherrscht. Der Tourismus ist von einiger Bedeutung, unter den Kommunen des Landkreises Leer liegt Jümme bei den Übernachtungszahlen auf dem dritten Rang hinter Borkum und der Kreisstadt. Jümme ist kaum industrialisiert und insgesamt ein Auspendler-Gebiet, vor allem in die benachbarte Kreisstadt.
Geografie Lage und Ausdehnung Die Samtgemeinde Jümme liegt im östlichen Landkreis Leer in Ostfriesland, im Nordwesten des deutschen Bundeslandes Niedersachsen. Der Hauptort Filsum liegt etwa zehn Kilometer vom Zentrum der Kreisstadt Leer entfernt. Die nächstgelegene Großstadt ist Oldenburg, etwa 42 Kilometer Luftlinie in östlicher Richtung von Filsum. Weitere größere, nahe gelegene Städte sind Emden (etwa 30 Kilometer entfernt) sowie Aurich (knapp 27 Kilometer entfernt).
Mit 6453 Einwohnern, die sich auf 82,34 Quadratkilometer verteilen, ist die Samtgemeinde Jümme nur dünn besiedelt: Auf jeden Quadratkilometer kommen im Durchschnitt etwa 78 Einwohner. Damit liegt die Samtgemeinde weit unter dem ostfriesischen Durchschnitt von 148 Einwohnern pro Quadratkilometer, der seinerseits den niedersächsischen (168) und den bundesrepublikanischen Durchschnitt (230) noch deutlich unterschreitet. Mit ihren rund 6500 Einwohnern liegt die Samtgemeinde (verglichen mit anderen Samt- sowie Einheitsgemeinden) unter den Kommunen Ostfrieslands nach der Einwohnerzahl im unteren Bereich. Das Regionale Raumordnungsprogramm des Landkreises Leer teilt dem Hauptort Filsum die Funktion eines Grundzentrums für das Samtgemeindegebiet zu., PDF-Datei, S. 13 nach ursprünglicher Paginierung, abgerufen am 1. November 2024.
Flächengrößte Mitgliedsgemeinde der drei Kommunen umfassenden Samtgemeinde ist Detern. Mit 43,3 Quadratkilometern ist sie nach Hesel die zweitgrößte Mitgliedsgemeinde der sechs ostfriesischen Samtgemeinden.
Geologie und Böden Geologisch wird die Samtgemeinde Jümme wie ganz Ostfriesland oberflächlich von Schichten des Pleistozäns und des Holozäns gebildet. Pleistozäne Schichten sind in den Geestgegenden zu finden, die den Großteil des Samtgemeindegebiets ausmachen. Teils liegt auf den Geestschichten Moorboden auf, eine holozäne Schicht. Die Böden der ostfriesischen Geest wurden größtenteils aus Decksanden und Geschiebelehm gebildet.Eberhard Rack: Kleine Landeskunde Ostfriesland, Isensee Verlag, Oldenburg 1998, ISBN 3-89598-534-1, S. 24.
Entlang der Leda und der Jümme besteht der Boden aus Flussmarschen, die aus schluffigen Tonen gebildet werden. Im Übergangsbereich zwischen den Flüssen und der Geest schließen sich Moormarschen an, die aus Tonschichten von zumeist weniger als 40 Zentimeter Dicke auf Moorböden bestehen. Der zentrale Bereich des Gebiets zwischen der Leda und der Jümme wird von inzwischen vollständig kultiviertem Niedermoor gebildet. Nördlich und östlich dieses Gebiets, im Bereich der Orte Nortmoor, Filsum, Detern und Stickhausen, herrschen Podsol-Böden in zumeist feuchter Lage vor. Sie liegen zumeist auf Ortstein und sind im Laufe der Jahrhunderte durch Plaggenesch in ihrer Tragfähigkeit verbessert worden. Durch Plaggendüngung, die bis zum Auftreten des Kunstdüngers am Ende des 19. Jahrhunderts jahrhundertelang vorgenommen wurde, gibt es besonders in der Umgebung der Geestdörfer anthropogene Plaggeneschböden. Durch den ständigen Neubodenauftrag liegt der Esch, in Ostfriesland (die) Gaste genannt, heute höher als die Dorfkerne. Durch diese Form der Düngung wurde die Bodenwertzahl deutlich gesteigert, wenn sie auch immer noch klar hinter den fruchtbaren Böden der Marsch zurückblieb. Teilweise sind die Podsol-Böden von Anmoor durchsetzt oder wurden dort durch Abtorfung und anschließende Kultivierung in Flächen mit stark humosem Oberboden umgewandelt. Entlang des Flüsschen Holtlander Ehetief und entlang des Südgeorgsfehnkanals befinden sich Streifen von Niedermoor.Günter Roeschmann: Die Böden Ostfrieslands, in: Sindowski et al.: Geologie, Böden und Besiedlung Ostfrieslands. 1969, S. 51–106, hier S. 96 sowie kartografische Beilage.
Gewässer mini|links|Luftbild der Jümme
5,5 Prozent des Samtgemeindegebiets sind Wasserflächen: In Jümme gibt es mehr als 150 Kilometer Fließgewässer, hinzu kommen Seen, Kolke und Altarme. Wichtigster Fluss ist die Jümme, deren Name sich im Samtgemeindenamen widerspiegelt. An der Grenze zur Stadt Leer fließt die Jümme in die Leda, die zuvor in der Gemarkung Amdorf ebenfalls wenige Kilometer über das Samtgemeindegebiet verläuft und weiter flussaufwärts nur wenig südlich von der Samtgemeindegrenze fließt. Auf dem Gebiet der Samtgemeinde ist die Leda als Binnenwasserstraße klassifiziert., Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes Aufgrund dieser Lage an den beiden Flüssen hat der ostfriesische Geograf Dodo Wildvang bereits in den 1920er-Jahren vom „ostfriesischen Mesopotamien“ gesprochen, als er das Gebiet der heutigen Samtgemeinde beschrieb. In der Eigendarstellung nennt sich die Samtgemeinde bis heute gerne „Zweistromland“.
mini|Klappbrücke über den Nordgeorgsfehnkanal bei Brückenfehn: Das Bauwerk wurde im Jahr 2000 als Ersatz für einen Vorgängerbau errichtet und erlaubt die zügige Durchfahrt von Booten.Carsten Ammermann: Klappbrücke öffnete sich zum Brückenfest. In: Ostfriesen-Zeitung vom 23. August 2010, abgerufen am 7. Januar 2012.
Sofern das Leda-Sperrwerk in Leer nicht – was bei schweren Sturmfluten vorkommt – geschlossen ist, ist der Tidenhub über die Ems bis weit ins Landesinnere spürbar. Der mittlere Tidehub beträgt beim Leda-Sperrwerk drei Meter und am Dreyschloot, einer Querverbindung zwischen Leda und Jümme im Ortsteil Barge im Südosten des Samtgemeindegebiets, immerhin noch 80 Zentimeter. Hochwasserschutz, Deichsicherheit und Entwässerung sind Aufgaben des Leda-Jümme-Verbandes mit Sitz in Leer. Neben den Deichen und dem Sperrwerk stehen dem Verband fünf große geregelte Entlastungspolder zur Verfügung. Diese werden geflutet, wenn wegen Sturmfluten das Leda-Sperrwerk gesperrt bleiben muss, zugleich aber (bspw. wegen Starkregen oder Schneeschmelzen) hohe Binnenwasserstände auf der Leda und Jümme auftreten. Einer der fünf Entlastungspolder befindet sich südlich von Detern und hat ein Volumen von drei Millionen Kubikmetern. In diesen Poldern wird das Wasser „zwischengespeichert“, bis das Sperrwerk wieder geöffnet werden kann.Elke Wieking, Ole Cordsen und Philipp Koenen: Hinterland unter!, Ostfriesen-Zeitung vom 6. Januar 2012, abgerufen am selben Tag.
Neben den natürlichen Gewässern Leda und Jümme liegen auf dem Samtgemeindegebiet auch viele anthropogene Gewässer, vor allem die zahlreichen kleinen Entwässerungsgräben der einzelnen landwirtschaftlichen Felder. Diese werden in Ostfriesland Schloote genannt. Hinzu kommen der Süd- und der Nordgeorgsfehnkanal, die Fehnkanäle der beiden gleichnamigen Fehnorte. Der Nordgeorgsfehnkanal wurde nach Gründung des Fehns 1829 angelegt und in den 1920er-Jahren fertiggestellt. Seitdem stellt er eine durchgehende Verbindung von Ems/Leda/Jümme zum Ems-Jade-Kanal bei Marcardsmoor dar. Der Kanal spielte eine wichtige Rolle bei der Entstehung Wiesmoors und ist heute noch von Bedeutung für die Entwässerung des zentralen Ostfrieslands. Durch ihn können Wasserstände zwischen Ems-Jade-Kanal und Jümme ausgeglichen werden. Außerdem wird der Nordgeorgsfehnkanal für den Wassertourismus genutzt.
Das Leda-Sperrwerk wurde 1954 fertiggestellt. Bis dahin wurde die Niederungslandschaft an Jümme und Leda, also auch weite Teile der Samtgemeinde, im Winterhalbjahr häufig überflutet.
Flächennutzung + Tabelle I: Flächennutzung Nutzung Fläche in ha Wohn- und Mischgebiete 264 Gewerbegebiete 75 Verkehrsfläche 488 Wasserfläche 449 Landwirtschaftsfläche 6702 Forstwirtschaftsfläche 68 sonstige Flächen 188 Gesamtfläche 8234
Die Flächennutzungstabelle rechts macht den überragenden Anteil von Landwirtschaftsflächen an der Gesamtfläche der Samtgemeinde deutlich. Er beträgt etwa 81,4 Prozent (zum Vergleich: Ostfriesland rund 75 Prozent;Eberhard Rack: Kleine Landeskunde Ostfriesland. Isensee Verlag, Oldenburg 1998, ISBN 3-89598-534-1, S. 115. Deutschland 52,3 Prozent.) Der Waldanteil in der von Grünland-Niederungszonen geprägten Samtgemeinde liegt hingegen nur bei knapp 0,83 Prozent (Ostfriesland 2,6 Prozent; Deutschland: 30,1 Prozent).
Nachbargemeinden Die Samtgemeinde grenzt an mehrere andere (Samt-)Gemeinden im Landkreis Leer, ist darüber hinaus aber auch eine der wenigen Kommunen Ostfrieslands, die zugleich an Gemeinden zweier Nachbarlandkreise grenzt. Östlich von Jümme befindet sich die Gemeinde Apen im Landkreis Ammerland. Im Südosten grenzt Jümme an die Gemeinde Barßel im Landkreis Cloppenburg. Die übrigen Kommunen, an die Jümme grenzt, liegen im Landkreis Leer, es sind (fortgeführt im Uhrzeigersinn) Ostrhauderfehn im Süden, Rhauderfehn im Südwesten, die Kreisstadt Leer im Westen, die Samtgemeinde Hesel im Nordwesten und Norden (darin die Gemeinden Brinkum, Holtland und Hesel) sowie die Gemeinde Uplengen im Nordosten.
Gliederung der Samtgemeinde Die Samtgemeinde Jümme besteht aus den drei Mitgliedsgemeinden Detern, Filsum und Nortmoor, die jedoch über weitere Ortschaften und Wohnplätze verfügen. Dies gilt insbesondere für die nach Fläche und Einwohnerzahl größte Mitgliedsgemeinde Detern. Nachfolgend aufgelistet sind die Mitgliedsgemeinden, deren Fläche und Einwohnerzahl sowie die weiteren Ortsteile (Stand: 31. Dezember 2010).
Mitgliedsgemeinde Einwohner Fläche (km²) zugehörige Ortsteile Detern 2.693 43,30 Amdorf, Barge, Deternerlehe, Neuburg, Stickhausen, Velde Filsum 2.084 23,76 Ammersum, Brückenfehn, Busboomsfehn, Lammertsfehn, Stallbrüggerfeld Nortmoor 1.676 15,34 Brunn, Plaggenburg, Heide, Pillkamp, Terwisch Gesamt 6.453 82,34 —
Klima Jümme liegt in der gemäßigten Klimazone, im Einfluss der Nordsee. Im Sommer sind die Tagestemperaturen tiefer, im Winter häufig höher als im weiteren Inland. Das Klima ist von der mitteleuropäischen Westwindzone geprägt.