mini|Selbstbildnis Heinz Buchholz (Göteborg 1941) mini|Berufsverbotsschreiben 1935, unterzeichnet von E. Hönig Heinz Buchholz (auch: Hans Buchholz; * 4. September 1906 in Berlin; gest. 2. August 1984 in Landskrona) war ein Berliner Maler und Grafiker der 1935 nach Schweden floh. Er gehört zur Verschollenen Generation, er wurde unter anderem dem Expressiven Realismus zugeordnet.
Leben Heinz Buchholz wurde 1906 in Berlin als Sohn eines jüdischen Kaufmanns geboren. Er malte schon als 6-Jähriger seine Umgebung am Nollendorfplatz, mit 10 Jahren ließ ihn die Malerin Sofie-Luise Schlieder, die ihn in seinem Elternhaus kennenlernte, Bilder alter Meister in ihrem Atelier kopieren und machte ihn mit der Ölfarbenlehre vertraut.
Bei Rudolf Albert Becker-Heyer studierte Heinz Buchholz Anatomie und Aktzeichnen. Er verkehrte regelmäßig im Romanischen Café bei der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, dem Treffpunkt der Avantgardisten. Dort lernte er viele bekannte Berliner Künstler der damaligen Zeit kennen, so Kurt Tucholsky, Alfred Kerr und Franz Blei. Für Herwarth Waiden dekorierte er die Sturmbälle. Er modellierte und malte im Zoo mit Wilhelm Hübner-Lauenburg (* 1881)Wilhelm Hübner-Lauenburg (* 9. März 1881 in Lauenburg/Pommern; † letzte Erwähnung (vor) 1955 Berlin), deutscher Maler und Graphiker. Er malt Tiere, Landschaften und Bildnisse. Ansässig in Berlin. Studium 1909/1912 bei Georg Koch und Paul Friedrich Meyerheim an der Berliner Akademie. Studienaufenthalte in Rom, Florenz, Paris., einem Schüler Arthur Kampfs. Einige seiner Tierplastiken wurden in Serie gefertigt. Bei Max Kaus lernte Heinz Buchholz wesentliche Techniken, die ihm die Augen für die moderne Malerei jener Jahre öffnete. Er arbeitet für Theater, die UFA und gestaltete zum Beispiel Cafés.
Buchholz wohnte in Berlin-Friedenau in der Lauterstraße 36.Adressbuch bis 1935
Spanische Schaffensperiode 1932 ging Heinz Buchholz nach Palma und eine erste Ausstellung in Barcelona brachte ihm einen beachtlichen Erfolg.
Schon 1933 zeichnete er auf Bitten Friedrich Stampfers von Spanien aus Illustrationen für den Neuen Vorwärts. Trotzdem kehrte er 1934 nach Berlin zurück. Er traf sich dort im Romanischen Café mit noch nicht emigrierten Freunden und wurde sofort von der Gestapo überwacht und verfolgt.
Berufsverbot
Am 8. März 1935 erhielt Heinz Buchholz ein Berufsverbot des Präsidenten der Reichskammer der bildenden Künste, Eugen Hönig, der seine Aufnahme in die Kammer mit der Begründung ablehnte, dass er als „Nichtarier“ die für die „Schaffung deutschen Kulturgutes erforderliche Zuverlässigkeit und Eignung“ nicht besitze. Ihm wurde die weitere Berufsausübung als Maler und Graphiker untersagt. Später wurde Buchholz zum Autobahnbau beim Reichsarbeitsdienst abkommandiert.Lebensbeschreibung *Der Maler und Grafiker Heinz Buchholz* in der 1988 erschienen Zeichnungsmappe *Hitler spricht* heinz-buchholz.de; S. 3
Flucht über die Ostsee Die Flucht mit der Eisenbahn erschien ihm als zu gefährlich. Zusammen mit seiner späteren Frau Elfriede Anna Berta, genannt Friedel, geborene Glave, (* 1912) kaufte er ein gebrauchtes Faltboot. Mit diesem für kleine Touren gedachten Kanu begannen sie am 6. Mai 1935 ihre Flucht.
Ein Erlebnisbericht von Heinz Buchholz beschreibt die Flucht:
Der Fischer setzte sie dann nach dem Sturm vor der schwedischen Küste ab und Heinz Buchholz erreichte mit seiner Frau vollkommen erschöpft den Hafen von Landskrona. Der schwedische Lotse Henry Strömberg entdeckte im Juni 1935 das kleine Faltboot mit dem Feldstecher. Er nahm zusammen mit seiner Frau die erschöpften Flüchtlinge in seinem Haus in Landskrona auf und versorgte sie mit warmer Kleidung. Eine Woche später setzten Friedel und Heinz Buchholz ihre Reise nach Göteborg fort.Stephanie Leah Buchholz: Ich wünschte, ich hätte dich besser gekannt. 2012, ISBN 978-3-8482-1714-4, S. 216
Exil in Schweden Im schwedischen Exil nannte er sich Hans Buchholz. In Schweden karikierte Heinz Buchholz u. a. Hitlers Reden, diese Serie wurde in dem Zyklus Hitler spricht zusammengefasst. Die Veröffentlichung der Karikaturen stieß damals wohl auch aus Angst auf Widerstand in Schweden.
Friedel und Heinz Buchholz heirateten 1945. Sie kehrten, so wie viele Emigranten, nicht nach Deutschland zurück. 1952 wurde eine Tochter (Stephanie Leah) geboren. 1972 zog das Paar nach Landskrona, um dort seinen Lebensabend zu verbringen. Nachdem Friedel am 23. Juni 1983 an Magenkrebs verstarb, nahm Heinz Buchholz am 2. August 1984 sich das Leben. Er wurde am 30. August 1984 auf dem Friedhof Landskrona beigesetzt.
Werkbeispiele Hitler spricht! : 35 Zeichnungen zu seinen Reden und ihren Folgen, Heinz Buchholz Mein Koffer in Berlin – Die Goldenen Zwanziger Jahre, Öl auf Holz, sign. 131 × 149 cm, ein Geschenk an seine Heimatstadt, im Besitz des Senates der Stadt Berlin Mona Lisa, Öl auf Holz, 91 × 61 cm Der gelbe Fleck, Öl auf Holz, sign. 38 × 29 cm Apokalypse, Öl auf Holz, sign. 93 × 125 cm Bäume im Sturm, Öl auf Leinwand, 47 × 56 cm Industrielandschaft, Öl auf Leinwand, sign. 52 × 67 cm Fischer, Öl auf Holz, 97 × 65 cm Fischer im Hafen, Öl auf Leinwand, sign. 58 × 84 cm Der Tod spielt auf, Öl auf Leinwand, sign. 92 × 64 cm Der blinde Maler, sign. Öl auf Holz, 62 × 70 cm Die Entwurtzelten, Öl auf Leinwand, sign. 87 × 61 cm Der Tag an dem der Krieg zu Ende ging, Öl auf Leinwand, sign. 122 × 99 cm
Postume Einzelausstellungen (unvollständig)
1988; Frankfurt am Main, Deutsche Bibliothek
2026: Berlin-Mitte, Mehrgenerationenhaus Kreativhaus, Fischerinsel 3 („Heinz Buchholz – Ein jüdischer Maler aus Berlin“)
Literatur Stephanie Leah Buchholz: Ich wünschte, ich hätte dich besser gekannt. Books on Demand, Norderstedt 2012, ISBN 978-3-8482-1714-4 Rainer Zimmermann: Expressiver Realismus: Malerei der verschollenen Generation. Hirmer, Berlin 1994, ISBN 3-7774-6420-1, S. 359 Svenskt konstnärslexikon Teil I S. 252, Allhems förlag, Malmö. Svenska konstnärer, Biografisk handbok, Väbo förlag, 1987, S. 82, ISBN 91-87504-00-6
Weblinks
Webseite SWG Kunstlexikon, DEFINITION expressiver Realismus Heinz Buchholz in Lexikonett, Lexikonett amanda ist Teil von KULTUR1.se – Schwedens Kulturnetzwerk Heimatverein von Redared – Heinz Buchholz Webseite - Heinz Buchholz ein jüdischer Maler aus Berlin 1906 – 1984
Einzelnachweise
Kategorie:Grafiker (Deutschland) Kategorie:Grafiker (Schweden) Kategorie:Maler (Deutschland) Kategorie:Maler (Schweden) Kategorie:Person (Widerstand gegen den Nationalsozialismus) Kategorie:Deutscher Emigrant in Schweden Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Verschollene Generation Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1906 Kategorie:Gestorben 1984 Kategorie:Mann