Pfaffenwiesbach ist ein Ortsteil der Gemeinde Wehrheim im Hochtaunuskreis in Hessen.

Geographie Am nordöstlichen Ende einer langen Talaue und am Fuße des letzten großen Taunuskamms vor der weiten Wetterauebene liegt das alte Dorf Pfaffenwiesbach – vier Kilometer nordöstlich von Wehrheim, wozu das Dorf heute als Ortsteil gehört, und fünf Kilometer östlich der alten Kreisstadt Usingen. Der namensgebende Wiesbach entspringt mit mehreren Quellarmen ungefähr zwei Kilometer südlich von Pfaffenwiesbach in den Gemarkungen Haubergsgrund und Streicker auf dem Gelände des Munitionsdepots Köppern bei Wehrheim. Er fließt dann durch die sog. Aar, vereinigt sich im Ortsbereich von Pfaffenwiesbach unter einem Asphalt- und Betondeckel mit einem anderen Bachlauf (Pfingstborner Bach), fließt sodann weiter nordwärts durch das Wiesbachtal in Richtung Kransberg und mündet schließlich in die Usa.

Geschichte mini|Pfaffenwiesbach als Graffito (zum Dorfjubiläum 2017)

Die Anfänge des Dorfes liegen weitgehend im Dunkeln. Alte Besiedlungsspuren wie z. B. Funde aus Hügelgräbern oder Scherben aus der Zeit des Römischen Reichs weisen jedoch darauf hin, dass der Landstrich schon lange vor der Christianisierung (wahrscheinlich durch Jäger) besiedelt war. Nach der im 9./10. Jahrhundert vermuteten Ortsgründung als Rodungssiedlung in der Nähe eines ergiebigen Bachs oder an einem Bachübergang im Zusammenhang mit einem alten Verkehrswegenetz soll der Ort bereits um 1040 zum Comitat Malstatt im Gau Wettereiba (Wetterau) gehört haben, von dem im Jahr 1043 zumindest teilweise gräfliche Rechte an die Reichsabtei Fulda fielen. Wahrscheinlich infolge des Investiturstreits sowie des gleichzeitigen Aufstieges des Bistums Würzburg zum Territorialfürstentum dürfte im Lauf des 11./12. Jahrhunderts eine Basilika einschließlich der dazugehörigen Besitzungen an das Benediktinerkloster Schlüchtern gefallen sein. Im Jahr 1167 wird dann dieser (östlichste) Verwaltungssitz des Klosters (Villikation) erstmals in einer Schenkungsurkunde des Würzburger Bischofs Herold von HöchheimVgl. https://wuerzburgwiki.de/wiki/Herold_von_H%C3%B6chheim als Wisenbach erwähnt; allerdings widerspricht das Historische OrtslexikonVgl. dazu: https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/rsrec/sn/ol/register/ort/entry/434012030%3Apfaffenwiesbach, gesehen am 3. August 2023. dieser Zuordnung und identifiziert Wisenbach mit dem Ort Weißenbach südwestlich von Bad Brückenau.

Im Zuge einer politischen, wirtschaftlichen und auch kirchlichen Neuordnung in der Wetterau fiel dann der Flecken Wisenbach zwischen 1216 und 1221 sukzessiv an die Herren von Cranchesberg (1216–1221). In der Folgezeit wurde durch Präfixe im Ortsnamen genau zwischen kirchlichem (z. B. Pfaffinwiesbach) und weltlichem Besitz (z. B. Erwitzenbach) unterschieden. 1297 fiel ein sog. Vronehof an die Abtei Seligenstadt. Der Deutsche Orden, der wohl im 14. Jahrhundert über (heute nicht mehr genau nachvollziehbare) Umwege das Pfarreipatronat erhielt und dieses bis ins 16. Jahrhundert hinein innehatte, hatte seit ca. 1300 Besitzungen in Pfaffenwiesbach erworben.

Vom 14. bis hinein in die 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts teilte das Dorf dann das Geschick der später so genannten „Herrschaft Kransberg“. Verbindungen zur Wetterau bleiben jedoch noch kirchlich bis 1609 (Eingliederung in das Landkapitel Königstein), politisch bis 1654 (Herrschaftsantritt der Herren von Walpott in Bassenheim in der „Herrschaft Kransberg“) und wirtschaftlich (in Form einer Waldnutzungsgemeinschaft in der Mörler Mark) bis 1743 bestehen. Nachdem der weltliche Besitz von den Cranchesbergern im Laufe des 14. Jahrhunderts schrittweise (1316–1356) zum Zwecke einer Besitzabrundung an die Falkensteiner gegangen und nach deren Aussterben zunächst 1419 an die Eppsteiner, dann 1433 an die Linie Eppstein-Münzenberg und schließlich schrittweise (1478–1521) an die Linie Eppstein-Königstein gegangen war, erbte Graf Ludwig von Stolberg 1535 mit der Herrschaft Kransberg auch den Ort Pfaffenwiesbach. Dieser führte im Jahr 1541 auch in Pfaffenwiesbach die Reformation nach der Confessio Augustana ein.

Nachdem 1581 der Besitz an Kurmainz gelangt war, erfolgte ab 1606 unter großer Anstrengung und gegen z. T. heftige Widerstände die Rekatholisierung der Pfarrei, die sich allerdings noch bis 1614 hinzog. Der Dreißigjährige Krieg brachte mit dem Kriegseintritt der Schweden (ab 1632) nicht nur mehrmalige Herrschafts- und (erzwungene) Konfessionswechsel, sondern hinterließ auch ein zum Großteil verwüstetes und entvölkertes Dorf und einen wirtschaftlich und sozial völlig darniederliegenden Landstrich. Nach dem Krieg jedoch begann mit Herrschaftsantritt der Herren von Walpott in Bassenheim (1654), die das Kransberger Gebiet per Zessionsurkunde von Kurmainz übernahmen, ein wirtschaftlicher, sozialer und kirchlicher (katholischer) Aufschwung.

Infolge des Reichsdeputationshauptschlusses im Jahr 1803 fiel die Bassenheimische Standesherrschaft Kransberg an das neu errichtete Herzogtum Nassau bzw. Nassau-Usingen. Der Kampf um die Befreiung von der Fron, bittere Armut und zahlreiche Krankheitsepidemien prägen dieses Jahrhundert; erst Ende des 19. Jahrhunderts trat wieder eine Besserung der Verhältnisse ein. 1866 (1867) wurde das Dorf dann der preußischen Provinz Hessen-Nassau zugesprochen; Pfaffenwiesbach gehörte ab dieser Zeit abwechselnd dem Obertaunuskreis (1866, 1932) bzw. dem Landkreis Usingen (1886, 1933) an.

Den Zweiten Weltkrieg überstand der Ort einigermaßen unbeschadet. Durch Zuzug und die Nähe zum Ballungsraum Rhein-Main ändert sich seither zunehmend die althergebrachte dörfliche Struktur.

Zum 31. Dezember 1971 schloss sich Pfaffenwiesbach im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis der Gemeinde Wehrheim an und wurde eines ihrer vier Ortsteile; ein Jahr später erfolgte die Zuordnung zum Regierungsbezirk Darmstadt bzw. zum Hochtaunuskreis. Für Pfaffenwiesbach wurde per Hauptsatzung ein Ortsbezirk eingerichtet.

Im Jahr 1987 wurde Pfaffenwiesbach zum Programm „Erneuerung der hessischen Dörfer“ angemeldet und im Rahmen des Dorferneuerungsprogrammes durch das Land Hessen als Förderschwerpunkt anerkannt; ab 1991 kam es so innerhalb von neun Jahren zur Verwirklichung von 33 öffentlichen (Gemeinde und Kreis) sowie 81 privaten Baumaßnahmen mit einem geschätzten Investitionsvolumen von 7.385.840 DM. In den letzten Jahren hat das Dorf mehrmals (auch oft erfolgreich) an den Wettbewerben „unser Dorf“ und „Kinder im Dorf“ teilgenommen. Im Jahr 2017 wurde mit vielen Veranstaltungen (Theaterstück, Umzug, Festspiel uvm.) das 850-jährige Ersterwähnungsjubiläum gefeiert.

Schon seit längerer Zeit ist ein gewisser Niedergang im Dorfleben spürbar, so dass im Jahre 2019 nicht nur zwei Vereine (Chorvereinigung und Wiesbachtaler Musikanten) ihre Tätigkeit (weitgehend) eingestellt haben, sondern auch der kleine Dorfladen geschlossen hat.

Politik Für Pfaffenwiesbach besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Pfaffenwiesbach) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 63,48 %. Dabei wurden gewählt: ein Mitglied der SPD, drei Mitglieder der CDU und ein Mitglied des Bündnis 90/Die Grünen. Der Ortsbeirat wählte Mike Buske (CDU) zum Ortsvorsteher.

Sehenswürdigkeiten und Kultur

Zahlreiche, in den letzten Jahren mit viel Liebe restaurierte Fachwerkhäuser prägen gerade den alten Ortskern.

mini|links|Inneres der Kapersburg – Getreidelager mini|hochkant|Rekonstruierter Römerturm auf dem Gaulskopf Doch nicht nur dort hat das Dorf einiges zu bieten. Besondere Beachtung verdienen folgende Sehenswürdigkeiten:

Limes Gut zweieinhalb Kilometer südöstlich von Pfaffenwiesbach befindet sich am Obergermanisch-Raetischen Limes das römische Kastell Kapersburg, dessen Anlagen heute parkähnlich angelegt sind. Nördlich hiervon auf dem Gaulskopf wurde ein römischer Wachturm rekonstruiert, von dem aus – ganzjährig begehbar – eine gute Aussicht in die Wetterau geboten wird. Über den Limes verläuft ein Wanderweg, so dass auch andere, früher meist unzugängliche römische Überbleibsel wie Wachturm- und Zwischenkastellfundamente besichtigt werden können. Im Rahmen der Erhebung des Limes zum UNESCO-Weltkulturerbe wurde dieser Limesabschnitt gut zugänglich gemacht und auch seine wichtigsten Sehenswürdigkeiten mit Infotafeln bestückt. mini|Alte Schule – Rückansicht (2016)

Alte Schule In der im Jahre 1841 an der „Vogelwiese“ erbauten Alten Schule (zunächst Volksschule, dann kath. Kindergarten) befinden sich heute nicht nur ein Atelier und der ev. Kirchenraum, sondern auch das Heimat- und Dorfmuseum, das seit 1984 resp. 1991 durch den Heimat- und Verkehrsverein Pfaffenwiesbach betreut wird und u. a. Urkunden aus dem Ortsarchiv, historische Karten und Bücher sowie eine Sammlung alter landwirtschaftlicher Geräte zeigt.Hans R. Jahn: Das Heimatmuseum Pfaffenwiesbach. In: Ingrid Berg (Hrsg.): Heimat Hochtaunus. Frankfurt 1988, ISBN 3-7829-0375-7, S. 384–385.

Altes Backhaus Das alte Backhaus wurde in den 1960er Jahren zu einer Gaststätte umgebaut. Nach Schließung der Gaststätte im Jahre 2011 entstand hier 2013 das JUZ (Jugendzentrum), das früher in dem im Jahr 1980 errichteten Bauhof beheimatet war.

Brunnen und Pfingstborn Von mehreren Brunnen, die es einst in Pfaffenwiesbach gab (früher gab es beispielsweise noch einen unterhalb der Georgskirche), existiert leider nur noch einer: der in der Höhenstraße. An der Kreuzung Pfingstbornstraße/Lerchenstraße befindet sich der Pfingstborn – eine Quelleinfassung, die heute liebevoll als Ruheplatz gestaltet ist.

Kirche St. Georg

Die katholische St. Georgskirche (Nebenpatronin ist die Hl. Barbara) wurde in den Jahren 1859 bis 1861 durch den Architekten Musset aus Höchst im neuromanischen Stil an dem Platz errichtet, an dem schon die Vorgängerbauten standen, und am 15. Mai 1862 geweiht.Josef Seng: Festschrift „125 Jahre – Pfarrkirche St. Georg Pfaffenwiesbach 1862–1987“. Wehrheim 1987 Sie ersetzte einen im Jahr 1711 (neu) geweihten und um einen Chorturm im Osten erweiterten Kirchbau mit barocker Ausstattung (ob es sich bei diesem Vorgängerbau um die bereits im Jahr 1167 erwähnte Basilika handelt oder nicht viel mehr um einen spätgotischen Neubau ist unklar). Bezüglich der Innenausstattung sind bemerkenswert: der spätgotische Taufstein (aus dem Vorgängerbau); eine barocke Skulptur des Heiligen Georg (ebenfalls aus dem Vorgängerbau); der 1985 in neugotisierender Formsprache wiedererrichtete Hochaltar (ursprünglich ein Werk des Niederlahnsteiner Holzschnitzers Caspar Weis, von dem sich auch noch andere Schnitzarbeiten in der Kirche befinden); die im Jahr 1911 errichtete Pfeifenorgel – die letzte spätromantische Orgel im Usinger Land und einer der letzten erhaltenen, größeren Instrumente des Limburger Orgelbaumeisters Carl Horn. Die Andachtskapelle der Kirche ist tagsüber für Gebet und Besichtigung zugänglich (Zugang über Hauptportal und Vorhalle).Vgl. zum ganzen:

Katholisches Gemeindehaus St. Georg Das zwischen den Jahren 1662 und 1671 unterhalb des Kirchberges in sehenswerter Fachwerkbauweise (geschnitzte Fratzen an der Westfront, Hessischer Mann) errichtete Alte Pfarrhaus wurde im Jahr 1991 zum kath. Gemeindehaus St. Georg umgebaut und erweitert. Der Bau beherbergt auch das Kirchort-Archiv. Seit Oktober 2024 wird der Saal des kath. Gemeindehauses auch als sog. „Winterkirche“ genutzt.

Wohnanlage St. Barbara mini|hochkant|Bildstockkapelle am Usinger Weg