Die simbabwische Cricket-Nationalmannschaft (), deren Spieler auch unter dem Spitznamen The Chevrons bekannt sind, vertritt Simbabwe auf internationaler Ebene in der Sportart Cricket. Das Team wird vom Verband Zimbabwe Cricket (ZC) geleitet und ist seit 1992 Vollmitglied im International Cricket Council. Die Mannschaft besitzt somit Teststatus. Das simbabwische Cricket geht zurück auf die britische Kolonialzeit im damaligen Rhodesien und ist seitdem stark von Südafrika beeinflusst worden. Da Simbabwe vor 1980 kein unabhängiges Land war, wurde es nicht zu den ersten beiden Cricket World Cups der Jahre 1975 und 1979 eingeladen.
Simbabwe ist die neuntälteste Nationalmannschaft im Test Cricket und bestritt seinen ersten Test 1992 gegen Indien. Größte Erfolge bei Turnieren waren das zweimalige Erreichen der Super 6 bei Cricket World Cups (1999 und 2003), das Viertelfinale bei der Champions Trophy (2000) und zwei Mal die Hauptrunde beim T20 World Cup (2022 und 2026). Aufgrund politischer Einmischung seitens der Regierung wurde Simbabwe dreimal (2004–2005, 2006–2011 und 2019) vom internationalen Cricket ausgeschlossen. Ein ehemaliger simbabwischer Spieler wurde bisher in die ICC Cricket Hall of Fame aufgenommen.
Geschichte Einführung und Verbreitung von Cricket mini|links|hochkant|Denis Tomlinson wurde 1935 Rhodesiens erster Test-Cricket-Spieler mini|Fort Victoria (1952), wo am 16. August 1890 das erste Cricketspiel in Rhodesien stattfand 1890 erreichte die Pioneer Column, eine von Cecil Rhodes und der British South Africa Company (BSAC) aufgestellte Söldnertruppe, von der Kapkolonie her die Territorien nördlich des Flusses Limpopo. Am 16. August 1890, kurz nachdem Rhodes die Ortschaft gründen ließ, fand nahe Fort Victoria auf einer Pitch mit einer Größe von 22 Yards das erste nachweislich bekannte Cricketspiel Rhodesiens statt. Bei der Auswahl der Söldner legten die Kolonialbeamten, die ihre Bildung überwiegend an britischen Public Schools erhalten hatten, großen Wert auf sportliche Leistungen. Sie waren interessiert daran, britische Ballspiele in der neuen Kolonie zu verbreiten. Entsprechend nahmen Cricket und Rugby eine herausragende Rolle ein, denn sie sollten eine ideelle Verbindung zum Vereinigten Königreich herstellen. Vor allem aber förderten diese beiden Sportarten nach Ansicht der Kolonialisten in besonderem Maße „imperiale Ideologien von der Macht der Briten und von Männlichkeit, die sich in sportlichen Leistungen ausdrückt“. In der von kriegerischen Konflikten (Jameson Raid, Zweiter Matabelekrieg, Zweiter Burenkrieg) geprägten Anfangszeit der Kolonie versuchte die BSAC, durch regelmäßige Sportberichte in der südafrikanischen und britischen Presse eine gewisse Normalität vorzutäuschen, um den Zuzug weiterer Siedler aufrechtzuerhalten.
Rhodes erkannte nach einiger Zeit, dass die BSAC allein nicht in der Lage war, den von Siedlern bevorzugten südlichen Teil Rhodesiens effektiv zu verwalten. 1897 ernannte er deshalb seinen Freund William Henry Milton zum Administrator des Territoriums Mashonaland (ab 1901 zusätzlich von Matabeleland und somit von ganz Südrhodesien), um eine Zivilverwaltung aufzubauen. Milton hatte 1874/75 für die englische Rugby-Union-Nationalmannschaft gespielt und war von 1889 bis 1892 Kapitän der südafrikanischen Cricket-Nationalmannschaft gewesen. In seiner bis 1914 dauernden Amtszeit schuf er unter anderem Strukturen für die sportliche Betätigung, beispielsweise durch die Einführung von Schulsport. Für die Siedler war das Sporttreiben ein bedeutendes Mittel zur sozialen Akkulturation, da es den Kontakt zwischen relativ weit entfernten Siedlungen ermöglichte und zur Schaffung einer einheitlichen „weißen“ Kultur beitrug. Die Bildung einer ausgrenzenden Siedleridentität schien für die Aufrechterhaltung der Vorherrschaft und Kontrolle über die weitaus größere einheimische Bevölkerung unerlässlich zu sein. Miltons rassistisch geprägter Einfluss war beträchtlich und er war mehr als jeder andere dafür verantwortlich, die Grundlagen eines segregierten Sportbetriebs zu schaffen. Dies hatte zur Folge, dass Cricket praktisch ausschließlich von „Weißen“ gespielt wurde. Mitte der 1890er Jahre war das wichtigste Spiel der rhodesischen Cricketsaison jenes zwischen Salisbury und Bulawayo. Die erste englische Mannschaft, angeführt von Lord Hawke, besuchte 1898/99 Rhodesien und die Spiele wurden auf mit Kokosmaterialien mattierten Pitches ausgetragen.
Rhodesisches Cricket Als die Eisenbahn im Jahr 1897 Bulawayo erreichte, ermöglichte sie die Aufnahme regelmäßiger sportlicher Beziehungen mit Südafrika. Die Gründung des Verbandes Rhodesia Cricket Union (RCU) erfolgte im Jahr 1898. Mit der ersten Teilnahme am südafrikanischen Currie Cup hielt 1904/05 First-Class Cricket in Rhodesien Einzug. Das erste First-Class-Spiel fand am 15./16. März 1905 in Johannesburg gegen die Mannschaft Transvaals statt, wobei Rhodesien mit einem Innings und 170 Runs verlor. Nach der ersten Saison nahm Rhodesien über ein Vierteljahrhundert nicht mehr am Currie Cup teil. Ab 1931/32 beteiligte es sich wieder an dem Turnier und gewann vier von fünf Spielen, musste aufgrund des damaligen Punktesystems den Pokal jedoch der Western Province überlassen. Die rhodesische Mannschaft nahm dann ab 1946/47 regelmäßig an dem Turnier teil, die „Heimspiele“ fanden jedoch in Südafrika statt, damit die südafrikanischen Teams nicht zu viel reisen mussten. In der Zwischenzeit wurde Denis Tomlinson Rhodesiens erster Test-Cricket-Spieler, nachdem er 1935 für die südafrikanische Mannschaft nominiert worden war, um an deren Englandtour teilzunehmen. Chris Duckworth war während der Englandtour 1955 der zweite Spieler und Tony Pithey während des Besuch Englands 1956/57 der dritte. Auch andere gute Spieler wie Colin Bland spielten internationales Cricket für Südafrika.
Die seit 1953 bestehende Föderation von Rhodesien und Njassaland wurde zehn Jahre später aufgelöst, womit die RCU die Zuständigkeit für den Rugbysport in den neuen unabhängigen Staaten Sambia und Malawi abtreten musste. Die „weiße“ Minderheit Südrhodesiens verfügte damals über ein hohes Maß an Selbstverwaltung und wollte ihre privilegierte Stellung behalten, was jedoch für die Briten angesichts der fortschreitenden Dekolonisation inakzeptabel war. Nachdem Verhandlungen über die politische Gleichberechtigung der „schwarzen“ Mehrheit gescheitert waren, erklärte die von Ian Smith angeführte Regierung am 11. November 1965 einseitig die Unabhängigkeit von Rhodesien vom Vereinigten Königreich. Die britische Regierung unter Harold Wilson hielt dieses Vorgehen für einen Akt der Rebellion und unternahm auf internationaler Ebene zahlreiche Anstrengungen, um der rhodesischen Regierung jegliche internationale Legitimität zu verweigern. Diese erstreckten sich bald auch auf den Bereich des Sports und ab 1967 argumentierte die britische Regierung, dass sportliche Kontakte eine Form der „Unterstützung für das illegale Regime in Rhodesien“ seien.
Die Boykottbemühungen richteten sich nicht gegen die Rassentrennung an sich, sondern waren ausdrücklich auf die Illegitimität der Smith-Regierung fokussiert. Im Gegensatz zu Südafrika basierte die Diskriminierung der Bevölkerungsmehrheit Rhodesiens nicht auf einer staatlich festgelegten und organisierten Apartheid, zumal eine solche in Rhodesien aufgrund eines Mangels an dafür erforderlichen Sicherheitskräften ohnehin nicht durchsetzbar war. Vielmehr war sie Ausdruck einer Ausgrenzung auf gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Ebene. Im Sportbereich manifestierte sie sich auf unterschiedliche Weise. Sportarten, die teure Ausrüstung und Einrichtungen oder besondere Trainingsmethoden erfordern, wurden von der wohlhabenden „weißen“ Siedlergemeinschaft dominiert, während viele „schwarze“ Rhodesier allein schon mangels finanzieller Mittel davon ausgeschlossen waren. Bei Sportarten ohne solche Anforderungen war hingegen bereits seit den 1950er Jahren ein Abbau der trennenden Barrieren feststellbar, was insbesondere auf Fußball und Leichtathletik zutraf. Sportarten wie Rugby und Cricket wiederum, deren Verbände enge Beziehungen zu Südafrika pflegten, wiesen einen hohen Grad an Segregation auf.
Der jährlich ausgetragene Logan Cup war zwar weniger prestigeträchtig, trug aber wesentlich zur Konditionierung der rhodesischen Spieler bei. Er wurde als Wochenendturnier zwischen den damaligen vier Provinzmannschaften Matabeleland, Mashonaland, Manicaland und Midlands begründet, und wurde später um die Mannschaften Nordrhodesien (das heutige Sambia) ergänzt. In den Wintermonaten nahm das Sunday Country Districts-Cricket seinen Anfang. Daneben unternahmen die Stragglers, bestehend aus Spielern aus Mashonaland, in den späten 1950er und frühen 1960er Jahren in den Wintermonaten Touren nach Njassaland (das heutige Malawi), wo sie am Wochenende Matches auf mattierten Pitches in Blantyre spielten. 1961 erzielte Chris Duckworth 91 Runs innerhalb von 58 Minuten. Seit der Saison 1993/94 verfügt der Logan Cup über First-Class-Status. Im Oktober 1961 besuchte Neuseeland zu Beginn seiner Südafrikatour Rhodesien. Es spielte zwei First-Class-Matches, das erste in Bulawayo und das zweite in Salisbury. Beide Spiele endeten Remis.
David Lewis war von 1953/54 bis 1963/64 für zehn Jahre Kapitän der rhodesischen Mannschaft. Gegen Ende der 1970er Jahre führte Mike Procter die Mannschaft an. Trotz der Vielzahl an talentierten Spielern gelang es Rhodesien nicht, den Currie Cup zu gewinnen. Insgesamt 242 Spieler spielten für Rhodesien First-Class- und List-A-Cricket. Rhodesien erhielt keine Einladung zu den ersten beiden Weltmeisterschaften (1975 und 1979), da es als nicht unabhängiges Land kein Mitglied des International Cricket Council (ICC) war. 1979/80 spielte die Mannschaft als „Simbabwe-Rhodesien“ und, nachdem Simbabwe offiziell Unabhängig geworden war, verließ es schließlich den Currie Cup. Bis zur Unabhängigkeit durften rhodesische Spieler für die südafrikanische Nationalmannschaft nominiert werden.
Nach der Unabhängigkeit mini|hochkant|Duncan Fletcher, der im Eröffnungsspiel des Cricket World Cups 1983 entscheidende Beiträge zum Sieg Simbabwes über Australien lieferte Auf der Grundlage des Lancaster-House-Abkommens erlangte das Land am 18. April 1980 seine Unabhängigkeit und benannte sich in Simbabwe um, was auch das Ende der „weißen“ Minderheitsherrschaft bedeutete. Ebenso nahm die Rhodesia Cricket Union den neuen Namen Zimbabwe Cricket Union (ZCU) an. Aufgrund des starken internationalen Drucks, das südafrikanische Apartheidregime zu boykottieren, brach Simbabwe sämtliche Beziehungen zum südafrikanischen Cricket ab und zog sich aus dem Currie Cup sowie anderen Wettbewerben zurück. Im Gegenzug wurde die ZCU in die internationalen Strukturen integriert. Die einzigen First-Class-Matches in den Saisons 1980/81 und 1981/82 absolvierte Simbabwe gegen tourende Mannschaften. Simbabwe wurde am 21. Juli 1981 ein assoziiertes Mitglied des ICC und die Mannschaft spielte First-Class-Matches während ihrer ersten Englandtour 1982. Simbabwe gewann die ICC Trophy 1982, was als erster Schritt Richtung Teststatus galt. Damit qualifizierte sich das Team für die Weltmeisterschaft 1983 in England und es gelang ihm ein Überraschungssieg über Australien im Eröffnungsspiel. Simbabwe erzielte 239 Runs für den Verlust von sechs Wickets in 60 Over, wozu Kapitän Duncan Fletcher 69 Runs ohne den Verlust seines Wickets beisteuerte. Fletcher lieferte danach sein bestes Bowling seiner Laufbahn, nahm vier Wickets für 42 Runs und beschränkte Australien auf 226 Runs für den Verlust von sieben Wickets, wodurch Simbabwe einer der größten Überraschungssiege in der Cricket-Geschichte gelang. Simbabwe landete jedoch auf dem letzten Tabellenplatz, nachdem alle fünf weiteren Gruppenspiele verloren gingen. Die Mannschaft erlitt eine Schwächung, nachdem „weiße“ Spieler wie Graeme Hick das Land verlassen hatten und ihre Laufbahnen auswärts fortsetzten.